AutoFiktion / AutoFiction (The Bataille Sessions)
Ein Neues Lieben.
Eine Liebe, die aus dem Erzählen wächst.
Und in die dann der Sex einwächst. Als Fleisch, das sich in Bewegung transformiert.
Davon erzählen die Bataille Sessions.
Die Bataille zugleich dekonstruieren. Und zugleich noch einmal eine ganz andere Kultur versuchen.
In Deutsch, Englisch und Französisch.
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A New Kind of Love.
A love that grows out of storytelling.
And into which sex then grows. Like flesh that transforms into movement.
This is what the Bataille Sessions are about.
They deconstruct Bataille. And at the same time, they attempt to create an entirely different culture.
In German, English, and French.
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Un nouvel amour.
Un amour qui naît du récit.
Et dans lequel le sexe vient ensuite s’épanouir. Comme de la chair qui se transforme en mouvement.
C’est ce dont parlent les Bataille Sessions.
Qui déconstruisent en même temps Bataille. Et tentent en même temps de créer une culture tout à fait différente.
En allemand, en anglais et en français.
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Bataille Session, 13. Oktober 2026
23Uhr15/4Uhr20, C. - Die Nachtstille ist wieder zurück; kein Schlaf-raubendes Fieber mehr. Timmi schläft, Ezra schläft, Du warst einmal auf, wie der Heater zeigt; zwei Fläschen fehlen. Aber mittlerweile schläfst Du ebenfalls.
Ich hingegen gehe ausmisten.
Alles kulturell Verblödete: Ab in das TextLoch, das der Anfang jeder Textur bildet. Da schmeißt man rein, was überschrieben, weggeschrieben, werden soll.
Trump verteidigt Diesel-Deal mit Putin.
Öffentliche Erschießung von Nidal Hassan geplant.
Angst vor KI-Katastrophe.
Saudi-arabische Hauptstadt Riad erneut von Explosionen betroffen.
Gut so. Natürlich ginge noch was, aber das reicht. Denn es geht nur um den Gestus; wir brauchen MEHR MINDERE WIRKLICHKEIT, MEHR MINDERE EXISTENZ, wenn wir überleben wollen. Also konzentrieren wir uns ganz auf letztere.
Sehr schön das Bild.
Dir gefällt das Gemälde von der nackten Frau mit den türkisen Stutzen.
Überhaupt: sehr tolle Kunst.
Ich habe Dir ein paar von den entdeckten Instagram-Stücken geschickt; die Gute Erotik, die man dort findet.
Ein paar Striche; sie sitzt auf dem linken Bein, das rechte ist
angewinkelt, sie lehnt die Stirn dagegen. Eine transparente Bluse könnte
über den Brüsten liegen; zart, dennoch fest und rund sind diese. Das
schwarze Dreieck unten bedeckt in jedem Fall nichts. Außer zum Teil die
Ferse des Beins. Was die ganze Szenerie noch schärfer macht.
Alles in Blau mit weißen Körpern. Die nach oben hin in weiße Stücke
zerrissen werden. Wie wenn die Schwerkraft einer wachsenden Sonne
einen Planeten zu zerfetzen beginnt. Drei Szenen; eine über der anderen.
Er: auf ihr, die Hand unter ihrem Rücken hindurch schiebend; der Blick
ganz auf ihrem schreienden Mund. Dann: ihren Hintern ein wenig nach
oben drücken, den Kopf zwischen die Beine schieben. Ihr Unterschenkel
schmiegt sich gegen seinen Nacken. Er schließlich: auf den Knien, sie an
den Hüften vor sein Gesicht pressend. Lecken bis zum Verrückt-Werden.
Ich hole noch mehr Leben, noch mehr MINDERE EXISTENZ herein. Also Großartiges, das aber nichts Lautes oder Wichtiges hat:
Dr. D. arbeitet heute mit der Pinzette. Ein kaputtes Hautstück nach dem anderen wird von den Beinen gezupft. Wundmanagement, wie es sein soll. Sie spricht es kurz an. Ich sehe zu, wie beide Beine rosa werden; wie das Gelb und Weiß und Krustige verschwindet. Unter dezentem Brennen und Stechen. Außer an den Hauptgeschwüren und ihren Rändern: ist Dr. D. dort an der Arbeit, bleibt nur noch Durchbiegen und Krümmen. Hier sind die meisten Nerven, wegen der Sprungelenke. Gut, ích kann mich dennoch nur Verkrümmen; die Hände um den Bauch gepresst. Die Verbände helfen dann, wenn auch der Schmerz später im Bett erst richtig losgeht. Es sind eben die Nerven für die Sprunggelenke, die quälen, sage ich mir, verstehe ich jetzt, dennoch:
Ein Königreich für einen raschen Fick.
Aber Du schläfst schon; den Schlaf nach dem Schlafraubenden Fieber. Rasch gefickt haben wir zudem nie; kein einziges Mal. Wir sind mehr wie diese Weißen, zersplitternden Leiber auf blauem Grund.
Deshalb springe ich jetzt mit Dir wenigstens in dieses Bild, vergrabe mein Gesicht zwischen Deinen Schenkel, die ich an den Hüften zu mir nach oben hebe, stemme, und dabei gleite ich zugleich in eine Lebenswelt, wo das, so etwas, im Zentrum steht; das und die Bilder, die man davon macht, und die Geschichten, die man darüber erzählt. In der man zwischen dem Bett und den Galerien und dem Erzählen und Erzählt-Bekommen hin und her changiert, während in der Straßenschlucht die Menschen strömen und es hupt und lärmt. Das wäre dann eine Lebenswelt voller Haut und Eros, in der ich wahrscheinlich erst der wäre, der ich eigentlich bin:
Ein Mensch der Ästhetik und der Ästhetischen Erotik, den nicht viel anderes tatsächlich bewegt; eine MINDERE EXISTENZ, der es weder um das Gsehen- noch um das Gehört-Werden geht. Aber um die einfache Freude, die aufkommt, wenn wir einander küssen und die Hände rasch unter die Gewänder gleiten lassen und das Schreiben sich später mit allen möglichen Erkundungen des Sexuellen abwechselt.
Vorher misten Sie aber bitte noch einmal aus.
Das lässt sich machen:
Signa-Gründer Benko will in den Hausarrest wechseln.
Heino versteigert sein Ehebett.
Frankreich hat ein Gewaltproblem.
Sensible Daten gepostet: X-Nutzer verspotten Elon Musk.
Auch weiter hinten im Text kann man Kultur-Müll ganz hervorragend begraben. Vor allem, wenn dann gleich das nächste MEHR LEBEN kommt und der Blick irgendwie von der Decke auf das große Blaue Bett in Öl fällt, auf dem SIE auf einer rosa Decke oder am abgestreiften rosa Kleid liegt und mit sich spielt; zwischen dem rechten Bein, das aus dem Bett reicht, abknickt und am Boden ruht, und dem linken, das nach oben steht und wo sich der Unterschenkel gegen den Oberschenkel presst. So massiv andockt, dass beide Teile schon ganz angespannt sind; so angespannt, dass sich der Fuß schon krümmt und krampft und nur noch auf die Entladung wartet, die unter ihrer Hand hoffentlich bald kommt.
Was ist nur aus Ihnen geworden?
Georges, was ist nur aus mir geworden?
Einer, der das Normieren nicht mehr mag.
Haben Sie gehört? Ich bin einer, der das Normieren nicht mehr mag.
Aber was Sie denn mit Normieren zu tun?
Psychotherapie ist eine Normierungs-Maschine, ALLE müssen
Symbolisierungs-Spezialist:innen werden. Oder hypersensibel sein. Was
sich die Schulen und Methoden eben so einbilden.
Und?
Vielleicht will ich einfach Augen-Wildwuchs von der Decke sein. Und auf
den Psycho-Normierungswahn verzichten. Auf diesen metaphysischen
Rest; auf dieses Relikt präantiker Viehzucht-Logik, in der alle das
gleiche MindSet haben sollen.
Die Christen haben das schon immer schlau gemacht.
Georges ist auf seine Weise besessen vom Katholizismus. Mann und Frau wissen in ihm von Geburt an, dass Sex Sünde ist. Sie vögeln trotzdem. Damit, so Monsieur Bataille, ist Sex nicht nur immer Überschreitung und damit erotisch. Eigentlich gibt es immer auch, so steckt in all dem drinnen, eine Entscheidung für die Lust und das Miteinander; egal was da alles an Problemen dranhängen mag. Man nimmt den Schmarrn nicht wirklich ernst: Der Herr ist mein Hirte, aber was ich weide, bestimme schon ich. Von hypersensibel bis vergeistigt ist im Katholizismus alles möglich. Wie auch vom Fickerkönig bis zum Voyeur alles geht.
Wie Du merkst, Schatz, bin ich, nach dem Ausmisten, schon beim Einstreuen.
Wir schlafen zukünftig auf blauen Gründen und abgestreiften rosernen Kleidern.
Leider bin ich schon sehr müde. Kuss
Deine Nachricht erreicht mich auf den letzten Zeilen.
Okay, dann streue ich noch fertig ein.
Von allem ein bisschen was. Feine Tinten-Grafik von Rebeca Fleur; ideal für Zeichnungen, in denen ER nach IHREM Schamhaar schnappt.
1000Küsse724nach
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Bataille Session, 12. Oktober 2026
21Uhr30/4Uhr20, C. - Ich misstraue der Ruhe noch. Weil die letzten Abende oft ruhig starteten, aber dann doch laut wurden;
FieberLaut.
Immer wieder steigt Tims Körpertemperatur, und man kann es sich gar nicht vorstellen, dass er 38,5 hat, nachdem er gerade noch mit Ezra um die Wette getollt ist. Timmi doch Fieber lautet dann die Headline, die wir uns schnell zunicken; auch unsere kleine Lebenswelt ist ja voll mit Schlagzeilen. Wenn auch mit ganz anderen als denen, die man sonst so hört und kennt.
Haben Sie noch nie etwas von Schattenschlagzeilen gehört?
Nicht dass ich wüßte.....
Aber Schattenflotten sagen Ihnen etwas? Die der Perser etwa, mit denen
sie die internationalen Ölembargos übergehen...
Natürlich...
Dann kennen Sie natürlich auch Schattenschlagzeilen.
Ich weiß nicht so recht. In der Lebenswelt segelt selten etwas unter falscher Flagge. Doch es segelt eben, und dabei oft im Schatten. Insofern ist Schattenschlagzeile schon korrekt.
ich recycle noch schnell alles, was sich zum wochenende jenseits des
lichts angesammelt hat
"schon wieder 39 Grad"
"5 typen im haus könnten unseren sex verhindern"
"blute stärker als sonst"
"papa an ezra: nein heißt nein!!"
"hoffen auf heilendes orgasmatisches Fieber"
"manchmal hab' ich einen touch-overload"
"nackte mit stutzen am boden sitzend schaut herausfordernd"
"pulsierende wunden unter innenknöchel lassen hochfahren"
Ich greife beim Hinlegen kurz über Tim hinweg und streife über Deinen Oberarm.
Was meinst Du, Schatz, gibt es eine eigene Poetik der Schattenschlagzeilen?
Ich frage stimmlos und Du bist vor allem damit beschäftigt, dass das von mir ausgelöste Knarren des Bettes Ezra nicht weiter aufwachen lässt.
Sie machen in jedem Fall eine Poetik des Knarrens und Oberarm-Streifens, kommt von irgendwo zurück.
Was schon mehr als genug wäre.
Weil man dann genau immer dort ist, wo man eben ist. Im Ereignen, im Anspannen, im Entspannen, das aufkommt, wenn ich mich an die Pölster lehne und niemand munter geworden ist. (Aahh....) Also in einer grund-sexuellen, grund-konvultierenden Lebenswelt.
Stell' Dir vor, wir würden in einer Welt, in einer Medien-Welt, leben, in der die Schattenschlagzeilen das Wichtige und Gesagte wären.
Zu was für Witzfiguren die Mächtigen und Herrschenden dann würden.
Sie schaut kess aus auf dem Bild, die Nackte mit den Stutzen.
Öl auf Leinwand; chilenisch, wenn ich richtig verstehe.
Kess, so wie sie sich an die Mauer lehnt, knapp unter dem Fenster. Am
Boden sitzend, auf die Hände nach hinten gestützt, die Knie Richtung
Oberkörper angezogen, ohne sie aber ganz zur Brust zu ziehen. Die Beine
ein wenig schweben lassen, leicht werden, sich öffnen, ohne irgendetwas
Preis zu geben.
Sie hat türkise Stutzen an beiden Füßen an, sonst nichts.
Das lange braune Haar klemmt zwischen Wand und Kopf und fällt links
bis zur Schulter nach unten. Zusammen mit der linken Brust leuchtet es
im Sonnenlicht, das hinter ihr durch die Scheibe hereinkommt.
Zum Fliegen leicht und einfach ist hier alles.
Ich schicke Richard Francis Burton los. Ein Nilforscher und Kamasutra-
Jäger gehört an diesen Ort.
Er mustert sie, sie mustert ihn, ohne die Position oder den Blick zu
verändern. Der bleibt herausfordernd; eben herausfordernd kess.
Burton sagt nichts, sondern setzt sich nur ihr gegenüber hin. Er lehnt sich
nach hinten auf seine Ellbogen und Unterarme, streckt ein Bein aus und
winkelt das andere an. Leger lehnt er es an die Mauer links von ihm.
Weiter mustern sie einander nur; Blicken streift Blicken; Sitzen toucht
Liegen, und nur manchmal versucht Burton zwischen den türkisen
Stutzen hindurch den Rand ihrer Spalte zu erspähen, während ihn die
Wohligkeit der Wärme und der Sonnenstrahlen selber irgendwie flirrig
machen.
Willst Du mehr sehen? fragt sie ihn deshalb nach einiger Zeit.
Nein, antwortet er nur knapp, es reicht ein Augenfick. Kannst Du das;
Augenficken; schauen, bis alles in einem und am besten auch im
Gegenüber vor Geilheit zuckt und pocht?
Georges an solche Orte zu senden wäre sinnlos. Aus einem solchen
offenen 80. Stockwerk,
in dem Haus, das es nicht gibt,
in der Stadt, die es nicht gibt,
würde sofort eine spät-neo-christliche Überschreitung, in der alle Beteiligten wüssten, dass sie das Böse tun. Weil die Lust zum Profanen gehört und zwar zum VERURTEILTEN PROFANEN. Was die Lust zur Sünde macht und damit zur Sünde, die man genießt. Was Lust schließlich ein böses Tun sein lässt.
Doch das ist eigentlich schon wieder gut, weil der Sex dann doch wieder indirekt sakral ist, ohne aber wirklich zum Sakralen zu gehören und dieses in seiner Sakralität zu beschmutzen. Was schlecht wäre, weil das Konzept des Christentums ein absolut reines Sakrales vorsieht; Ewigkeit pur, ohne irgendwelche gefährlichen Sexualitäten, die auf Kommen und wieder Vergehen verweisen; indirekt wie buchstäblich.
Tim hat in der Nacht wohl wieder gefiebert.
Keine Schattenschlagzeile, zumindest nicht vorrangig, sondern Deine erste Message zum Tag. Du beugst Dich von der Seite her zu mir und ich soll Dir den Rücken kratzen. Deine Brust streift dabei nahe an meinem Gesicht vorüber; nicht hinschnappen, nicht hinfassen, nur mit dem Akt den Schauens die Spitze steif und hart machen; nur mit dem touchenden Je t'adore.
Du musst nie etwas für Deine Kessheit tun.
Schon gar keine türkisen Stutzen tragen.
Immer mehr Frau werden und zwei kleine Söhne; das reicht dafür.
1000Küsse723nach
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Bataille Session, 9. Oktober 2026
23Uhr30/4Uhr20, C. - Ich mag diese Bilder der nackten Frau wirklich. Es fällt so leicht, Dich darin zu sehen.
Damit stehe ich heute auf; nach kurzem Schlaf. Tim fiebert seit gestern Nachmittag; gegen 2Uhr Nacht lag er bei 40 Grad. Nach dem Gespräch mit der Gesundheits-Hotline und dem Rat, noch ein Zäpfchen zu geben, ist die Temperatur mittlerweile ein wenig abgesunken,
Ich meine diese beiden Bilder von Fabio Abbreccia; diese schnellen Drafts von der Dunkelhaarigen mit dem grazilen Körper und dem eindeutigen Fingerspiel zwischen den gespreitzten Schenkeln.
Sie zeigen Dich in Deinem Sexus und in Deiner Erotik.
Und das tun sie, indem sie Deinen Körper zeigen; nämlich so flüchtig, dass vieles andocken kann. Konkret Geschichten von Hinlangen und Anfassen, die ohne dem Bild nicht wären. Die allerdings umgekehrt auch wieder diese Bilder erst machen; zum Abbild Deines Eros machen, der mich dann streift und erfasst; der eine erotische Situation schafft.
In gewisser Hinsicht entstehen die Bilder und die Geschichten gleichzeitig; das ist der Clou echter Erotik. Sehen und schon eine Geschiche über den Leib erzählen können; von den Qualitäten etwa, die einen touchen (was etwas anderes ist, als zu phantasieren und zu projezieren): da wird es erotisch, da entsteht erotisches Begehren.
Erotisches Begehren ist insofern ein Aspekt oder Moment der Ästhetik; zumindest, wenn es sich so entfaltet wie hier gerade beschrieben.
CUT!
Mich interessiert aber eine andere Erotik.
Monsieur Bataille meldet sich umgehend, wenn ich das Erotische anders als er zu fassen versuche. Ursprünglicher nämlich.
Was heißt hier "ursprünglicher"?
Georges wirkt genervt.
Über den Dächern von Rom lässt sich herrlich über solche Themen streiten. Vor allem, wenn man von der kleinen Terrasse, die gleich einer Nische unter dem Giebel des Daches liegt, überall hinsieht. Und noch dazu gut beschattet dabei ist.
Weil es naheliegend ist, dass erotisches Begehren so entsteht, gebe ich zur Antwort. In einer Co-Evolution von Sehen, Sprechen und sexuellem Genießen.
Und warum ist das naheliegend?
Weil sich das in jedem Einzel-Leben und seiner Entfaltung so wiederholt. Die EROTISCHE LUST AM ANDEREN kommt aus der Entwicklung dieses Dreiklangs: Man sieht hin, spürt etwas - oder spürt etwas und sieht ewas Passendes dazu. Bald hat man auch eine Geschichte hinzuzufügen, eine Wunsch-Geschichte, eine Hoffnungs-Geschichte, was das Spüren verändert und anwachsen lässt. Weshalb man erst recht schaut; und so dreht sich, schraubt sich das Spiel nach oben. Und irgendwann merkt man, dass es dann am interessantesten ist, wenn man die Geschichten nur aus der Situation entstehen lässt; aus dem, was da ist und das man buchstäblich weiterschreibt. Ihr Lachen zum Beispiel, das immer dann kommt, wenn sie sich herüberbeugt, zu dem aber auch gehört, dass sie sich ein klein wenig nach vor streckt, weshalb kurz ihre Brüste durch den Ausschnitts des Shirts zu sehen sind. Woraufhin man lächelt, zurücklächelt, Und damit ist schon eine erste Erzählung da, mit der man das nächste Treffen beginnt. "Lass Dir die Geschichte meiner Augen berichten.....".
Ich breche ab; nicht nur, weil meine Argumentation fertig ist, sondern auch weil mich etwas ablenkt; drüben, schräg gegenüber, in einer Loft-artigen Wohnung des dritten oder vierten Geschoßes, deren lange Fenster alle offen stehen.
ER will gerade gehen, im Anzug, mit dem Aktenkoffer in der rechten Hand; SIE läuft ihm von hinten nach, noch im seidenen Morgenmantel. Man hört wegen des Straßenlärms nicht, was SIE sagt, aber man sieht IHR Lachen, als SIE ihn einholt und von hinten umschlingt. Und man sieht sein Lachen, als ER sich loswindet und sich nach ihr umdreht, und dann küssen sie einander schon; gierig, leidenschaftlich. Blitzschnell gleitet SIE plötzlich auf die Knie, öffnet ihm mit einer Hand die Hose, zieht mit der anderen seinen Schwanz heraus, nimmt ihn in den Mund und lutscht zweimal fest daran. Dann ist er schon wieder weggepackt und SIE auf den Beinen, und beide lachen und küssen einander; eingehüllt vom Lärm und Hupen auf der Straße unten.
Kaum ist ER bei der Türe draußen saust SIE quer durch die Loft zum Bett und zum Kleiderschrank hinüber, den Mantel auf halbem Weg abstreifend. SIE öffnet den Kasten, greift nach einem schwarzen Slip, streift ihn sich über und zieht dann einen weißen BH aus einer der Sortierboxen. Langsam zieht SIE ihn an, langsam dreht SIE sich um, und langsam geht SIE auf jene Stelle hinter sich zu, wo eine Mauer die zwei weiten, langen Glasscheiben, durch die man alles sieht, von einander trennt. Offensichlich scheint dort ein Spiegel zu hängen, denn zwei, drei Meter vor der Wand bleibt SIE stehen und mustert sich. Dann greift SIE nach hinten, öffnet den BH und lässt ihn vor sich zu Boden fallen. SIE spannt die Schultern nach hinten, was ihre Brüste hebt und ihr die Brustwarzen steif und spitz heraus und nach oben drückt.
Jetzt dreht SIE sich spontan um, saust wieder zum Kasten und nimmt einen schwarzen BH heraus, den SIE wieder rasch anlegt, um dann erneut langsam nach vor zum Spiegel zu gehen. Wieder mustert SIE sich, greift dann nach hinten, öffnet den BH und lässt ihn, wie den anderen zuvor, vor sich auf den Boden fallen. Noch stärker als vorhin zieht SIE ihre Schultern nach hinten und presst ihre Brüste nach oben, was die Brustwarzen noch straffer und spitzer als vorhin werden und nach oben stehen lässt.
Rasch dreht SIE sich um, läuft zum Kasten, zieht eine schwarzes, kurzes Kleid heraus, läuft damit zum Spiegel zurück, streift es sich hastig über, zieht es aber hoch bis zum Bauch und mustert sich. Mit einer Hand streift sie dann den Slip ein wenig nach unten und schüttelt und strampelt ihn mit ihren Hüften und Schenkeln schließlich ganz auf den Boden ab. Mit angespitztem Mund mustert sie ihre kahlrasierte Vulva. Dann dreht sie sich um, hält mit einer Hand das Kleid weiter auf Bauchhöhe, kniet sich hin und beugt sich schließlich auf die Hände nach vor. Dann rückt sie so weit es nur geht die Knie auseinader und blickt nach hinten
Über die Schulter verrenkt SIE dann beinahe ihren Kopf, um ihr rotes, wundgeriebenes Fleisch im Spiegel zu betrachten.
So vögelt man mit einer ganzen Straße, sagt Georges ganz trocken; mit einer öffentlichen Messe, die die Wandlung einer Spalte in Heiliges Rot, in eine Große Konvulsion feiert und zelebriert.
Natürlich hat Georges recht. ERST DAS ist für viele Menschen Erotik.
Aber es gilt, den phänomenalen (und mithin ästhetischen) Beginn des Begehrlichen und Erotischen von seiner sozialen Deformation und Reformulierung zu unterscheiden. Oder genauer:
Es gilt zu verstehen, wie aus einem ästhetischen Ereignis ein sakrales wurde.
Wobei Bataille hier alles Wesentliche schon vordenkt und man es nur kreativ zu nutzen braucht:
Nicht nur die basale triebhafte Sexualität, mehr noch wurde die aus der
Co-Evolution von Sehen, erzählendem Sprechen und Sexuellem
Genießen hervorgehende ästhetische Erotik VERBOTEN.
Einfach, weil eine solche ästhetische Erotik, die so viel Bezug und
Freude und Sinn produziert, eine Kultur der Herdenzucht unterläuft, die
zuerst den Tieren, dann aber auch den Menschen gilt und die - from the
very first beginning - normierte Wesen hervorbringen will, denen - damit
sie als Norm-Wesen funktionieren, also die Lebensform der Normierung
begrüßen - das basale Glück und der basale Sinn ausgetrieben werden.
Dafür bekommen sie ein Ewiges geschenkt (sprich: verkauft), das sich
lediglich über komplizierte Riten erreichen lässt, zu denen auch die Erotik
gehört.
Überhaupt ist ALLES ÄSTHETISCHE Feind-Objekt einer Herdenzucht-Kultur und ihrer - SAKRALEN - Politik aus Sein und Vernunft. Denn Herdenzüchter brauchen Gruppen und Effizienzen, während Ästhetik kleinteilige Bezüge und lebensweltliche Dynamiken zu bieten hat. Weshalb in einer Herdenzucht-Kultur ein Effizienter Utilitarismus eine Moraltät darstellen kann, während in einer Ästhetischen Welt allein die pragmatische Entfaltung des Nahe-Seienden und in dem immer Singulären als eine solche gilt. Wie ihr die Überschreitungs-Spielchen der in die Sakralität Deformierten auch nie als Erotik, sondern bestenfalls als Perversion gelten.
SCRAAAATSCH!!!! (Erase and rewind)
Ich mag diese Bilder der nackten Frau wirklich. Es fällt so leicht, Dich darin zu sehen.
Damit gehe ich auch wieder schlafen.
Timmi fiebert noch immer ein wenig, aber vielleicht wird die heutige Nacht ruhiger.
Es tut gut, etwas zur Ästhetik und ihrer Bewahrung oder auch Verteidigung getan zu haben. Die dann auch zugleich eine Bewahrung der Ästhetischen Erotik ist.
Eigentlich wäre es ganz leicht, eine andere Welt zu erfinden, denke ich mir zum Abschluß des Tages noch.
Aber wer will schon hören, dass es dazu reicht, all unsere Messen durch flüchtige, Geschichten aufrufende Skizzen von Spalten und Schwänzen unserer ehrlich geliebten Menschen zu ersetzen.
1000Küsse720nach
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Bataille Session, 8. Oktober 2026
23Uhr10/3Uhr40, C. - Der Verband von Dr. D. hält gut. Den dritten Tag sind die Schaumstoff-Auflagen nun schon an den Füßen; unter ihnen hämmert und pulsiert es. Speziell, wenn ich aufgestanden bin, also am Morgen, wenn ich noch keine Kompressions-Strümpfe trage. Ich kann dann, so wie jetzt, kaum gehen. Sind die Strümpfe aber erst angezogen, stabilisieren sich die Beine. Weil der Schaumstoff-Verband dann seine Wirkung entfalten kann und den Druck von den Geschwüren und der umgebenden geröteten und verletzten Haut nimmt.
Eine helfende Ersatzhaut also.
My Second Skin.
Wobei: Wir müssen die Stellen trockenlegen, hat Dr. D. gesagt. Darum geht es demnach wirklich. Um Entfeuchtung mittels Schaumstoff, der sich trotz des Flüssigkeitsentzugs aus dem Wundbereich dort nicht festklebt.
Das macht mich ein wenig aushaltiger. Ich kann für ein Gespräch sogar ein paar Minuten stehen bleiben, ohne dass es die beiden Füße auseinander zu sprengen scheint.
Ich vermiss Dich, Herz.
Eine Nachricht von Dir, bevor Du einschläfst. Tim und Ezra haben schon eingeschlafen.
Ich würde gerne mit Dir kuscheln; streicheln; Nähe spüren; vielleicht was anschauen. Ich küsse Dich.
Der Verband von Dr. D. hält so gut und entlastet so angenehm, dass jetzt auch Platz für einen entspannten SexTalk wäre. Und auch für Sex. Aber es ist schon zu spät.
Am Wochenende..., schreibe ich zurück. Probieren wir, was die Jungs an Zeit zulassen. Kuss; schmutzig zwinkernder ______Smiley.
Leider finde ich keinen solchen. Also müssen meine Worte, muss die Textur selbst, zum obszön Lachenden werden.
Er hat Dich schon wieder gemalt, schreibe ich Dir mit diesen Zeilen hier zurück, während ich von drüben aus dem Bett schon Deine Schlafatmung höre.
Ich meine Fabio Abbreccia, der schon vor ein paar Wochen dieses tolle Bild von Dir veröffentlicht hat.
Die Frau, deren dunkles Haar das Gesicht bedeckt und die sitzend an der Wand lehnt, mit weit geöffneten Schenkeln. Und die unscharf und skizzenhaft ihre Spalte betastet; mit Armen, Händen und Fingern, die irgendwie ins Bild kommen, weil Hr. Abbreccia geschickt genug ist, den Körper unter der Brust kurz enden zu lassen, bevor das Darstellen knapp über der Vulva wieder beginnt; mit noch flüchtigeren Strichen als oben.
Das gefällt mir gut, hast Du damals gesagt, als ich es Dir zeigte. Und
Es freut mich, dass es ein so schönes Bild von mir gibt.
Dass das auch Du sein könntest, mit diesen Haaren, dem zarten, aber festen Körper und der grazilen, eleganten Brust, hast Du selbst auch gleich gemerkt.
Diesmal, in dem NEUEN BILD, bist Du es fast noch mehr:
Die Lippen sind noch zu sehen, der Rest des Kopfes ist abgeschnitten. Ein wenig Haar fällt von oben noch auf die linke Schulter; die hängt ein wenig schräg zur Seite. Weil ihr zugehöriger Arm von hinten nach unten greift, unter dem Hintern hindurch greift, diesen dabei samt Bein anhebt und die Hand mit ihren knöchrigen, schlanken Fingern an den Rand der Spalte legt. Der Ringfinger zieht dabie deren Lippen ein wenig zur Seite, sodass die Zuckend-Schwellende groß hervortritt; rot leuchtend; so rot wie sonst nichts auf diesem Bild eines nackten Körpers.
DEINES nackten Körpers.
Weil er genauso straff wie Deiner ist, wenn er sich leicht nach hinten wölbt, um den Griff unter dem Hintern hindurch zu erleichtern.
Weil die festen, weiblichen Hüften in die gleich festen, aber schlanken Schenkeln übergehen wie bei Dir; in diese Muskeln, von denen der rechte am Boden liegt, während der linke sich, von der Hand nach oben gezogen, kraftvoll zur Seite streckt.
Weil die Brüste ein ähnlich eleganter Hauch von Brüsten sind wie bei Dir, was die feinen, sich orange aufwölbenden Spitzen umso fraulicher, geiler macht, weil sich in ihnen die Klitoris mit ihrem konvulgieren wiederholt.
Und weil Deine Spalte genau so rot leuchtet, wenn Du sie für mich auseinander ziehst.
Ich würde gerne hintouchen. Mit einer feuchten Fingerspitze. Oder mit der Zunge, aber
aber da reisst mich plötzlich Georges weg.
Komm', komm'; komm' zum Blau des Himmels!
Er schreit mir das förmlich ins Ohr, und ich bin verwirrt, weil ich gerade
noch wo ganz anders war, aber er lässt nicht locker.
Komm', komm', ich zeige Dir noch was anderes, und dann sind wir
irgendwo mitten in Deutschland und es herrscht ein absurder
Bürgerkrieg; sogar in dem Dorf, in dem wir landen. Dorothea, schau, da
ist Dorothea, schreit Georges noch immer weiter, und dann ist Georges
schon bei der Frau, die einen langen Mantel trägt. Er küsst sie und sie
ihn und es wird immer gieriger, schleckender, rinnender, weshalb seine
Kraft sie nach hinten drängt, Schritt für Schritt, bis sie beide taumeln
und hinstürzen, auf ein frisch geschaufeltes Grab stürzen am Rand
eines ganzen Gräberfeldes. Im Taumeln noch geht ihr Mantel auf, unter
dem Dorothea nackt ist, und so wie die Erde unter ihr nachgibt und ihre
Form aufnimmt, annimmt, nimmt ihre knallrote, jetzt schon vibrierende
Spalte seinen steifen, purpurenen jetzt schon zuckenden Schwanz auf,
den er sich aus der Hose reisst, und so ist alles Grab und Beet auf
einmal. Längst bin für Georges nicht mehr da und auch für mich selbst
nicht, weil bloß noch LEBEN und TOD über bleiben.
Ich will jetzt nicht mehr touchen.
Ich will jetzt ZULANGEN.
Fest und doch zart ziehe ich an Deiner Röte; fest und doch zart ziehe ich Dich auf mich, und Deine Schenkeln buchten sich auf meine und meine nehmen damit die Form, die Einbuchtung an, die Du vorgibst, und Rot teilt sich auf das hin unter Purpur.
Immer tiefer geht es und immer tiefer, und mit jeder Bewegung geht das Gräberfeld weg und es wir der Himmel immer blauer, bis Dein Ritt Dich weit in diesen hebt und Du mit ihm über mich hinwegstreichst.
Am Wochenende..., schreibe ich zurück. Probieren wir, was die Jungs an Zeit zulassen.
Bis dahin reiten wir durch das Blau, bis nur mehr das über ist.
Auch als Traum, den ich Dir ins Gedächtnis der nächsten Nacht schreibe.
1000Küsse719nach
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Bataille Session, 7. Oktober 2026,
22Uhr50/4Uhr20, C. - Ich kann es einfach nicht glauben.
NEIN.....Tatsächlich?, sage ich laut vor mich hin, im Auto sitzend.
Ich bin fassungslos und begeistert zugleich. Kurz vor dem gerührten Kopfschütteln.
Aces von The Something Specials & Taylor Olin klingt aus, ein neuer Song startet. Da da dada ratada tamtam; ich erkenne es sofort.
Vor 38, 39 Jahren lief an einem Mittwoch Nachmittag in der Sendung "Musicbox" ein spezieller Mix; Musik aus und über die USA; so hatte Werner Geier angekündigt gehabt, was kommen würde. Eine Klangfart durch die Staaten. Eine Cassette in meinem GhettoBlaster war frei und leer, ich drückte auf "Aufnehmen". Ein Song überlappte sich mit dem nächsten; so, wie wenn man dahinfährt und die automatische Sendersuche ein Song-Ereignis nach dem nächsten hereinspielt. I was born American, born free; ein klares Statement und dann klarer, feiner früher Indie. Und dann das;
Da da dada ratada tamtam, I've gone down the river of sadness.
Erst jetzt gerade, im klaren digitalen Sound von YouTube, verstehe ich die Textzeilen wirklich; ich hatte auf der Cassette immer irgendwas wie "Indian Summer" verstanden gehabt, sonstige Details fast keine, obwohl ich mir den Song oft heraussuchte und unzählige Male hörte. Bis die Cassette irgendwann vor rund 30 Jahren verloren ging.
Da da dada ratada tamtam; I've gone down the river of pain.
Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Song gesucht habe; über irgendwelche dubiosen, hoffnungslosen Stichworte. Oder indem ich der Google-Song-Erkennung die Melodie vorsummte; nun hatte ihn mir ein Algorithmus an das von mir vielgehörte Aces von den Something Specials einfach drangehängt. Weshalb ich jetzt auch endlich weiß, was ich 3 Jahrzehnte lang gesucht habe; Mother of Earth von der Band The Gun Club, 1982 veröffentlicht.
In the dark, under the wires, I hear them call my name; Da da dada ratada tamtam.
Wahrscheinlich war das Lied damals deshalb so wichtig geworden, weil es das open territory so greifbar machte und mein Leben damals gerade herrlich offenes open territory war; mit der Frühsommer-Sonne, die bei der offenen Tür des Ateliers hereinknallte, während ich die langen, Manns-hohen Papierrollen zu endlosen Farb-Schütt-Bildern umarbeitete,
Da da dada ratada tamtam, I gave you the key to the higway.
Dabei phantasierte ich von irgendwelchen Frauen in irgendwelchen Highway-Motels; von fickrigen Zufallsbekanntschaften, die man nur witterte, die man nach nichts fragte, die einen aber bei der Hand nahmen und die man dann auf dem Bett neben der Stehlampe in dem winzigen Zimmer zuerst leckte und dann vögelte.
And I gave you the key to my motel door,
And I'm tired of leaving and leaving,
I can't come back anymore.
Eigentlich atmet das alles noch immer die Hippie-Kultur der 60er und 70er Jahre, überschliffen mit Punk, denke ich mir, als ich den Song zum vierten Mal höre und den Wechsel auf der Autobahn nach oben fahre. Und wahrscheinlich hat mich am Ende diese Kultur zutiefst mitgeprägt. Und wahrscheinlich vermisse ich heute vor allem diese.
Kultur- und Zivilisations-Kritik als ureigenster Gestus der Hippies sind für mich heute noch immer die normalste Sache der Welt, und natürlich versuche im mich technologisch noch immer relativ schlank zu halten. Wie mir natürlich vor der Restauration all dieser alten Werte graut, die die intellektuell naiven Tech-Heads heute betreiben.
Ich drehe den Song jetzt wieder ab, fünfmal reicht, und werfe die einzige KI an, die ich nutze, den Eleven-Text-Reader, der mir Bataille weiter vorlesen soll. Oder besser: eine stille Debatte mit ihm zu eröffnen hat.
Weißt Du, was das Großartige an der Hippie-Kultur war, Georges? Dass Sie Dich wörtlich genommen haben.
Monsieur Bataille antwortet freilich nicht direkt, aber was ich da gerade über die Erotik höre, passt wunderbar zu all dem, was der Song, Mother of Earth, in mir aufgerissen hat.
Ja, die Hippies hatten zu der Grunddynamik zurückgefunden, die Georges beschreibt; zu einem Sexuellen, das zwischen Verbot und Überschreitung schwingt und in dem die Überschreitung mehr ist als ein dumper Fick-Akt. In der Hippie-Kultur bekommt die Dynamik aus Verbot und Überschreitung ihren sakralen Charakter zurück; es wird die Natur in ihrer Unendlichkeit und Größe gefeiert, in der man speziell auch im orgiastischen Group-Sex aufgeht; in der großen Paarung, in der alle Regulatorien fallen und alle mögliche Schuld, die es weiterhin gibt und die der endlosen Diskussionen und Debatten bedarf, abgestreift wird.
Und Nein, genau das gibt es heute nicht mehr und soll es nicht mehr geben. Was sich heute beobachten lässt, hat Georges allerdings auch schon perfekt beschrieben, nämlich in seinen Analysen, wie das Christentum mit dem Sakralen umgeht:
Das "echte Sakrale", das die Hippies wieder produzierten, weist immer einen reinen wie unreinen Teil auf; der unreine ist eben der ganze Schuld-Bereich, der mit der Überschreitung verbunden ist; Group-Sex ist nicht selbstverständlich, er geht über eine Grenze, die nicht für alle einfach ist, und alle wissen das.
Der Clou des Christentums ist für Bataille, dass der unreine Teil aus dem Sakralen verbannt wird; SCHULDIG wird man allein im PROFANEN, nicht im Heiligen. Das ist gleichsam sauber und rein. Mit dem Effekt, dass das Sakrale nicht leiblich sein kann und das Sexuelle nicht sakral. Womit das aufgeht, was sich heute so deutlich wieder beobachten lässt:
Das Profane ist ein Ort des Schlechten, des Leiblichen, des Sexuellen, und kann ruhig mit Gewalt überzogen werden; sich also als der Ort etablieren, an dem das Gewalt-Taboo immer öfter und radikaler gebrochen wird.
Das wirkliche Leben, das gute Leben, spielt sich hingegen im Sakralen ab, wo man eigentlich hingehört und wo man im Gebet auch hingeht und wo man auch kein Verbrecher mehr ist, weil man ja bloß im Profanen gewütet hat, und das ist ja ohnedies der Ort von Schuld und Untergang.
Genau mit dieser seltsamen, Post-Hippie-Lebenskultur bin ich in meiner Arbeit tagtäglich konfrontiert; vor allem bei jungen Männern in den Gefängnissen, die auf ihre Weise eigentlich alle Heilige sind, weil sie sich ja ohnedies dem Guten verpflichten und das Profane nicht wirklich zählt. Vergleichbares zeigen auch genügend Politiker aktuell auf diesem Planeten.
Da da dada ratada tamtam.
Ich habe Georges wieder weggeschalten und bin zum Gun Club zurrückgekehrt; ein letztes Mal, bevor ich im nächsten Gefängnis ankomme.
Ja, wir sind wieder im christlichen oder allgemeiner: im metaphysisch-religiösem Leben zurück, das sich letztlich NICHT an philosophischen Debatten entfaltet, sondern am Umgang mit dem Sexuellen. Dieses wird wieder entsakralisiert, was stets zugleich der Korridor zu einem Dominieren von Gewalt und Gewalttaboo ist.
Da da dada ratada tamtam.
Oh, mother of Earth, the wind is hot,
I tried my best, but I could not
And my eyes dafe from me in this open country.
Da da dada ratada tamtam.
Drei Stunden werde ich da vorne arbeiten, dann geht es nach Hause.
Dort haben wir uns genug von der Guten Alten (Hippie-)Zeit erhalten, meine Schätze.
1000Küsse718nach
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Bataille Session, 6. Oktober 2026
22Uhr55/4Uhr20, C. - Ich lasse die Beine noch vom Untersuchungstisch nach unten baumeln. Dr. D. muss sich zuerst noch etwas anderes ansehen.
Schauen Sie mein Ohr an. Und da den Rand des Bartes.
Ich sehe schon, antwortet Dr. D., und leuchtet die ganzen Passagen mit ihrer Spezial-Taschenlampe sorgfältig ab. Und leuchtet dann noch weiter; überall dorthin, wo ich es ihr ansage. Auf die Brust, auf die Eichel, unter das Knie.
Nein, kein Pilz, stellt sie letztlich fest, nur massiv trockene Haut mit Ekzemen, die genau wegen der Austrockung aufkommen. Und dazu noch eine ausgreifende Neurodermitis.
Okay, dann schauen wir zu den Wunden.
Während ich das sage, ziehe ich die Kompressions-Strümpfe ganz weg.
Der Blick von Dr. D. ist ernst, als sie die Ausweitung der roten Flächen sieht. Und er wird noch ernster, als sie den Fibrin-Belag speziell am linken Fuß erblickt, nachdem sie den Silberverband heruntergezogen hat.
Wir müssen wieder. Ich trage ihnen das Lokalanästhetikum auf.
Meine Antwort ist knapp: Ich weiß. Ich hatte es erwartet.
Jeder Touch schmerzt, selbst Dr. Ds sanftes Auftragen der weißen Creme, die das Rot und die Fibrinkrusten überlagert, aber nicht wirklich die Gesamterscheinung der Füße und Beine verbessert; die bleiben hässlich. Weshalb ich mich an ihnen visuell förmlich aufhänge; bei den roten Flecken und Punkten, die längst unterschiedliche Erkrankungen der Haut zur gleichen Zeit sind; Wundränder, Ekzeme, echte Wunden. Ich lasse mich auf diese Hässlichkeiten ein und will sie studieren; am besten mit Bataille zusammen; Georges!; sieh sie Dir an, Georges
Du weißt, es gab diese unglückliche Zeit in meinem Leben, in der ich mich
mit einer Frau traf, die mich nur durch ihr absurdes Aussehen fesselte; Fr.
Lazare. Sie war erst 25, aber häßlich und ungepflegt; ihre Kleider waren
fleckig und schlechtgeschnitten, und ihre Haare hingen ihr wie
Rabenflügel ins Gesicht. Dies Nase war groß, die Haut geblich und eine
nackte Stahlbrille betonte das alles. Ich weiß nicht, warum sie mich
interessierte, aber wahrscheinlich, weil sie Unbehagen verbreitete, mit
dieser Abgeklärtheit, der Müdigkeit, Entbehrung oder Tod scheinbar
nichts bedeuteten;
eine existenzielle Hässlichkeit, wie meine Beine also.
Wir lassen es jetzt sicher 30, 40 Minuten einwirken, erklärt mir Dr. D.; gerne können Sie wieder draußen im Gang warten.
Ich sitze mit einem weißen Deckchen über meinen Beinen auf einem der Sessel im Vorbereich zum Behandlungsraum. Die Schmerzen werden weniger, das Anästhetikum wirkt. Ich sehe meine Beine ausnahmsweise nicht und kann sie gerade auch nicht wirklich spüren; eine angenehme Abwechslung zum sontigen Dauerzustand.
Warum ist die "erhöhte Existenz" voll mit Welt?
Ezra und Tim schlafen schon; Du hast Zeit, zu schreiben, und greifst die letzte Bataille Session auf.
Die "erhöhte Existenz" ist nur eine andere Bezeichnung für die narzisstische Welt, schreibe ich zurück, und die braucht die Welt nur als Bühne; an ihr werden die fertigen Bilder und Blicke festgemacht. Insofern ist sie voll mit Welt; es wird keine mehr aufgenommen.
Meine Beine hingegen saugen das Betäubungsmittel förmlich auf. Sie sind ja auch eine MINDERE EXISTENZ, kein fetter definierter Muskel. Sie müssen mit Realität noch gefüllt werden; mit einer Realität, in der ich auch vorkomme. Als einer, der einigermaßen gehen können will. Zwei mindere Existenzen, die einander mit Welt beschenken.
Noch mag ich auf diese Weise sprachlich herumspielen.
Bald wird es aber so weit sein, und Dr. D. wird mich holen
Ja, das ist echt gut, kommt jetzt von Dir zurück, ein super Gedanke.
Deswegen wird dieses ästhetische Konzept der Minderen Existenz grade wiederentdeckt, schreibe ich Dir noch kurz, als Gegenprogramm zur Kultur der erhöhten Existenzen unserer Zeit.
Damit kann ich viel anfangen, kommentierst Du noch dazu.
Ich habe nur noch eine Decke, keine Füße. Wahrscheinlich kann es deshalb jetzt logehen, und es geht jetzt los:
So gehen wir es an, sagt Dr. D., als sie die Türe öffnet.
Nein, bitte nicht die Lehne des Behandlungstisches aufrichten, ich will mich nach hinten drücken können.
Die Assistentin von Dr. D. ist wie immer hilfreich und unterstützend; am besten, Sie bringen mich zum Lachen, sage ich ihr. Ab einem bestimmten Grad von Schmerz muss ich nämlich nur noch lachen.
Da kommt schon das erste Wegwischen des Anästhetikums, und dann ist Dr. D. schon am Fibrin-Belag dran und wischt an dem, und trotz Betäubung brennt es und ich beginne mich am Tisch festzukrallen: doch nein, ich werde nicht schreien.
Besser Du singst mit uns, sagt Taylor Olin stellvertretend für The
Something Specials, und dann summt es schon im Ohr, HEY, NOTHIN'S
PERFECT, IT'S NOT ALL EASY BUT IT SURE IS WORT IT TO ME;
definitiv korrekt, und jetzt kommt die Kürette und kürettiert die Schicht weg:
HEY, NOTHIN'S PERFECT, NOT EVERY DAY IS EASY, BUT IT SURE IS
WORTH IT TO ME.
Ein Brennen, ein Wühlen, ich konvulsiere mit dem ganzen Körper, aber ich schreie nicht;
ONE DAY YOU'RE WINNIN' AND YOU'RE COMIN' IN HOT, BUT YOU'RE
ANTICIPATIN' IF YOU'LL BLOW YOUR SHOT,
und tatsächlich SCHIEßT das Kürettieren als Erfahrung bis in die Augen hinauf; und jetzt reisse ich schon fast an den Seiten des Behandlungstisches, aber dann lässt der Druck nach, als Dr. D. stoppt; die Hälfte ist geschafft, stellt sie fest.
Gut, bringen wir es zu Ende, sage ich nach einer kurzen Pause; ich will zu Euch, zu Ezra, zu Tim, zu Dir; und gleich wühlt und brennt es noch einmal hinein, es ist zum Verrecken, aber ich brauche meine Füße noch für Euch, meine Schätze.
Ja, dann sing doch laut mit uns, schrei es raus, wenigsten das, sagt Taylor,
HEY, I'M NOT PERFECT, THIS AIN'T EASY, BUT IT SURE IS
WORTH IT TO ME.
1000Küsse717nach
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Bataille Session, 5. Oktober 2026
21Uhr45/4Uhr20, C. - Es passt heute nicht ganz.
Ich kann es nur leise für mich feststellen, während ich Ezra und Tim die Allee nach unten, weg vom Schloß-Eingang, schiebe. Die zwei lieben es mittlerweile, von mir in Ihrem Bollerwagen chauviert zu werden.
Der Wundrand ist es, der erzeugt den Druck und das Brennen.
Ich habe keine Idee, wie ich das besser machen könnte. Die Silberverbände auf beiden Innenseiten der Füße tun gut, aber ich kann dennoch beobachten, wie die Gesamtfläche an rotem, schwer geschädigtem Gewebe rund um die Geschwüre anwächst. Eben mit Rändern, die schmerzen, weil sie unter dem Verband hindurch, also über dessen Grenzen hinaus, schieben.
Dafür spür' ich jeden Schritt.
Eine gute REALE Existenz also, die ich grade verwirkliche. Die auch alles genau sieht. Und der, im Schmerz, auch so viel gewahr bleibt. Ezras Blick aus den Bollerwagen hinaus etwa; er hat so ein achtsames, wohlwollendes Schauen, während er die Straße von ihm aus gesehen links mustert. Immer wieder blinzelt er dabei ein wenig, weil die Spätherbst-Sonne schon tief steht und von der Seite die Allee flutet. Leuchtendes Flirren und schöne Schattenwürfe, die Ezras Haar golden glänzen lassen oder sein Gesicht dann wieder abdunkeln. Was ihn Blinzeln lässt, ohne dass er seinen wohlwollenden Blick verliert.
Es sei denn, Timmi, der ihm gegenüber sitzt, springt auf und lässt sich nach vor auf seinen Bruder fallen. Dann wird Ezras Gesicht zu einem einzigen Lachen mit einem breiten Mund, aus dem seine spitzen Zähnchen heraus scheinen. Dann erst bekomme ich auch Timmi zu sehen, von dem sonst nur die Haare durch das Polyester-Geflecht des zurückgeklappten Sonnendachs zu erkennen sind.
Ich bin glücklich.
Trotz der Schmerzen - und auch bei dem Gedanken, dass es vielleicht bis zu meinem Tod so weitergehen wird. Weil sich operativ doch nichts machen lässt, wie unlängst von Dr. R. angedacht wurde, und der Gewebsverfall so weitergeht. Dafür ist das Erleben intensiv und reich; ich bin NICHT gerade in dieser Krise des Selbst- oder Ich-Gefühls, die für Bataille beim Aufkommen von Erotik typisch ist. Im Schmerz gerät nichts in die Krise; außer die Geduld.
Dabei hätte es ein Erotik- und Sex-Herbst werden sollen; dafür habe ich Dich zu lesen begonnen, Georges.
Szenenwechsel.
Wir sitzen an einem Hügel auf halber Höhe; von der Terrasse hat man einen weiten Ausblick auf die Stadt, die sich über viele kleine Erhebungen dahinwölbt. Rom vielleicht.
Ich weiß, antwortet Georges.
Doch jetzt geht es immer wieder um Schmerz, und den hast Du nicht so im Visier. Den Tod schon, aber nicht so den Schmerz.
Georges trägt, was er immer trägt; einfach etwas Elegantes. Und er schaut, wie er immer schaut, nämlich konzentriert.
Am Ende geht es aber vielleicht doch um das gleiche.
Er stellt das kurzerhand und ohne große Erklärungen fest. Weshalb ich ihn fragend ansehe.
Ob Erotik, Tod, Schmerz: wo das im Fokus steht, geht es am Ende um eine MINDERE EXISTENZ. So lässt sich mit Ètienne Souriaus sagen; einem Ästhetik-Kollegen aus meiner Zeit.
Ich finde den Begriff großartig und habe gleich eine Idee dazu; MEINE Idee.
Warte, dazu habe ich einen Gedanken, sage ich. Man könnte also zwischen großen oder ERHÖHTEN und kleinen oder MINDEREN Existenzen unterscheiden. Die erhöhte Existenz ist die ÜBERVOLLE; sie braucht eigentlich keine Realität, um AN WELT ZUZULEGEN; sie ist sich schon Welt genug. In die dann alles und jeder oder jede HINEINGEZWUNGEN werden soll. Was haltest Du davon?
Georges nickt und sagt schließlich Ich gehe mit.
Ich setze deshalb mit einer gewissen Begeisterung fort:
Die MINDERE EXISTENZ hingegen ist NICHT voll mit Welt, sondern muss noch an Welt und REALITÄT zulegen. Sie ist gleichsam ungesättigt, aber gerade dadurch VIELMEHR Welt, an der Welt, bei der Welt als die ERHÖHTE. Sie ist unspektakulär, aber womöglich existenzieller als die volle, aufgeblähte Existenz.
Wieder nickt Georges nur. Da gehe ich auch mit, fügt er dann noch hinzu. Und nach einer Pause schließlich auch noch das:
Die Erotik lebt zwar das Sakrale weiter, indem sie den Gestus des Opfers und der Überschreitung wiederholt und so immer die Diskontinuierlichkeit des Einzelmenschen in Richtung Kontinuierlichkeit aufhebt. Im Opfer übersteigt man ja alles, jede Angst und anderes; man wird so zum Gott oder zur Göttin und damit zu einem Stück Unendlichkeit. Diesem sakralen Moment wird zugleich aber auch jedes Erhabene geraubt; wer gut fickt, ist ganz in der Realität und will eher an dieser noch zulegen statt alle in seine Welt zu zwingen - auch wenn es letzteres freilich auch gibt. Aber wer die Erotik als Erotik genießt, ist eher in einer Verfasstheit, die man als Mindere Existenz bezeichnen kann; lebt dieses Welt-Zulegen also.
Ich bin ein Mensch der MINDEREN EXISTENZ. Ich liebe immer das Ungesättigte; das, was noch an Realität zulegen muss. Die schnelle, aus der Welt gerissene Fotografie; den kurzen, andenkenden Text; die Beziehung, die voll mit Erotik ist; den Schmerz, der in die Realität zwingt und immer weiter mit dieser befüllt. In der MINDEREN EXISTENZ ist das Leben einfach ECHTER.
Am Spielplatz geht das Spiel der Sonnendurchflutung weiter. Du tauchst Ezra auf der Schaukel an, und ich schaue Euch zu; versuche mit der Handy-Kamera einzufangen, wie einmal von Dir und dann wieder von ihm das Gegenlicht zerrisen wird und ihr zwischen Lichtgestalten und Schattenrissen hin und her pendelt. Und ich wiederhole dieses Augenspiel dann mit Timmi auf der Schaukel, den ich dann aber selber antauche, weil Du mit Ezra zur nächsten Station weitergezogen bist.
Der weiche Schotteruntergrund fordert von meinen Füßen, dass sie mich fortlaufend austarieren - was die Füße binnen Minuten anschwellen lässt und die Wunden zum Brennen bringt. Ich muss mich auf den Schotter hinsetzen.
Tim kreuzt das Licht, das von vorne kommt, wann immer er auf mich zuschaukelt und der ganze Raum beginnt sich so zum Lichtraum zu verdichten. Schwarze und grelle Flecken wechseln einander ab, in der Tim die Bewegung ist, die auch die Flecken in Dynamik hält. Die passt zur Dynamik meiner Beine, zu dem Pulsieren und Ziehen, das so zugleich die ganze Welt ist.
Was für ein wunderbare mindere Existenz, die ich doch lebe.
1000Küsse716nach
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Bataille Session, 2. Oktober 2026
23Uhr/4Uhr20, C. - Auf dem Selfie trägst Du einen weißen Klinikmantel, auf dem "Gastarzt/Student" steht.
Dafür bin ich heute Morgen gerne einmal nicht nach Oberösterreich aufgebrochen; wie sonst jeden Donnerstag. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich es nicht tat. Vor zwei Jahren ließ ich die Fahrt einmal aus; zur Geburt von Ezra und Tim. Aber sonst, in den letzten 15 Jahren: mir fiele keine Gelegenheit ein.
Wie gut Du auf diesem Foto wieder aussiehst.
Das wuschelige dunkle, kurze Haar, die leuchtenden Augen und der lächelnde Mund. Zum Verlieben, wenn ich es nicht schon wäre. Auch seit bald 15 Jahren. Aus dem Fast-Noch-Mädchen ist mittlerweile eine reife Frau geworden, die als Wissenschafts-Spezialistin onkologische Forschung unterstützt. Mit diesen feinen Grübchen um den Mund, der in seiner Feinheit für mich immer etwas Erotisches an sich hat.
Bei all dem bleibe ich schon wieder hängen.
Beim Augenschein, bei den Locken und der Lebendigkeit, die aus ihnen spricht; bei MEINEM Präsentieren von all dem - obwohl ich mir so oft vornehme, dem Text die Arbeit zu überlassen, also seiner Form. DIE soll etwa das Konvulgieren transportieren; seinen Aufbau, seine Entladung. Ein Orgasmus aus dem Textfluß heraus. Aber ich bin zu sehr ein Mensch der Wahrnehmung, des Wahrnehmungsaktes, also dieses Geschehens, das sich vom Wuschelkopf im weißen Mantel zur Frau und ihrer Geschichte hochschraubt. Und der IN DIESER BEWEGUNG, am Weg von der Qualität zum Wort und schließlich zu einer ganzen symbolischen Struktur, die sich mit einem ganzen Universum von weiteren Symbolen verzahnt, AM SCHÖNSTEN in seinem zeitlichen sequenziellen Verlauf, im Siiiquenzing, also im Erzählen, gefasst wird. Deshalb muss ICH erzählen, selber das Konvulgieren darstellen, als Narrator, TRANSCRIPTOR, statt es von meinem Mittel, der Textur, produzieren zu lassen.
Deshalb siehst DU für MICH auf diesem Foto schon wieder ganz großartig aus, und ich würde Dir gerne durch das wuschelige lockige Haar fahren und Dich dabei küssen; einmal schnell mit der Zunge Deine Zungenspitze lecken, darüber schlecken, weil das zu dem wuscheligen wimmelten Haar passt, das für das Wimmeln des Leben und des Sex steht.
Im Erzählen und Transkribieren kann alles immer so schön leiblich bleiben. Und noch leiblicher werden.
Weil ich so gut weiterschlecken kann, von der Zunge hinunter zur Brust, die dann in der Geschichte nackt unter dem weißen Mantel ist.
Schick' mal einen Kuss, Schatz, schreibst Du dazu passend kurz vor Mitternacht aus Deiner Position zwischen unseren Söhnen im Bett. Ich mag es nicht, dass Du uns so in Differenz setzt. Es ist irgendwie eigenartig. Kein "wir", nur Du.
Wir reiben uns ein wenig an meinen wunden Füßen und dem Sex-Verdauen entlang.
Aber es ist ein WIR, schreibst Du weiter, ich war nur getriggert, weil ich woanders herkomme als Du; aber ich bin nicht anders als Du.
Sonst würden wir auch nicht zusammen leben; und das gerne und in Leidenschaft.
Keine Sorge Schatz, am Ende ist das alles in den Texten ganz harmlos gemeint, schreibe ich Dir zurück; es ist auch spielerisch, zur Markierung eines GENERELLEN Unterschieds: der Normale Kranke versus dem Fick-Vieh, das auf Sex und sein Konvultieren zur Verdauung ganz anderer Konvulsionen setzt.
Noch bist Du nicht ganz überzeugt. Ich muss also nachlegen.
Letztlich geht es um das Greifen und Schlecken und Spüren von Dir als Genuss und Befreiung.
Nun kommt ein großes rotes Herz als Antwort. Allerdings komme ich mittlerweile in Fahrt.
SCHLECKEN finde ich als Begriff heute besonders geil. "Über Deine Brustspitzen schlecken".
Dazu knöpfe ich Dir Deinen weißen Mantel ein wenig auf und hebe Deine linke Brust dazu heraus.
ODER: "Ich würde Dir gerne die Spalte ausschlecken". Feucht + Feucht dazu. Geil.
Dazu muss der Mantel aber ganz weg. Mach es Dir gemütlich, Schöne, ja, so, noch mehr, noch weiter.
Wie herrlich lächerlich werden vor diesem Hintergrund diese ganzen Debatten der Gegenwart, dieses ganze Gerangel darum, wer denn nun der, die oder das Klügere ist. Und wem die Zukunft gehört; dem Menschen oder der Maschine? Das sind die Debatten der Metaphysiker und ihrer Menschen-Modelle; des Geist-Wesens mit seiner Fähigkeit zu höheren Einsichten und einer Seele, die sich aus dem heraus entfaltet. Ja. leidig, da weiß man dann irgendwann nicht mehr, wer mehr Mensch ist; die KI oder das übliche Seelen-Subjekt?
Ich gehe davon aus, dass man einer Künstlichen Intelligenz nie die Muschi wird ausschlecken können oder auch nur wollen. Es sei denn, sie entwickelt tatsächlich eine Leiblichkeit, wie sie der Mensch aufweist. Doch selbst dann wird sie ein metaphysischer Unsinn bleiben. Denn wozu wird um Milliarden etwas nachgebaut, das sich sogar schon mit einem schnellen Fick um die Ecke schaffen lässt? Dieser Nimbus des Absurden wird der Geschichte jedes Androiden anhaften, was einem die Lust am Schlecken oder umgekehrt: am Lutschen verderben wird. So wie man auch nicht gerne in Disney-World oder einem anderen Simulacrum lebt. Sorry, BOYS!
Am Ende bleibt nur die Frage, wieso sich bestimmte Menschen überhaupt in einen solchen Unsinn versteigen konnten. Die METAPHYSISCHE DEBATTE ist für Bataille eine Effekt des Sexual-Taboos und dessen Ringen mit der Kontinuität, die dem diskontinuierlichen, vereinzelnten, sterblichen Menschen versagt ist : Zu der kommt man nur im Opfer hin, in der Überschreitung aller möglichen Grenzen, in der man alle Hemmnisse fallen lässt und sich dadurch in seinem Selbst-Gefühl und damit in seiner Diskontinuität verliert; gleichsam hin zum kontinuierlichen Sein auflöst. Nicht wahr, Georges?
Genau.
Diese Überschreitung wird in der Erotik zelebriert, die eigentlich an der Grenze von Verbot und Überschreitung entlang surft und so immer auch etwas Anstrengendes hat. Deshalb versucht das CHRISTENTUM einen radikalen Move, nämlich die Abschaffung der Überschreitung und damit die Abschaffung der Dynamik von Diskontinuität und Kontinuität schlechthin. Nur die Kontinuität soll über bleiben, die dank einer göttlichen Liebe auch greifbar wird; vor allem dann, wenn sie sich an der Produktion von Dingen zeigt. Das GELINGENDE MACHEN tritt so an die Stelle des - gefährlichen - Eros; in geschaffenen diskontinuierlichen Dingen ist so immer die große Kontinuität vorhanden. Für Bataille liegt deshalb in diesem Move die Entstehung der modernen Fertigungs-Welt, die damit letztlich einer Angst vor dem Eros geschuldet ist. Und neben einem Fertigungs-Wahn auch ein Fertigungs-Wesen hervorbringt, das - wie eben der Mensch, den die Metaphysik konzipiert - seinen Fertigungs-Apparat, also letztlich die Ideen- und Wissens-Strukturen, zentriert und favorisiert. Nicht wahr, Georges?
Genau.
ELENDIGLICH ALLES!
Weil das nichts mit der LEBENSWELT zu tun hat, die mit den Augen beginnt und in der die Leiber in ihrer Leiblichkeit in Kontakt kommen, um sich in Sprache und Handeln und Eros einander hinzugeben.
Natürlich siehst Du live noch großartiger aus als auf dem Foto.
Ezra und Tim haben sich gerade auf die Couch gelegt, um ihre Nachmittagsfläschen zu trinken. Du sperrst auf, kommst herein und das Lächeln vom Foto ist diesem leicht angespannten Frauen-Mund gewichen, der stolz und selbstsicher sich verzieht; nehmend, sprechend, verführend. Du weißt, wer Du bist und was Du kannst. Mit einem Body, der sich bei Bedarf selbst vertritt.
SCHLECKEN wird als Begriff zum Tag gerade noch geiler.
1000Küsse713nach
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Bataille Session, 1. Oktober 2026
23Uh20/4Uhr 20, C. - Wie fest Dein Hintern ist.
Du bist schon geduscht und holst mich aus dem Schlafzimmer, wo ich bei Ezra und Tim sitze. Als Einschlaf-Service; als Backup-System, falls einer doch munter wird.
Wir müssen Balthasar noch versorgen.
Der schwarzweiße Kater hat eine merkwürdige Fellerkrankung; seit Monaten schon. Angeblich eine Gräserallergie. Was für eine Katze, die ausschließlich in einer Stadt-Wohnung mit ausgedehnter Terrasse am Waldrand lebt, immer schon eine sehr überzeugende Diagnose war. Ich habe diese Allergie wahrscheinlich auch, denke ich mir immer wieder und betrachte meine wunden Füße dabei.
In jedem Fall kommst Du nackt auf mich zu, als ich nach draußen komme und die Tür hinter mir schließe. Du umarmst mich und ich Dich und meine Hände rutschen zu Deinem Hintern nach unten und umschließen ihn.
Wie fest er ist.
Wie fest und prall Dein Hintern ist, sage ich deshalb laut, während ich diese trainierte Muskelmasse ein wenig knete. Einfach geil.
Gleichzeitig liege ich dabei wieder nackt bei Dr. R. auf dem Untersuchungstisch. Er macht mit meinen Wunden gar nicht so viel als sie zu betrachten und das venöse Hintergund-Geschehen dazu zu analysieren. Dadurch bleiben die Geschwüre aber eine gute halbe Stunde offen; und das in der trockenen kühlen Luft einer Praxis. Sie dörren dadurch gefühlt ein wenig aus und beginnen noch mehr zu spannen als sonst. Diesen Austrocknungs-Anspannungs-Schmerz habe ich jetzt mehr als 24 Stunden schon mitgenommen. Auch die Füße und Beine seither in medizinischem Olivenöl fast zu ertränken hat nicht viel geholfen. Es spannt und zieht. Und umso besser ist deshalb Dein Hintern.
Ich bin nämlich ein Sex-Verdauer.
Genauer gesagt bin ich wirklich gut darin, Schmerzen, schmerzhafte Konvulsionen, über die ANDERE Konvulsion, also über die sexuelle, abzubauen. Schmerz-Ficken, sozuagen. Oder zumindest Schmerz-Spritzen. Und weil dieses Konvulsions-Geschehen in seinen Ursprünge immer auch und vielleicht sogar primär ein peristaltischer Akt und folglich ein Verdauungs-Geschehen ist, bin ich ein Sex-Verdauer.
Weshalb ich Dich dann küsse, Deinen Hintern loslasse, meine Linke an Deine Hüfte lege und mit meiner Rechten nach Deiner linken Brust greife. Ich umfasse sie von unten, hebe sie an und lecke kurz über sie und vor allem über ihre Spitze. Einfach geil.
Ich merke, wie sich jetzt die Magengrube um das Sonnengeflecht erregt anspannt und der Schmerz aus den Beinen dortin wandert; und wie dann der ganze Druck kurz zu meinem Schwanz absackt und ihn aufzittern und -zucken lässt.
Wenigstens für 5, 10, 15 Sekunden ist mein Leib entspannt; selbst meine Wunden sind grade keine. Auch wenn sie sich dann gleich wieder melden; zuerst aber tatsächlich weniger stark als die ganze Zeit zuvor.
Wir haben über das Sex-Verdauen bisher nur ganz wenig geredet; auch, weil ich immer den Eindruck hatte, dass das so gar nicht Deine Sache und Welt ist. Du kommst aus einer, wo das eine mit dem anderen rein gar nicht zu tun hat; Krankheit und Schmerz stehen für Separation, Rückzug, Bezugslosigkeit, aber nicht für Sex. Ich für meinen Teil möchte mit zunehmenden Schmerz am liebsten nur noch durchficken. Oder irgendwas tun, das in diese Richtung geht. Nicht mit irgendjemandem, das ist völlig uninteressant, Einfach mit Dir, mit meiner Frau, mit der so das Leben und die mögliche gemeinsame Zeit gefeiert wird. Eine Orgie im Kleinen gegen die Lebens-Verengung, zu der jeder Schmerz die Tendenz hat. Deshalb mag ich auch den Schluß von Leaving Las Vegas mit Nicolas Cage, in dem ER sich zu Tode säuft, das Ende aber ein letzter Fick mit IHR ist, während dem er sein Leben aushaucht. Leben und Sterben ZEITGLEICH verdaut in einer letzten Großen Konvulsion; sehr sympathisch. Mir erscheinen solche Aktionen vertraut und naheliegend; und für mich ist das natürlicher, als Sterbesakramente oder dergleichen zu erhalten. LETZTERES erscheint mir WIRKLICH als bedrohlich, weil es da nur noch um den Tod und NICHT MEHR UM DAS LEBEN geht. Es geht aber eigentlich NUR UM DAS LEBEN, auch wenn dieses gerade zu Ende geht. Was "Tod" als Begriff allein bezeichnet, wenn wenn er nicht metaphysisch aufgedunsen werden soll.
Sie sollten sich nicht immer nur auf Ihren Sex verlassen, hatte K. mir im Zuge meiner Analyse immer wieder gesagt, geradezu empfohlen. Ich habe mich brav daran gehalten und tatsächlich gut zu verstehen gelernt, wie man eine starke Interpretanten-Position bezieht und aus der lebt; sich also von der Qualitäts-Erfahrung von etwas zum symbolischen Darstellen davon hocharbeitet und so etwas in einem breiten, dichten Bezug erfährt, den es nur als Folge eines solchen Symbol-Bildungs-Aktes gibt. Ich gestehe sogar zu, dass das sexuelle Erleben sich so noch einmal verfeinert und dadurch intensiviert hat. Irgendwie hat es aber den Sex und damit auch das sexuelle Verdauen dennoch in den Hintergund gerückt. Aus dem ich dieses jedoch seit einigen Monaten nun aber wieder nach vor hole. Orgasmatisches Fieber - K. hatte es so genannt, als ich ihr meinen Post-Orgasmus-Zustand beschrieb, nicht ich - ist für mich etwas immens Heilendes, VERDAUENDES; und ich glaube, es hat sogar noch einmal an Kraft zugelegt, weil der ganze Sex jetzt in einen Esprit Narratif eingebettet ist, der ihm die Feinheit der Bezüge von Geschichten anhaftet, ohne ihn seiner Kraft zu berauben.
Ich kann nicht anders, ich muss Dir noch einmal über die Brust und vor allem über ihre Spitze lecken. Schlecken. Geile Feuchtigkeit, wenigstens rasch hier heroben.
Vielleicht haben gar nicht allein Siri Hustvedts "Ghost Stories" mit dem in ihm zelebrierten, stillen Begehren das meinige neu zentriert (wovon ich seit der Frühjahrs-Lektüre dieses Buches ausgegangen bin); es wieder gut ins Zentrum gerückt. Vielleicht war das auch die Weistheit meines Leibes, der schon besser erkannte, was für ein Leiden sich da rund um meine Haut und meine Beine aufzubauen begann. Und vielleicht hat er deshalb mein Sex-Verdauen wieder aktiviert. Und mein Orgasmatisches Fieber. Folglich meine Lust an der Orgie zu zweit, am Wimmeln und Wuseln des Lebens, das schließlich zuckt und spritzt oder umgekehrt saugt und wo Schmerz in all dem untergeht, eben verdaut wird.
Allein das alles zu denken und zu schreiben tut gut. In gewisser Hinsicht macht mich meine aktuelle Krankheit wieder gesund. Mein Heiliger Eros, oder besser: mein Eros in und aus einem Esprit Narratif, mein ErosEsprit Narratif, ist letztlich (anders als bei Georges) KEINE religiöse Größe, sondern eine medizinische, die aber der Leib selbst zur Verfügung stellt. ErosEsprit Narratif und SexVerdauung gehören zuammen. Auch in dem Sinn, dass schon auch das Erzählen, das mit all dem verwoben ist, herrlich heilt.
Weshalb dieser Tag großartig startet.
Heute bringe ICH erstmals Ezra und Tim in die Kinderkrippe, worauf ich ich freue.
Du kannst damit in Ruhe Deinen neuen Job starten.
Und gemeinsam können wir dann später darüber sinnieren, wie man sich am besten à la Nicolas Cage Leben- und Tod-verdauend buchstäblich zu Tode fickt.
1000Küsse712nach
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Bataille Session, 30. September 2026
23Uhr15/4Uhr20, C. - Eigentlich ist das nur eine Notiz für uns, aber jetzt, wo sie da steht, merke ich, dass ich sie verteilen will. Auf jeden Fall an Dr. D., also an die Hautärztin. Aber auch an M. und an S., die immer so viel Anteil an meiner "Fußthematik" nehmen, wenn sie mich beobachten und an mir einen schiefen Gang oder ein angestrengtes Stehen erspähen.
Außerdem könnnte ich die Notiz an an H. und J. versenden; nur zur Information.
An L. und W. ginge sie hingen einfach so.
Ebenso an T., G. und L.
Oder an O., V und F.
Oder an I., E., U. und X.
Wobei
Dr. D. ohnedies alles über das MedDOCs-System oder dergleichen erhalten wird,
ich es M. morgen schon direkt erzählen kann,
S. sich grade mit Urlaubsvorbereitungen beschäftigt
und L. sowieso schon unterwegs ist.
Dennoch: warum nicht?; alle sind immer so wohlwollend freundlich; besonders auch H. und G., detto X. und U., und natürlich H. und J.. NICHT SO T. und L.; aber man kann ihnen ja trotzdem etwas schicken; vielleicht nicht alle Punkte, sondern nur a, b, c und d; damit es nicht zu sehr wuselt und wimmelt; wobei der Vorspann für alle interessant sein sollte, also das
Heute war am Abend Angliologen-Termin, bei Dr. R., mit folgenden Ergebnis:
das sollte für alle passen.
Auch noch a, ergo
Meine Oberflächen-Venen in den Beinen sind, postthrombotisch bedingt,
riesig; das zerstört im Unterbein die Hautdurchblutung;
und auch b.
Deshalb gibt es seit heurigem Februar die GeschwürsBildung inkl. einer
sich ausweitenden Schädigung der Haut.
Und wenn a und b stimmig sind, sollten es genauso c und d sein; mithin
# Hinzu kommt wohl ein Infekt oder dergleichen, meine Vermutung, dass ich
mir letztes Jahr in der stark verschmutzten Adria bei Grado etwas
eingefangen habe, ist nicht abwägig; eine Allergische Reaktion ist auf jeden
Fall beteiligt;
# Es wird nun ein MR meines Körpers gemacht, um sich den Durchfluss der
Tiefen-Venen EXAKT anzuschauen. Sie scheinen weniger kaputt zu sein als
vor 12 Jahren und danach befundet.
Das alles an alle, doch nichts darüber hinaus an T. und L.; auch nicht an O. und V.; ergo nicht die Punkte e bis j an diese, aber sehr wohl an M. und S. und an H. und G., und an und an
und die Orgie spielt immer mit dem Gewimmel des Lebens, sagt Georges (Bataille), und auch die Sprach-Orgie tut das, wie ich hinzufüge. Leben ist nämlich grundsätzlich Gewimmel, das durch die Vernunft und letztlich die Arbeit gestoppt wird, wie Georges betont; ein Gewusel, ein anschwellendes Konvultieren, das vielleicht mit einem Sich-Ansammeln und Häufen beginnt. Auf ein Spiel mit diesem Gewimmel, auf eine Orgie steigt folglich die Lust, je länger und mehr Dr. R. erklärt:
Nein, die Wunden werden nicht zurükgehen, wenn die Oberflächen-Venen nicht entfernt werden. Letzteres geht aber nur, wenn sich zeigt, dass die Tiefen-Venen doch nicht völlig verschlossen sind.
Ich liege nackt auf dem Untersuchungs-Tisch, Dr. R. ist der Inbegriff eines empathischen, kompetenten Arztes, dem ich sofort vertraue und der zielgerichtet die Oberschenkel und deren Übergänge zum Rumpf schallt.
Aus dem heraus auch e, sprich:
Erweist es sich als korrek, dass die Tiefen-Venen nicht völlig
verschlossen sind, kann über eine OP nachgedacht werden: Innenvenen
stenten, KOMPLETT; Oberflächenvenen wegoperieren (wenn ich richtig
verstanden habe),
womit auch f aufgeht, mithin
NUR SO kann sich die Haut erholen, sonst werden sich die Wunden NICHT
mehr schließen, sondern sich ausweiten.
Was kann man da noch sagen?
Hinein in das Gewimmel und Gewusle, das das Leben bdeutet!, wenn auch die Wunden wimmeln und wuseln. Wobei ich schon längst den Überblick verliere, wer jetzt nur a bis d oder doch gleich a bis j bekommt; M. und S. oder J. und Dr. D. oder X. oder U. oder XU oder XI; alles mit allem, alle mit allen, wie es sich für eine Orgie gehört. Diese Orgie, nein,
(g) diese OP führen ein Wiener oder ein Schweizer Spezialist durch - und
ausschließlich dann, wenn das Stenten gesichert funktioniert. Sonst bleiben
die Oberflächen-Venen tragend; sie zu entfernen wäre dann der Auslöser für
eine Not-Amputation;
und gleich weiter, gemma gemma gemma, wie man im Österreichischen sagt;
(h) Apropos Amputation: So leidig die Geschwüre sind, es besteht KEINE
Gefahr bzw. Notwendigkeit einer Amputation in den nächsten 10 bis 15
Jahren; die Beine sind fit genug;
passt; gemma gemma gemma,
( i) Ich trage seit 2014 Kompressions-Strümpfe der Klasse 3, die verordnete
die Klinik damals. Dr. R. kennt niemanden, der diese trägt und aushält,
schon gar nicht 12 Jahre lang -:)). Ich soll auf Klasse 2 umsteigen, gerne
auch in der Nacht, wenn das hilfreich erscheint;
gut; einmal noch, gemma gemma gemma,
( j) Lässt sich aktuell sonst was machen? Nein. Nur die Wunden GUT pflegen,
das reicht.
Also rauf mit dem Olivenöl, dem Silber und den feinen Binden, zwei-, dreimal am Tag, und drüber mit den Strümpfen, und dann vor den Spiegel stellen und sich anschauen, diesen seltamen Verschnitt des Peitschen-Meisters aus der Geschichte der O., der auch immer mit seinen schwarzen Strümpfen geht:
Also rein in die Orgie, in das Gewimmle, das heute überall gefährdet ist, niederverwaltet wird, aber das MEIN LEIB so ins Zentrum rückt, so Unvergessbar macht.
Es macht keinen Sinn, Ursachen-Forschung zu betreiben; wir brauchen nur eine Strategie, sagt Dr. R., aber vielleicht ist Ihre Vena Cava genetisch bedingt eher dünn, deshalb kam es dann einmal zu dieser schweren Thrombose.
Sofort denke ich Ezra und Tim und speziell an Ezra, der doch meinen Leib geerbt zu haben scheint; sofort checken lassen, fährt es durch mich hindurch, beim nächsten Kinderarzt-Termin, ob da was Auffälliges an der Vena Cava ist. Aber dann bin ich schon wieder der nackte Mann auf dem Untersuchungstisch, der von den Beinen bis zum Herzen durch gestentet werden soll, und bei dem Gedanken schicke ich gleich wieder a und b und c und d an M und S, und an; allerdings nur noch als auslaufendes Echo
....Meine Oberflächen-Venen in den Beinen sind, postthrombotisch bedingt,
riesig...,
....Deshalb gibt es seit heurigem Februar die GeschwürsBildung...,
.... Hinzu kommt wohl ein Infekt oder dergleichen...
....Es wird nun ein MR meines Körpers gemacht...
Und zu Dir komme ich schließlich mit einem
Innenvenen stenten, KOMPLETT; Oberflächenvenen wegoperieren,
und dann werden schon die Stents durch meinen Körper geschoben, woraufhin a, b, c, e, h, M, S, J sich irgendwo zermahlen und zerquetschen und ich mich in Dich schiebe, als Höhepunkt der Orgie,
AaaaaaaaaaaahhhhhhhhHHHHHHHHhhh....,
Schon wimmelt und wuselt es weiter; nach der Entladung.
Was man doch alles vom Leben bekommt, wenn man erst alt genug auf diesem Planten ist.
1000Küsse711nach
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Bataille Session, 29. September 2026
23Uhr30/4Uhr20, C. - Ich habe Angst um Dich.
Meine offenen Füße setzen Dir zu.
Das löst richtige Berührungsängste bei mir aus. Und es wirkt nach Gefährdung.
Ich merke eine Art Rückzug schon seit über einer Woche. Seit die negative Entwicklung der Beine gleichsam einen Schub gemacht hat.
Früher war die Thrombose mit ihren Folgen ein Nebenher, jetzt musst Du Dein Leben auch um sie organisieren. Jetzt nehme ich Deinen Körper als einen schmerzhaften wahr.
Der Altersunterschied und vor allem meine fast letale Erkrankung drei Monate nach dem Beginn unserer Beziehung vor 12 Jahren holt uns nun gnadenlos ein.
Ich bin viel jünger und erst ein klein wenig geschunden in meiner Leiblichkeit. Ich liebe den Sport, die Kraft und die Spannung und hätte oft gerne leichtgängigen Sex.
Ich verstehe das alles, auch wenn es in Sachen Sex sogar wieder besser geht als in den letzten sieben, acht Jahren. Aber das ist wohl nur ein schwaches Argument.
Ich bin einfach woanders in meiner Leiblichkeit. Das heißt nicht, dass ich das nicht attraktiv finde. Ich muss mich einfach einlassen, gewöhnen, und zusammen mit dem Beginn der Kinderkrippe war das ein wenig viel verlangt in den letzten zwei Wochen.
Ich bin in meiner Leiblichkeit dort, wo man in meinem Alter einfach ist, wenn man gelebt hat und noch dazu von Krankheit geschunden wurde. Oder noch immer wird. Ich muss in letzter Zeit dazu an eine jener großartigen Vorabendserien meiner Jugend denken, Auf der Suche nach den Quellen des Nils oder wie sie genau hieß. Als John Hanning Speke und Richard Francis Burton aufeinander treffen, um ihre große Expedition zu organisieren, kommt es zuerst einmal zu einem Kräftemessen im Vergleichen von desaströsen Körperspuren. Der eine schiebt die Hose nach oben und zeigt ein Bein mit zerfressenem Gewebe, Schlangenbiss sagt er dazu. Der andere öffnet auf das hin sein Hemd und zeigt eine entstellte Schulter; Leopard oder dergleichen sagt er. So geht es weiter, bis die zwei Männer fast nackt dastehen; gezeichnet, verwundet, entstellt, vernarbt.
Aber es geht nicht um Deine Narben, es geht um Deine offenen Wunden. Das ist wirklich etwas anderes.
Ich verstehe auch das, und mir ist auch klar, dass das sogar Ekel erzeugen kann und dass ich in dem Sinn eine Zumutung bin. Aber das bin gerade ICH in meiner Leiblichkeit; eine leibliche Zumutung wie diese Männer; speziell wie Burton. Der im Übrigen das einzig echte intellektuelle Vorbild meines Lebens ist. Ein Speer hatte sein Gesicht von links nach rechts durchdrungen und ihn mehr als nur übel zugerichtet. Leider habe ich allerdings NICHT die Nil-Quellen entdeckt, nicht das Original der Geschichten von Tausendundeiner Nacht aufgestöbert und bin nicht als Pilger verkleidet in das strengabgesperrte Mekka gereist. Aber ich habe mich auch dem Leben und Denken ausgesetzt, DEM INTELLEKTUELLEM NOMADISIEREN wie er (und nicht nur dem), und das hat seinen Preis, wenn man irgendwie dauernd in Bewegung ist.
Wenigstens weiß ich, dass DU meine Sachen, meine Schriften nicht im Garten einmal verbrennen wirst; als ZU VOLL mit Sex, ZU VOLL mit Antiklerikalität, ZU VOLL mit Leben am Limit.
Wie Burtons Frau das tatsächlich getan hat.
Auf jeden Fall haben wir da das Problem. Um nicht zu sagen: den Salat.
Ich mag meinen Körper, betrachte ihn auch JETZT ERST als einen echten Männer-Leib, der - gerade wegen der Wunden, dem Schmerz - einen eigenen Eros hat. Die männlichen Fitness-Studio-Körper sind für mich noch immer die Parodie eines gelebten Leibes; Werbe-Design statt ausgesetzter Existenz ist dort die Devise. Oder einfach zu viel Leni Riefenstahl und zu wenig Richard Francis Burton. Körper aus der Konserve.
Für Dich bedeutet so ein Leib hingegen Krankheit, Tod, Sterben. Zumindest ansatzweise.
Was es dann schon wieder interessant macht.
Weil es auf etwas verweist, was eigentlich in jede Eros-Diskussion gehört, aber bei Bataille bislang keinen Platz gefunden hat, nämlich die Frage nach dem Anti-Eros.
Als Du diese Mittags-Debatte gestern aufgerissen hast, habe ich gemerkt, dass es das Phänomen oder Ereignis des Anti-Eros einfach gibt. Für mich kommt er dann auf, wenn ich in meiner basalen Leiblichkeit gleichsam zurückgewiesen werde (wobei ich nicht sage, dass Du das tust). Wenn ich als Primär-Qualität, als Erstheit im Sinne der Semiotik, NICHT funktioniere. Wenn ich also nicht flashe; in der Eigenheit meines Sexus, die vor jedem Sex kommt, nicht streife oder berühre.
Durch meine Wunden hat sich der Anti-Eros in unsere Beziehung eingeschlichen; zum ersten Mal, wie ich meine. Vor allem für Dich, als Echo dann aber auch für mich. Wenigstens für die Zeit der Debatte.
Oder wahrscheinlich doch nicht zum ersten Mal.
Wahrscheinlich ist es immer das gleiche Spiel, das passiert, wenn es mitunter critical wird. Es baut sich - angesichts von Krankheit und speziell angesichts von der - rasch ein Anti-Eros auf, und dann ist da ein Graben, der Dir erst recht Angst macht, weil er genau die Distanz ist, die Du eigentlich vermeiden willst. Ein seit der Kindheit gut gelerntes Spiel, denke ich.
Georges! GEORGES!!
Ich muss es IHM wieder einmal hineinsagen;
SCHAU DOCH HIN; es gibt einen Anti-Eros,
und der sagt so viel über den Eros aus;
weil er ihn eben als Erstheit, Qualia-Moment, ausweist -
und nicht Effekt eines komplizierten Spektakels
von Verbot und Überschreitung.
Zuerst sagt er nichts, aber dann hat er doch wieder einen Pfeil im Köcher, den er umgehend zu mir her schießt:
Und wie kommt man aus dem Anti-Eros wieder heraus als durch eine Überschreitung, auf die man sich einlässt?
Daneben, mein lieber Georges!, auch wenn Pasolini das in seinen Filmen immer wieder vorschlägt; ich habe starke Bilder dazu im Kopf; etwa, wie der junge, durch einen Anti-Eros impotent gewordene Mann von der alten, fetten Frau zwischen die Schenkel genommen wird, sie durchficken muss und in dieser Überschreitung wieder seinen Eros findet.
Ich gehe es anders an.
Wie?
Ich lerne von meinen Söhnen, von Ezra und Tim. Die wissen nämlich noch, das Eros, Sex, Konvulsion und Verdauung eins sind; nur verschiedene Spielformen einer Einheit bilden.
Und das heißt?
Dass ich mich, wenn ich den Anti-Eros wieder los werden will, auf die Toilette setze und mich dem Darm und seiner Bewegung überlasse; einmal, zweimal, dreimal am Tag; anspanne und entspanne, die Peristaltik lebe; das Anschwellen und Abflauen der ganze Gefäße um den Darm herum wahrnehme, genieße, zum Eros-Vieh werde, zu dem dann auch das Zucken in den Beinen gehört, in den Wunden, und dessen Mund noch immer taub ist von dem Speer, der den Mundraum verwüstet hat, zu dem aber auch das Erzählen und das Nacherzählen gehört, weshalb dann die Jagd nach den Originalmanuskripten des "Kamasutra" oder von "Tausendundeiner Nacht" beginnt. Und dann ist sie allmählich wieder da, die Witterung, und so scheißt man sich in die Lust zurück, und so lange ich das kann, werde ich leben, geil sein, und nichts wird mich brechen außer die Lanze, die diesmal nicht durch den Mund, sondern durch das Herz fährt.
Punkt.
1000Küsse710nach
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Bataille Session, 28. September 2026
22Uhr55/4Uhr20, C. - Ich halte gerade einmal 15 Minuten durch. Dann muss ich Dich bitten, den Film abzudrehen.
Tu' das bitte weg, das ist absolut unerträglich.
Wie SIE im Auto sitzt und der Anruf kommt, dass ein Clownbus beim Bahnübergang steht, und deshalb dort steht, weil es einen Unfall gegeben hat; und wie sich der Tod und die WELTVERNICHTUNG deshalb aufzublähen beginnen, ohne die Bühne zu betreten: Das löst zuviel aus, zuviel altes Leben. 38 Jahre sind es heuer, Bruderherz; am 9. September habe ich Dir erstmals nur zugelächelt, keine Tränen.
4 minus 3.
Wahrscheinlich habe ich mich gerade um einen wirklich guten Film auf der Basis eines wirklich guten Buches gebracht. Den Du mir so gerne gezeigt und so gerne mit mir besprochen hättest. Aber es ist nicht nur SEIN Tod vor bald einer kleinen Ewigkeit; es geht auch die Gefährdung der Kinder. Vor allem um die der ganz kleinen; von Ezra und Tim. So viel läuft dauernd schief; der Wagen, der plötzlich neben uns ist, als wir kurz überlegen, ob wir nach links oder rechts abbiegen müssen, wenn wir ins Jump 25 in den alten Hangaranlagen wollen Wärst Du einen Moment früher nach links gezogen, hätte das das Zeug zu einem Supergau gehabt.
Und überhaupt, die Zukunft.
Wir hinken uns in Richtung Barbarei. Systematisch schwindet das Taboo der Gewalt; die Lust an der Überschreitung, die Bataille so interessierte, ist bezüglich dieses Taboos wieder da. Ich kann nicht sehen, wer oder was diese Tendenz stoppen könnte. Außer der Exzess, nach dem dann wieder Ruhe einkehrt.
Außerdem sind da die Maschinen, denen man Vernunft eingepflanzt hat. Wann immer ich über die KI-Revolution lese, geht es mir wie IHR im Auto, als der Anruf wegen dem Clownbus kommt. Tod und WELTVERNICHTUNG sind dann da; und sei es, dass es nicht mehr möglich sein wird, für zwei Tage Über den Fluß und in die Wälder zu gehen, weil eine vollautomatisierte Verwaltungs-Maschinerie alles utilitaristisch reguliert. Und folglich schon die kleinste Regung von Freiheit als verwerflich und unerwünscht einstuft. Was nur eine andere Art von Lebenszerstörung, von Abwürgen des evolutionären Lebensprozesses wäre; nur ohne direkte Tötung und Tod.
Ich will aber erst gar nicht gegen KIs wettern und zu einem Boykott oder dergleichen aufrufen. All das ist längst entschieden; all diese Züge sind, wie man einstmals sagte, abgefahren. Eine etwaige politische Regulierung kommt wenigstens ein Jahrzehnt zu spät.
Ich will mit dieser WELTVERNICHTUNG stattdessen ganz anders umgehen.
Ich ziehe mich an den Rand zurück. Nicht an die Peripherie, die das Zentrum der Herrschaft überlässt; welcher auch immer.
Ich geh' nach vor AN DEN RAND ÜBERHAUPT; an den ewigen Sprach-Rand, wo die Semiose sich einfach entfaltet und nicht danach frägt, welche sprachlichen Einengungen hinter ihr politisch betrieben werden. Welche Ding- und Faktoren-Sprache etwa dort gerade den semiotischen Dschungel in seinem Wildwuchs abzuholzen versucht.
Am Rand nehme ich einfach Anlauf, stürme los und
PLATSCH!
lande schon im ganz anderen.
äa
ääaa
Ääaaahhhh!!!!
ÄÄÄÄÄaaaHHH!!!
Anselm, jetzt hast Du sie aufgeweckt.
Deshalb schnell raus aus dem Bad, hinüber in das noch dunkle Schlafzimmer.
ÄäääÄÄÄH!!
Vom Fußende des Bettes mich rasch ins rechte obere Ende hinrobben; so, dass meine offenen Beine gut geschützt sind. Ez liegt dort; gleich daneben im rechten Winkel, sein Bruder.
Mama ist nicht da, Ezra; sie ist beim schon beim Sport, Ihr habt so lange geschlafen.
ÄÄÄaaahhhhh...
und
....Mm mm mmm.
Timm stimmt mit ein.
Äääahhhmmmm Mm MM Äääaaaahmmm.
Okay; ich bringe Euch einmal Fläschchen. Und mache die Jalousien auf.
Wieder nach unten robben; mit den Beinen voraus; vorsichtiges Hinaus aus dem Bett steigen und vorsichtiges Auftreten;
ARRRR...
Lymphdruck in beiden Beinen; aushaltbar.
Fernbedienung am Regal greifen, im Vorübergehen,
ÄÄÄÄAAA MM mmÄ
Klack, nach oben mit dem Zeug, in die Küche weiter, zwei Fläschen aus dem Heater nehmen,
mmmm AAAÄÄ AAAA!
alles ist schon gut vorbereitet; zurück; diesmal von der Seite ins Bett,
mmmmm
äääää
auf die Ellbogen stützen, so zu ihnen, zu Euch robben,
So, da bin ich schon, Jungs.
Gierig greift Timmi nach dem Fläschen, spuckt im Greifen den Schnuller aus, runter damit;
mmm-Crying over,
aber Ez:
Ääää Aaa,
und noch mehr geht.
ÄÄÄÄ AAAAAAH!.
und noch einmal mehr:
ÄÄÄÄÄÄ AAAAAA HHHH!!
Mama ist beim Sport und kommt SICHER wieder....
Äääää AAA!
Ich bin ja auch immer wieder weg, und ich komme auch immer wieder.
Äääa Ahh...
Irgendwie überlegt Ezra kurz, er versteht schon was ich meine. Deshalb: rasch die Gelegenheit nutzen, mich bequem auf den Rücken legen, quer oben über das Bett; rechts liegt Tim; auf den linken Arm hebe ich Ez, er nimmt die Flasche, hält sie mit beiden Händen,
Ääääää
Ich komme doch auch immer, oder?
sage ich noch einmal,
Ääääääääääaaaa
Und so kommt auch Mama.
Aäää AAA
noch einmal und wieder, mit der Flasche in beiden Händen,
Ich bin oft den ganzen Tag nicht da
weiterreden, unbedingt weiterreden, so lässt sich das Niveau halten, keine Esklation ist aktuell in der Nähe,
...und komme ich dann nicht sehr wohl wieder und bin ich dann nicht sehr wohl da? Na also
ääää
es wird feiner immerhin, und dann -
BUMMMMM!!!!
Tim hat sich aufgesetzt und ist damit in Ezras und mein Blickfeld geraten.
Er hat zwei Schnuller im Mund.
Zwei!
Und damit grinst er noch breiter, als er es ohnehin gerade schon tut.
Ha Mp ha haha!
Ezra muss Lachen und es wird zu Gelächter, immer lauterem Gelächter, und Timm lacht unter dem Schnuller auch, und dann setzt Ezra die Flasche, die er noch immer in beiden Händen hält, an und trinkt.
Und er trinkt weiter und ganz weich liegt er auf einmal in meinem Arm; und könnte Timmi schon tanzen und sogar steppen, er würde das jetzt, behaupte ich, tun:
I'm singin' in the rain, just singin' in the rain, what a glorious day, I am happy again,
und dabei fällt das Wasser in Kübeln vom Himmel; doch Timmi tanz und gaukelt einfach vergnügt. Unser Meister des Absurden, schon mit 2.
Wie herrlich es sich hier draußen schwimmt!
Ich tauche gerade nach einer Sprache des Großen Konvulgierens, nach einer Textur der Großen Konvulsion, falls Sie es nocht nicht gemerkt haben.
Über den Sex lässt die sich leichter finden, weil sich schnell etwas ballt und verkrampft und dann wieder löst. Aber dann sind wir wieder nur beim Sex und damit bei Georges, bei Bataille, aber wir wollen es ja breiter machen; das Verdauen und Konvulgieren.
Verdauungssonaten für alles.
Ich weiß nicht, vielleicht ergibt sich ja dafür sogar ein eigenes Vokabular. Oder so etwas wie ein eigenes Gendern. Alles, was in Richtung Spannung geht, bekommt eine eigene Endsilbe, und alles, was in die Gegenrichtung geht, auch. Vielleicht ist aber alles auch nur eine Frage des Tempos und der Erzählstrukturen, man wird sehen.
Verstehst, Du, Schatz, nur so komme ich gegen die WELTVERNICHTUNG an.
Du bist so enttäuscht, dass ich bei 4 minus 3 nicht mit kann und aussteigen muss. Aber es gibt kein Übersteigen meiner Traumata und Ängste, sie werden für immer bleiben. Und mit ihnen der Blick für all das Vernichtende, das nach vor gesehen lauert.
Doch ich kann DORTHIN abtauchen, wo diese Traumata keine Rolle spielen. Weil ich dort in einem DAVOR, in einem VOR ALLEM bin; sogar in einem VOR MIR SELBST.
Gerade kommt mir, dass es kein Jenseits gibt, aber ein VORSEITS.
Ganz leicht kommt man dorthin, mit einer umfassend gelebten Kultur des Umfassenden Großen Konvulgierens.
1000Küsse709nach
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Bataille Session, 25. September 2026
23Uhr2/23l30, C. - Du winkst ab und klinkst Dich heute aus.
Es ist mir irgendwie zu orgiastisch, was den Schmerz angeht.
Du meinst die Session, die ich Dir gerade geschickt habe. Ich weiß, was Du meinst. Ich lote die Dynamik oder Kultur der Konvulsion gerade maximal aus; mit Fokus auf Sex, Schmerz, kindlichem Agieren und was sich sonst noch alles finden lässt.
Aber natürlich verarbeite ich so auch meine realen Schmerzen, die seit gut fünf Tagen stetig zuzunehmen scheinen. Meine Beine haben ein gröberes Problem; die Lymphe fließt nicht mehr ab. Sehr unangenehm alles.
Indem Du über die Große Konvulsion schreibst, willst Du auch verdauen.
Irgendwann beim Fahren kommt mir dieser Gedanke. Und damit verbunden auch der, dass Verdauen ebenso ein Ereignis von Konvulsion ist. Zumindest am Ende, wenn sich ein Druck aufbaut und das Verdaute nach draußen gepresst wird. Was dann immer eine herrliche Entspannung ergibt.
Ezra hat mich auf diesen Gedanken gebracht. Weil er gestern morgen in der Tür stand, als ich duschte, und ordentlich am Pressen war. Er hielt sich richtig am Türstock fest, viele Minuten lang; mit konzentriertem Blick und angespannter Anstrengung. Bis seine ganze Gestalt weich wurde und lachend davon lief; eine Duftwolke bis zu mir unter dem Wasser hinterlassend.
Jetzt, am nächsten Morgen, beginnt sich dieser Gedanken weiter zu setzen. Nachdem ich am schwarzen Tisch im Wohnzimmer vor der Küchenzeile Platz genommen habe:
Nicht nur ist Verdauen ein Ereignis von Konvulsion; umgekehrt ist auch Konvulsion stets etwas Verdauendes. Mit ihr wird etwas aufgebaut, aber auch abgebaut, entladen, ausgestoßen; all das hinausgeworfen, was irgendwie ein Zuviel ist.
Tatsächlich entsteht laut Evolutionsgeschichte ganz früh und nahezu als ein Erstes ein Darm, der aufnimmt und wieder ausstößt und um den herum sich so etwas wie ein Wesen organisiert. Ich stelle mir dieses Wesen wie eine Seegurke vor, die auch nur ein Darm zu sein scheint, wenn sie sich bei Gefahr mit einer gewaltigen Konvulsion entleert und nur als Hülle über bleibt. An ihr wird das Nahverhältnis von Konvulsion und Verdauung oder von Verdauung und Konvulsion überdeutlich.
Was natürlich die Konsequenz hat, dass auch Sex eigentlich ein Stück Verdauung ist.
Ich kann nicht anders; ich muss das umgehend Monsieur Bataille unter die Nase reiben.
Georges! GEOORGEES!
Er schlendert in die Bar herein, die ich für uns ausgesucht habe; irgendeine kleine in Madrid, die nur aus einem Tresen besteht, auf das man gleich zugeht, wenn man durch die aufgeschobene Glasfassade nach innen tritt. Er hat wieder Simone dabei; beide sind heute in Schwarz gekleidet; er in eine Hose mit einem dünnen Sommer-Rolli; sie in ein kurzes schwarzes Kleid, das oben nur von zwei Trägern gehalten wird. Passend hat sie auch ihr Haar tief schwarz gefärbt und kurz geschnitten; das Haar umhüllt ihr Haupt bis auf Kinnhöhe un trägt so die Rundungen, die das Kleid zeigt, nach oben weiter.
Ich sitze links hinten, am letzten Ende des Tresens an der Mauer; niemand sonst ist um diese Zeit in dem Raum. Selbst der Barmann hat sich nach draußen in die Sonne gesetzt, nachdem er irgendwelche Flaschen zu mir geschoben hatte. Nehmen Sie sich einfach. Georges und Simone setzen sich dazu; auf ihren Hockern zu mir gedreht.
Ich falle gleich mit der Tür ins Haus.
Ist Dir schon aufgefallen, dass Sex nur ein Spezialfall von Verdauung ist?
Er sagt zuerst nichts, sondern greift einfach nach Simones Hand, die ihren Hocker so vom Tresen weggezogen hat, dass sie neben Georges sitzen kann.
Nein, antwortet er schließlich; wäre das aber wichtig?
Ich denke ja, repliziere ich, weil dann Erotik etwas anderes ist als bei Dir.
Nämlich?
Sie ist dann das Anreizen und Anheizen, das der Wirkung eines Verdauungsmittels entspricht. Sie lässt das leicht Angespannte ganz durchspannen, bis gleichsam das im Durchspannen sich Verbrauchende nach Außen entleert wird; wie das Innenleben bei einer Seegurke.
Das hört sich ekelhaft an, stellt Simone fest, die ihre Hand aus der von Georges gelöst hat und mit dieser stattdessen über seinen Oberschenkel zu fahren beginnt
Ist es auch, entgegne ich umgehend; für die meisten Kinder ist Sex oder besser: das, was sie davon schon gesehen haben und was sie davon wissen, etwas hoch Widerwertiges. Oft macht erst der erfahrene sinnliche Touch oder das beobachtete Posing Sex interessant.
Georges hört nur zu, genießt aber auch das langsame Gleiten von Simones Hand über seinen Schenkel.
In Deiner Logik, setzt er schließlich an, ist Erotik dann nicht nur ein abführendes Verdauungsmittel, sondern auch ein die Peristaltik anregendes. Und dabei ist dieses Mittel so gemacht, dass es das Ekelhafte, das Verdauungsmoment, gleichsam zum Verschwinden bringt.
Das trifft es sehr gut, ja.
Simone hat derweil begonnen, die Bewegung ihrer Hand auszuweiten. Von den Schenkeln führt sie diese zu den Hüften und von dort nach hinten auf Georges' Rücken, auf dem sie dann ihre Handfläche kreisen lässt. Bevor sie sie dann wieder über die Hüften nach unten auf die Oberschenkel zieht; dabei kurz mit dem weggestreckten kleinen Finger seinen Schwanz unter der Hose streifend.
Aber es gibt eine Erotik, fährt Georges dann fohrt, in der die Überschreitung eine Rolle spielt; das ist ein Faktum. Die bist zum Tieropfer zurückreicht und dieses fortsetzt....
....was ich gar nicht bestreiten will, unterbreche ich ihn kurzerhand, aber die einfachere, ursrpünglichere ist die, die das Ekelhafte der sexuellen Verdauung, um es so zu formulieren, zum Verschwinden bringt. Die ist wichtiger, notwendiger als eine Erotisierung eines ursprünglich sakral-tranzendentalen Akts, den das Tieropfer darstellt.
Das ist die Erotik der Religiösen, bringt sich da plötzlich Simone ein, als sie gerade wieder am Weg ihrer Hand von Georges' Rücken zu seinem Oberschenkel mit dem ausgestreckten Finger die' Schwanzspitze antippt, die nun schon ein wenig durch ihren Abdruck im Hosenstoff zu sehen ist. Es gibt aber auch die Erotik aus Ästhetik, und was, Georges, wären wir beide ohne die?
Noch langsamer als zuvor läss die Junge Frau, als sie das sagt, ihre Hand seinen Körper entlang gleiten; beginnend an der Innenseite seiner Oberschenkel. Dann steigt sie vom Hocker und dreht sich so zu Georges, dass sie seinen Körper verdeckt und nur noch ihren Rücken sehen lässt. An der Bewegung ihrer Schulter kann ich erkennen, dass Simone ihren Arm und damit ihre Hand auf dem stets gleichen Niveau hält und dort eine feine Kreisbewegung durchführt. Über ihre Schulter ist Georges' Gesicht zu sehen, in dem sich sein Mund zuspitzt.
Was wären wir ohne eine Erotik aus Ästhetik, mein Schöner? wiederholt Simone noch einmal, immer mit der Hand weiterkreisend; ruhig aber doch intensiv genug, dass ihr der Träger des Kleides über die sich bewegende Schulter nach unten zu rutschen beginnt. So weit, das vorne ihre Brust herausgleitet und auch für mich immer wieder von der Seite her sichtbar wird, um dann aber reglmäßig ganz vor Simones Körper zu verschwinden.
Georges' Mund spitzt sich weiter zu und seine Augen beginnen die sich vor ihm hebende und senkende und rotierende Brust zu fixieren.
Niemals ganz das, was wir aber sind, antwortet er schießlich mit trockenem Mund und einer federnden Atmung in der Stimme.
Die Echte Erotik ist eine Körper-Schrift, die wir schreiben. Mit einfachem Streifen, mit sanftem Kreisen, mit rhytmischem Bewegen.
Nicht um Taboos zu brechen oder um eine Grenze zu überschreiten; im Gegenteil: In der Erotik aus Schrift, in der Erotik aus Schreiben greifen wir eine Spannung auf,
eine Konvulsion,
ein Pulsieren,
und lassen etwa letzteres klingen und fließen; wie in einem Orchester eine Grundmelodie in ihren Orchestrierungen ihre verschiedenen Ausläufer und Verzweigungen findet und dort weiterklingt und weiterfließt. Aus anschwellender Tonalität und Lautheit wird so Rhythmik und Schwingen, obwohl es eigentlich noch immer um ein VERDAUEN geht. Oder um ein Zelebrieren des Konvulgierens, zu dem auch mein vorsichtiges Gehen gehört; meine Gang-Schrift, die meine wunden Füße in Birkenstock-Schuhe steckt und darüber freakige wollener Socken zieht, die auf diese Weise hoffentlich einen Übergang zwischen der Schmerz- und der Erotik-Orchestrierung schaffen.
Alles ist immer im großen Verdauen; was haltest Du davon, Schatz?
Wahrscheinlich bis Du zeitlich genug mit Ezra und Tim, dass Dir das ohnedies selbstverständlich ist.
Aber vielleicht ist es gut, es noch einmal so zu betonen; damit wir unser Konvulgieren und Verdauen oder Verdauen und Konvulgieren wohl nie aus dem Auge verlieren; nicht übersehen, dass es darum geht; nie blind dafür werden, dass wir es auch im Sex mit nichts anderes zu tun haben, nur auf die vielleicht feiernste Weise.
Plötzlich kommt Simone von hinten an mich heran, als ich am schwarzen Tisch sitze; beugt sich zu mir herunter und legt mir den Arm um die Schulter.
Georges muss sich gerade ein wenig waschen, erklärt sie mir, und deshalb soll ich Dir sagen, dass Du nicht auf das Erzählen vergessen sollst. Du sollst bedenken, dass das Erzählen die Konvulsion möglicherweise am meisten feiert, weil sie sie am besten rhythmisiert und orchestriert.
Und was wären wir ohne einem Konvulgieren aus Erzählen, mein Lieber, fügt sie noch hinzu, während ihr das Kleid ganz herunterrutscht und der noch immer von der Bar-Szene aufgegeilte Leib mit seinem feuchten Schwitzen wieder zurück zu Buchstaben zerfließt.
1000Küsse706nach
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Bataille Session, 24. September 2026
23Uhr00/03Uhr40, C. - Ich habe nicht genau verstanden, was Du mit "zelebrieren" meinst. Aber sonst gefallen mir die beiden letzten Sessions ganz gut.
Ein Nachrichten-Talk zur beginnenden Mitternacht. Ein üblicher Mittwoch Abend; mit Dir zwischen Ezra und Tim im Bett, und mir am Wohnzimmer-Küchen-Tisch.
Das ist schon wichtig und zutreffend, fährst Du fort, dieses textuelle Spiel mit Schwellung, Aufladung und Entladung als etwas, das es in mehr Lebensbereichen als nur im Sex gibt.
Ich freue mich über Deinen Kommentar. Und warte auf die nächste Message.
Der Sex ist das, geht es gleich weiter, was die Bewegung der Konvulsion, das Anschwellen, das Aufblähen, das finale Entladen, veredelt, aber grundsätzlich ist die Konvulsion immer da; auch in der Krankheit etwa.
Genau, hake ich da ein, und deshalb kann man die Große Konvulsion auch "zelebrieren"; so wie Mönche ihre theologischen Konzepte zelebrieren. Man "zelebriert", indem man alle Konvulsionen, die einem begegnen, aktiv annimmt und als Ausdruck des universellen Konvulgierens erfasst. Dann wird der Gang mit den schmerzenden Beinen und Füßen, an denen Geschwüre für Anspannung sorgen, die sich erst im Anhalten wieder löst, zum Zelebrieren der Großen Konvulsion, das im Sex seinen Höhepunkt findet. Gleich einer Wandlung im christlichen Gottesdienst.
Kaum hast Du meine Message erhalten, sprudelt es nur so aus Dir heraus:
Wie leben und damit schwellen, pulsieren, konvulgieren wir; das ist Lebendigkiet, Leiblichlichkeit - und das ist die Abkehr von einem Sex der reinen Lust, der am Ende nichts mit Familie zu tun hat; nichts mit Schmerz, nichts mit Thrombosen und letztlich nichts mit einem gelebten Leben.
So sehe ich das auch, ja, schicke ich Dir als Antwort. Nur eine solche umfassende Kultur des Konvulgierens wäre der ECHTE HEILIGE EROS, den Bataille sucht. Aber den er verfehlt, weil er doch an "Transzendenz" und "Erfahrung aus dieser" festhält - statt sich einer strukturalen Bewegung hinzugeben.
Georges und ich gehen in unterschiedliche Richtungen. Aber sich an ihm zu reiben tut weiter gut. Sonst wäre ich nicht dort gelandet, wo ich jetzt angekommen bin. Und Du gehst gut mit; zelebrierst auch schon, indem Du Dein Auge für das Große Konvulsieren schulst und hinblickend Teil hast. So wie man über die Ästhetik am Naturschönen teilhaben kann.
Eine schöne Geschichte habe ich noch, erzählst Du am Telefon; ganz leise, weil Tim noch im Mittagsschlaf ist und Ez eben erst erwachte.
In der Krippe haben wir heute wieder Trennung gespielt und ich musste für eine halbe Stunde weggehen. Als ich wiederkam, haben die Jungs mit den anderen Kindern und den Betreuerinnen am Tisch gemalt. Tim sehr fröhlich, Ezra immer wieder aufschluchzend. Das war gleich vorbei, als er mich sah. Dann wäre gleich aufzubrechen gewesen; das wollte Ezra dann aber auch wieder nicht; viel lieber wollte er bleiben. Timmi sowieso.
Ich komme nicht mehr zum direkten Antworten, weil ich inzwischen an meiner nächsten Station angekommen bin. Aber es ist tatsächlich eine schöne Geschichte, weil sie ein nächstes Kapitel des Großen Konvulgierens ist. Weshalb mich diese Geschichte weiter beschäftigt; weil sie gut interpretiert sein will:
Es geht also gar nicht wirklich darum, dass Du wieder da bist und Ezra etwa mitnimmst. Er könnte und kann auch ganz gut ohne Dich, aber er braucht förmlich die furchtbare Spannung Deiner Abwesenheit, aber auch die großartige Entspannung Deiner Rückkehr; er benötigt dieses Konvulgieren eben. Das gehört zu seinem Leben wie das Atmen; als ein Echo der frühen Baby-Tage vermutlich, in denen sich für ein solches kleines Wesen sonst wahrscheinlich NICHTS erlebte und erfuhr - als eben dieses, als eben ein derartiges Konvulgieren; realisiert in der Dynamik von Gestillt- und Ungestillt-Sein. In DER Spannung ist man deshalb erst lebendig; auch noch viel, Jahre später.
Während ich das denke, dämmert mir, wieso aktuell zu Hause dauernd etwas geworfen werden muss; Bücher, Töpfe, alles mögliche. Viel einfacher lässt sich die Große Konvulsion nicht zelebrieren als im angespannten Hinfassen und Aufnehmen, auf das ein entspannendes Loslassen und Dahinfliegen-Sehen folgt.
Am Ende ist unser Tun und Leben sehr schlicht, was seine Grundantreiber angeht.
Interessiert es Dich überhaupt nicht, den von Dir aufgebrachten Gedanken der Konvulsion als FLEISCHLICHES GRUNDEREIGNIS weiterzudenken, Georges?
Monsieur Bataille ist weiter mit seiner Plethora beschäfigt, und mir ist durchaus klar, warum. Weil der Mensch gerne als ein Mangelwesen und in den Bahnen einer begrenzten Ökonomie beschrieben wird; darauf passiert unsere ganze Wachstums-Ideologie. Die Plethora hingegen beschreibt eine Überfülle, eine Überladung, die menschliches Leben kennzeichnet. Und auch kennzeichnen muss, wenn es Überschreitung, Verbindung, Sex geben muss. Eine Überfülle als Fleisch, ein fetter Phallus, eine füllige Vulva ist, sind nötig, wenn Leben sich fortschreiben soll. Gerade weil wir überschießen können und auch fortlaufend überschießen, eine Überschuß-Ökonomie sind, IST LEBEN.
Eine Kultur der Konvulsion ist damit immer auch eine Kultur der Plethora und der Überschuß-Ökonomie, in der es auch nicht um irgendwelche Waren geht; nicht einmal um Gegenstände. Das Konvulgieren steht selbstverstädnlich im Zentrum, mit all diesen Bewegungen und Praktiken, die zu ihm gehören und die immer wieder im Sex eine Art Vollendung finden.
Ist das nicht großartig?
Ich fühle mich wohl in einer solchen Kultur, in der die Spannungsspiele der Jungs zur Messe werden und mein Hinken zur Prozession, in der am Ende der Leib in seinem sexuellen Pulsieren wartet, das die Konvulsion als Grundereignis richtiggehend abfeiert.
DAS ist KULTUR; dichte Lebenswelt, voll mit Zusammenhang und - richtig erzählt - deshalb auch voll mit Sinn;
egal, wie schauerlich Schmerzen konvulgieren oder wie fast schon obszön alles mögliche pinkfarben gefärbt ist.
So viel Sinn untergräbt alle kulturellen Settings, die ich so kenne und die heute wirken. Und die immer etwas mit Gegenständen und Objekten zu tun haben, die hervorgebracht werden sollen; Wahrnehmungs-Gegenstände; Wissens-Gegenstände; Verkaufsgegenstände. Ich lasse es aber lieber Schwellen und Fließen und Explodieren, bis alles schließlich keucht und nur mehr am Boden kriecht.
Eine solche Kultur lässt auch eine Neuschrift von Batailles Edwarda reizvoll werden, weil Edwarda eine solche Welt zwar andeutet, aber am Ende doch zur Göttin wird, die den Altar der Erotik besetzt. Edwarda müsste aber alles Sakrale hinter sich lassen und nur noch konvulgierenedes Fleisch an einem späten Endpunkt sein, nachdem sie unzählige Stationen des Konvulgierens im Verlauf eines Tages durchlaufen hat. Doch das passt zu keiner Bataille'schen Edwarda, die doch noch immer viel zu erhaben ist.
Deshalb mache ich Dich zu ihr und mich zu ihm; und schon hinke ich wieder durch die Garage zum Lift, während Du zwischen fliegenden Büchern stehst und das Konvulgieren der Kleinen einen letzten Höhepunkt an diesem Tag erreicht.
Im Tempel der Konvulsion angekommen gehe ich dann gleich auf die Knie; gleich neben Ezra, der am Rücken krampft; in heller, angebliche Missachtung verdauender Empörung, die an keine Ende gelang. Du schwillst da gleich mit an; GESPANNT rot am Hals und im Gesicht, in der Farbe Deiner Spalte; umklammert von Tim in gerade irgendwelcher Not.
Im Bad geht die Zeremonie dann in ihre nächste Runde; beide müssen zugleich heraus aus der Wanne; jetzt krampfst Du schon fast mehr als die beiden Kinder. Im Strampeln trifft Tim dann auch noch meine Eier, ein zusätzlicher Schmerz macht so die Messe perfekt.
Doch dann liegen die zwei drüben in ihren Betten, und Deine eine Hand fährt vorsichtig zu meinem linken Knöchel hinab;
OAAARRrrrrr,
ein Wechselbad der Gefühle, in dem Krampf und Entlastung ineinander über gehen.
Fest umfasst dabei Deine andere Hand meine anschwellende Schwellung, die noch zwischen den schwarzen Strümpfen ruht.
Rot wird aber gleich alles, und so unfassbar fleischlich;
in herrlicher Purpurröte, die jetzt von unseren Gesichtern
bis zu meiner prall werdenden Eichel
und den geschwollenen inneren Lippen Deiner nass werdenden Mitte reicht.
1000Küsse705nach
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Bataille Session, 23. September 2026
23.40/04.20, C. - Ich zelebriere schon wieder.
Die ersten Schritte aus der alten Schloßanlage mit den vergitterten Fenstern hinaus sind gut. Die Füße tragen leicht und sind fast schmerzfrei.
Doch nach der ersten Kurve nach links, wo die Straße sich zum Tor dreht und durch die Parkanlage führt, beginnt es schon zu pumpen und zu ziehen. Und als ich unter den schönen hohen Bäumen bin, kommen die Geschwüre am Verband und am Kompressions-Strumpf darüber zu reiben.
Das Lymph-System ist letztlich kaputt, wir können nur schauen, dass die Füße nicht noch dicker werden, hat Dr. D. gesagt.
Gerade sind sie das aber geworden, zumindest temporär, und deshalb beginnen die ganzen Beine zu spannen. Bis ich am Tor angekommen bin, spannt schon der ganze Gang, und nachdem ich durch die vom Schloß aus kontrollierten Schleusen hindurch bin, komme ich mir wie ein einziger großer Krampf vor, der auf den letzten parkenden Wagen zustelzt.
OOarrrh....
Ich lasse mich in den Wagensitz fallen; gleich wird der Druck, die Spannung weniger, oder umgekehrt: Entspannung kommt auf.
Gut zelebriert, Alter.
Mein Spätnachmittags-Beitrag zu einer Kultur der Großen oder Heiligen Konvulsion. Ein Aufwärmen für später. Oder ein Warmhalten, damit nicht in Vergessenheit gerät, was die EIGENTLICHE GRUNDBEWEGUNG des Menschen (und vielleicht des ganzen Universums) ist.
Wie können wir eine solche Kultur am besten charakterisieren, Georges?
Es reicht eine gedankliche Begegnung mit Monsieur Bataille zum Losfahren.
Keine Ahnung, das ist nicht direkt mein Thema.
Tatsächlich arbeitet sich Georges seit Tagen an der Plethora, am Überschuss, am Überfluss, ab, der zur Ausbildung von Erotik dazu gehört. Nicht eine aktive Entscheidung führt dazu, dass man aus der Diskontinuierlichkeit, aus der Erfahrung des begrenzten und gefühlten Selbst, buchstäblich hinausfliegt; die Organe machen das; das konvulgierende Fleisch des Phallus wie auch das pulsierende Fleisch der Vulva. Das führt zu einer Plethora, die den Menschen von sich wegreisst, sein Gebiet der Inneren Erfahrung zerbrechen lässt und eine Trance der Organe aufkommen lässt. In der sich diese Organe ineinander verschlingen und damit auch ihre Träger bestenfalls noch in der Kontinuität eines Mensch-Seins stehen lassen, das mehr Prinzip, Gattungs-Ereignis als singuläres Erfahren, als Selbstgefühl ist.
Diese Analyse der Plethora hilft nicht wirklich weiter, wenn es um die Konkretisierung einer Kultur der Konvulsion geht. Auch wenn sie zeigt, in welche Richtung es gehen muss; eben in die einer Trance der Organe, in der diese in einer Art Überfluß geradezu explodieren. Und mit ihnen ihre Träger.
Mein Schwanz explodiert zwar gerade nicht und auch Deine pulsierende Muschi ist nicht in der Nähe, aber meine Füße und Beine tun das. Oder taten das bis vorhin. Und indem diese Organe von mir sind, gelten deren Konvulsionen genau genommen auch:
Im Sex, im direkten Akt wird dieses Pulsieren und Konvulgieren zwar abgefeiert und verehrt, es gehört aber eben, wie in der gestrigen Session schon Thema, viel mehr dazu. Eben auch der Schmerz, den wir uns nicht zufällig oft gleichsam von der Seele ficken und dabei umgekehrt auch wieder verstehen, wieviel an Schmerz zu einem Fick stets dazu gehört; speziell für die Frau.
Ich bin also so gesehen im WarmhaltenoderAufwärmen und insofern mitten drinnen in einer Kultur des Großen oder Heiligen Konvulgierens, und nachdem ich in unsere Tiefgarage eingefahren bin, geht das Training schon wieder in die nächste Runde.
Leichtfüßig steige ich nämlich noch aus dem Wagen, bepackt mit meiner Tasche, und kein Geschwür oder sonst was ist zu spüren. Doch kurz vor der Tür, die die Garage vom Hauseingang mit dem Lifteingang trennt, geht es los.
Jetzt ist wieder alles voll mit Lymphe.
Jetzt pulsiert und hämmert es nur so.
Jetzt fangen die Geschwüre wieder an zu reiben.
OOOAAARRRR!!.....
Dann aber: Entspannung im Lift, im Stehen.
Ich zelebriere schon wieder.
Allerdings: neue Verspannung im Gehen nach dem Aussteigen, bei den Schritten durch den offenen Laufgang.
Schließlich jedoch: wunderbare Entspannung, als ich in der Wohnung auf die Knie gehe.
Meine süßen Schätze!
Tim kommt aus dem Schlafzimmer, grinst; lässt sich umarmen; Ezra klammert sich an Dich und schaut verstohlen über seine eigene Schulter zu mir.
Dabei hat er die letzten 10 Minuten nur vor der Tür verbracht und "Papa Papa Papa" gerufen.
Ich stehe wieder auf, gehe zu Dir und Ezra und küsse Dich dabei, als Du das sagst. Und ich küsse auch Ezra, der aber von mir erobert werden will und deshalb grinsend erst recht sein Gesicht an Deinem Hals vergräbt.
Das Spannen hat jetzt wieder ein wenig eingesetzt; doch es gehört auch zum Herzen, Kosen und Spielen, dass die damit verbundene Gesamt-Entspannung die Teil-Verspannung der Füße und Beine überlagert. Weshalb alles grade halb so wild ist, ohne dass ich jedoch mit dem Zelebrieren der Kultur des Großen Konvulsion brechen würde. Dieses geht schon weiter; dafür sorgen die Beine, die Schmerzen; dafür sorgst aber auch Du.
Wie immer siehst Du großartig aus; mit diesem irgendwie in seiner Weite eleganten Top, das auch großzügig ausgeschnitten ist. Ich luge nach Deinen Brüsten, die sich aber gut verbergen; auch, weil Ezra schon wieder auf Dir klebt. Dennoch luge ich weiter, auch wenn ich weiß, dass heute die Große Feier, die sexuelle Verehrung der Heiligen Konvulsion ausbleiben wird.
Ich bin so müde, hast Du vorhin schon erklärt; die Eingewöhnung von Ezra und Tim in die Kinderkrippe setzt zu. Schlafen wird deshalb sein, sonst gar nichts.
Außer vielleicht ein Zelebrieren mit den Augen.
Langsam nur kommen wir vom Niederlegen der Kleinen hoch. Tim hat in seinem Flachbett neben Dir eingeschlafen, Ezra neben mir in seinem. Und beide haben wir mit ihnen eingepennt. Für geschätzt fast eine ganze Stunde.
Ich gehe mich fertigmachen, flüsterst Du, während Du Dich verschlafen hochzerrst; ich nicke nur und greife nach meinem Handy.
Auf Insta habe ich Alexandre Garreau gebookmarkt; ich mag diese öligen Gemälde, die er aber wohl mittels KI produziert, wie er andeutet.
Auf einem liegt SIE vor IHM; man sieht nur den Rücken der zur Seite gedrehten Frau, auf die der Mann gerade zugeht; genau so unscharf gehalten wie sie, fast in Farbe verfließend; nur als Body, ohne gezeigtem Haupt. Das man auch von ihr nicht sieht; es ist abgesenkt, zum ihm gedreht, vermutlich zu seinem Schwanz. Wie auch ihre Hand, die wohl nach diesem greift.
Komm', steig mit mir in diese Szene.
Was ich Dich einfach tun lasse, und schon bin ich dann hinter Dir und verschwinde hinter der Bewegung Deines Kopfes; hinter diesem Genuss spiegelnden Antlitz mit den leicht göffneten Lippen und den geschlossenen Augen, die sich im Wischeffekt des Bildes verlieren. Wie Deine rechte Brust, die ich vermutlich im verfließenden Farbgetümmel umfasse. Weshalb Du zugleich herdrängst und wegdrängst, wie auf dem nächsten Bild, wo Dein Kopf nach hinten fliegt, weshalb meine Arme fest nach den Deinen fassen; in einem sich formenden Konvulgieren, in dem sich unsere Geschlechter schon gegeneinander drücken; noch im Stehen. Bis wir dann umkippen, zur Seite kippen, und mein Körper zum Farbfleck zerrissen wird und von Dir nur ein Rücken und Oberschenkel bleibt.
Weich drückst Du Dich schließlich aber an mich, im Liegen, während ich sitze und mich an Dich halte. Jetzt erst, in der Entspannung, wird erstmals das von unseren Leibern irgendwie fest, was man von diesen sieht und noch von diesen über ist.
In dem damit abklingenden Augenfest sehe ich, wie Du nach Ezra neben mir langst, um ihn in unser großes Bett zu tragen.
Ich will das mit Tim machen, aber Du bist schneller.
Weil schon im Aufrichten meine Füße sich melden;
schmerzvoll;
und weil damit mein nächsten Warmhalten,
mein nächstes Aufwärmen
für das Große Konvulgieren beginnt.
Du zelebrierst schon wieder, Alter.
1000Küsse704nach
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Bataille Session, 22. September 2026
23Uhr20/04Uhr20, C. - Zum ersten Mal gefällt Dr. D. nicht, was sie heute sieht.
Die Geschwüre, das geht, aber die angeschwollenen Füße.
Beide sind voll mit Lymphe, weil das Lymphsystem allmählich nicht mehr funktioniert. Als weitere Spätfolge der Thrombose von vor 12 Jahren.
Und?
Nicht lange fackeln, kommen wir gleich zur Sache ist meine Devise
Wir brauchen ein MR, ein MR des Venensystems, des ganzen Körpers.
Sie fackelt auch nicht lange.
Gut. Und was noch?
Wir müssen die Wunden wieder vom Fribrin-Belag reinigen.
Auch das kann ich nur zur Kenntnis nehmen, aber ich weiß natürlich, was jetzt kommt. Und so lass' ich Dich dazwischen fahren:
Was ich als Frau dazu denke?
Du gehst tatsächlich auf die letzte Bataille Session ein.
Dass es gut trifft, was da über Sex steht. Ich teile Deine Einschätzung, dass Sex als Lust-Sex eine völlig einseitige Idealisierung ist. Die, wenn, dann eher auf den jagenden und eindringenden Mann passt.
Ich nicke nur und warte auf das, was Du noch nachsenden wirst. Und es kommt auch gleich etwas:
Für die Frau, denke ich, ist oft primär das Verletzende präsent; vielleicht haben Frauen deshalb auch oft weniger "Lust". Wegen der Überwindung. Es hat immer auch mit Schmerz zu tun; ist immer auch aufs Neue eine Überwindung, sich so zu öffnen, so zu vertrauen, dass das Kommende nicht vernichtend wird.
Das kommt einem gesellschaftlich-kulturellen Atomwaffeneinsatz gleich; nach wie vor. Denn was Du ansprichst, ist im Mainstream-Diskurs bestenfalls ein zu lösendes Problem, eine Altlast und NICHT ein immanenter Fixbestandteil der ganzen Sache des Sexuellen. Und Du legst sogar noch nach:
Dass die Idealisierung von Sex als Lust mit der Etablierung des liberalen Konsum-Subjekts zu tun hat, da bin ich sofort dabei.
Ein klassischer Fall von Ideologem eben, das aber selbst der kritischen Psychoanalyse zum Teil entgangen ist. Zu NICE war das Bild eines Lust-Körpers, als dass man dieses nicht doch gern unterstützte und theoretisch auszubauen versucht hätte. Melanie Klein freilich nicht; Schmerz und Angst; die FRAU wusste, dass vermutlich doch alles anders ist.
Ich gebe Ihnen ein Gel auf die Fibrin-Stellen; das stärkste, das ich für eine Lokal-Anästhesie habe.
Dr. D. ist wie immer bemüht, meine Schmerzen gering zu halten. Weshalb sie das Gel nur vorsichtig auftupft und sich dafür Zeit lässt.
Es muss eine halbe Stunde einwirken.
Dabei lässt das erste Brennen schon nach; das Gel beruhigt selber den Schmerz, den es zuerst ausgelöst hat. Es spannt an und entspannt dann auch gleich. Ein Konvulsionsspiel; das nächste.
Wie aufgelegt, Schatz, oder?
Ich finde es auch schön, Sex als Konvulsion und damit als Teil einer Lebens- und nicht einer Lust-Bewegung zu denken. Alles andere ist nur trivial.
Deine letzte Nachricht unterstützt diese neue Art Ontologie, die mir vorschwebt. Ontologie nicht im Sinne der Philosophie; mehr in der Nutzung dieses Begriffs in der Software-Entwicklung. Konvulsion als Base, als Baseline, die sich immer wieder neu artikuliert. Auch im Sex, der damit immer als komplexe Bewegung und nicht als kitschige Lust beschrieben werden muss. Wobei es noch um viel mehr als bei Bataille gehen muss, bei dem doch wieder alles zur lustvollen Erotik wird. Wenn auch zur Heiligen Erotik.
Mir schwebt eine Kultur der Großen Konvulsion vor; speziell dann, wenn Dr. D. das Anästhesie-Gel mit einem Verband zu überkleben beginnt und die wunden Stellen krampfig zu arbeiten beginnen.
Ich will, dass es gut einzieht.
In Unterhosen setze ich mich in den leeren Gang hinaus; an Abend-Terminen ist meist nur noch eine zweite Patient:in da. Die dann aber ohnedies nach drinnen, in den Behandlungs-Raum, geht, wenn ich im Gang warte. Es zieht ordentlich; bis in die Unterschenkel hinauf.
Eine Kultur der Großen oder Heiligen Konvulsion also: Über die Bewegungen des Lebens, des Familien-Lebens, schreiben, und dann den Sex hereinfließen lassen. Noch ist dieser dabei zu sehr, in gesellschaftlicher Gewohnheit, als Lust, als Kraft gedacht; aber eigentlich müsste er noch viel genauer gefasst und gelebt werden. Beginnend als der komplexe Spannungs-Aufbau, der er auch für mich ist:
Ein Teil des Thrombus ist damals durch meine Eier nach oben gewandert und hat diese so in ein Krampfadernpaket verwandelt. Sehr beeindruckend, sagt Prof. Z. bei den jährlichen Kontrolluntersuchungen deshalb immer; soll ich Ihnen die Varizen am Ultraschall bunt einfärben, damit Sie die Farbenpracht sehen?
Auch DAS gehört in meinem Fall zur Großen Konvulsion dazu; das Austricksen der Gefäßstörungen, der Spannungen, in den Hoden und am Anfang meines Schafts.
Was immer bedeutet oder bedeuten muss, sich sehr bewusst auf den Sex einzulassen; schnell nebenher geht gar nichts. Was ich schätze, weil ich so mehr auf Dane achte und Sex tatsächlich etwas von einem Akt hat, auf den man sich vorbereitet. Und den man immer auch ein Stück weit zelebriert. Ganz unpathetisch, aber als etwas, das Wert hat.
Nicht nur für einen selbst, sondern für das Leben überhaupt.
Und dann ist man schon bei einem Zentrieren des Sex für die Existenz und lotet diesen aus, in all seinen Facetten, speziell in seiner Dimension der Fruchtbarkeit und als Instanziierung eines weit umfassenderen Konvulgierens; und dann wird das etablierte kulturelle Setting auf einmal primitiv, weil es sich auf Spielzeuge aller Art und technischen Schnickschnack fokussiert und die Fruchtbarkeit und das Konvulgieren und was es alles eröffnet völlig aus den Augen verloren hat. Die Kostbarkeit der Zeit mit den Kindern, zum Beispiel; mit Ezra, mit Tim.
Das andere Konvulgieren geht jetzt los.
Vorsichtig löst Dr. D. die Verbände und beginnt mit der Reinigung.
Ich verkrampfe mich kurz, und das zur recht, weil das Gel hilft, aber nicht alles an Schmerz-Linderung leisten kann, was eigentlich ansteht. Doch dann ist die erste Stelle geschafft und ich kann mich entkrampfen.
Das ist echtes leibliches Leben, ja: das ist LEBEN. Genau diese Bewegung. Ich bin gerade ECHT.
Die nächste Stelle kommt dran, und die übernächste.
Ich strecke mich durch, festige jeden Muskel, lasse wieder los.
Schaffen wir die Stelle auch noch? Und zwar mit der kleinen Kürette?
Ich winke ab. Nein, für heute ist es genug.
Stattdessen flüchte ich zu Dir.
Ich suche jetzt keine Fragmente für eine Sprache des Sex' mehr, sondern Bilder und Texturen für eine Kultur des Großen Konvulgierens, das speziell über den Sex gelebt und geehrt wird; über keinen Lust-Sex, sondern über einen auslotenden, der Spannungen auffbaut und wieder abflauen lässt und sich entlang dem entfaltet; mit Vorbereitungen und Kultstätten, die aber nur im Auge liegen.
Und so etabliere ich ein Neues Schauen und Lesen, lasse aber die Historie zur Seite, die antiken Götter oder Mithras, und stöbere stattdessen durch die neuen Bilduniversen, in denen etwa Alexandre Garreau die Körper anspannen und zerfließen lässt; wenn ER nach IHR greift oder umgekehrt.
Das werde ich Dir zeigen, um so das Große Zelebrieren zu eröffnen.
Zu dem vielleicht aber auch schon die Kürette gehört, der, deren Konvultierungs-Schub, ich heute ausweiche.
Die mich aber in Wirklichkeit zu Dir führt;
mit der Konvulsion in die Konvulsion,
die Du in all ihren Aspekten,
der Menstruation,
dem Gebären,
dem klitoralen Orgasmus
und was noch alles hinzu kommt,
so viel besser kennst und verstehst als ich.
1000Küsse703nach
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Bataille Session, 21. September 2026
22Uhr30/04Uhr20, C. - Wozu, WOZU, WOZU??!
Tim wälzt sich rechts am oberen Rand unseres Bettes; er hat sich wieder vom Entsetzen erholt, das ich ausgelöst gehabt hatte. Zurecht, wie ich noch immer meine. Ich habe seine Kletter- und mehr Experimente mit dem Sprossenheizkörper unterbunden vorhin; mit Donnerstimme und schroffem Wegheben, wie ich gerne zugebe. Darauf war er eben entsetzt und beleidigt, aber jetzt geht es schon wieder. Und deshalb wird jetzt wieder gewälzt. Und weitergewälzt. Und weiter weiter weiter gewälzt. Wie als ob ein Programm in ihm ablaufen würde.
WOZU??
Deine Frage klingt genervter, als sie tatsächlich ist. Du willst einfach tatsächlich wissen, warum es schon wieder so zugeht bei uns. Denn es ist ja nicht nur Tim allein, der Action produziert.
Auch Ezra kann es gerade so richtig gut. Er liegt vor Dir am linken oberen Rand unseres Bettes, mit den Füßen voraus Richtung Bettrücken. Und wie ein Delphin-Schwimmer krümmt und wellt er dabei seinen kleinen Körper durch und trommelt mit jeder dieser Wellen-Bewegungen gegen meinen Polster, der dort liegt:
FlappTusch,
FlappTusch,
FlappTusch,
FlappTusch.
Was die dauernd abarbeiten müssen....
Du bist mit Recht erstaunt, weil die zwei für ihr Alter wirklich ordentlich energetisch sind. Oder "KONVULSIEREND"; ich weiß nicht, wie man sagen soll, wir haben keine brauchbaren Begriffe und Logiken dafür. Obwohl mit "Konvulsion" zu arbeiten gut ist. Weil dann Sequenzing, Siiiiiquenzin', gut geht; erhellendes Jumpen also. Und das tut doch gut Schatz, oder?
Das ist gut heute, ja.....
Du tastest, betastest, Deinen Orgasmus. Auch eine Konvulsion; heute aus reiner Zartheit heraus. So wie meiner.
Fein sind wir heute wieder miteinander.
Magst Du etwas probieren?, frage ich Dich deshalb.
Ich bin nach hinten auf den Rücken gesunken; meine Beine sind damit auf der Höhe Deiner Brust zu liegen gekommen. Du kannst leicht aus der Position nach ihnen greifen. Du stützt Dich auf Deinen Ellbogen nach hinten ab und siehst in meine Richtung.
Was?
Streiche bitte ganz fein, so fein wie vorhin, über meine Beine; dort, wo die Geschwüre und das ganze beleidigte Gewebe ist.
Du tastest vorsichtig nach dem rechten Fuß und legst die Hand auf meinen rechten Innenknöchel. Ich trage noch immer meine langen, schwarzen Kompressions-Strümpfe. Das könnte als Perversion oder als Zitat aus der "Geschichte der O" durchgehen, ist aber eine rein pragmatische Sache.
Ohne die Strümpfe wird aus lästig schmerzhaft ein so richtig schmerzhaft, weil die Lymphe beide Füße und Beine massiv anschwellen lässt. Also Sex in schwarzen Kompressions-Strümpfen; interessant.
Ja, genau dort, da fange bitte an, kommentiere ich Dein Auflegen der Hand.
Ah, sehr gut...
Ein leichtes Entspannen fließt durch den Fuß, als Du Deine Hand vorsichtig vom Knöchel abwärts zu bewegen beginnst.
Ahhh!
Kurz zuckt mein Fuß, wie bei einem Orgasmus. Aber dann ist es schon wieder vorbei, weil Du in die Nähe des Geschwürs kommst. Es krampft alles, als Du darüber hinweg fährst,
ARRRR!!!,
und entspannt sich aber wieder herrlich,
Ahhhh....,
als die Finger darüber hinweg sind und sich wieder nach oben Richtung Knöchel bewegen. Das tut dann so gut, dass das ganze Bein wie beim einem Orgasmus zuckt; konvulgiert,
AHHHH!!!!,
zum Abschluss Deiner ersten Kreisbewegung.
Du machst gleich weiter und wechselt dann zum anderen Fuß, wo sich alles wiederholt, wo sich die ganze Konvulsion wiederholt; im Kleinen, im Großen, bis dann der ganze Körper zittert und fibriert und sich schließlich entspannt.
Eigentlich sind das die richtigen Kategorien, sage ich deshalb herausfordernd; zu Dir, aber noch mehr zur Monsieur Bataille, der mich auf das alles gebracht hat. Er spricht von der Konvulsion, die das angeschwollene Fleisch beim Mann, bei der Frau, letztlich realisiert.
Aber bei Dir bleibt das ein Nebensatz; irgendwie willst Du noch immer den Lust-Begriff im Zentrum lassen. Der dann um den Gewalt-Begriff und andere angereichert wird, wenn es um Sex geht.
Georges, heute wieder rein textuelle Figur, verzieht den Mund, aber schweigt. Ich habe etwas Wichtiges getroffen, wie mir scheint.
Denken wir den Sex doch einfach nur einmal als eine Konvulsion und verstehen wir die Konvulsion als eine Grundbewegung des Lebens, die einfach Reiz-Verarbeitung speziell auch des Eindringenden, Aufreissenden ist, wie auch ein Geschwür in der Haut eines darstellt. Ist dann nicht jede Reduktion von Sex auf Lust nicht einfach lächerlich?Und ist nicht noch jedes angebliche Primat der Lust beim Sex zuviel; zuviel der Behauptung?
Ich habe immer schon gesagt, dass es beim Sex auch um den Tod geht und wir deshalb die Erotik erfunden haben, hält mir Georges entgegen.
Das ist korrekt und letztlich hat mir das jetzt auch den Weg gewiesen; zum Sex als Konvulsion, als Verwundung, die konvulsierend verarbeitet wird. Es liegt nahe, dass ZUMINDEST ZU BEGINN der Geschichte der Sexualität dieser Beginn ein Gewaltakt und zugleich eine Verletzung war. Und heute noch immer ist, respektive schnell wieder dazu werden kann.
Was meinst Du dazu, meine Heißgeliebte? Als Frau?
Ich bin auf Deine Antwort gespannt und habe nicht die geringste Absicht, ihr irgendwie vorzugreifen. Außerdem gibt es noch genug anderes aufzuzeigen, was eine Entwicklung von Sex als Entwicklung einer Verletzung inkludiert. Und dabei denke ich weniger an ein Plädoyer für die Feinheit, die erst die Verletzung zu einem POSITIVUM aus MEHR ENTSPANNUNG ALS ANSPANNUNG macht. Mich interessiert gerade die Ideologie, die aus dem Sex einen Lustgewinn macht. Und ich habe dazu eine klare Vorstellung, die ich Dir hier in den Morgen schreibe; wem sonst außer Dir?
Sex als Lust ist in dieser penetranten Ausschließlichkeit ein Ideologem der ersten Welle des Liberalismus, die unter anderem die Psychoanalyse hervorgebracht hat. Freud spricht davon, dass er den Menschen für den Liberalismus fit machen möchte, und dazu gehört auch fröhlich Vögeln, damit das Leistungs- und Konsum-Subjekt seinen passenden Anreiz hat (was Freud freilich nicht dazu sagt). Fröhlich Vögeln wird so zentral, oder besser: die Jagd nach diesem, denn es muss ja Jagd sein, weil es einen absolut lustvollen Sex NIE geben kann, wenn er eben eigntlich ein Phänomen der Konvulsion ist. Durch diese Jagd sind die Menschen aber wenigstens beschäftigt und noch wichtiger: der Sex wird trivialisiert und harmlos gemacht.
Denn die Konvulsion ist alles andere als harmlos; sie ist auch ein Schmerz, und es geht nicht weniger als um Eindringen und Grenzen vernichten bei gleichzeitigem Verarbeiten eines Befalls von Außen. Was eben einem Aufladen und Entladen entspricht, womit man in eine der großen Fundamental-Bewegungen dieses Universums kommt. Die dann die ganze liberal-konsumatorische Organisation von Welt in Frage stellt; irgendwie existenziell lächerlich macht. Denn was ist diese schon gegen ein Leben, das sich um diese Konvulsion formiert? Eine Kastration, in der ein angeblich stets lustvoller Sex an die Stelle der SEXUELLEN KONVULSION tritt und weniger Leben als neue Konsument:innen hervorbringen soll, die nicht - über den Weg einer Lebenswelt und Lebensform - in die große Konvulsion eingeführt, initiiert werden, sondern notfalls und vielleicht sogar idealerweise in irgendwelchen Zucht-Einrichtungen landen, wo sie in Disziplin- und Lust-Optimierung inkluse Wissensvermittlung geschult werden.
DAS ist die IDEOLOGISCHE Konstruktion, zu der der LUST-SEX gehört; aber wen interesieren heute noch Ideologeme, wo es doch wieder schick geworden ist, die Sprache der Ideologen selbst zu sprechen, also das rationalistische Begründen als Diskurs einer Legitimationen-verliebten Herdenzüchter-Society, um dann auch noch - wie die neuerdings gerne medial präsentierte Lisz Hirn - dem gut begründeten Gehorchen das Wort zu reden. Hier ist Denken bankrott gegangen, und es merkt es nicht einmal. Doch fröhlich Vögeln macht alles wieder gut....
FlappTusch,
FlappTusch,
FlappTusch,
FlappTusch.
Wozu sie KONVULGIEREN?
Ich präzisiere jetzt Deine Eingangsfrage nach dem "WOZU?".
Weil Ezra und Tim jetzt in Spannung stehen; weil DU ein Intruder bist, und weil ich ein Intruder bin; weil wir sie beide ins Bett bringen wollen, ohne dass SIE das auch möchten. Weshalb es ihnen jetzt im Ganzen so geht wie uns, wenn wir uns etwa der Großen Konvulsion hingeben. Also der Sexuellen, um es ganz klar zu sagen.
Oder Deinen Wunden.
Ja, der Orgasmus im Bein war gut. Und vielleicht wäre es noch besser, wenn wir es das nächste Mal umdrehen und Du zuerst die Beine zum Krampfen und Entkrampfen bringst und dann auf mir reitest, auf dass sich die Absolute Konvulsion auftut; die Lebensform der Konvulsion, die all den Ideologemen unserer Zeit die Hüllen herunterreisst, sie nackt macht, bis sogar Georges einstimmt und nur mehr "KONVULSION, WIR BRAUCHEN STATT EROTIK MEHR KONVULSION" brüllt. Das wäre doch echtes gesellschaftliches Neuland, oder?
1000Küsse702nach
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Bataille Session, 18. September 2026
22Uhr50/04Uhr20, C. - Ich merke es schon 20 Meter vor der Wohnungstüre. Ich bin zu spät, Tim und Ezra sind schon im Bett.
Der Raum erzählt mir das; seine ihn bildenden Ketten von Objekten sind andere als sonst. Am Ende des Gangs, der Mauern und der kleinen Fenster warten diesmal keine tollenden Zweijährigen. Der Gehalt dieses Satzes aus Beton und Dingen wäre sonst ein anderer.
Vor fünf Minuten flüstert mir Dane zu, als ich mich in das Schlafzimmer schleiche; ich will mich in das Kinder-Flachbett setzen, in dem sie NICHT sitzt.
Wer ist das neben mir? flüstere ich zurück. als ich mich niederlasse.
Du schaust neben Dich, sagst leise Ezra und schaust dann herüber zu mir, schaust dann noch einmal zu dem Kleinen links von Dir und flüsterst dann noch leiser
Tim; neben Dir das ist Tim; ich musste jetzt selber überlegen.
Ja, ich will die Jungs wenigstens beim Einschlafen oder besser: beim Finden in den tiefen Schlaf begleiten. Und ja, ich kümmere mich gerne um sie; auch und gerade weil sie das sind, was durch die Erotik, den Sex, die Liebe bleibt. ANDERS als Bataille behauptet.
Denn für Georges ist dieser Zusammenhang zwischen Erotik und Kindern nicht unbedingt ein MUST; und selbst wenn er besteht, ist er - NATÜRLICH! - wieder einmal etwas besonders Schweres und Erschlagendes; er ist ein mühsames Spiel in fünf Akten:
Aufzug 1: Sex ist immer auch der Antreiber einer KRISE, in die das SELBSTGEFÜHL eben durch Sex gerät; die INNERE ERFAHRUNG, die etwas mit der Erfahrung von Grenzen und Relationen zu tun hat, wird durch die sexuelle Intimität unterlaufen.
Aufzug 2: Es kommt gleichsam zu einem WECHSEL vom Zustand erfahrener Diskontinuität, Vereinzelung, zu dem von Kontinuität, zu einem Weiterlaufen in bzw. über andere oder notfalls im unendlichen Sein.
Aufzug 3: Dieser Zustandswechsel ist irgendwie ERWÜNSCHT, weil die Diskontinuität Angst macht und auf den Tod verweist; gleichzeitig ist er auch KOMPLIZIERT, führt eben zum Verlust des SELBSTGEFÜHLS, das zur Vereinzelung gehört.
Aufzug 4: Deshalb gibt es, Georges sei Dank, die Erotik, die mit ihrem Entblößen, Aufreissen des Körpers, Pulsieren des Blutes und des anschwellenden Fleisches die alte OPFER-LOGIK der am Altar dargebrachten Tiere weiterführt und so herrlich an das Göttliche bindet; allen Verlusten von SELBSTGEFÜHL zum Trotz - und zugleich zu dessen Kompensation.
Aufzug 5: Die Erotik ist schließlich so stark, so begeisternd, dass sich der Mensch gerne in ihr VERLIERT. Weshalb mit gesteigerter Erotik das Kümmern um die Kinder, also um die Ergebnisse des erotischen Spiels, abnimmt; zur Last wird.
Wie gesagt: Für Georges ist das alles, dieser Zusammenhang von Erotik und Kindern, wieder einmal unfassbar komplex; man spürt förmlich ein Gewicht, wenn man in seinen Bahnen das alles durchdenkt, das einen erschlägt. Wobei das alles schon auch etwas hat....:
Weißt Du, Georges, da mir bekannt ist, wie viele Menschen leben, bin ich ja fast geneigt, Dir zu folgen. Wenn da nicht auch noch ganz andere Bilder und Erfahrungen wären, die aus diesen Bildern folgen.
Welche Bilder?
Fast neugierig schaut Georges auf.
Seit ich nach brauchbaren Bildern des Obszönen suche, mit denen ich Dich, uns und das Obszöne überhaupt gut fassen kann, bekomme ich auf Insta täglich Unzähliges vorgeschlagen. Vieles ist für mich völlig uninteressant, aber manchmal bleibe ich an einem Bild hängen. Wie an dem von Valeron oder sadsletcher_, wie er oder sie sich nennt.
Es ist in SchwarzWeiß gehalten, eigentlich eine Bleistiftzeichung, in der eine nackte junge Frau auf einem nackten Mann sitzt oder genauer: reitet. Man blickt von oben auf die beiden drauf; er liegt auf dem Rücken, ist aber erst ab der Brust abwärts zu sehen; sie lehnt sich mit ausgestreckten Armen nach hinten zwischen seine Unterschenkel und hat ihn, also seinen Schwanz, offensichlich gut in sich. Was ihr Gesicht verrät, das durch den leicht nach hinten geneigten Kopf deutlich präsentiert und so zum Zentrum des Bildes wird. Das Haar ist wuschelig zersaust, die Augen sind geschlossen und der Mund.... ja, der Mund macht es aus. Denn der ist weit geöffnet, wie zu einem stummen, zu einem geschluckten Stöhnen; man sieht aber förmlich, dass da nichts kommen wird oder kommen soll; vor lauter Konzentration auf IHN IN IHR; auf seine linke Hand, die kraftvoll aber nicht fest an der Spitze ihrer zarten rechten Brust zieht und vorsichtig dreht.
Ein geiles Bild.
Aber noch mehr ist es ein schönes Bild. Immer schon habe ich Bilder, die so funktionieren, zwar als obszön, aber auch als FREUDVOLL, voll mit Freude, erlebt. Tatsächlich ist das stärkste Gefühl, das von ihm in mir ausgelöst wird, ein LIEBEVOLLES FREUEN. Ich freue mich einfach; für SIE, für IHN; noch mehr aber eben für SIE, weil SIE auf dem Bild präsent ist, und so viel geschlucktes Stöhnen, so viel Lust wohl immer auch eine Freude begleitet, wie ich unterstelle.
Wie das auch dann ist, wenn DU auf mir bist und ich Dich an den Hüften fasse und ich mich so tief ich nur kann in Dich hineindrücke.
Am Ende ist es so vor allem freudvolles GLÜCK, das ich dann verspüre, und so bleibt auch mein Mund dann einfach tonlos wie bei der jungen Frau geöffnet, weil ich nicht weiß, ob ich stöhnen oder jubeln soll.
Auch das ist eine KRISE des SELBSTEGFÜHLS, mein lieber Georges, aber eine, in der man sich in Freude und Genießen und Glück verliert. Und natürlich VERLIERE ich mich in dem, in dieser Art KONTINUITÄT AUS FREUDE UND GENUSS, in die ich mich einklinke und in der es mich nicht mehr gibt; in der nur mehr dieses Freuen besteht, das irgendwie nicht mir gehört, sondern auch Dane oder auch dieser jungen Frau auf dem Bild. Es ist endlos, grenzenlos und ich wünsche nur, nie mehr aus ihm heraus zu müssen.
Ich weiß, dass Georges dazu nichts zu sagen hat; er ist besessen von seiner Erotik, die an die Stelle der Transzendenz tritt, dafür aber noch immer ein wenig mit Transzendenz befüllt sein muss und sich so am Opfer und am Göttlichen abarbeitet.
Mir reicht diese Freude, und die braucht nicht viel außer einer Geschichte, die dem offenen Mund vorläuft. Etwa die Geschichte vom Schwimmen unten am See, über das man gemeinsam noch einmal spricht, während man sich auf das orangefarbene Sofa setzt und so auch genau wird; im Erzählen; im Tun; IHR deshalb die kleinen roten Flecken eincremt, die die Sonne aufgebrannt hat, und dabei zusieht, wie sie mit der Zunge über die Lippen leckt, weil das Ei von der frischen Pizza dort kleben geblieben ist. Weshalb man dann noch einmal vom warmen Wasser erzählt; wie gut das nach unten geronnen ist, als man aus dem See stieg. Und dann fasst man schon nach Ihrer Brust unter dem weiten Shirt und gleitet hinunter in die weite kurze Hose, unter der sie nichts trägt; und dann gleitet die Hand zwischen die Schenkel, wo noch oder schon wieder alles feucht ist, während sie, DU, Dich nach hinten, an mich drückst, mit dem letzten Bissen Pizza im Mund, und dann bist Du schon auf mir, in der nur ein wenig zur Seite geschobenen Hose, und Dein Kopf fällt leicht in den Nacken, und schon ist sie da, die tiefe Freude, die jetzt hoffentlich unendlich lange bleiben wird.
Gerne denke ich heute noch an dieser Geschichte, und sie geht weiter, wann immer ich Dich an mich drücke; nackt oder angezogen; und die zwei Kleinen da neben mir gehören auch zu ihr. Und nichts ist dann schwer oder erschlagend am Kümmern um Ezra und Tim; es ist nur eine NÄCHSTE ETAPPE DER FREUDE, die mit dem offenen Mund und dem sanften aber kraftvollen Drehen an der Brustwarze beginnt.
Du schälst Dich aus dem Bett mit Ezra und beugst Dich herüber in meines, in dem ich neben Tim sitze.
Ich bin so müde, sagst Du, nachdem wir uns endlich geküsst haben.
Die zwei waren so reizend; wir saßen drüben, lasen, sie wurden müde und gingen einfach von selbst herüber ins Bett.
Da gehörst Du auch hin, denke ich mir nur und mache uns dafür umgehend und noch einmal zu dem Paar auf dem Bild.
Wenigstens das, angesichts alles andere verhindender Schläfrigkeit. Genussvoll freudig öffnest Du erneut den Mund und presst Dich zugleich nach hinten und nach unten; gut und tief bin ich in Dir. Noch einmal und wieder erfahre ich dabei in mir, dass Verausgabung, Schamlosigkeit und Freude jene Einheit bilden, in der sich für ewig zu verlieren lohnt.
Und dann bin ich schon weg, verloren; verschwunden in dieser Krise des SELBSTGEFÜHLS, die so eine Freude ist.
1000Küsse699nach
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Bataille Session, 17. September 2026
22Uhr40/03Uhr40, C. - Schon wieder die zwei in ihrem neuen Thule-Kinderwagen.
Du kannst nicht widerstehen, Ezra und Tim auf ihrem Weg in die Kinderkrippe schon wieder zu fotografieren. Weil ihre Blicke so viel erzählen.
Auf dem heutigen Bild sieht Timmi direkt in die Kamera; mit angespitztem Mund und in der Erwartung, dass gleich etwas geschieht. Dass gleich jemand mit ihm etwas tun wird.
Ez hingegen schaut ein wenig nach rechts; er überblickt und mustert das Geschehen - es ist eindeutig, was er hier macht: Er versteht, worum es geht; dass das ein Ort für Kinder ist und er letztlich bleiben soll; vermutlich ohne die Mutter, ohne die Eltern. Weshalb man sich auch genau umschauen muss; die Leute sondiert, um zu wissen, wer gut tut und wer nicht.
Man sieht, wie intelligent Ezra ist, schreibst Du zu dem Foto dazu; man sieht es einfach. Und: Er ist ein echt schöner Junge.
Beides gilt für Tim natürlich auch, legst Du noch nach, aber Tim ist vor allem ein kleiner Stritzi.
Ein blitzkluger, allerdings.
Ezras Blick ist tatsächlich ein ganz eigenes Thema. Auch, weil er immer schon da war, nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Er zeugt von dem, was Georges Bataille ein Selbstgefühl nennt. Oder, Georges?
Georges betritt immer ganz bereitwillig die Bühne, sobald ich nur an ihn denke, und heute hat er gleich Simone UND Edwarda dabei. Alle drei kommen in Schwarz; Georges in schwarzer Hose und schwarzem Hemd, das über die Hose fällt; die beiden jungen Frauen in kurzen schwarzen Sommerkleidern, die zur Gegend und ihrem Wetter passen. Denn wir sind irgendwo in Südfrankreich, wie ich aufgrund des Hausboots, auf dessen Deck wir sitzen, vermute, und es ist noch immer spätsommerlich warm.
Ist das das, was Du SELBSTGEFÜHL nennst, was wir hier auf dem Foto sehen?
Ich muss Georges nichts eigens zeigen und vor die Nase halten; er weiß schon, worauf ich mich beziehe. Die Sonne blendet ein wenig von Osten her, weshalb Georges ein wenig blinzelt, als er sich an dem Tisch, an dem wir sitzen, nach hinten in den Sessel drückt und die Hände in die Hosentaschen steckt und dabei die Füße überkreuzt.
Das SELBSTGEFÜHL, eröffnet Georges, ist nicht das Selbstbewusstsein, das erst mit dem Menschen so richtig aufkommt und mit einem sehr konkreten Gegenstandsbewusstsein und folglich mit sprachlichen Operationen korreliert. Mit SELBSTGEFÜHL meine ich den Zustand, der aufkommt, wenn etwas in einer Diskontinuität für sich steht. Ein komplexer Mensch etwa, aber auch ein schlichter Einzeller. Bei beiden wird soetwas wie INNERE ERFAHRUNG aufkommen....
....weil beide zumindest Zeichen sind und so einen dynamischen Gehalt aufweisen, der immer etwas primär Lebendiges an sich hat,
unterbreche ich Georges; ich kann es einfach nicht lassen, das hier ergänzend einzuwerfen.
.....mag sein, fährt Georges ungerührt fort, ich spreche lieber von der INNEREN ERFAHRUNG, die immer da ist, sobald etwas für sich steht. Und die dann auch ein SELBSTGEFÜHL sein wird. Dieses SELBSTGEFÜHL verändert sich dabei mit den Relationen und Möglichkeiten, denen alles, was eine Existenz für sich bildet, immer auch ausgesetzt ist.
Georges pausiert; einfach, weil er aktiv in die Morgensonne blinzeln möchte. Simone und Edwarda sitzen links von ihm an dem runden Tisch, ich rechts, womit uns die Sonne nur noch seitlich trifft und uns folglich weniger blinzeln lässt. Schließlich dreht Georges den Kopf zu mir herüber.
Erkennst Du die Konsequenz von all dem?, fragt er mich dabei.
Sag Du, antworte ich nur knapp.
Nun, einmal bedeutet das, stellt Georges fest, während er den Kopf wieder in die Sonne dreht und aktiv zu blinzeln beginnt, dass die INNERE ERFAHRUNG eines SELBSTGEFÜHLS abnehmen wird, je mehr Kontinuität sich einstellt. Und das andere Mal, dass Dein Sohn auf dem Foto tatsächlich in einem ausgeprägten SELBSTGEFÜHL ist, weil gerade wenig Kontinuität mit seiner Mutter besteht und er sich diskontinuierlich erlebt. Was jedoch alles immer auch voraussetzt, dass man gut im Machen von INNERER ERFAHRUNG ist.
Ich denke, dass sich Ezra tatsächlich immer schon in seiner Existenz gut erleben konnte. Er macht das einfach; so wie ich. Für mich ist das INNERE ERFAHREN, das SELBSTGEFÜHL, die aktive Qualia-Wahrnehmung, wie ich auch sage, etwas derartig Reiches und Einnehmendes, das oft wenig Platz für anderes bleibt. Es bleibt nur das Schreiben, die Kunst, um diese nur einmal zu fassen und zuvermitteln; Dir, zum Beispiel, meine Heißgeliebte. Du bist im Übrigen anders gestrickt; eher so wie Tim. Auf dem Foto, das Du mir geschickt hast, sieht man schon, dass er auf ein Echo, auf wen anderen, wartet; SEIN wie DEIN Existieren kommt erst auf, wenn es eine Antwort auf Euren grundsätzlichen Bestand gibt. Gemeinsam ist uns deshalb die Notwendigkeit des Verausgabens; Du und Tim können ohne Verausgabung gar nicht sein; Ezra und mich wird hingegen nur eine fast schon exzessive Verausgabung aus der vor Reichhaltigkeit strotzenden Inneren Erfahrung herauslösen können.
Was die Sache oder den Menschen, der das kann oder macht, dann aber fast schon wieder zur Gottheit werden lässt, oder?
Selbstverständlich hat Georges alles mitgehört. Weil er immer alles mithört.
Weil diese Person dann, ergänzt er gleich, immer auch die Diskontinuierlichkeit und mit ihr die INNERE EFAHRUNG des SELBSTGEFÜHLS durchbricht und so in Richtung Kontinuität führt. Und wo die Kontinität wartet, wartet immer auch das Göttliche. Weshalb die Liebe, die das SELBSTGEFÜHL zur Seite drängt, stets eine GÖTTLICHE LIEBE ist.
So wie meine.
Und wie meine auch.
Edwarda hat zuerst gesprochen, dann Simone, und in der Reihenfolge sind sie auch aufgestanden und haben sich von hinten seitlich an die Schultern von Georges gestellt. Während Simone sich nach vor beugt und das schwarze Hemd von Georges oben ein wenig öffnet, gleiten schon Edwardas Hände unter das Hemd hinein und beginnen nach seinen Brustwarzen zu tasten.
Georges blinzelt zuerst weiter in die Sonne, schließt dann aber die Augen und spitzt die Lippen leicht zu.
Edwarda steht nun direkt hinter ihm und kreist langsam und, wie man an der Stoffwölbung des Hemds erkennt, nur mit den Fingerspitzen über seine Brust. Dabei bewegt sie leicht die Schultern, weshalb ihr Kleid immer weiter unter diese zu rutschen beginnt und die zarten Brüste aus dem Stoff herausgleiten; an ihren Spitzen rot in der Morgensonne leuchtend.
Simone ist schon nach vor, zu den Beinen von Georges gegangen und dreht diese unter dem Tisch hervor zur Seite. Dann hebt sie das überkreuzende Bein vom anderen herunter und kniet sich vor ihm hin. Sie hebt dabei ihr Kleid so an, dass ihr nackter Hintern am Ende ihres Rückens sichtbar wird; glatt, weiß, einladend geil.
Fühle uns, nicht Dich flüstert Simone dann und beginnt mit ihren Wangen und ihren Lippen über Georges' sich immer weiter spannende Hose zu streichen. Dazu wandern ihre Hände von unten unter sein Hemd und beginnen dort, sich mit denen von Edwarda zu vermischen und zu überdecken. Weshalb Simone bald nicht mehr sagen kann, welches Stück Haut von wem auf ihr diese brennenden Berührungen hinterlässt.
Was auch Georges bald nicht mehr kann,
und was auch Edwarda bald nicht mehr kann,
und ich auch nicht, wenn WIR, DU und ich, uns aneinander reiben und ich nicht mehr weiß, welches Feucht mich da gerade kühlt; Deines, meines, eine Mischung aus beidem? Und dann genieße ich das SELBSTGEFÜHL IN DER KRISE, wie Georges das nennt; diese wunderbare Krise einer Auflösung hin zu einer Folge zu Zuständen, die sich ohne mich aus einander entfalten, die es allerdings nur dann geben kann, wenn man überhaupt zur INNEREN ERFAHRUNG fähig ist; wenn die INNERE ERFAHRUNG als jenes KRAFTVOLLE EREIGNIS aufkommt, das sie in mir eben ist.
Und vermutlich auch in Ezra.
Wir sind Menschen des SELBSTGEFÜHLS, und damit Du das früh genug verstehen lernst, mein Kleiner, schreibe ich es für Dich nieder; für später. Aber auch für mich, für uns alle schreibe ich es, denn dann begreift man erst - wenn es vor einem steht - wie fundamental dieses SELBSTGEFÜHL ist, und dass es letztlich, ganz genau besehen, das Changieren zwischen SELBSTGEFÜHL und KRISE DES SELBSTGEFÜHLS ist, das mich ausmacht und was die Liebe und den Sex zentriert, das "Love, sexy; Sex, lovely", weil nur das "Love, sexy; Sex, lovely" dieses Changieren verschenkt, in dem man dann fließt, zerfließt, wie der Text, der kein Halten mehr findet und finden soll; einfach um die Krise zu ehren, mit der ich dann über Dich komme, meine Schöne, meine Heißgeliebte.
1000Küsse698nach
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Bataille Session, 16. September 2026
23Uhr05/04Uhr20, C. - Sie spielen jetzt mehr miteinander.
Du ringst noch mit der richtigen Beschreibung davon, was gerade zwischen Ez und Tim passiert.
Sie lachen und blödeln und mal jagt der Große den Kleinen und dann wieder der Kleine den Großen.
Gut. Ich kann mir die Veränderung schon vorstellen.
Aber Du willst diese noch genauer fassen.
Nach der Kinderkrippe sind die beiden einfach wie ein Team. Sie sind stärker auf sich untereinander bezogen als auf mich.
Klar. Sie müssen das, was Du bietest, was wir bieten, anders absichern. In der Geschwisterlichkeit, in der Gemeinschaftlichkeit.
Bloß: Was genau bieten wir eigentlich?
Kontinuität.
Georges, Monsieur Bataille, prescht heute überraschend früh und abrupt vor.
Eltern sind für kleine Kinder immer ein Stück Verlauf und Dauer. Nicht in einer absoluten Form, aber doch als eine brauchbare innere Erfahrung. - Komm' einfach mit. Du auch, Edwarda!
Draußen sind wir überraschend schnell an der Seine; an dieser Promenade des großen Flußes durch Paris, an der noch lange im 20. Jahrhundert die Clochards lebten. Edwarda hat sich an Georges' linken Arm gehakt, ich gehe rechts von ihm.
Ich dachte, der Mensch ist ein diskontinuierliches Wesen und immer auf der Jagd nach der Kontinuität? Die er dann in der Erotik und im Sex findet?
Ich komme gleich direkt zur Sache.
Das ist auch so, antwortet Georges umgehend. Aber in der Diskontinuität bleibt immer ein Rest von innerlich erlebter Kontinuität bestehen. Dieser Rest wird von Kindern wohl speziell an den Eltern und noch mehr an der Mutter erlebt. Betont diese dann ihre Diskontinuität, wird die Kontinuität umso deutlicher, vielleicht auch drängender. So wie eine unangenehme Enttäuschung das, worüber man enttäuscht ist, erst recht ins Zentrum rückt.
Ich mag diesen Gedanken. Unumgänglich ist Dane, BIST DU, für Ezra und Tim an den beiden ersten Tagen der Kinderkrippe deutlich zur Diskontinuität geworden. Natürlich kennen sie das von Deinen Arbeitstagen, aber das, was gerade passiert, ist noch einmal anders. Du bist an der Kinderkrippe vor Ort, ziehst Dich dann aber doch zurück und bist auch doch wieder da. Mit so einem Schwingen von Kontinuität und Diskontinuität wird anders umgegangen als wenn Du plötzlich für Stunden ganz weg bist und dann wieder ganz kommst. Kontinuität und Diskontinuität werden so buchstäblich zu einem aktuellen Thema; das vage Kontiuitätsgefühl wird so gleichsam belebt, wird noch deutlicher.
Darauf willst Du wahrscheinlich hinaus, oder?
Ich habe das alles halblaut vor mich hingesagt und als textuelle Figur kann Georges praktischerweise ohnedies alles von mir verstehen.
Genau.
Georges hat Edwarda mittlerweile eng an sich gezogen; er ist wie immer mit festem Schritt unterwegs und mit einem dunkelgrauen Anzug gekleidet; sie mit einem langen, matt schimmernden hellblauen Kleid, das ihren Körper betont. Gleich hellblau wie das Kleid sind die Stöckelschuhe und der breitkrempige Hut auf ihrem Kopf.
Zwillinge, fahre ich fort, haben nun die einmalige Chance, das belebte Kontinuitätsgefühl an- und miteinander zu sättigen. Nicht vollständig; aber doch so, wie das Eltern sonst tun. Es bleibt vage da, so wie sonst in den Armen der Mutter. Und das reicht fürs erste einmal.
Genau, antwortet George wieder nur knapp. Es wird dann einfach mehr miteinander getan. Und vielleicht entdeckt, dass die Eltern und die Mutter eigentlich obsolet sind, weil man ja immer einander hat. Das ist möglicherweise die Eigenheit oder das Geheimnis der sehr spezifischen Zwillings-Existenz. Weshalb erwachsene Zwillinge so oft einander reichen.
Vielleicht hat Georges recht. Vielleicht können Zwillinge für einander die vage innere Erfahrung von Kontinuität offenhalten, die andere nur von den Eltern, der Mutter her kennen und daher, mit dem zunehmenden Schwinden derselben, woanders suchen.
Wir anderen hingegen müssen auf die Suche gehen?
Ich frage bloß, um Georges zum Erzählen anzuhalten; seine Antwort kann ich mir schon vorstellen. Und sie fällt auch wie erwartet aus:
Ja, sagt er prompt, noch dazu angeheizt von unserem Geschlechtsunterschied. Weil der die Differenz und damit immer auch die Diskontinuität erst recht betont. Und so die Kontinuitäts-Frage schlagend macht. Wir gehören zusammen und doch auch nicht; daran arbeiten wir uns ständig ab. Vor allem sexuell.
Deshalb hast Du auch MICH.
Es ist zum ersten Mal, dass Edwarda heute etwas sagt. Und auf das hin gleich weitermacht:
Ich bin Gott. Die Quelle absoluter Kontinuität.
Im gleichen Moment, in dem sie das sagt, bleibt sie stehen. Es ist mittlerweile dämmrig geworden und die Promenade hat sich geleert. Die mächtigen Steinblöcke, aus denen dieser Seine-Weg gemacht ist, strahlen noch eine gute Wärme ab; jene, die den Untergrund bilden, sowieso, aber auch die, die links die lange Wand aufbauen, über die man nur über Treppen hinauf in die Stadt zurück gelangt.
Mit langsamen Schritt geht Edwarda auf diese Wand zu und lehnt sich dagegen; kerzengerade, mit den Händen an den Körper gelegt.
Komm, verehre Deinen Gott, sagt sie dann mit leiser Stimme, dabei immer mehr zu einer Statue in hellem Blau werdend.
Georges macht auf das hin einen Schritt auf sie zu; dann noch einen und presst sich schließlich gegen sie.
Nein, keinen Götzendienst bitte.
Während Edwarda das sagt, bewegt sie sich keinen Zentimeter und sieht Georges nur klar und doch auch abweisend an. Der macht auf das hin einen Schritt zurück und bleibt dreißig, vielleicht auch 40 Zentimeter vor ihr stehen, die Hände anhebend und an die Wangen legend.
Komm', sprich Dein Gebet, sagt Edwarda dann nur leise.
Ich möchte mich an Dir reiben, beginnt Georges auf das hin im Flüsterton, nur AN Dir, nicht IN Dir. Entlang Deiner Spalte, während deren Lippen mich umschließen.
Edwarda schließt die Augen und drückt den Leib wie den Kopf fest gegen die Mauer.
Ich bewege mich hinauf und wieder hinunter und Wärme wie Kühle umgeben mich zugleich, was mich immer mehr pulsieren lässt.
Trotz der geschlossenen Augen wirkt die junge Frau konzentriert und ist ganz bei den Worten von Georges.
Deshalb bewege ich mich immer schneller und Du steigst in die Bewegung ein. Wir reiben uns nun aneinander und mein Pulsieren greift auf Dich über.
Edwarda beginnt nun schwer zu atmen, ist aber noch immer ganz auf die Worte von Georges fokussiert.
Überall zieht und presst es nun schon, in Dir, in mir. Doch keiner von uns schreit, sondern beide atmen wir nur schwer.
Das lässt Edwarda tatsächlich noch mehr um Luft ringen und auch Georges' Brustkorb beginnt sich schneller und heftiger zu heben und zu senken.
Schließlich kommen wir in ein Reiben und Reiben und Reiben und keuchen nur noch; sind ein einziges Keuchen; so wie jetzt.
Georges Kopf wird hochrot, während er das sagt, und die Atmung und der Herzschlag beschleunigen sich weiter nach oben; so wie bei Edwarda, die erhitzt und pulsierend mit federnder Brust an der Wand lehnt. Wodurch beide nun synchronisieren und nur noch Atmungsbewegung sind und sich so als ein fortlaufendes Keuchen in der Nacht verlieren, die die Promenade nun dunkel werden lässt.
CUT!
Ich bin schon gespannt, wie sich Ezra und Tim in den nächsten Wochen entwickeln werden.
Mehr habe ich zu Dir am Telefon noch gar nicht gesagt, weil Du ohnedies mit Erzählen beschäftigt bist. Aber auch damit, die Jungs zu bremsen.
Sie kommen heute nicht runter und zerlegen alles in Kooperation.
Gerade haben die beiden die Säcke für die Altkleidersammlung zerfleddert, sprich: ausgeleert und säuberlich alles im Ankleidezimmer verstreut. Du schickst ein Foto davon.
Hätten Sie ein eigenes Zimmer, würden sie sich wahrscheinlich in dieses zurückziehen.
Sie haben jetzt schon ihre eigene Bewegung gefunden, die weit über sie selbst hinaus geht, füge ich, Georges im Ohr und deshalb für Dich etwas kryptisch, hinzu.
Lautstark versuchst Du währenddessen zu verhindern, dass auch noch der Inhalt des letzten Sacks vom Zwillings-Dream-Team im Raum verteilt wird.
!000Küsse697nach
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Bataille Session, 15. September 2026
23Uhr/04Uhr20, C. - Schau Dir Ezras Blick an, wenn ich zu ihm sage: Wir sind da, das ist die Kinderkrippe.
Das Foto, das Du mir gerade geschickt hast, ist großartig. Ezras Blick ist fokussiert, sein Mund aber skeptisch nach unten gewölbt; so wie schon in den frühen Babytagen, wenn etwas neu und unbekannt war. Tim hingegen sieht unsicher, fast ein wenig ängstlich drein; mit dem Daumen der rechzen Hand an der Oberlippe. Vor den beiden im Thule-Wagen liegen ihre Rucksäcke, die Sara, die große Schwester, ihnen mit Mike zusammen geschenkt hat. Ezras strahlend rot und Tims türkis blau; beide Zeichen für eine neue Zeit, für einen neuen Lebensabschnitt, der heute beginnt.
Euer echtes Sozialleben startet, Jungs.
Ich sage es nicht, sondern denke es mir nur.
Und dass dieses startet ist gut, wie Du gleich bestätigst.
Bei Ezra wäre das Potenzial da, dass es nur ihn und mich gibt; die Mutter und später die Frau, an der er hängt.
Das ist zweifellos richtig.
Je früher er auch raus kommt, desto besser für seine Entwicklung.
Ich weiß, dass Du recht hast. Ich weiß aber auch, wie mächtig dieser Frauen-Wunsch bei den Männern meiner Familien-Seite ist. Er wird trotzdem enggeführte Intim-Lieben suchen. Wie mein Vater, wie ich, wie mein Großvater, wie mein Urgroßvater, wie mein Bruder. Und erst diese Intim-Liebe wird ihn wirklich zufrieden stellen; alles andere hält nicht, führt in fremde Betten oder lässt sehnsüchtig nach diesen schielen. Wobei es nicht einfach um Sex geht; das wäre zu simpel. Es geht um die Liebe, buchstäblich um eine LiebesGeschichte, durch die der Sex, das Obszöne schimmert - oder umgekehrt. Alles andere ist irrelevant.
Das wird auch bei Ezra so sein, sage ich zu Dir, nachdem ich alles andere wieder einmal geschildert habe, aber ich wünsche es mir für ihn, dass es anfangs nicht so erschlagend ist, wie es für mich war. Vielleich macht frühes soziales Leben LiebeSex leichter.
Oder den LoveSex, wie man auch sagen könnte.
Das Love, sexy, von dem schon Prince gesungen hat.
Den Sex, lovely.
Obwohl sein Erschlagendes nur ein Thema ist und wahrscheinlich nicht einmal das heftigste. Viel schwieriger ist es sogar, sich zuzugestehen, dass das, dieses "Love, sexy; Sex, lovely", das eigentliche Anliegen eines Lebens ist. Dass man eigentlich nicht mehr will und umgehend alles hat, sobald sich das einstellt.
Cut.
Es liest sich so verspielt und leicht. Er wirkt luftig und nicht schwer, und das ist besonders, weil es grundsätzlich schwer ist.
Die letzte Bataille Session lässt einen kurzen NightTalk aufkommen.
Es geht leicht, weil ich MICH SCHREIBE, texte ich rasch zurück. Das bin ich, und dann schreibt es sich immer leicht; so leicht, als ob man über das Atmen schreibt.
Auch in der letzten Session ging es ja schon um das "Love, sexy; Sex, lovely", wenn auch mit anderen Worten. Und um meine stille Hingabe an dieses. Um meine tiefe Freude daran.
Die so herrlich leicht über mich kommt, wenn ich mit fünf Einkaufssäcken bei der Tür herein komme; beladen mit Sachen, die Ezra und Tim morgen, am Tag 2, schon unbedingt in der Kinderkrippe dabei haben müssen. Die zwei stürmen dann auf mich zu und nach einem raschen Lachen und Küssen fangen sie gleich an, die Taschen zu durchwühlen, während mein Blick immer mehr zu Dir wandert; auf Dich fällt, wie Du da im Hintergrund stehst, mit einer schlichten glatten Hose und einem schlichten glatten Oberteil und mich schon wieder flasht, auch nach 14 Jahren, wie am ersten Tag.
Noch im Auf Dich Zugehen entfalte ich folglich mein neues Lieblingsspiel; die Suche nach einem Bild, das Dich fasst; AUCH NOCH fassen könnte; außer dem, das ich still ins Zentrum der gestrigen Bataille Session rückte. Also diese Frau auf dem Gemälde, die nackt am Boden sitzt, sich gegen die Wand lehnt, spreitzt und betastet; in und mit der Gnade, absolut schamlos zu sein, ohne dabei auch nur irgendwie shameful zu wirken.
Wobei diese Suche gar nicht so leicht ist, weil Fabio Abbreccia zwar noch andere wunderschöne Bilder in seinem InstaAccount hat. Aber entweder es fehlt das faszinierte, schamlose Tasten nach dem eigenen Körper und seiner Fuge, oder die Frau auf dem Bild bist einfach nicht Du. Auch wenn man sieht, wie gespannt sie ist und wie gut es ihr tut, wenn sie da sitzt oder hockt und die Finger die Scham, die Öffnung ergründen.
Und auch sonst finde ich auf Insta nichts, das Dich trifft oder auch nur streift; vielleicht ein wenig die Aquarelle von Beppe Stasi, die förmlich zerfließen und mit ihnen der Körper der nackten dunkelhaarigen Frau, die zart und zugleich weiblich wie Du ist und die da liegt; weit geöffnet und die Arme nach hinten gelegt und gestreckt; schemenhaft und genug in verrinnenden Farben aufgelöst, dass der Sexus zur Atmosphäre wird. Aber das ist dann doch nicht der Deine; zuviel Gestus, zuviel Echo des Opferaltars, von dem Bataille so gerne spricht.
Die Passagen mit Simone sind sehr erotisch, hast Du zur letzten Bataille Session auch noch befunden. Weil ich keine anderen Bilder für Dich finde, verlagere ich, während meiner beiden letzten Schritte auf Dich zu, meine Suche in die Literatur und am besten wieder in den Madrider Garten, in dem ich mit Georges und Simone auf der Picknick-Decke sitze.
SIE hat sich mittlerweile aufgesetzt und sieht Georges an. Der schweigt noch immer, denkt vielleicht über Erotik und Verdinglichung nach, nachdem ich das als Problem aufgebracht habe.
Wieso tust Du nichts?
Simone sagt das leise, während sie aus dem Sitzen in ein Knieen wechselt, sich dann nach vor beugt und sich auf ihre Arme und Hände zu stützen beginnt.
Hier?
ER ist mit einem Mal wieder da, anwesender als die ganze Zeit zuvor, und sieht sie neugierig und erwartungsvoll an.
Wo sonst?
Langsam bewegt sich Simone auf ihn zu und hebt, als sie bei seinen Füßen angekommen ist, den rechten Arm. Symbolisch stößt sie seinen Oberkörper nach hinten, worauf sich George bereitwillig nach hinten fallen lässt. Sie gleitet daraufhin auf seine Beine nieder und kriecht langsam seinen Körper nach oben, bis sie auf Augenhöhe auf ihm liegt.
Vorsichtig beginnt Simone George zu küssen, während sie fast unmerklich und für andere fast unsichtbar ihren Unterleib gegen seinen zu pressen beginnt. Das dafür mit aller Kraft, aber ohne die Schenkel zu öffnen, was sie aufstöhnen lässt. Aus Anstrengung, doch bald auch aus angestrengter Lust.
Bitte...press...dagegen....Fester.
Man sieht den Druck förmlich, der sich gerade aufbaut; die Spannung, die entsteht.
MMJ, presst, stöhnt Simone heraus,
und jetzt betaste mich...MMJ...hinten...MMJ...durch das Kleid durch...JA...
JAAA!...
Spätestens jetzt ist es Zeit, für mich zu gehen, weshalb ich mich umdrehe und aufstehe und losgehe;
auf Dich zugehe,
den letzten Schritt mache,
und dann küsse ich Dich in Deiner glatten Hose und in Deinem glatten Oberteil; als Geschenk Dir dieses Bild der Spannung mitbringend, das ich Dir aber erst jetzt, in diesen Zeilen, übergebe.
Dane-Bild Nr. 2.
"Love, sexy; Sex, lovely".
Es ist grade wieder da.
Du merkst es und Du lachst, doch dann reissen uns schon wieder die Kleinen in ihre Welt hinein, denn sie sind noch immer aufgekratzt; aufregend und gut war dieser erste Kinderkrippen-Tag.
Und glücklich.
Wie schon gestern, als Du nach Deiner Kurzreise wieder nach Hause kamst, kommt Tim deshalb grade auf Dich zu. Du nimmst ihn hoch und er umarmt Dich dankbar und liebevoll. Er weiß um die Schönheit des Tages.
Im Hintergrund spannen sich die beiden Körper auf der Picknick-Decke mittlerweile fast bis ins Grenzenlose; wie als ein Echo darauf fasse ich nach Dir und Tim.
Und mit der anderen Hand lange ich auch noch nach Ezra, der verspielt eben an mir vorüberläuft.
1000Küsse696nach
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Bataille Session, 14. September 2026
22Uhr50/04Uhr20, C. - Ich zweifle, ob es eine wirklich gute Idee war, im Wohnzimmer eine Art Bettstatt einzurichten. Nämlich um das Bodensofa der Jungs herum; mit Hilfe der Matratze eines der Flachbetten, die im Schlafzimmer noch zusätzlich umherstehen. Das Sofa hat mit dieser Matratze etwas von einem Lager bekommen. Es schaut nun aus wie in einem Beduinen-Zelt; speziell, nachdem ich auch noch die Decken und Pölster vom Bett geholt und hingelegt habe.
BeduLand.
Die heruntergelassenen Jalousien sorgen für dezentes Streifenlicht, das die Terrassenlampe hinterlässt. Das unterstreicht den BeduLand-Charakter noch mehr.
Dennoch zweifle ich.
Weil Ezra das alles nicht sonderlich bewegt. Er legt sich schon vor dem Duschen in das verbliebene Flachbett im Schlafzimmer. Und hätte ich nicht die Tür dorthin vorhin zugemacht, würde er jetzt nach dem Duschen wieder schnurstracks zu diesem gehen.
Wir sind heute alleine Jungs, deshalb schlafen wir woanders.
Auf flachem Lager. Ich sorge mich, dass mir, wenn ich nur alleine bin, Tim oder Ezra aus dem Bett fallen könnten. Im Drehen und Kullern, das so möglich wird.
A da DES, DES.
Weil Tim das Arrangement gefällt, geht er quasselnd und mit ausgestrecktem Arm darauf zu. Jetzt, nachdem wir alle aus dem Bad kommen. Und weil Tim zielstrebig auf dieses zusteuert, geht Ezra doch mit.
Ezras ganze angespannte Sorge bei gleichzeitiger Anpassung füllt atmosphärisch den Raum.
Ich weiß nicht, ob ich je wieder Beduinen sehen werde. Irgendwo, im Grenzgebiet zwischen Algerien und Marokko oder sonst wo. Das heißt, ob ich, ob WIR Ezra und Tim solche werden zeigen können. Die Welt befindet sich in einem drastisch schnellen Wandel, der alles Nicht-Hochtechnologische hinwegfegt. Oder zumindest bis zur Unsichtbarkeit und Unauffindbarkeit hin marginalisiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich heute noch irgendwer für ein Nomaden-Leben interessiert; es hat nichts mehr von dem "Echten", das es in meinen jungen Jahren noch hatte. Vergesellschaftung und Zivilisation werden nicht mehr kritisiert; im Gegenteil, DIE sind das Echte, der Rest nostalgischer Unsinn. Und damit auch das, wofür das Nomadenleben letztlich steht; für ein Primat der Natur und noch mehr: für einen Vorrang der Ökologie vor allem anderen.
Ich kann mich noch immer nicht damit anfreunden, in einer Welt zu leben, in der das so ist.
Deshalb wende ich mich auch systematisch von der Welt der Hochtechnologie ab. Netzwerke und Text-to-Speech-Systeme sind praktisch und letztlich harmlos; ich würde aber niemals Kernkompetenzen wie Schreiben, Entdecken, Kombinieren an Maschinen auslagern. Stattdessen lasse ich lieber die Basal-Kategorien hinter mir, auf denen das ganze technische Denken aufsetzt. Also all jene Begrifflichkeiten, die dazu neigen, umgehend aus einer Sache einen begrenzbaren Faktor zu machen, den man dann wieder über andere Faktoren bestimmt und modifiziert. Selbst der beliebte Beziehungs-Begriff gehört hier dazu, der aus dem Zusammen zweier Menschen eine verwaltbare, quasi-betriebswirtschaftliche Größe macht:
Füge das hinzu
und nimm das weg,
schon läuft die Beziehung wieder effizient.
Natürlich ist das langfristig ruinös und reduziert einen selbst zum Faktor. Eine Entwicklung, die ich nicht mittragen möchte.
Deshalb rede ich immer öfter von der Liebe; auch in der Arbeit.
Was nicht nur sinnvoller ist als von (Verwaltungs-)Beziehungen zu reden; es entspricht auch mir als Mensch.
Am Ende interessiere ich mich nur für die Liebe.
Für die Liebe und für den Sex.
Beides gehört untrennbar zusammen, sofern es um ein Miteinander jenseits von Verwaltungs-Leben geht. Man will einander spüren und berühren und zur Sprache bringen, zu einem gemeinsamen Erzählen machen, und das wird man nicht wollen, wenn man einander nicht zutiefst toucht. Wenn es also nicht auch leiblich, fleischlich, nahezu obszön wird.
Würde ich Dich malen wollen und können, würde ich es genau so tun.
Ich bin auf der Suche nach einer gelingenden, ästhetischen Sprache des Sex, des immer auch Obszönen. Und bin dabei gerade auf ein großartiges Bild gestoßen; auf Insta. Fabio Abbreccia hat es gemalt.
Diese Frau bin ich? Ich finde das Bild sehr schön.
Ich habe Dir gerade einen Screenshot gesendet.
Ja, das bist Du; genau diese Erscheinung. diese Atmosphäre, diese Körperlichkeit macht Dich aus, schreibe ich zurück.
Damit streifst Du mich, seit ich Dich kenne; darauf setzen all die Geschichten auf, die wir sind und weiterschreiben; in denen wir uns fein berühren. Und die Bilder wie dieses fein durchziehen sollen; wie ein Hintergrund, der immer wieder durchschimmert.
Das freut mich, ich will auch so sein und erscheinen.
Die Frau auf dem Bild sitzt auf dem Boden und lehnt sich vermutlich gegen eine Wand; alles ist nur schnelle Skizze. Der Körper ist grazil, das Gesicht verschwindet unter einem Schwarz, das zum Teil Haar, zum Teil Übermalung ist. Die Schultern, die zarten Brüste, der Oberbauch sind deutlich herausgearbeitet und leuchten gelb, orange, weiß; mit roter Brust-Spitze. Der Unterbauch bis zur Vulva fehlt; er ist einfach ausgelassen; wie weggeschnitten. Das Bild geht erst an der verwaschenen Spalte weiter, mit weit geöffneten Schenkeln, zwischen denen die Hände liegen. Die Linke ist mit dem ganzen Arm verbunden, der auch in der Leerstelle des Bildes da ist und so auf Bauchhöhe sichtbar bleibt; als einziges Element des Oberkörpers, das nach unten läuft. Die Lippen werden von seiner Hand auseinandergezogen, die Finger der Rechten tasten in die angedeutete Öffnung hinein; unscharfes, diffuses, verausgabendes Spiel. Fleischlich, muskulös, kräftig laufen die Schenkel weiter, verlieren sich skizzenhaft an nicht fertig gezeichneten Füßen.
Das gefällt mir echt sehr gut.
Mir auch. Die sexuelle Schönheit und Verausgabung meiner heißgeliebten Frau, so wunderbar getroffen.
Georges hat seine Priester-Strümpfe wieder abgelegt. Er trägt auch wieder Kleidung, wie Simone, die nun heute an seiner Seite ist. Ich weiß nicht genau, wo wir sind, vermutlich in irgendeinem Park Madrids.
Wir sitzen auf einer Picknickdecke; Bataille im Anzug, Simone im leichten weißen Sommerkleid aus Stoff. Ein leichter Wind kommt auf, der den September spürbar macht. Vor allem an Simone; er macht ihre Brustwarzen immer wieder steif und hart uns lässt sie durch den Stoff drängen.
Nur Kunst kann den Sexus in seiner Atmosphäre fangen, sage ich plötzlich; vielleicht, weil der nächste Windstoß heranschiebt und ich schon weiß, was nun kommt.
Oder besser gesagt: Malerei kann das. Oder auch Literatur.
Georges sagt nichts. Und Simone auch nicht; vorsichtig tastet sie aber mit ihrer Rechten nach ihrer rechten Brustwarze, die der Wind tatsächlich wieder hart gemacht hat; sie befühlt diese behutsam; im Liegen, auf ihren linken Ellbogen gestützt.
Fotografie zerstört eigentlich. Weil sie nichts auslassen kann.
Konzentriert betastet Simone weiter den steifen Nippel, als ob sie ein Geheimnis ergründen, aber auch genießen würde.
Fotografie verdinglicht, kommt da auf einmal von Georges; deshalb ist wirklich erotische Fotografie nahezu unmöglich.
Verdinglichst Du aber in Deiner Literatur nicht auch viel zu stark? Ist nicht das eine Deiner Schwächen? Bist Du nicht der Vertreter einer Erotik, die ohnedies immer eine Logik der Verdinglichung unterstellt? Ist das Spiel aus Verbot und Überschreitung ohne Verdinglichung überhaupt möglich? Ohne eine vorausgesetzte Dynamik von Faktoren?
Georges fällt auf das hin in sein Schweigen zurück.
Genauso behutsam wie vorhin ihre Brustwarze betastet Simone währenddessen die ganze Brust.
Es gibt auch eine Erotik, die aus der Wahrnehmung kommt und ich denke, sie ist sogar die eigentliche Erotik; und sie ist eine Sehen von Qualitäten, das unscharfe Bilder des Genießens und Verausgabens braucht, wenn man es fassen und darstellen will. Als das singuläre Ereignis, das es in seiner Obszönität und Liebes-Eröffnung ist.
Wer daraus lebt, liebt auch das Beduinen-Lager; das in der marokkanischen Wüste, in dem ich vor Ewigkeiten war; aber auch das im Wohnzimmer, in dem Ezra und Tim dann gut ihre Ruhe finden; mit mir zwischen ihnen.
Im Einschlafen setze ich Dich im Nebenzimmer an die Wand, in das andere Lager, in das wir uns geschlichen haben.
Genießend sehe ich Dir zu, wie Du Dich behutsam und fasziniert öffnest und betastest, während Dir das dunkle, nach vor gefallene Haar das Gesicht verhüllt.
1000Küsse695nach
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Bataille Session, 11. September 2026
23Uhr/04Uhr20, C. - Ich fahre einfach und achte nicht darauf, wo ich bin. Irgendwo auf der Autobahn; irgendwo auf der A9 Richtung Süden.
Vorhin hat mich Tim gerade liebevoll im Gesicht gestreichelt.
Ich kann gut heraushören, wieviel Dir das bedeutet.
Und noch davor hat er mich liebevoll umarmt, als ich ihn hochnahm.
Das bewegt auch mich, in gut 150 Kilometern Entfernung. Schön, sage ich deshalb. Und sage gleich noch etwas was dazu:
Jetzt können Sie schon lieben und diese Liebe auch zeigen. Jetzt muss dieses Lieben noch voll mit Intensität werden.
Ein komplexes Thema.
Und auch ein wenig diskutiertes.
Es ist tatsächlich schwer, eine Phänomenologie der Erotik zu schreiben,
Eine interessante, unerwartete Nachricht zur Mittagszeit. Ich pausiere gerade und kämpfe mit dem Empfang an diesem Ort. Er ist mickrig.
Das heißt, es ist schwierig, eine passende Sprache zu entwickeln.
Denn es soll ja nicht platt werden, wie Du weiter ausführst; also nicht pornografisch; nicht obszön.
Es ist nicht so einfach, antworte ich Dir; das Obszöne ist auch etwas sehr Kraftvolles. Es bringt die Wildheit und tendenzielle Unreguliertheit des Sexuellen ins Spiel.
Es kann deshalb gut sein, richtig gut, wenn wir vom See wieder zurückkommen und die Haut noch warm von der Spätsommer-Sonne ist und ich Dir auf den Rücken küsse; auf die Rötung am Halsansatz. Die deshalb da ist, weil wieder keine Zeit war, sich um ein Eincremen zu scheren, weil es schon genug Aufwand bedeutete, die Jungs mit Sonnenschutz einzufetten. Weil es für beide Sport ist, sich tretend und schreiend gegen Sonnencreme zu wehren. Obwohl sie nicht anders können, als das weinerliche Schreien in ein Losprusten kippen zu lassen, wenn ich das Gleiten der einreibenden Hände zu ein Bohren in den Hüften und Schenkeln mache. Es kann deshalb gut sein, richtig gut, wenn ich Dich auf die Rötung am Halsansatz küsse und dabei die eine Hand rasch unter das Shirt an Deine Brust und die andere in Deine Hose fahren lasse. Um nach dem Roten und dem Purpurenen zu tasten; dem rasch Festwerdenden und dem feucht Nachgebenden. Was umgehend die Röte am Rücken zum Sonnentanz macht, den wir feierten - und jetzt weiterfeiern. Weil Tim von hinten auf mich zuläuft und meine Beine lachend umfassend, während Ez von der Seite heranstürmt. Weshalb ich meine Hände rasch wegziehe, mein Pochen zwischen den Schenkeln ignoriere und umgehend losjohle; in das Johlen der Söhne einstimme.
Das Obszöne ist folglich weniger zu streichen als zu dekonstruieren, schreibe ich Dir deshalb weiter. Denn so machen wir die Lebensfreude und die Freude aneinander intensiv. Mit der Schamlosigkeit, die das Obszöne eröffnet; mit der Verausgabung von Lust,die damit die Bühne betritt und die Atmosphäregrundlegend verändert. Die eine dezente Geilheitin den Raum legt, an der es dann kein Herum mehr gibt.
Das ist der Unterschied zwischen Dir und mir.
Georges geht noch immer nackt bis auf seine schwarzen Strümpfe hinter Simone her durch Madrid.
Ich weiß nicht, wovon Du sprichst.
ER wirkt unkonzentriert, als er das sagt; eigentlich geht er nicht durch Madrid, er folgt nur Simones Hinternspalte, die ihr eigenartiges, von hinten zu bindendes Nonnen-Kostüm freilässt. Es ist immer wieder überraschend, wie schnell diese junge Frau nass wird und wie deutlich man es dann sieht.
Geilheit bedeutet nicht automatisch auch Gewalt und Zugriff; sie ist oft nur eine Begeisterung, die Freude und Genuss verspricht.
Mag sein, mault er nahezu in meine Richtung, während er auf das feuchte Schimmern unterhalb von Simones Hintern stiert, was geht mich das gerade an?
Nicht zuletzt inspiriert durch Bataille spiele ich neuerdings mit dem Gedanken, dass die Überschreitung des Sexual-Taboos, die Befreiung des Triebs, ab den späten 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts den Sinn hatte, eine neue Atmosphäre zu stiften. Eine dezente Geilheit sollte über eine ganze Gesellschaft, eine ganze Zivilisation gelegt werden, um das Leben und Lieben lustvoller zu machen; intensiver zu machen. Lieben sollte kraftvoller als die viele mächtige Wut und Mord-Lust sein, die sich um das Tötungs-Verbot herum organisiert. Dessen Überschreitung und Exzess hatte man gerade hinter sich - und beides drohte in einem massiven, vielleicht nuklearen Ost-West-Konflikt wiederzukommen.
Deshalb ließ man den Sex und eine wohldosierte Obszönität (Hintern, Brüste und mehr überall) vom Stapel; in der Hoffnung, die ganze Welt würde sich so zu einer Hippie-Kommune wandeln - was eine Zeitlang auch tatsächlich der Fall war und viel Menschen entspannte. Bis dann aber doch alles zu einem Abklatsch des Studio 54 und damit zur kommerzialisierten Narzissten-Party (in der bekanntlich DER Trump und alle anderen Trumps der Gegenwart groß wurden) verkam, über die sich dann, wie bei jeder Party, das Gewalt-Taboo samt Überschreitung wieder als andere Hälfte der ganzen Sex-Thematik fett in Raum stellte. Womit die Sex-Peace-Bewegung schon wieder hinüber, bevor sie richtig beginnen konnte.
Wir brauchen also ein Stück Obszönität und Schamlosigkeit. Damit wir das Lieben gut und stark machen.
Aber es gilt achtsam zu sein, schreibst Du mir zurück.
Das ist mir klar, und vielleicht reicht es für die Steigerung der Intensität ja, wenn ich mich von Tim und Ezra auf den Boden ziehen lasse, nachdem sie mich von hinten und der Seite bestürmt haben.
Ich lasse mich richtig fallen und bin dann schon über Tim, den ich auch auf den Boden gezogen habe und dem ich die Finger beider Hände in den Unterbauch bohre; er brüllt nur mehr vor Lachen und deutet mit dem Zusammenpatschen seiner Hände Noch mehr, noch mehr!! Was sich Ezra dazwischen drängen lässt, der das auch haben, erleben möchte, und der schon vor Kichern platzt, bevor ich nur angefangen habe.
Aber ich bleibe nicht am Boden, sondern bin schon wieder auf; sie sollen mir folgen UND ich will an Dir vorüber; und dabei raune ich Dir nur hektisch Habe ich Dir schon gesagt, wie geil ich heute auf Dich bin? zu und schiele dabei auf Deine Hose, die sich gerade eng zwischen Deine Beine zwängt und alles aufwölbt; und wahrscheinlich reicht schon das für die Intensität; diese stete Wiederholung der ins Leben integrierten Schamlosigkeiten. Weshalb ich am Rückweg vom Run durch die Wohnung Dich rasch im Vorüberlaufen küsse; Dir schnell und gierig und stellvertretend für anderes die Lippen und die Zunge lecke.
Wie herrlich weit ist dann jede Gewalt weg; wie schwach ist sie dann doch - bei all ihrer Kraft - gegen eine mit Schamlosigkeit gefütterte Intensität.
Über die Jahre lässt sich so schon etwas entfalten, hoffe ich.
Sicher für uns, ja, schreibe ich Dir noch schnell vor dem Ende der Pause, und noch mehr für unsere dann großen Söhne.
1000Küsse692nach
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Bataille Session, 10. September 2026
03Uhr50, C. - Zuviel Fleisch.
Die letzte Bataille-Session wird allmählich zur Nacht-Session.
Weil da noch immer zuviel Fleisch ist.
Sehr gut wieder, auch wenn die konkret sexuellen Passagen abstrakter besser wären. So wirst Du obszön.
Deine Nachrichten zur Mitternacht aus dem Schlafzimmer an mich am Wohn-Küchen-Schreibtisch sind eindeutig. Es ist gut, was da über die Schamlosigkeit steht, oder umgekehrt: darüber, wie Scham das Spiel aus Verbot und Überschreitung stützt. Die gefährliche Verzahnung von Sex und Gewalt als Grund-Dynamik unserer Gesellschaft; das wird gut greifbar.
Aber Du präsentierst die Feuchtigkeit zwischen den Schenkeln. Wozu?
Um an die Grenze zu gehen; um die Obszönität gegen sich selbst zu richten. Um zu einer Sprache des Sex' zu kommen, die gerade keine der Erotik der Überschreitung ist.
Es ist aber zuviel. Das Fleisch hat wieder gewonnen.
Ich habe es geahnt. Deshalb musst Du mit in die Schriftung. Überschreibe mich, habe ich deshalb auch getextet; und Du überschreibst mich; schnell und klar.
Es ist das Entlang-Streichen an den runden Stellen,
wirfst Du mir aus dem Nebenzimmer wie eine Schwalbe zum Fangen
herüber;
an denen mit den feinen Härchen.
Das wirkt elektrisierend.
Manchmal so, als wäre es passiert, ganz fein; dann, als wäre der
Adressat die Fläche daneben.
Doch wieder konkreter, fester.
Das Pulsieren beginnt. Genau jetzt.
Fingerspitzen, Härchen und die runden Kuppen.
"Fragmente einer Sprache des Sex'", MIT GESTRICHENEM FLEISCH.
Georges in seiner Nacktheit nervt. Schon wieder ist er der Priester ohne Soutane; nur die schwarzen Strümpfe erinnern an sein Geschäft.
Wozu diese Strümpfe?; wozu behältst Du die noch an?
Weil sie das Fleisch in seiner Blutgeschwelltheit betonen.
ER sagt das, wie als ob er auf diese Frage schon gewartet hätte.
Das ist richtig, kann ich nur zustimmen, Du bist jetzt ein Phallus, ohne ein Phallus zu sein.
Gut, dann gehen wir jetzt nach draußen. Simone!!!
Irgendwie sind wir in der Sakristei einer alten Kirche gelandet; ich vermute irgendwo in Madrid. Simone kommt herein; sie trägt wieder ihr schwarzes Nonnen-Gewand mit dem weißen Nonnen-Hut darauf; die Füße sind nackt und ohne Schuhe.
Wir können jetzt gehen, sagt Georges nur knapp.
Wortlos dreht Simone um und geht zu einer anderen Tür als der, bei der sie gerade hereingekommen ist. Als sie mir den Rücken zuwendet, sehe ich, dass ihr Kleid von hinten zu schließen und öffnen ist. Mit kurzen Kordeln, die aber doch lang genug sind, dass sie das Kleid nicht ganz verschließen. Die Wirbelsäule bis hinunter zur Spalte des Hintern bleiben so frei und nackt; manchmal blitzt purpurenes Fleisch auf.
Du willst wirklich so nach draußen gehen?
Es ist nur eine rhethorische Frage, die ich Bataille stelle.
Natürlich. Da draußen ist alles voll mit Phalli, die herumgehen, ohne offensichtlich blutgeschwellt zu sein.
Seit Tagen hänge ich an seinen Passagen, in denen es um "Das Fleisch im Opfer und in der Liebe" geht.
Bataille in Hochform.
Wir haben keinen Zugang mehr zum Opfer, schreibt er; zu diesem Bluten und Hervorquellen der Organe am Altar, auf dem das Tier geschlachtet wird. Der blutgeschwellte Leib soll die Blutfülle des Lebens in Erscheinung bringen; diese Blutfülle, die über das Einzelwesen hinausgeht und so immer die Kontinuität des Lebens als Prozess betont. Die im Opfermahl noch unterstrichen wird; also dann, wenn die Teilnehmer der Zeremonie das Tier verzehren und so sein Blut aufsaugen. Es wird auf diese Weise gleichsam der unendliche Lebensprozess von den Menschen verschlungen, integriert.
Der blutgeschwellte Phallus in seiner Blutfülle tut das auch, und überhaupt: das ganze Liebesspiel, der ganze Sex tut das.
Alles ist blutgeschwellt, alle Organe; alles Fleisch. Bis alles nur mehr zuckt und auf diese Weise platzt; bis nur mehr Sekrete und Sperma hervorquellen und so wie am Opfer-Altar die Blutfülle hervortritt; zumindest als Spur, als Fährte, als Zeichen, das wir in unserer Inneren Erfahrungswelt aber schon zu deuten wissen.
Wir gehen durch die Straßen. Anders als die halbnackte Simone vor einigen Tagen erntet Georges in seiner Nacktheit und den schwarzen Strümpfen, zwischen denen sein Schwanz und seine Eier baumeln, keine Blicke. Es ist, als ob er gar nicht, angeführt von Simone, auf der Straße wäre. Ich folge ihm seitlich, auf gleicher Höhe.
Die Menschen sind das gewöhnt, sagt er schließlich nach einiger Zeit.
Wie meinst Du?
Sie sind es gewohnt, dass dauernt Blutgeschwelltes herumgeht. Dass Fleisch anderem Fleisch Schritt auf Tritt folgt. Dass ER ihr zuruft "Halte an!" und SIE das tut, und ER dann die Wirbelsäule bis zum Hintern mit der flachen Hand entlang fährt, nach unten tastet, während es kurz in ihr wie in ihm pulsiert. Das ist nur der letzte Auswuchs des Spiels mit der Blutfülle des Lebens, zu der auch die Sprache der Feuchtigkeit gehört. Die dann aufkommt, wenn SIE seinen Schaft gegen ihre nasse Spalte drückt und zu ihrer Feuchtigkeit noch seine hinzu kommt.
Zuviel Fleisch.
Die Opferaltäre wuchern noch immer in unser Leben; es ist eine Herausforderung, "Fragmente einer Sprache des Sex'" von ihnen frei zu halten.
Zuviel Blutschwellungs-Grammatik; immer und überall.
Du musst das Fleisch streichen, schreibst Du abschließend aus der Nacht. Bleib' beim Ereignis, bleib bei der Lust. Bleib bei den Geschichten, mit denen sie kommt.
Es fällt leicht, bei den runden Stellen zu bleiben; bei den feinen Härchen, deren Adressat vielleicht die Fläche daneben ist.
Sex on my fingertips.
Doch es ist schwer, damit das Blutgeschwellte und sein sprachliches Erbe zu übertünchen.
1000Küsse691nach
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Bataille Session, 9. September 2026
23Uhr25/04Uhr20, C. - Heute ist es schnell still geworden.
Die Jungs waren vor 21Uhr im Bett, anderhalb Stunden später war auch von Dir nicht mehr zu hören oder zu lesen.
Nicht einmal eine der Katzen leistet mir Gesellschaft.
Was eine gute Gelegenheit bietet, Verführungs-Spuren für Dich anzulegen.
"Fragmente einer Sprache des Sex'".
Natürlich hat das noch niemand geschrieben; Bataille nicht und auch Roland Barthes nicht, von dem es aber wenigsten "Fragmente einer Sprache der Liebe" gibt. Solche SexSprache-Fragmente wären gut brauchbar. Damit sich gut über den Orgasmus erzählen lässt. Oder über das Anschwellen; der Klitoris, des Schwellkörpers; vielleicht auch der Brustwarzen. Oder über das Zucken, das den Unterbauch dann, schließlich erfasst. Das alles soll in die Texturen einwachsen können; kraftvoll, gierig; mit einer eigenen Sprache.
Wir liegen wieder irgendwo herum; eine Decke hat sich rasch gefunden.
Du fibrierst noch, ganz fein; wie ein Elektro-Schauer kommen die
Fibrationen.
Nur außen.
Du führst mich. Ich lehne mich nach hinten
Feines Surren streift mein Gleiten; eines ohne jedes Geräusch.
Ich merke, wie mein Pulsieren beginnt.
Jetzt übernimm Du.
Überschreib' mich, soll das heißen; "Fragmente einer Sprache des Sex'" schriftet man nicht allein; Männer- und Frauen-Schrift müssen sich überlagern; zumindest bei einem heterosexuellen Paar. Außerdem darf die Schamlosigkeit nicht nur bei mir liegen; steh' mir in nichts nach, aber bleiben wir bei einem Sex der Sinne.
Das wird nicht gehen.
Bataille. George. Sein üblicher Auftritt.
Warum nicht?
Ich schaue erst jetzt auf. Er kommt tatsächlich nackt auf mich am schwarzen Wohnzimmertisch zu.
FAST nackt.
Er hat sich ein paar meiner schwarzen Kompressions-Strümpfe genommen und übergestreift; er trägt nur diese.
Weil der Sex von der Schamloisgkeit lebt, die erst in ihm aufkommt.
ER zieht einen Sessel unter dem Tisch hervor und setzt sich zu mir. Mit überschlagenen Beinen, die an den oberen Strumpfenden sein Geschlecht betonen und gleichsam zwischen den Schenkeln herausquellen lassen.
Ich beutle nur kurz den Kopf.
Das sagts DU. Die Scham gehört für Dich zum kulturellen Sex-Verbot und schützt vor dem wilden Wuchern und Um-sich-Greifen des Triebhaften. Es schützt dabei vor allem die Frau vor der Wildheit und dem Zugriff des Mannes... Okay, wenn DU meinst... Im Übrigen: Was soll diese Verkleidung?
George übergeht meine letzte Frage.
Im Überschreiten und Niederreissen der Scham, sagt er stattdessen, wird die Frau entblößt und zum Opfer. Es ist, wie wenn dem Opfertier das Fell heruntergerissen wird. Nur mit dem Eröffnen der Schamlosigkeit wird die Verbindung zwischen Sex und Opfer und damit Religion gewahrt.
Ich beutle noch einmal den Kopf.
DU musst die wahren, ICH NICHT...
Das werde ich auch tun! Ich werde die Erotik NICHT verfallen lassen, weil nur ihr Spiel an die Ewigkeit bindet; weil das nur die ihr inne seiende Vernichtung tut, die brutale, alles zersetzende Schamlosigkeit, die erst durch die gewaltsame Vernichtung genau der Scham aufkommt, in der ungezügelten Geilheit des Mannes, und in der wir wenigstens für eine Zeit lang an das Sterben und folglich an die Kontinuität des Seins anschließen; in einer Inneren Erfahrung, die sich nur so eröffnet.
George steht auf und geht. Ich sage nichts weiter zu all dem, sondern beobachte ihn nur aus den Augenwinkeln. Ein Priester ohne Soutane, begreife ich jetzt, nur noch durch die Strümpfe ausgezeichnet; wie O's Kerkermeister, der gleich zu Beginn von Pauline Réages Roman die Bühne betritt.
Wir müssen UNBEDINGT beide schamlos sein, schamlos sprechen, uns sprachlich verausgaben, denn dann unterlaufen wir immer schon die Politik aus Verbot und Überschreitung; die Basis-Dynamik von allem; Sex verschränkt mit Gewalt.
Wie schnell man doch von der Erotik immer wieder in die Gesellschafts- und Kultur-Kritik gerät. Weil Bataille in dem Punkt sicherlich recht hat; weil also die Struktur der Erotik und die Gesellschaftsstruktur zusammen gehören. Verbot und Überschreitung, Sex und Tod; Verausgabung und deren Beschränkung; das macht noch immer jeden Plot eines gelingenden Films aus. Und wie viele meiner Klient:innen adaptieren diesen Plot doch immer wieder für ihr eigenes Leben?
Feines Seufzen.
Ich sinke jetzt ganz nach hinten; Du greifst nach mir und meinem
Abebben.
Ich spüre es noch immer.
Dich? Mich?
Ich auch, aber der Mund ist zu trocken, als dass ich ein Wort
herausbrächte.
Gut war das. Ein Orchester der Sinne.
Ich schlucke und beobachte Deine Hand. Sie ist da;
weit und breit
ist aber keine Unendlichkeit und keine Kontinuität zu sehen; aber unsere Geschichte, in all ihrer Zeitlichkeit. Weshalb wir noch einmal am Spielplatz sind.
Mutig setzt sich Ezra an die Half-Pipe, schon rutscht er sie mit dem Hintern nach unten.
Leg' Dich ein wenig nach hinten, ja, sehr gut; bravo! Du auch Tim; leicht nach hinten mit dem Oberkörper!
Sie können das schon, sagst Du, während Du auf mich zukommst.
Tim schafft es auch, die Half-Pipe wieder nach oben zu laufen, während Ezra lieber den Trampelpfad am Rande hinauf steigt.
Überschreib' mich, Schatz.
Längst ist der Morgen da und die möglichen "Fragmente" werden von der ersten Morgensonne angeleuchtet.
Überschreib' mich, Schatz; nicht irgendwo in einer angeblich rettenden und wichtigen Unendlichkeit, sondern hier; in den Geschichten; am Boden, zwischen unseren Kindern.
Ich merke, wie in mir ein neugieriges Warten einsetzt.
1000Küsse690nach
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Bataille Session, 8. September 2026
23.10/04.20, C. - Es ist 19Uhr50 und ich werde nervös. Nicht wirklich nervös, aber ich registriere einen gewissen Druck.
Die Rechnung ist trivial einfach: Ich komme frühestens um 20Uhr dran, die Behandlung wird sicher 15 Minuten brauchen; wenn dann alles reibungslos von sich geht, bin ich um 20Uhr35 oder 20Uhr40 bei Euch. Sie sind schon müde, hast Du vorhin gesagt. Zum ersten Mal seit langer Zeit werde ich heute wahrscheinlich nicht beim Einschlafen von Ezra und Tim dabei sein.
Das irritiert.
Eine Viertelstunde später weiß ich, dass es noch später werden wird.
Es wird wohl 21Uhr, schreibe ich Dir, soll ich abbrechen und nach Hause kommen?
Aus Deinem Nicht-Antworten schließe ich, dass Du schon am Niederlegen unserer Kinder bist. Heute wird es also definitv nichts; heute werde ich das Einschlaf-Ritual versäumen.
Dabei brauchen Ezra und Tim mich gerade nötig. Denn sie wollen lernen, wie man lebt, was geht und was nicht geht, und das schauen sie sich vor allem ab. Unter anderem von ihrem Papa; dem GROßEN Männchen, der - anders als Mama - etwas Ähnlches wie sie selbst zwischen den Beinen hängen hat. Also ähnlicher ist. Deshalb ist es gut, wenn Papa da ist und viel mit seinen Jungs macht. Auch anders macht, als Mama es tun würde.
Ezra streckt mir die Arme entgegen. Er mag nicht länger in der Wanne sein und mit Tim zusammen mit dem Wasser spielen.
Bist Du schon fertig?
Ja.
Es ist knapp aber eindeutig. Weshalb ich ihn heraushebe, abtrockne, mich mit ihm auf den Boden setze. Zum Trockenreiben und Windel-anziehen.
Mmmm..a tat...Papa...
Er strampelt und windet sich, schreit dann bald weinend herum, so theatralisch, wie er das immer macht; aber irgendwann sind wir doch fertig; auch die Hose und das Leibchen hat er schließlich an. Und so bald wir fertig sind, ist auch jedes Schreien und Weinen vorbei.
Du kleiner Schelm Du.....
Tim will auch heraus; dasselbe Prozedere wiederholt sich, nur bei ihm heute ganz ohne Winden und Strampeln und Weinen.
Womit nur noch ich fehle. Ich muss noch rasch duschen, mich verbinden, ankleiden. Was 10, 15 Minuten dauern wird. Und normalerweise kein Problem ist.
Heute aber schon.
Weil Ezra auf einmal entdeckt, dass Mama, wie jeden Sonntag Morgen, beim Sport ist und er nicht über sie verfügen kann. Weshalb er sich vor die Wohnungstüre auf den Boden wirft und loschreit. Erbärmlich klagend, fordernd, weinend.
Uuuu...Aahhhhhh...ääää....aaaaa
Ezra...Mama ist beim Sport, und ich brauche noch 5 Minuten.
Das Wasser brennt auf den offenen Wunden der Füße; die Geschwüre haben alles im Knöchelbereich knallrot gefärbt: das Gewebe spannt.
Aaaaa...hhhh... ÄääääAhhhh....
Ezra....ich kann Dir jetzt nicht helfen.
Ich mache schnell, aber es dauert. Die Öle, der Manuka-Honig, die Verbände, die ohne Klebestreifen unter den Kompressionsstrümpfen halten sollen.
Aaaaaa....
Ich stöhne selber, als ich mir die Strümpfe überstreife und der Druck auf die roten Stellen beginnt.
Es hilft auch nichts, dass ich Ezra eine Flasche bringe, ihn hochnehme oder sonst was tue. Immer wieder rennt er zur Tür, wirft sich hin und schreit. Was soll man tun.
Üt a tu bu pa.
Tim spielt mit seinem Kinder-Staubsauger und achtet nebenher auf seinen Bruder. Als er mich sieht, streckt er eben den Arm in die Richtung, in der die Wohnzimmertür liegt, und sagt noch einmal
Üt a tu bu pa.
Ja, er vermisst Mama, antworte, vermute, übersetze ich und gehe kurzerhand zur Spüle. Auch hier ist noch genug zu tun: Die Fläschchen aus der Nacht vorreinigen, sie in den Geschirrspüler stellen, neue Fläschchen in den Heater tun. Ich bin konzentriert, versinke im Handeln.
Das Wasser läuft über die Hände;
der scharfe Geruch der abgestandenen Milch steigt zur Nase;
ein eigener Rhythmus aus Befüllen, Ausleeren, zur Seite rücken stellt sich
langsam ein.
Weshalb ich aufhöre, Ezras Geschrei zu hören.
Auch, weil es auf einmal nicht mehr da ist.
Er ist aufgestanden, kommt in die Wohnküche, setzt sich auf sein graues BobbyCar und rollt zu meinen Beinen. Er grinst mich an und ich streichle ihm über den Kopf. Er grinst noch mehr.
Na, geht es wieder?
Er lacht und rollt weiter; taucht jetzt kräfig an und fährt auf seinen Bruder los, der sich ebenfalls auf sein BobbyCar gesetzt hat. Zu zweit geht es jetzt dahin; Spiel, Bewegung, ein vorsichtiges Wettrennen beginnt. Ein ERSTES, ein tastendes Rollen, baut sich auf, wird zu einer ZWEIHEIT, zur Aktion aufeinander zu, und schließlich zum Geteilten, Fließenden Bezug; verbunden durch ein DRITTES; eine gemeinsame Bewegung.
Sie fahren; ich spüle und reinige.
Men at work.
So etwas lernt man nur im Zuschauen, Mittun, Erleben. Dieses "von der Qualität" zur "entfalteten Bewegung" zu kommen. Und sich so aus der Spannung und dem Geschreie zu lösen.
Georges und ich gehen schon wieder durch Madrid. Simone ist weit und breit nicht zu sehen; weder halbnackt noch als Nonne.
Du kannst das Geschrei auch verbieten, antwortet er knapp.
Und dann?
Ist es verboten. Und gelegentlich darf dann eskaliert werden. Im Gerangel und Gekämpfe oder sonstigem. Eigentlich ist dieses Schrei-Verbot ein Symbiose- und Verschling-Verbot. Mit dem Sex und der verliebten Liebe darf es überschritten werden. Und manchmal wird es mit dem tatsächlichen Verschlingen gebrochen.
Und was ist mit diesem Verbot gelernt?
Nichts. Wenn später die Frau einmal geht, wird der Mann deshalb zuerst schweigen, aber dann doch vor der Tür liegen und vielleicht auch schreien. Oder ihr gleich den Schädel einschlagen, das Leben von ihr also aufsaugen und die Symbiose verabsolutieren. Weil es hier letztlich immer um Begehren geht, wird mit einem etwaigen Schrei- oder Symbiose-Verbot eigentlich das Spiel der Erotik eröffnet; als Verbot und Leiden, zu dem auch die herrliche Überschreitung und Erlösung kommen.
Ich muss einfach dagegen halten.
Ich habe Ezra am Wochenende eben extra nicht erlöst, ich habe einfach getan; den Handlungsakt vom Aufgreifen der Qualität bis hin zur Symbol-gleichen Bewegung aufgebracht. Und er hat schließlich mitgetan. In guter Konzentration und ganz bei der Sache. Das geht sehr wohl.
ER muss einfach kontern.
Du willst immer aus der Dialektik aussteigen, die der Mensch vor Jahrtausenden etabliert hat. Sehr aufwendig. Viel Glück dabei.
Ich weiß nicht genau, wie es sonst auf diesem Planeten gehen soll. Wie man sonst ernsthaft tun soll. Außer im Finden von Qualitäten, die sich dann zu einer großen Bewegung aufbauen. Die dann wieder einen Eigenwert hat und die man deshalb lebt; nicht weil sie geboten ist oder ein Verbot übersteigt, sondern weil sie einfach gut ist.
Auch 100 Jahre nach der phänomenologischen Bewegung, der Lehre von den sich entfaltenden Zeichen-Prozessen und der Psychoanalyse sind solche dynamsichen Lebens- und Denk-Bezüge noch immer den meisten Menschen fremd.
Deshalb schlagen Männer Frauen auch weiterhin regelmäßig den Schädel oder sonst was ein; weil sie keinen Qualitäts-Bezug zu einer Partnerin haben, der sich entfaltet und auch wandelt, sondern weil sie in Bataille-Welten stecken:
Zusammen in verbotener Symbiose;
Überschreitung des Verbots, immer wieder (weil es sonst fade ist);
bei Bedrohung exzessive Überschreitung, Vernichtung bis zum Tod.
Femizide gehören so besehen zur Kultur der etablierten Erotik; aber allein das auszusprechen ist ein Eingeständnis, das lieber vermieden wird.
Als ich endlich zu Hause bin, schlafen Tim und Ezra tatsächlich schon. Ich bin traurig darüber, küsse Dich und setze mich zu den schlafenden Jungs ins Bett.
So klein sind sie noch, aber so fordernd. Und fast schon gefangen in der Grund-Dialektik unserer Menschen-Welt.
Auf Dich wartet noch verdammt viel Arbeit, denke ich mir, als ich sie mir im Halbdunkel anschaue.
Ich muss Euch zeigen, wie man diese mächtige erotische Struktur unterläuft.
1000Küsse689nach
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Bataille Session, 7. September 2026
22.55/04.20, C. - Nein Nein Nein!!!
Wir haben wieder einmal keine Chance gegen Ezra und Tim.
Nein Timmi, bitte nicht von hinten auf den Kinderstuhl klettern, das ist gefährlich.
Ha..haaha...hahahaha...
Tim lugt von hinten über die Lehne, grinsend; hinter sich, hinter der Scheibe: die Stadt. Die vielen neuen Hochhäuser in der Ferne ragen über die Brüstung und leuchten golden in der Abendsonne.
Nei-ein!
Ich stehe auf, gehe um den Tisch herum.
Lass' es doch sein!!; Deine Nase, Deine Wange, die Lippe; alles ist vom gestrigen Sturz noch aufgeschunden; reicht das nicht??
Ich versuche, bestmöglich erregt und ärgerlich zu wirken. Pädagogische Aggression, sozusagen. Die im nächsten Runter-heben endet.
Hahahahaha...
Ezra schaut von der Küchenzeile leicht nervös zu seinem twin herüber; er merkt, dass der über die Grenze geht. Doch Tim ist nicht zu stoppen.
Hör auf oder ich schmeisse diesen Sessel nach draußen auf die Terrasse!
Ich schmeisse ihn tatsächlich hinaus.
Und den zweiten gleich mit.
Beide könne es zuerst nicht fassen. Du hingegen isst entspannt an Deinem Marokkanischen Eintopf mit Reis und Tofu weiter
Was wollte ein Künstler wie Günter Brus?
Z. war auf Aufstellungstour in der Innenstaft und endlich im bruseum, das nur dem Werk und dem Nachlass von Günter Brus gewidmet ist.
Brus hat sich, wie alle "Aktionisten", am Leib abgearbeitet. Am Triebhaften, am Unbewussten, am Spontanen, das zum Leib gehört. Ein großes Aufbegehren gegen den faschistoiden Körper, der diszipliniert und beherrscht ist.
Z. ist ein angenehmer Kunde. Interessiert und verständig.
Es geht letztlich um den immersexuellen Leib; jenseits der Menschenzucht war der von den Nazis gestrichen worden. Ein klassischer Fall von Taboo. Dieses Taboo wird von Künstler:innen wie Valie Export oder Günter Brus gezielt und oft radikal überschritten oder einfach: gebrochen.
Ich muss daran denken, wie sich Brus im Zuge eines Auftritts an Seilen befestigt und sich nackt mit Seilzügen durch den Raum und sogar über eine Tür geschleppt hat. Das muss schmerzhaft gewesen sein; aber wahrscheinlich war es auch geil. Der Körper in seiner ganzen breiten Befindlichkeit; Batailles Sex und Gewalt als Einheit lassen grüßen. Nicht umsonst hat sich Schwarzkogler, ein anderer Aktionist, auch auf offener Bühne im Zuge einer Performance selbst kastriert.
Diesen Seil-Auftritt habe ich auch gesehen, erzählt Z.; sehr beunruighend. Und 2026 sehr befremdlich.
Als die ersten Hochrechnungen hereinkommen, gibt bei den AfD-Spitzenkandidaten (ja, bleiben wir beim männlichen Plural) kein Halten mehr. So sieht Ausflippen aus. Das erlebt man ansonsten nur beim entscheidenden Siegestor im Endspiel einer Fußball-WM. Die AfD hat in Sachsen-Anhalt aktuell fast 45 Prozent sage ich zu Dir eher beiläufig; die Verschnaufpause ist wahrscheinlich nur kurz. Vom Spielplatz zurück trinken Ezra und Tim gerade ihre Fläschchen; gleichen werden die Handys wieder weggelegt sein müssen. Und die News werden wieder weit weg sein. Schade, antwortest Du nur kurz. Auch eine große Überschreitung, denke ich mir für mich, ganz gezielt wird hier das Taboo Rechtsradikalismus gebrochen.
Weißt Du, George, ich bin nie ein Freund von Hegel und seiner Dialektik gewesen. Es erscheint zu abstrakt und übergestülpt, dass sich die Welt in dialektischen Bahnungen bewegt.
Ich gehe mit Bataille schon wieder durch Madrid. Wir sind dort hängen geblieben. Wahrscheinlich, weil Simone irgendwie dort hin gehört. Sie passt zu der Sex-Kultur, die man dieser Stadt nachsagt.
Aber?
Vielleicht funktioniert die Welt doch dialektisch. Nämlich genau in Deinem Sinne.
Du meinst in der Logik von Verbot und Überschreitung? Selbstverständlich tut sie das; warum sonst habe ich mich an diesem Thema derart abgearbeitet? Aus Jux und Tollerei?
Madrid ist im September eine heiße Stadt. ER trägt trotzdem einen Anzug; ich nur eine Leinenhose, weiße Sneakers und ein weißes Shirt. Ich passe so gut zu den anderen, die die Straße entlang gehen. George wirkt ein wenig absonderlich.
Natürlich nicht. Die von Dir formulierte dialektische Grund-Dynamik gibt ein gutes Werkzeug in die Hand, um bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen der letzten 60, 70 Jahre zu verstehen.
Nämlich?
Zuerst den gesellschaftlichen Drall nach links. Der hatte viel mit Sexualität zu tun. Nicht nur der Faschismus, auch der mächtige Katholizismus und überhaupt: die immer stärker werdende staatliche Organisation der Neuzeit hatte mächtige sexuelle Taboos aufgebaut gehabt. Die Überschreitung war fast schon eine Notwendigkeit. Und was wäre eine Linke ohne die sexuelle Revolution der 68er-Bewegung gewesen?
George sagt nichts. Er betrachetet stattdessen eine schwarz gekleidete Nonne mit einem weißen Nonnen-Hut, die langsam auf uns zu kommt. Ich mache einfach weiter.
Nach dem letzten großen Krieg gab es ein strenges Gewalt-Taboo, das gleichzeitig wunderbar zur sexuellen Überschreitung passte, die realisiert wurde. Make Love, not War; einer der großen Slogans der Hippie-Bewegung, aber nicht nur von dieser. Damit wurde man 30 Jahre groß und erwachsen. Das Gewalt-Taboo beginnt seit gut 20 Jahren immer mehr zu kippen, und spätestens mit den Wahlsiegen der Neuen Rechten wird die Überschreitung immer deutlicher, gewollter, wahrscheinlicher.
Georges nickt, auch wenn sein Interesse vor allem der Nonne gilt. Sie ist jung, schlaksig und jetzt schon bis auf 20 Meter an uns herangekommen.
Jeder zeitgenössischen Wissenschafter:in graut es vor solchen Erklärungen, weil eine solche Erklärung nicht den Weg der faktoriellen Analyse und ihrer Kausalitäten geht. Aber liefert eine dieser faktoriellen Analysen, in denen man irgendwann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, eine brauchbare Erklärung, weshalb die Welt auf einmal nach rechts wandert? Gerade in den fetten, nach wie vor gut genug versorgten Gesellschaftsschichten? Außer den, endlich wieder grob, abweisend, gewalttätig sein zu dürfen? Und gab es tatsächlich je einen echten Grund für eine sexuelle Revolte? Außer den, über das Verbot hinaus zu gehen? Die Linke wird heute marginalisiert, weil ihr ureigenstes Feld eigentlich die Arbeit am Sexual-Taboo ist; das gilt sogar für die frühe Sozialdemokratie. Die Rechte wächst, weil ihre Kerntätigkeit irgendwie immer schon das Gewalt-Taboo und seine Regulation war.
Die Nonne bleibt vor uns stehen. Es ist Simone, wie ich erst jetzt erkenne. George grinst begeistert; ich sehe sie nur fragend an.
Nein, keine neue Sex-Verkleidung, sagt sie von sich aus, aber was bleibt in einer Welt, in der es letztlich angesichts der menschlichen Grund-Dynamik, aus der es offensichtlich kein Entkommen gibt, als zur Priesterin zu werden?
Dabei macht sie einen Schritt auf Bataille zu und steckt ihm die Zunge tief in den Mund.
Unsere Jungs.
Immer zwischen Gewalt-Taboo-Bruch und Make Love, not War changierend. Jetzt, beim Schlafengehen, sind wir wieder bei Nähe und Initimität angekommen; im normalen kindlichen Maße, versteht sich. Aber schon zeigt sich an ihnen die ganze Grund-Dialektik der menschlichen Existenz und gesellschaftlichen Organisationsformen.
Du machst heute die Schlafzimmer-Tür nur auf, kommst aber nicht herein. Ich klappe mein Handy zu, kämpfe mich auf; die Füße sind um die offenen Stellen herum wieder knallrot und brennen; ich komme in die Küche nach. Nackt, nur im Nacht-Höschen, stehts Du an der Küchenzeile.
Was machst Du?
Auf Dich warten.
Hast Du Lust?
Deshalb warte ich ja.
Zuerst nur Fingerspiel,
ja, es geht; man kann aus der Dynamik von Verbot und Überschreitung
aussteigen; man muss nur bis zur Qualitäts-Erfahrung, zur Erstheit,
zurückgehen;
dann in den Touch kommen; in das Hinlangen;
kraftvoll, aber nie kräftig ziehen; hier, dort; direkt werden; zum direkten
Bezug von Zweien, zur Zweitheit, gelangen;
ja, hier, genau hier, und ein bisschen tiefer...oh mein Gott....
und dann in die Bewegung geraten, die am Ende sogar spricht; uns
einander vermittelt. Verwoben über so viel; Gesten, Worte; so viel
Drittes; gelebte Drittheit.
Wir brauchen noch mehr Sprache für unseren Heiligen Eros, teile ich Dir deshalb gleich zum Morgen mit.
Damit wir noch besser die Dialektik dieses Schwierigen Mensch-Seins wegerzählen können.
1000Küsse688nach
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Bataille Session, 4. September 2026
23.15/04.20, C. - Meine Linke hat einen Fuß von Timmi in der Hand. Er liegt neben mir in seinem Flachbett; auf die linke Seite gedreht. Gleich wird er einschlafen.
Dabei hält er mit seiner Linken Deine Rechte. Du streckst sie ihm durch die Gitter aus dem Nachbarbett zu.
Deine Linke hingegen wird dort von Ezra mit beiden Händen umschlungen. Er hat sich links von Dir zum Einschlafen eingerollt und zupft wie ein Automat mit geschlossenen Augen an Deinen Armbändern.
Dann noch mein linker Fuß. Der stupst vor dem Bett nach Deinem rechten, der zusammen mit Deinem linken ebenfalls draußen, außerhalb der beiden senkrecht zueinander stehenden Betten, auf dem Boden liegt.
Ein merkwürdiger Reigen.
Am Ende sieht man von diesem vor allem Deine Beine. Denn sie sind nackt und leuchten im Schein des Nachtlichts, das neben ihnen am Boden steht; halb verdeckt von einer alten, ausgemusterten Nackenrolle. Ich bin verführt, mit meinen Zehen dem Leuchten nach oben zu folgen; an den Beginn Deiner Schenkel. Das wäre gut jetzt.
Der Amoklauf als religiöser Akt, der eben nicht irre oder verrückt, sondern Teil bzw. Auswuchs und Konsequenz einer Gesellschaft und ihrer Atmosphäre, ihrer Regeln ist: Sehr gut. Das ist richtig spannend und gut. Und es stimmt!
Die Bataille Session zum Tag hat Dich gecatcht. Ich sitze wieder einmal an einem jener Orte, über die und deren Insass:innen man nicht zu laut spricht, als mich Deine Nachricht erreicht. Als Antwort sende ich Dir nur ein Herz.
Warum ist die Rechtswissenschaft die wichtigste Wissenschaft unserer Kultur? Schuld, Verbot, Gebot und einer Autorität dienen und sie manchmal auch selbst sein; das macht gesellschaftliches Leben aus.
Du machst zügig weiter. Ich hafte ein Applaus-Zeichen an Deine Message.
Genau deshalb sind Tim und Ezra nicht getauft, um sie wenigstens ein bisschen aus dieser Dynamik herauszuhalten.
Diesmal nutze ich den nach oben gestreckten Daumen als Replik.
Dabei stelle ich mir vor, wie Du jetzt wahrscheinlich bei den beiden Jungs sitzt; in einem der Bettchen. Barfuß, mit kurzer Hose; darüber ein Top, mit oder ohne BH darunter. Das dunkle Haar ist lockig und deshalb lebendig; die Beine sind zum Schneidersitz überkreuzt und spannen sich kraftvoll. Du tippst am iPhone und folglich ist Dein Blick konzentriert. Was für eine Erscheinung!
In all diesen Spannungen von Verbot, Gebot, Überschreitung findet dann eben die - konsumatorische - Lust, die vermeintliche Lebenskraft und der Wille zur Selbstsetzung (vergl. Schopenhauer) statt, die immer unbefriedigt bleibt und am konsumierenden und angeschwollenen Subjekt klebt.
Ich sende die addierten Applauszeichen nun in einer eigenen Nachricht; an meine kluge, schöne Frau, die schreibt und zugleich nach ihren Söhnen schielt, ob sie schon am Aufwachen sind. Vielleicht zu früh, weshalb dann dringender Handlungsbedarf bestünde.
Denn Du willst diese Mittagszeit für Dich; für Dein Lesen, Deine Notes an alle möglichen Menschen. Weil Du weiter eine Intellektuelle bist, die noch immer am Weg ist; sich noch viel vorsichtiger als ich zu soetwas wie einem Esprit Narratif et Érotique hintastet.
Deshalb mag ich letztlich Kant und sein Umfeld nicht. Das ist die Philosophie dieses Lebensgefühls aus Verbot, Gebot und Überschreitung; brav "vernünftig", sonst nichts.
Wieder drei Daumen hoch und ein Griff nach diesen herrlichen Schenkeln, nach diesem festen Fleisch, das durch Deine Nachrichten hindurch spricht; auch bis hinauf zu den zarten Brüsten reicht, die ich mittlerweile ohne BH sein lasse, und das auch das Haar erreicht; schließlich auch den Blick, der an Dir immer klug, fest, aber auch irgendwie schamlos ist.
Eine Frau für das Denken, für die Geschichten, für den Sex, für das Gebären, für die Kinder, für das Leben, für mich.
DESHALB ERST bin ich jetzt auch verführt, mit den Zehen dem Leuchten nach oben zu folgen; an den Beginn Deiner Schenkel; die Geschichte also hier weiterzuschreiben. Weshalb ich das auch tue; aber nur kurz, weil die Geschichte nun eigentlich Tim und Ezra gehört; ihrem Einschlafen, das gut gelingt. Denn Tim schläft nun schon offensichtlich und Ezra auch. Später werden wir uns dann schon noch in der Küche begegnen, wenn Du frisch aus dem Bad kommst. Ich möchte heute wenigstens einmal Deine Brüste geküsst haben. Und auch Deine Scham; wieder nur für einen Augenblick lang. Mit der Zunge über sie streichen; aber damit auch immer über das ganze Narrativ; über Dich, Deine Schenkel, Dein lebendiges Haar, Deine Nachrichten:
Die LUST am Leben, an den Kindern, an der Lebenswelt, an der Erzählung und am Moment ist eine, die immer befriedigt ist.
Deine abrundende Message vom Mittag; ich muss an sie denken.
Herzen und Applaus-Icons ohne Ende für Dich.
Und dann noch den Reigen genießen, der sich mit den Händen und Füßen und ihrem Touching durch die Betten zieht.
George!
Bataille und ich sind mittlerweile auf Du.
Geoorrge!
Ja?
Ich lasse ihn heute wieder einmal nur im Denkraum anwesend sein. Vorerst zumindest.
Ist Dir eigentlich klar, dass Du immer eine Art Kern-Subjekt denkst? Dass Du immer von einem Substanz-Subjekt ausgehst?
Und?
Ich glaube, dass das nicht zutrifft. Ich bin nur das, was ich den Geschichten bin; was ein Reigen aus mir macht.
Und weiter?
So liebevoll ist es, wenn die Jungs nach Dane greifen, und diese Liebe dehnt sich bis zu mir aus; und von mir fließt dann das ganze Begehren hinzu. Damit wird der Reigen ein großes Symbol, eine Symbol-Struktur, die das Leben, den Lebens-Prozess schreibt und beschreibt, und ich bin darin nicht mehr als ein Relat, ein Teil-Zeichen des Symbols, und das reicht.
Was genau willst Du mir damit sagen?
Wer sich relational und in den Bahnen von Zeichen und Gehalt-vollen Bezügen denkt, braucht keine Kontinuität, keine Ewigkeit. Genau DAS setzt Du aber immer voraus; dieses Brauchen von dem. Stattdessen ist man in einem Bedeutungs-Feld, das man selber mitbaut, und aus dem bekommt man vielmehr, als man selber hineingibt. Man IST immer auch die anderen und die sind auch ich, und so wird das eigene Bestehen ein wenig unwichtig. Umso großartiger ist dafür der Sex, weil sich in diesem Feld mit jedem Griff, mit jedem Lecken, mit jedem Stoß der Lebens-Prozess selbst feiert und zelebriert.
Mit jedem Tag begreife ich besser, dass Bataille, George, völlig recht hat.
Für die orientalisch-okkzidentale Zivilisation mit ihrer Etablierung einer Subjekt-Kultur.
Allerdings NUR für die.
Das Subjekt gehört zur Vergesellschaftung, und die gehört zur Organisation von Herden-Züchtern und ersten Großbetrieben; das Subjekt ist der Ersatz oder die Kompensation eines Lebens, das den Lebens-Prozess feiert, weil dafür in der straffen Herden-Kultur-Welt kein Platz mehr ist.
Dort ist dann vor allem das Verbot, dort ist dann aber eben auch die Überschreitung; dort ist dann eben auch die kulturelle wie sexuelle Dynamik aus Verbot und Überschreitung, die wir so gut als Normalität einer Lebenswelt kennen.
Ich will mich erst gar nicht zu sehr auf Bataille und Edwarda einlassen, weil ich diese Lebens- und Sex-Kultur fürchte. Sie klebt dann so auf mir oben und mir fehlt es dann an Zeit, sie wieder wegzubekommen, sie wegzuschreiben wie Du, oder ähnliches zu machen.
Ich verstehe, was Du meinst und sage deshalb auch nur Versteh' schon, während ich am Weg nach Oberösterreich mit dem DS durch das obersteirische Bergland gleite. Aber ich werde für Dich in den Ring treten.
George!
Geoorrge!!
Er schlendert heran, diesmal hat er, passend, Edwarda am Arm. Sie trägt nur ein offenes beiges Seidenhemd, eine lange schwarze Perlenkette fällt bis zur Vulva herunter; die hohen Stöckelschuhe an ihren Füßen sind ebenfalls schwarz.
George sagt nichts, sondern hebt Edwarda auf den schwarzen Wohnzimmer-Tisch und drückt sie nach hinten, bis sie auf dem Rücken liegt. Dann schlägt er ihr Hemd ganz auf und drückt die Schenkel weit auseinader. Völlig entblößt schließt Edwarda die Augen.
Wortllos öffnet George seine Hose und nimmt sie, was sie zuerst zum Maunen, dann zum Stöhnen und schließlich zum Keuchen bringt. Er bleibt starr, kraftvoll, und wird mit jeden Stoß kraftvoller, gewaltvoller, mächtiger.
George!
Er hört nicht und hört auch nicht auf.
GEOORGE!!
Edwardas Leib bäumt sich, der Tisch beginnt sich zu verschieben, beide beginnen zu grunzen und schließlich zu schreien.
Ich wende mich kopfschüttelnd ab. Nach ein paar Schritten drehe ich mich aber um.
Wir haben 2026, sage ich dabei, muss dieser ganze Altar- und Opfer- und Entblößungs-Unsinn wirklich noch immer sein? Gibt es tatsächlich nichts anderes und besseres?
Nein, zischt und keucht Edwarda, ihr Schreien unterbrechend, während sie mit ihrem Hinterkopf rhythmisch zu den Fickstößen auf die Tischplatte zu trommeln beginnt.
1000Küsse685nach
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Bataille Session, 3. September 2026
22.45/03.40, C. - Alle schlafen schon; Dane, Ezra und Tim. Dann Madrid, denke ich mir; vielleicht tut sich dort etwas.
Wo sind Sie? whatsappe ich Bataille an, der auf der Suche nach Simone ist.
Keine Ahnung, kommt gleich zurück; irgendwo im Norden der Stadt, auf dem Weg zu irgendeinem Polizeiposten.
Glauben Sie wirklich, dass sie ihre Hilfe braucht.
Nein. Aber ich möchte gerne sehen, wie sie sich freifickt.
Ich merke, wie es mir den Magen verrenkt. Das Gläschen mit Aspik, das ich mir aus der Vitrine genommen habe, ist Kuttelfleisch. Noch dazu ist es zäh und hart. Ne, nie und nimmer; das bleibt stehen.
Das Lokal besteht aus einem Raum; an den hintersten Tisch würde niemand kommen, erwartete ich.
Ist bei Ihnen Platz? Der junge Mann sitzt schon, während ich noch mit Platz nehmen beschäftigt bin.
In Graz war doch im letzten Sommer dieser Amoklauf, oder?
Ohne diesen hätte er wahrscheinlich noch nie etwas von dieser Stadt gehört.
Richtig, ja.
Warum tun Menschen das. Ein richtig Irrer, oder? Ein Verrückter, oder?
Der Junge Mann ist vielleicht 23; bärtig, ich tippe auf Islamischen Hintergrund.
Nein; Verrückte agieren anders.
Nämlich?
Verrückt eben. Bizarr. Es geht um eine Befindlichkeit, die ausgelebt wird. Egal, was dabei auch alles an Behauptungen und Bildern aufkommt.
Und der Amok-Läufer?
Ich habe Simone gefunden. Sie wurde gerade aus der Polizeitstation
entlassen.
Das Handy leuchtet auf und zeigt Batailles Nachricht. Dann wird es schon
wieder finster. Ich finde es unpassend, jetzt zu antworten.
Amok-Läufer realisieren religiöse Handlungen.
Ich überrasche mich wieder einmal selbst. ER kann schon durch mich hindurch sprechen. Auch wenn ER gerade wo ganz anders ist; seine Simone jagt.
Der Mensch hat eine eigenartige Art, sich zu reproduzieren, nämlich die sexuelle. Diese beunruhigt uns sehr. Weil sie keine Kontinuität gewährleistet. Wir teilen uns nicht oder verdoppeln uns nicht und gehen so ewig weiter, sondern verausgaben uns mit jemand zweiten, auf das hin ein letztlich anderer Dritter entsteht. In der sexuellen Reproduktion, mithin im Sex, schwingt deshalb immer auch die Sterblichkeit und der Tod mit.
Es gelingt mittlerweile gut, IHN zu verdichten. Wie aus dem Handgelenk.
Und? Was hat das jetzt mit einem Amok-Lauf zu tun?
Der junge Mann runzelt die Stirn. Er ist aber intellektuell genug, neugierig dabei zu bleiben.
Sex und Tod werden dadurch in so gut wie allen Gesellschaften streng reguliert. Es gibt de facto nie ein legeres Ausleben der sexuellen Begehrlichkeiten; immer gibt es Taboos, die regeln, was sexuell erlaubt ist und was nicht. Damit ist man am Ende mehr mit der Regulation als mit dem Sex selbst, der sexuellen Reproduktion und dem Tod beschäftigt. Sie sind jung; sie kennen das sicher gut genug, wie man sogar als Paar darüber redet und verhandelt, was an Wünschen und Phantasien besteht und was davon gelebt werden kann und was nicht. Das nimmt mehr Zeit ein als das Ausleben selbst.
Er fixiert mich wie ein Adler die Beute, sagt aber nichts.
Immer gibt es aber nicht nur die Regulation, das Verbot, sondern auch die Überschreitung. Das Fest, die Orgie, wo mehr erlaubt ist. Die Party, auf der man auch einmal kurz mit einer anderen schmust. Die Logik aus Verbot und Überschreitung bestimmt so die Sexualität; lässt Spiele der Erotik - das Andeuten, das Einladen, das Doch-Entziehen, usw. - aufkommen und wird auf alle möglichen Lebensbereiche ausgeweitet. Töten etwa ist taboo, darf aber im Krieg auch wieder fast orgiastisch ausgelebt werden.
Sie haben sie in eine alte Polizei-Hose und ein Weißes Hemd gesteckt.
Die nächste Nachricht Batailles leuchtet auf. Ich lese sie rasch aus den
Augenwinkeln heraus.
Sie sagt, es war leicht.
Nach fünf Minuten Verhör war sie noch immer nackt.
Er schießt eine Nachricht nach der anderen nach. Lauter Mini-Short-Cuts.
Sie stand einfach auf, ging um den Tisch herum und kniete sich vor dem
Verhörenden hin.
Pause.
Können Sie so weit folgen?
Der junge Adler-Mann nickt nur.
Zur Logik aus Verbot und Überschreitung gehört deshalb immer auch etwas Fest-gleiches; ein Ritutal, in dem das Gewalttätige, Regulierende, das in dieser Dynamik steckt, buchstäblich explodieren kann. Es kommt zu einer Opferung, die oft bis zur Tötung führt. Es wird die absolute Überschreitung produziert, die Dynamik aus Verbot und Überschreitung eigentlich aufgegeben, folglich die Position eines Gottes eingenommen. Für den eine Logik aus Verbot und Überschreitung selbstverständlich nicht gilt. Im Opfer und Ritual wird es insofern religiös.
Er fixiert mich weiter; wortlos; hoch konzentriert.
Ahnen Sie schon, worauf es hinausläuft?
Die zwei anderen sahen zuerst nur amüsiert zu und standen seitlich hinter
ihrem Chef.
Das machte es ihr aber auch leicht, auf einmal zwischen den Dreien hin und
her zu wechseln.
Bis alle drei auf einmal über sie herfielen. Für jeden ein Loch.
Die nächste Pause.
Wer einen Amoklauf macht, übertritt gezielt das Tötungsverbot; aus welchen Gründen auch immer. Die Überschreitung hat etwas von einem Ritual, in dem dann eine bestimmte Kleidung getragen wird, auf eine bestimmte Weise geschossen wird und in dem es letztlich um ein fast feierliches Opfern geht. Ein Menschenopfer nach dem anderen. Der Amoklauf gehört deshalb zu komplexen Gesellschaften, in die diese Logik aus Verbot und Überschreitung gleich einer Grundstruktur eingeschrieben ist, passend dazu.
Jetzt kommt doch eine Regung. Der junge Mann beginnt den Kopf zu schütteln.
Das ist doch völlig krank alles. Ich kann gut verstehen, was Sie sagen, aber das ist doch völlig krank.
Menschliche Zivilisation ist auch immer etwas sehr Krankes, ja.
Aber was ich nicht verstehe: Wieso stellt sich der Typ dann nicht? Die meisten Amokläufer erschießen sich am Ende. Das ist feige.
Ich denke, es ist anders. Mit dem Suizid bringt man das letzte und größtmögliche Opfer, nämlich sich selbst. Die Gewalt wird so absolut und man selber definitv göttlich.
Sie sagt, sie riss und sog und saugte dann so gewaltsam und gierig, dass
es wie ein Kampf war.
Nach einer Minute war es vorbei und die drei Polizisten lagen stöhnend am
Boden.
Und sie stöhnten noch mehr, als sie jedem noch einen Tritt in die Eier gab.
Zur Abrundung eines großartigen Tages.
Kein weiteres Leuchten.
Bataille ist mit seinem Bericht fertig.
Der Junge Adler-Mann schweigt. Doch er bleibt weiter ein Adler, denn seine Blicke durchbohren mich förmlich; scharf; präzise; nachdenkend.
Kriege sind selten, fahre ich weiter fort, das Duell ist verboten und so haben sich neue Wege der orgiastischen Gewalt-Überschreitung etabliert. Der Amok-Lauf ist einer davon; der Terrorismus ein anderer. Letzterer ist oft weniger ein primär kriegerischer Akt in einem wirklich kriegführend Land, als ein Überschreitungs-Gestus, der sich in Frankreich, Österreich oder sonst wo an Tötungs-Verbot abarbeitet.
Wie krank ist das denn alles....
Ich komme wieder zurück.
Ihr schlaft immer noch; hier, an diesem Ort, wo es uns vorerst gelungen ist, diese Logik aus Verbot und Überschreitung abzustreifen.
Zumindest uns beiden Erwachsenen.
Weil wir den Sex nicht fürchten und die Verausgabung bis zum Tode auch nicht und es so etwas Freudiges hat, einer nächsten Generation, den nächsten Lebens-Prozess-Träger:innen, Platz zu machen.
Gelingt das, wird diese andere Welt, die ER so präzise erfasst oder erfassen hilft, fremd.
Obwohl sie in Wirklichkeit so vertraut ist.
Verbot und Überschreitung; damit sind die meisten um einen herum beschäftigt; das macht dieses angespannt-ärgerliche Life-Feeling aus, das dazu gehört. Als Grund-Gefühl, aus dem heraus man shoppt, begegnet, konsumiert, fickt; immer irgendwie unzufrieden, weil es doch nicht weggeht und nicht weggehen kann, solange man nicht aus dieser Logik aussteigt; aus diesem täglichen Amok-Lauf im kleinen.
Dabei ist es so einfach, wenn man erzählt, versteht, in den erzählenden Verstehens-Bezug gerät und in den auch noch den Sex einwuchern lässt.
Gut lebendig ist dann der erste Kuss zum Morgen; der Auftakt zu einer Geschichte, die heute vielleicht vor Lust fast zerfließen wird, vor großartiger Geilheit. Zu einer Geschichte, die aber weder bei Dir noch bei mir endet.
1000Küsse684nach
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Bataille Session, 2. September 2026
23.30/04.20, C. - Ich habe mir das seit gestern angewöhnt:
Wenn Ezra und Tim duschen oder besser: sich waschen oder noch besser: einfach vor der eingeschaltenen Armatur der Badewanne stehen, setze ich mich vor eben diese Wanne hin.
Mehr tue ich nicht.
Und dann schaue ich zu, wie die Jungs mit dem Wasser spielen, sich in der Wanne auch hinsetzen und dann wieder den Kopf aufrichten, um über die Kante zu mir her zu lugen.
Hallo Mäuse!
Uu Uu.
Tim zeigt mir das alte Duschgel oder was auch immer, von dem Dane den Verschluss herunter geschnitten hat.
Ääh a ta.
Ezra hat auch etwas zu sagen und beginnt dabei mit dem blauen Messbecher aus der Küche, der nun schon ganz zum Bad gehört, am Wannenrand herumzutrommeln.
Tusch tusch tusch tusch tusch tusch tusch tusch tusch tusch tusch.
Ich mag diese einfachen Szenen, die sich mit einem Minimum von allem zufrieden geben: Plaudern, Waschen, Spielen, Rangeln; von allem etwas, aber nur knapp.
Dazu passt auch die Kargheit, die Du jetzt noch mitbringst.
Ich bin jetzt offziell traurig, dass wir wieder da sind.
Dabei setzt Du Dich zu mir vor die Wanne. Ich drücke mich seitlich an Dich.
Ich war grade kurz vor der Tür draußen, da war so ein Geruch.... Für einen Moment war ich wieder in Italien....
Mehr kommt nicht.
Es bleibt deshalb nur, vor der Wanne zu sitzen und dabei auch zu sehen, in sich zu erblicken, wie die Jungs zwei Tage früher begeistert an den Duschen am Meer standen und gleich taten wie jetzt. Oder jetzt gleich tun wie vovorgestern.
Daraus lässt sich kein Roman machen.
Aber es lässt sich damit gegen Romane anschreiben und etwas anderes produzieren; eben das hier;
ShortCuts;
Neues Psychoanalytisches Erzählen;
Auswürfe eines Esprit Narratifs, der sich dann immer wieder in einen Esprit Narratif et Èrotique wandelt;
Auto-Fiction, fast ganz ohne Fiction;
es ließen sich wahrscheinlich noch andere Namen finden.
Bataille hat mich darauf gebracht, dass es nicht unwichtig ist, gegen Romane anzuschreiben. Natürlich fand ich am Abend keine Gelegenheit, das Dane, Dir, zu erzählen; vielleicht habe ich es mir auch für jetzt aufgespart. Für diese Textur hier. Für eine nächste Bataille Begegnung, von der ich berichten will.
Wir gehen schon wieder durch Madrid. Simones Kleid ist jetzt nicht nur um den Hintern herum nass, die Feuchtigkeit hat sich auch nach vorne hin ausgebreitet. Und von oben her hat der Schweiß das Kleid zwischen und an den Brüsten selbst aufgeweicht.
Du siehst großartig aus, raunt Bataille seiner Freundin zu, um deren Schulter er noch immer seine Hand gelegt hat. Was hast Du als nächstes vor?
Nichts. Ich bin zugefickt.
Sie sagt das mit einer gewissen Unzufriedenheit. Die sie daraufhin auch gleich deutlich zeigt, weil sie Batailles Arm losschüttelt und unwillig neben ihm hergeht. Er sagt dazu nichts, sondern akzeptiert die plötzliche Wandlung.
Geht weg, geht einfach beide weg.
Simone pfaucht jetzt richtig und bleibt stehen. Bataille nickt nur, ohne auch nur den Kopf zur Seite zu drehen, und geht weiter. Ich folge ihm und bin rasch wieder auf gleicher Höhe.
Was kommt jetzt?, frage ich nach 200, 300 Metern nach.
Schauen wir es uns an.
Im gleichen Moment biegt Bataille nach links in einen mehrgeschoßigen Forever 21-Store ab und fährt die Rolltreppe nach oben. Ich bin hinter ihm. Im zweiten Geschoß verlässt er die Rolltreppe und geht zu den großen weiten Fenstern nach vor, die nicht von Kleidungs-Ständern und -Regalen verstellt sind. Er blickt nach draußen und die Straße zurück, die wir gekommen sind.
Da!
Er deutet an den Punkt, an dem wir Simone verlassen haben. Sie steht noch immer da; wild gestikulierend und von drei Polizisten umringt. Einer fasst gerade nach ihr, woraufhin sie nach ihm schlägt, weshalb ein zweiter einen Schritt näher an sie herantritt, nach dem Simone umgehend tritt. Der Dritte packt sie im gleichen Moment von hinten, was sie wild losstrampeln lässt; so heftig, dass sie und er zu Boden stürzen. Rasch werfen sich die beiden anderen Polizisten auf die am Asphalt Liegenden, umringt nun von einer kleinen Gruppe von Menschen, die dem Schauspiel neugierig wie angewidert zusehen. Schließlich zerren die drei Polizisten Simone hoch; mit einem zerfetzten Kleid, das sie schließlich ganz verliert, als sie, an Armen und Hals gepackt und fixiert, endlich steht. Dann zerren sie die Nackte weg; so wie ein sich wehrendes Opfertier zum Altar geschleppt würde.
Wozu?
Ich meine diese Frage ernst.
Verbot und Überschreitung, antwortet Bataille knapp. Die Dynamik dieser Logik vollendet sich erst im Opfer, in der die in ihr steckende Gewalt radikal wird. Man wird vernichtet, und sei es vom sozialen Status her. Natürlich ist die Radikalität des Opfers unmenschlich, weshalb das Opfer immer auch den Status des Göttlichen erhält. Als Opfer nähert man sich den Göttern an; ist, wie die Götter, jenseits aller Regeln und Verbote und Überschreitungen.
Simone, die Göttin der Erotik, folgere ich, geopfert und vernichtet aus Schande, Schändung und Widerlichkeit.
Genau.
Dennoch: Wozu?, frage ich noch einmal.
Weil sie eine Göttin sein will. Oder vielleicht, weil der Text es so wollte.
Hmm??
Auch meine Verwirrung ist ernst gemeint.
Der Roman ist der Erbe der Religion, holt Bataille noch einmal aus. Es geht immer um irgendjemanden, der sich in der Dynamik von Verbot und Überschreitung bewegt und ein Opfer-gleiches Ende findet. Ist Ihnen das noch nie aufgefallen?
Nein, das ist es nicht.
Aber denke ich allein an Hemingway und Wem die Stunde schlägt oder an die Frauen Annie Ernaux', bleibt immer etwas von einer Opfer-Logik über, die sich durch die Texte zieht.
Insofern hat Battaile recht, schreibe ich Dir folglich heute in den Morgen, und deshalb geht es in brauchbaren Romanen immer auch um Sex und Tod, und und umgekehrt werden dort, wo es Roman-haft wird, immer auch Sex und Tod und Verbot und Überschreitung das stille Thema sein. Weil Verbot und Überschreitung ja der Befriedung von Sex und Tod dienen, das ist nicht trennbar. Das gibt zu denken, wenn wir bedenken, dass wir in einer Roman-haften Kultur leben; in einer Kultur, die voll zumindest mit Insta-mäßigen Bild-Romanen ist.
Wahrscheinlich ist das der Schlüssel zum aktuellen Zustand der Welt; dass in der herrschenden medialen Struktur die Logik aus Verbot und Überschreitung zu einem neuen Höhepunkt gebracht wird. Weshalb eine ganze Kultur zwischen erotisch-narzisstischer Selbst-Präsentation und radikaler Tabuisierung genau derselben bis hin zu einem neuem Züchtigungswunsch changiert. Dabei werden alle zugleich auch Opfer und fühlen sich genau deshalb auch göttlich.
Aus diesem Grund gilt es, gegen den Roman anzuschreiben.
Meine zentrale Botschaft zum Tag.
Dabei setze ich mich textuell noch einmal vor die Wanne und Du Dich noch einmal zu mir. Beide schauen wir Tim und Ezra zu, wie sie immer wieder aufstehen, um mit dem Strahl aus dem Armaturen etwas Neues zu probieren. Es reicht, dass das Wasser fließt, mehr wollen die beiden nicht.
Eine gute Entspannung kommt auf und ich merke, dass ich gerne Deinen Rücken küssen würde; zum Auftakt feiner Haut-Zungen-Spiele, die sich immer weiter nach unten bewegen.
1000Küsse683nach
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Bataille Session, 1. September 2026
22.30/04.20, C. - Ich werde diese kleinen Kerlchen vermissen. Ich werde es vermissen, den ganzen Tag mit ihnen zu verbringen.
Ich weiß es, als ich Ezra und Tim in der Badewanne stehen sehe. Wir sind wieder zurück und sie haben ihre üblichen Spielsachen in den Händen. Messbecher aus der Küche, die sie mit Wasser befüllen, um sie sich selber oder dem anderen über den Kopf zu gießen. Dabei schnauben sie und prusten herum, weil sie, so wie jetzt, doch tasächlich in eher kaltem Wasser plantschen; von sich aus und selbst gewählt. Meist im Stehen vor der rinnenden Wasserleitung und voller Begeisterung mit ihren Gefäßen herumschüttend. Dabei plaudern sie mich an; mal Tim, dann wieder Ezra. Ütschi u und ähnliches ist etwa von Tim zu hören, der dazu in eine Richtung deutet und mit tü aut aut fortsetzt; mir eindeutig etwas gerade Wichtiges erzählen wollend. Und mich dabei auf eine so liebevolle Weise anlächelnd, dass man vor Rührung weinen könnte. Was selbstverständlich auch für Ezra gilt.
Genau das werde ich eben vermissen; diesen engen Bezug, der mit Ezra und Tim aufkommt, wenn wir den ganzen Tag zusammen sind. Und ich werde das Bedeutungs-Geschehen vermissen, das sich damit zugleich etabliert.
Nämlich das Erfassen und Verstehen der Einmaligkeit von dem, was da gerade passiert; das Begreifen, dass es all diese Momente mit den Jungs nur einmal, eben jetzt, gibt. Wobei es eben wirklich ein Begreifen und Verstehen ist; also sich als erlebendes Ereignen abspielt; als etwas, das eigenartig für sich steht, ganz ohne mich und mein Wollen.
Dann wird alles kostbar, weil nichts sonst vergleichbar echt und relevant erfahren wird. All das, was man sich sonst noch so einbildet und erdenkt, ist dann eindeutig Phantasma oder Projektion; stellt eine Blindheit für die Qualität des Miteinander, des Bezogen-Seins dar, das nur im intensiven Bezug entsteht.
Ich werde also vermissen. Wirklich vermissen.
Denn das tut man nur, wenn man etwas oder jemanden als Ereignis vermisst. Und dazu muss man ins Verstehen fallen, und ins Verstehen fällt nur, wer Worte hat; wer über alles wenigstens mit sich selber spricht. Oder Geschichten erzählt; von zwei Jungs etwa, die mit ihren leuchtend blauen SwimSuits am Strand unter der Dusche stehen und mit zusammengepresstem Gesicht und unter Erschaudern das eiskalte Wasser auf sich herunterprasseln lassen; immer wieder. Nur wenn Papa und Mama sie dazu auffordern, machen sie auch den anderen Platz, die gerade vom Meer kommen; aber kaum sind diese fertig, sind sie schon wieder unter dem Strahl und johlen und halten ihre Sandkübel ebenfalls unter diesen.
Ich bin mit Dir so gerne den ganzen Tag zusammen.
Du drückst Dich an mich und ich mich an Dich; wann hauen wir endlich ganz in den Süden ab? gebe ich zur Antwort. Du hast Dein kurzes blaues Kleid an, das durch die Rückfahrt noch einmal geschunden wurde und nun alle möglichen Flecken hat, die man sich nur vorstellen kann; sechs Stunden zwischen zwei knapp Zweijährigen hinterlassen einen ganzen Teppich an Punkten und Tupfern. Aber das macht nichts, denn es ist an Dir, und Du bist ganz Frau, als Du Dich dann in eines der flachen Kinderbetten setzt und Ezra und Tim Dich gleich bestürmen und sich zu Dir werfen, um neben Dir einzuschlafen. Sechs Stunden von links und rechts an Dir kleben haben den beiden offensichtlich noch nicht gereicht.
Aber auch Du bist wohl gerade in einem Verstehen und Vermissen, weißt um die Einmaligkeit, die gerade ist, und wohl das lässt Dich ganz Frau sein; all woman, die ihre Söhne aus sich, aus ihrem Sexus kommend, erlebt. Weshalb Dein Sex auch mächtig im Raum steht; nicht als Geilheit, die irgendein Hormon-Automatismus produziert, sondern als gelingende Fruchtbarkeit, Lebenskraft; als Verausgabung, als noch mehr, das keine Angst vor dem Aufgehen im anderen hat.
Hauen wir endlich in den Süden ab und machen noch ein Kind, wiederholst Du deshalb im Hinsetzen, und das hinterlässt in mir diese herrliche Lust am Begatten, bei der es dann den ganzen Körper reisst und alles fiebrig wird, bis man nur noch keucht.
Es ist eine eigene Ästhetik des Erotischen und Sexuellen oder umgekehrt: eine Erotik des Ästhetischen, die so aufkommt; ohne jede Frivolität und Obszönität; und manchmal begegnen Frauen, die diese an sich haben. So wie Du jetzt und eigentlich immer. Und erst wo das der Fall ist, ist der Sex von seinen ganzen Machtspielen befreit, die Menschen so gerne spielen. Und erst dann wird der Esprit Narratif et Èrotique auch zu dem Esprit Narratif et Èrotique, den ich zu fassen und zu forcieren versuche.
Was für großartige Tage.
Nichts kann den lebensweltichen Esprit, der sich schließlich aufgebaut hat, zerstören; keine offenen Füße; kein verdächtiger neuer Fleck am linken Oberschenkel außen, der sich als heikel herausstellen könnte; passend zu der durchblutungsschwachen Passage dieser vom Thrombus seinerzeit ebenfalls schwerst geschädigten Gewebestelle. Der Esprit Narratif et Èrotique ist durchgreifender, umfassender, auslöschender als jeder gängige Existenzialismus, weil es ihm um das Verschenken des Lebens und nicht um ein letztlich doch narzisstisches Aushalten und Durchhalten geht; ich bin heilfroh, dass ich das alles hinter mir habe.
Weil ich so auch wirklich verantworten kann und so Tim zart aber doch deutlich am Genick packe, als er sich schon wieder halsbrecherisch von hinten den Sessel hochziehen will, obwohl dieser leicht kippen könnte und ich ihm das schon zigfach erklärt und ihn vom Sessel gezogen habe. Er ist schockiert über meinen Durchgriff, aber ich nehme ihn gleich hoch und drücke ihn an mich und erkläre ihm noch einmal, wie gefährlich das ist und ich das nicht zulassen kann, weil ich ihn liebe; und schon pressen wir uns aneinander und halten einander fest.
Bataille ist mir über den Tag ein wenig verloren gegangen. Auch wenn ich, passend zum Süden, am Morgen ein wenig in Das Blau des Himmels hineingelesen hatte; in die erste Szene eintauchte, in der sich die junge Dirty im Sumpf der Ausgesetztheit an die Erotik verliert, dabei aber meint, im Leben zu stehen.
Vielleicht ist all das, was ich gerade geschrieben habe, aber auch nur eine Replik auf Batailles erste Zeilen zu Dirtys Lebens-Schmerz, der mit einer beständigen Fickrigkeit einhergeht. Eine Replik, die mir förmlich auskommt, weil ich weiß, dass dieser Eros nur die halbe Wahrheit ist und noch mehr geht; viel mehr.
Aus dem Blau des Himmels wird deshalb das Blaue Kleid der Frau, das zugleich nach oben und nach unten rutscht, als sich ihre Söhne an sie klammern und dabei ihren Leib, ihren Sexus in genau diesem Klammern und Ziehen präsentieren. Weil sie noch immer ein Stück weit zu Danes Lein und Sexus gehören und ihn auf diese Weise geradezu überzeichnen. Sie präsentieren diesen; zusammen mit Danes Kraft, die Ezra und Tim zugleich auf dem Arm halten kann.
Da ist sie dann gleich wieder da, die Lust am Begatten, der planke Eros, der vor allen Herrschaftsspielen der Erotik kommt.
Brillant fasst Bataille letztere; großzügig verfehlt er dabei den planken Eros, der mir so viel bedeutet.
1000Küsse682nach
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Bataille Sessions, 31. August 2026
23.30/04.20, C. - Ihr seid nur mehr kleine Figuren in gut 300 Metern Entfernung. Das Leuchten Deines dunkelblauen Badeanzugs und das Strahlen der hellblauen Swimmsuits der Kleinen macht Euch aber gut erkennbar.
Ich sehe Dich mit Ezra oder Tim am Wasserrand sitzen, während Ezra oder Tim hinter Dir weiter ins Meer stapft. Ich springe auf und signalisiere mit meiner Handbewegung "Achtung!" und deute Richtung Horizont. Du verstehst gleich, winkst jedoch ab. Zur Illustration stehst Du auf, wie um Tim oder Ezra hinter Dir zu präsentieren; ich sehe schon; auch dort geht es nur seicht weiter. Die Ebbe ist heuer radikal von ihrer Qualität her, es dauert offensichtlich Ewigkeiten, bis man hier an der nördlichen Adria auch nur vom Aufkommen eines ernsthaft so zu nennenden Meeres sprechen kann.
Es ist zum ersten Mal, dass ich an der See bin, aber nicht in diese hinein darf. Und ich darf auch nicht und speziell nicht in den erst auftrocknenden nassen Sand mit seinen Pfützen, der zwischen Euch und mir liegt. Also nicht in den Watt-Streifen, den die Ebbe hervorgebracht hat. Zu viele Coli-Bakterien in dem heurigen Warmwasser, hat Dr. D. gesagt. Eine viel zu hohe Sepsis-Gefahr. Abseits der kontinuierlichen Schmerzen merke ich zum ersten Mal in der Lebenspraxis, dass ich offene Füße habe. Und tatsächlich sind beide Beine mittlerweile von wenigstens je einem Haut-Geschwür betroffen. Es braucht mittlerweile nichts, nur ein feines Anschlagen an irgendwas, damit in meiner Haut unter den Knöcheln ein Ulcus entsteht.
Du kommst langsam mit beiden Jungs durch das Watt zurück. Einen hast Du am Arm, der andere zappelt brav, aber langsam mit.
Was schaust Du so? fragst Du, als Du durch den Watt-Streifen fast hindurch und wieder bei mir bist.
Ich habe Euch nur beobachtet. Wie war es draußen?
Auch ganz seicht. Ezra wurde es aber auf einmal kalt. Deshalb habe ich ihn auch am Arm dabei.
Ich bin froh, dass ihr wieder da seid; es war beunruhigend, Euch in einer Distanz zu sehen, in der ich nicht helfen und nichts ausrichten kann.
Ich habe heuer schon schlimme Fälle gesehen.
Dr. D. überzeugt mich sehr schnell davon, im Süden besser nicht ins Wasser zu gehen.
Es sei denn, Sie kommen irgendwohin, wo das Wasser völlig klar ist.
Nein, so weit kommt man mit den Zwillingen nicht; es wird nur Grado, erkläre ich ihr.
Dann auf keinen Fall.
Vielleicht habe ich zuviel Hemingway, zu oft den Schnee am Kilimanjaro gelesen. Und damit die Wahrscheinlichkeit erhöht, selber ähnliche Leiden wie seine Figuren zu entfalten. Durch Etablierung und Zugehörigkeit zu einem Informations-Trend. Ich gehöre ja zu jenden Zeichen-Theoretikern, die gute Gründe dafür haben, davon auszugehen, dass Information und folglich auch Lesen so wirkt. Als Eröffnung eines Trend-Settings, das zuerst einmal einen selber betrifft.
Harry und sein Wundbrand. DAS Thema des Schnee. Durch einen Ritzer am Fuß verursacht.
Mehr als Ritzer waren es bei mir auch nicht, Und würde ich nicht medizinisch gut versorgt werden, wer weiß, was sich dann schon alles entfaltet hätte. In jedem Fall aber kein Harry am Fuße des Kilimanjaros, der fast ein wenig genervt mit seinem Leben ringt.
Und wahrscheinlich vor allem mit seiner Angst.
Konkret von der, versagt zu haben; irgendwie gescheitert zu sein. Solange und so oft, bis nur mehr das heroische Aushalten dieses Scheiterns bleibt. Die alten, bösen Leiden des Europäischen Subjekts.
Wenn ich Euch jenseits des Watts Stehen und Leuchten sehe, weiß ich, dass ich dieses Thema durchhabe. Euch gilt meine Sorge, und für Euch gilt es eine Sepsis um jeden Preis zu vermeiden, weil ich weiß, dass Ihr mich noch brauchen werdet. Ezra und Tim haben noch so viel zu lernen und sind so fordernd, dass Du manchmal am Zahnfleisch daher kriechst. Nur gemeinsam können wir die beiden Jungs mitunter noch stoppen, wenn irgendeine Verrücktheit - auf die Brüstung des Balkons klettern, provokant Sand essen und anderes von diesem Format - sie packt.
In der dritten Nacht erst gelingt es, so etwas wie ein Einschlaf-Ritual zu etablieren. Du liegst in der Bett-Mitte, links und rechts von Dir und seitlich wieder von Pölstern gepuffert Ezra und Tim. Ich liege unten bei Euren Füßen, zugleich auch als Abgrenzung vor dem Bettende, damit keiner der Kleinen nach unten kugelt und hinaus fällt. Ich weiß nicht, wer von uns beiden zuerst eingeschlafen hat, ich weiß nur, dass ich zuerst wieder munter werde; nach weit einer Stunde. Ich versuche, Dich auch zu wecken, aber Du bist viel zu müde. Ich habe extra für Dich das orange Kleid angezogen, hattest Du beim Abendessen gesagt; also dieses schöne lange, dass den Rücken bis knapp über den Hintern freigibt und so von der Nacktheit erzählt, die unter dem Kleid herrscht. Eine wunderbare Einladung für später.
Ich lasse Dich dennoch schlafen und schaue noch einmal konzentriert über das Watt.
Die ganze Angst vor der Vernichtung des Subjekts gehört ebenfalls zur Logik aus Verbot und Überschreitung, die Bataille beschwört. Diese dämmt zwar die Angst vor dem Sex und dem Tod ein, indem sie grundsätzlich Ordnung über die beiden legt und sie so maßregelt und heruntereguliert. Bis schließlich auf den Lebens-Prozess, der immer auch ein Todes-Prozess ist, nahezu vergessen wird. Gleichzeitig hält sie diese Angst jedoch genau so am Leben; als Ereignis, das es gibt und doch auch nicht gibt, weil es ja verdrängt wird. Womit es aber nie überstiegen werden kann.
Das geht auch nicht.
Bataille hält sofort dagegen. Wir sind sicherlich ein eigenartiges Gespann, am Rand des Watt-Streifens. Er ist wie immer im Anzug; ich stecke in einer Badehose, aber mit Kompressions-Strümpfen an den Beinen, die mittlerweile auch meine Verbände schützen sollen. An den Füßen trage ich noch dazu Sneakers.
Natürlich geht das. Mein Eros schlägt die Angst, und zwar grundlegend. Weil er sich etwa um ein oranges Kleid herum entfaltet, in dem einmal Danes schwangerer Körper steckte und aus dem so auch die Zwillinge sprechen; mitsam ihrem ganzen Anwachsen und Fordern. Und wenn durch das Kleid und mithin durch diese ganze Geschichte heute wieder ein nackter Rücken und mit ihm ein nackter Leib hindurchschimmert, so geht es in der dann aufkommenden Geilheit und Lust nie um mich und das Aushalten meiner Ängste, sondern um das Leben und seinen Verlauf. In dem ich mich gerade durch den Sex verliere; gerade weil es dann nicht um Überschreitung, Verbote oder sonst was geht.
Und die Vernichtung?, will Bataille daraufhin wissen. Ist die dann gestrichen?
Die Nepal-Flut vom 26. August 2026 trifft mich. Immer wieder schaue ich, wenn ich nach dem Handy greife, ob auf Insta wieder neue Videos zu sehen sind. Echte Amateur-Filme, die sich eindeutig als solche ausweisen.
Auf einem sieht man von weit oben, wie sich die Flut im Hintergrund schon abzeichnet und die Menschen unten in der Siedlung noch immer nicht auf die Warnrufe von oben reagieren.
Kleine Figuren wie Dane, Ezra und Tim jenseits des Watt-Stücks.
Dann ist das Wasser da und die Figuren verschwinden und mit ihnen ihr Ort, ihre Familien, ihre Bekannten, ihre Lebenswelt.
DAS ist für mich Vernichtung; die Vernichtung von Lebenswelt und Lebenswelten, weil damit tatsächlich das Leben und im Extremfall alles Leben erlischt.
Solange die Geschichten weitergehen und weitererzählt werden, sage ich deshalb zu Bataille, solange also Lebenswelt ist, gibt es keine Vernichtung. In der Welt des Heiligen oder Ästhetischen Eros ist die Vernichtung immer die der Lebenswelt. Sie ist immer die Vernichtung der Geschichten, in die sich lustvoll orange Kleider, nackte Rücken und schwangere Bäuche mischen.
Ich hatte so tief geschlafen.
Heraußen, in der Küche, steht ein aufgeklapptes Sofa, Du lässt sich auf dieses fallen. Im Vorbeigehen hast Du mir über den Kopf gestrichen und den Arm dann zur Brust hinunter gleiten lassen.
Und jetzt noch ein bisschen entspannen.
Trägst Du dieses Kleid, ist es gut, hinter Dir zu stehen und es nach unten zu ziehen; das Rückenspiel also zu einem Ende zu bringen.
Heute liegst Du aber schon und ich schiebe es Dir deshalb von unten nach oben.
Ich merke dabei, wie mein Herz freudig zu pochen beginnt.
1000Küsse681nach
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Bataille Session, 28. August 2026
23.30/04.20, C. - Er liebt ihn; Tim liebt ihn.
Tim liebt Anselm, Ans, den Tigerkater. Gerade hat er sich nach dem Munterwerden zu ihm geworfen. Von der Bettmitte hinunter zum Bettende. Wo Ans zusammengedreht auf der Katzendecke liegt.
Und Ans liebt Timmi.
Du hast Dich aufgesetzt und lehnst Dich an den Bettrücken; links von Dir liegt Ezra, noch im letzten Morgenschlaf. Du schaust den beiden gerne zu, wenn sie sich aneinander kuscheln. Und ich tue das auch. Weil es ein Schauspiel erster, selbstgewählter Intimität ist.
Tim drückt sich mit der Wange an den Rücken von Anselm, während er mit einer der Hände nach den großen Ohren des Katers greift. Und als Orientalische Kurzhaarkatze hat Ans wirklich große Ohren. An diesen wird dann vorsichtig gezogen und geknetet; so wie Tim auch an seinen eigenen Ohren zieht und dreht, wenn er sich beruhigen oder einschlafen will. Anselm genießt, was der Junge tut. Auch wenn es seltsam anmutet, wie Tim mit den Ohren spielt, ist er offensichtlich immens zart dabei. Weshalb der Kater fortlaufend schnurrt und bei anderer Gelegenheit von sich aus die Nähe des Kindes sucht.
Wie werden wir tun, wenn die Kinder dann auf der Welt sind?
Schon wieder stellst Du mir diese Frage, die auch mich regelmäßig zum
Nachdenken bringt.
Wir können es nur probieren; notfalls müssen wir sie wegsperren; also wenn
sie sich auf die Babies zu legen versuchen.
Keiner der beiden jüngeren Kater geht in die Nähe der Kleinen. Seit sie mit
Dane gemeinsam zu Hause sind, wacht Ans, der Leitkater, mit Argusaugen
über die Babies. Er sitzt in angemessenem Abstand, beobachtet, schnuppert
bei Gelegenheit an den Armen und bleibt dann wieder der Herr, der für die
neuesten und kleinsten Mitglieder seines Rudels das Territorium absichert.
Tim ist der erste, der den Kater aktiv wahrzunehmen beginnt, Nach einigen
Monaten kann er ihn sehen und versucht den Kopf nach ihm zu drehen, wenn
er ihn wahrnimmt. Er lächelt dann auch und versucht neugierig, nach dem
vorbeistreunende Kater zu greifen. Noch immer ist Ans' aktive Präsenz bei
Ezra und Tim ein Zeichen für die beiden anderen Tiere, dass sie Abstand zu
halten haben; die Kinder gehören zu seinem Nah-Raum.
Ich weiß noch, wie Katzen als sehr kleines Kind auf mich wirkten. Sie waren meine kleinen Brüder und Schwester, die mir aber zugleich rasch überlegen waren und mehr konnten und durften als ich. Speziell Katzen taten, was sie wollten, und sehr bald standen sie für eine eigene Freiheit und Natürlichkeit, die ich bewunderte. Vor allem an Ricky und Jaques'i, die die Schwester als ihre Kater betrachtete. Doch die beiden makellos schwarzen Wurfgeschwister gehörten niemanden und streiften bald wie zwei wilde drahtige Panther durch Gärten und Felder. Sie jagten auch gemeinsam, und wenn die Kraft zu groß und übermannend wurde, bestiegen sie einander wechselseitig und der eine saß schweigend da wie eine souveräne Löwin, und der andere darüber hatte den wilden Blick eines Löwen, der bestimmt und voller Willen und Kraft begattet. Tatsächlich habe ich diesen Gestus seither nie mehr in der Form gesehen; Ans dominiert und erniedrigt die beiden anderen zwar immer wieder, indem er sie besteigt; doch das hat nichts von der mächtigen Begattung, die Ricky und Jacques'i zelebrierten.
Zwei Götter-Kater.
Bataille hat Simone wieder irgendwo verloren oder was auch immer mit ihr gemacht. Heute ist er zudem wieder nur körperlose und lautlose Stimme und soll auch nicht mehr sein.
Sogar dazu hat er also etwas zu sagen.
Natürlich, weil genau das der Reiz des Tieres ist. Wie die Götter stehen sie über dem Gesetz; sie durchbrechen die Logik von Verbot und Überschreitung. Lustvoll vögeln gerade zwei wilde, mächtige Kater einander, die sonst wahrscheinlich auch hinter Weibchen her waren, richtig?
Richtig.
Sehen Sie, und genau das macht die beiden Kater noch mächtiger und stärker; so machtvoll und stark, dass Sie diese Szenen noch heute, nach weit über 50 Jahren, noch immer vor Augen haben.
In der Tat sehe ich noch immer das stolze Geschau von Jacques'i, als Ricky ihn auf dem weiten grünen Rasen nimmt und alle anderen Katzen respektvoll auf Abstand bleiben, aber um die beiden herum sitzen.
Sie leben Lust und Gewalt, fährt Bataille fort; so, wie wir Menschen das vielleicht gerne würden, aber nur in der Ausnahme-Situation der ritualisierten Überschreitung dürfen. Weshalb die Tiere für den frühen Menschen Götter waren. Und im alten Ägypten waren Katzen sogar ein besonders hoher Gott.
Er pausiert kurz, macht dann aber gleich weiter:
Und wissen Sie, wie die Tiere zu letztlich so großen Göttern werden konnten? Indem man sie AUCH opferte. Das mag als ein Paradox erscheinen, ist aber keines. Im Opfer findet nämlich die Gewalt und damit die Gesetzes-Ungebundenheit ihren Höhepunkt. Wodurch das einzelne Tier zwar vernichtet wird, aber zugleich seine Apotheose erfährt: Mehr JENSEITS von Gesetz und Überschreitung als im Gewalt-Opfer geht nicht. Das ist Götter-Sache.
Ich reibe mich an Bateille, aber natürlich finde ich ihn großartig. Tatsächlich waren Ricky und Jacques'i wie Götter für mich, und tatsächlich wares sie das, weil sie außerhalb aller Regularien zu stehen schienen.
Wahrscheinlich ist auch zumindest Ans für unsere Jungs so etwas wie ein Gott, schreibe ich Dir deshalb in den Morgen. Denn in seiner Souvereignität hält er sich an so gut wie keine Regeln. Will er auf den Tisch zum Essen, springt er auf diesen. Und will er sich zu mir an Gesicht legen, tut er das einfach. Und versucht es wieder und wieder, wenn ich das gerade nicht möchte und ihn wegschiebe.
Zum ersten Mal beginnt mir zu dämmern, weshalb unsere Kinder so gerne über alle Grenzen gehen. Weil wengistens ein Gott mit uns lebt, der das auch ständig tut und damit vorlebt
Insofern, schreibe ich Dir weiter in den Morgen, ist Tims Ankuscheln an Ans nicht nur seine erste selbstgewählte Intim-Beziehung, sondern auch sein erstes Gebet. Und der Ritus des Gebets ist das vorsichtige Kneten der Ohren des Gottes; das Beste, Zarteste und Beruhigendste, das man also zu geben hat. Und das für Timmi so am Ende vielleicht umgekehrt zu etwas Göttlichem wird.
Noch nie war ich bei Dir der Löwe, der rasch und wild und kurzerhand zufassend die Löwin besteigt.
Unvermutet von hinten, während Du etwa an der Spüle stehst.
Weil das Bataille-Erotik wäre; die Überschreitung, das Spiel mit dem Gott-Sein, in dem es um nichts geht als zu nehmen und zu kommen; das Herrliche Große Abspritz-Gebet also.
Aber ein Rest der Tier-Göttlichkeit ist auch im Esprit Narratif et 'Erotique und seiner Lebensform und Erotik noch über; wenn ich Deine Feuchtigkeit schließlich überall an mir habe und Du auch auf meiner Zunge bist.
In Deinem Ritt werde ich dann zu einem der beiden Panther-gleichen Kater, für die es, anders als die reglementierten Menschen, zwar keinen Gott gibt. Aber es gibt für sie die Lust an der Begattung, mit der man den Strom des Lebendigen am Leben erhält.
Und mit der ich dann auch Dich befalle; geil und von unten, in einem uralten, vorreligiösen Gebet.
1000Küsse678nach
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Bataille Session, 27. August 2026
22.50/03.40, C. - Heute geht alles schnell. Auch Dein Einschlafen.
Ich warte noch auf ein wenig Nacht-Talk, aber dann höre ich schon aus dem Nebenzimmer Dein ruhiges Atmen. Zu müde für alles; zu müde auf jeden Fall für Debatten; für einen Diskurs über den Esprit Narratif et Èrotique.
Aber den kann ich auch mit Bataille führen; der ist ohnedies der eigentliche Adressat.
Deshalb gehe ich mit ihm schon wieder durch Madrid. Mit ihm und Simone. Seid Ihr mit Eurem Spiel der Obszönitäten und Überschreitungen endlich fertig?
Ich frage das, obwohl ich die Antwort schon kenne.
Niemals, antwortet Simone diesmal, wir haben noch nicht einmal begonnen.
5 Stöße diesmal, zischt sie dann heraus, aber nicht von Dir.
Im gleichen Moment löst sie sich vom Arm Batailles, bei dem sie sich schon wieder eingehakt gehabt hatte, und rennt davon. Ihr beim Gesäß mittlerweile nasses Kleid macht nun auch die Formen und die Spalte des Hinterns deutlich sichtbar.
Bataille wirkt nicht überrascht und auch nicht beunruhigt.
Was hat sie vor?, frage ich ihn deshalb entspannt.
Wir werden es sehen.
Simone ist nirgendwo zu erblicken. Ich schaue, ob irgendwo eine weitere Hofeinfahrt oder sonstige Nische die Häuserfronten öffnet. An einigen kommen wir vorüber, aber in keiner befindet sich die junge Frau. Als wir bei der einen Stück weit offenen Tür eines alten Zinshauses vorbei kommen, ist ein rhythmisches Keuchen zu hören. Bataille macht einen Schritt auf die Tür zu und macht sie ganz auf.
Hinten links neben dem Beginn der Treppe drückt ein alter Penner Simone mit dem Rücken gegen die graue, vergammelte Mauer; ihr Kleid ist nach oben geschoben, seine Hose nach unten gefallen und sie umschließt ihn mit ihren Schenkeln auf Beckenhöhe. Bei jedem seiner hektischen Stöße keucht sie und presst sich zugleich mit ihren Armen und Handflächen fest gegen die Mauer.
5 .... hatte ..... ich ...... gesagt ... Du Arschloch .... 5 ......, keucht sie heraus.
Was er aber gar nicht hört, sondern wie besessen weiter macht.
5 .... keucht sie noch einmal, drückt sich dann von der Mauer so fest weg, dass der Alte nach hinten kippt und hart auf dem Rücken aufprallt und gepeinigt aufstöhnt, während sie geschickt auf den Beinen landet. Im Landen noch beginnt sie, auf Bataille zuzugehen.
5 .... habe .... ich ... gesagt ..... keucht sie noch immer, zeige ... ihm .... wieviel 5 ... bedeutet.
Deshalb mag ich Ihren Weg nicht, sage ich, als wir draußen wieder die Straße entlang gehen, der Weg von Gesetz und Überschreitung ist immer auch ein Weg der Grausamkeit.
Natürlich, antwortet Bataille sogleich, Simone nun die Hand über die Schulter legend und sie eng an sich drückend. Aber was wäre der Mensch ohne seine Graumsamkeit? Taboo, Bruch und Grausamkeitgehören zusammen. Das kennzeichnet Mensch-Sein; solange wir so leben, werden wir anderen beim Vögeln fast das Kreuz brechen und Gewalt sakrosankt verbieten, um dann im überschreitenden Krieg die Sau herauszulassen. Vielleicht ist das alles sehr krank, aber kennen Sie wirklich einen anderen Weg?
Ich bin kein sakraler Mensch; zumindest nicht im Sinne von Batailles Konzeption von Sakralität. Das entfaltet sich eben in der Dynamik von Gesetz und Überschreitung und die Grausamkeit spielt darin einen zentralen Part. Weil sich so die Überschreitung am besten und deutlichsten feiert. Und faktisch hat Bataille schon recht: Kein Heiliger Krieg ohne grenzenlose Massaker; kein Heiliger Sex, der nicht zur Orgie und zum übergriffigen Mysterien-Spiel verkommt.
Wobei ich glaube, dass Gesetz und Überschreitung immer schon die Schwundstufe von etwas anderem sind; dass Sakralität also lediglich der traurige Rest von etwas Vorlaufendem ist. Das man den Heiligen oder noch besser: den Ästhetischen Eros nennen könnte.
Und der liegt darin, dass ich gerne davon erzähle, wie wir uns zueinander
legen und ich Deine Armbeuge streichle, bis ein feines Seufzen beginnt.
Aa....guut....
Deine Feuchtigkeit beginne ich dann schon an den Fingern zu spüren; lange
bevor die sich noch in deren Richtung bewegen. Ganz weich ist sie, als ich sie
schließlich erreiche, und noch weicher wird sie, als ich schließlich in ihr bin.
Ein Ozean;
ist das schön....
Und doch ist es dann auch ein gutes, immer schneller werdenes Ficken, und
weil es in dem obszön, so herrlich fleischlich wird, wird der Ozean auch
unendlich tief. Endlos will ich mich in dieser Tiefe entladen,
Küss' mich, eine Flut ist nicht genug.
Das bricht sich dann wieder in ein geiles Lecken und Lutschen, von dem man
dann vielleicht noch weiter erzählt. Doch auch ohne dem ist viel; so viel, dass
ich im Schatten des Ästhetischen, Heiligen Eros zu Dir komme; nur ein Kuss
für Dich an den Hals: für Dich, großartig zwischen unseren Söhnen
eingenickt; mit dem ist dann heute schon alles gesagt und getan.
Gute Nacht, Monsieur Battaile, flüstere ich dann noch still und lege mich nach hinten; vielleicht ist es diese anfänglichen Ästhetik, dieses Brechen, dieses Changieren zwischen Fleisch und Bedeuten, von dem das Sakrale nur mehr ein lächerliches Zeugnis ablegt.
1000Küsse677nach
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Bataille Session, 26. August 2026
23.25/04.20, C. - Schon wieder haben sie Kieselsteine bei der offenen Glasschiebetür hereingeschmissen.
Du erzählst es ohne jede Empörung.
Bei der Wasserleitung der Küchenspüle waren sie auch wieder, heute mit zwei Stühlen.
Ein nüchterner Report; mehr nicht.
Und wenn ich was sage oder schließlich zu brüllen beginne, werfen sie nur noch mehr Steine. Oder drehen das Wasser noch heftiger auf.
Deine Bestandsaufnahme ist abgeschlossen. Und sie wirkt resignativ. Was sie auch ein Stück weit ist: Ezra und Tim werden bald 2 und damit aus Kleinkindern zu Kindern. Was auch bedeutet, dass sie die Gewalt und Gewalttätigkeit entdecken. Junge Männer eben.
Lasst das endlich!!
Ich schreie auch fast, als sie schon wieder die Sitzbank zum Bücherregal schieben; zu zweit ist das kein Auftrag für die beiden. Schon ist Ezra auf der Bank und dann bei den Büchern; Nein!!!, doch während ich ihn weghebe, ist Tim schon an seiner Position.
AUS JETZT!
Nun schreie ich wirklich.
Ich hebe auch Tim herunter; ein wenig fest und unfreundlich. Was ihm aber völlig gleichgültig ist. Er lacht nur und setzt zum nächsten Sturmlauf auf Bank und Bücher an, die Ezra beide schon erneut erobert hat.
HE!
Ich reisse ihn förmlich herunter; provokant grinst er mich dabei an; die ganze Schärfe meiner Stimme beeindruckt ihn nicht ein bisschen. Er will jetzt und er nimmt sich jetzt und niemand wird ihn stoppen. Was auch für Tim gilt.
Das nennt man Übergriff. Oder eben auch Gewalt.
Und natürlich ist es lächerlich und harmlos, was da passiert, aber darum geht es nicht. Sicher könnten die Jungs ruhig Wasser durch den Raum verspritzen oder noch mehr Kiesel in die Wohnung schleudern. Aber gerade mit Gewalt muss man als Mensch und speziell als Mann aktiv umgehen lernen. Ich arbeite vor allem mit Menschen, die das nicht lernten und mit denen niemand dieses Thema abarbeitete, und die Folgen dieser Bequemlichkeit will ich unseren wilden Söhnen ersparen.
Wie sie dabei grinsen.
Das irritiert Dich vielleicht am meisten. Dass man sie stoppt, reglementiert und nur ein amüsiertes Lachen erntet. Bevor die Aktion und der Fight in die nächste Runde gehen.
Ich war so nicht.
Ich auch nicht.
DUUUU!!!
Begeistert reisse ich den kleinen Topf voll mit Wasser an mich; auch wenn es vorhin hieß, dass ich das nicht darf. Ich kann aber und ICH, ICH will das jetzt. Weil es gut tut, danach zu fassen und ihn zu haben; das Können und die Kraft zu besitzen, so etwas zu tun.
DUUUUUUUUUU!!!!!
Die Ohrfeige links kommt hart, die rechts noch härter; aber am meisten schreckt diese unfassbare Wut, die von der Frau, der Mutter kommt. Sie nimmt mir fast den Atem und ich versteinere innerlich. Wieder einmal habe ich nur Angst und ein Reich der Schwärze geht auf. Besser nichts tun, besser nicht leben, alles bleibt am besten in mir.
Noch einmal: Die Menschen halten den Sex nicht aus.
Bataille. Schon wieder. Und immer mit der gleichen Leier.
Was hat das alles mit Sex zu tun?
Diesmal will ich mich wieder ganz auf ihn einlassen. Er soll auch Gestalt bekommen.
Prompt gehen wir durch irgendeine spanische Stadt. Vielleicht durch San Sebastian. Oder vielleicht ist es auch Madrid. Es ist egal. Er hat Simone dabei; sie hat sich eingehakt bei ihm und trägt nur ein dünnes Stoffkleid. Auf den ersten Blick kann ich sehen, dass sie darunter nackt ist. Sogar ihr Schamhaar schimmert durch das Kleid. Weshalb fast jeder der vorbeigehenden Männer sie anstarrt.
Merken Sie, wie Simone sie alle geil macht?
Ich antworte nicht darauf, sondern beobachte nur die junge Frau. Provokant blickt sie immer wieder auf die Passierenden, um dann rasch wieder stolz den Blick nach vor, auf ihre Strecke zu richten. An einer leeren Hofeinfahrt hält sie plötzlich an.
Komm', nur drei Stöße!
In der Hofeinfahrt drückt sie sich mit dem Gesicht, den Brüsten und dem Bauch gegen die Mauer und rekelt Bataille ihren Hintern entgegen. Er zieht das Kleid rasch hoch, öffnet blitzschnell die Hose und ist schon in ihr.
Drei Stöße, nicht mehr.
Wir gehen schon wieder die Straße entlang.
Es geht nicht um Gewalt oder Lust, fängt er plötzlich an. Das ist oft nur schwer zu trennen.
Dabei dreht er sich zu Simone und steckt ihr für einen Augenblick die Zunge tief ins Ohr. Sie grinst nur, hakt sich kurz aus und fasst ihm mit der freigewordenen Hand grob in den Schritt.
Komm', da links drüben; zwei Stöße.
Wichtig ist die Dynamik von Verbot und Überschreitung, fährt er fort, als wir plötzlich nach rechts in eine Querstraße wegbiegen. Damit regeln wir den Sex, aber auch die Gewalt bis hinauf zur Tötung. Und oft ist es nicht so klar, ob wir wirklich eigens die Gewalt regulieren oder nicht sowieso immer bloß den Sex. Denn wieviel Verlangen und Reiz steckt denn nicht auch in dem echten Krieger, der zum finalen Schlag ausholt?
...oder zum finalen Stoß? Komm, hier, jetzt; mitten auf der Kreuzung. Ich beuge mich einfach nach vor...
Wir regulieren den Sex, wir regulieren die Gewalt, wir regulieren über den Horror sogar die Angst. Und ein wenig fühlt sich das alles tatsächlich stets ein wenig gleich an. Weil wir über diese Regulationen mitsamt ihren organisierten Überschreitungen erst diese Ausformungen des Sex' oder der Gewalt produzieren, als die sie dann eben bestehen. Ohne diese Ausformungen bleibt alles meist völlig undifferenziert.
Ich weiß, dass Bataille hier richtig liegt, und ich weiß auch, dass die Erotik, die dann aufkommt, wenn der Sex in das Erzählen hineinwuchern darf, in das Erzählen einer Liebe, die gerade auch durch dieses Erzählen diese Liebe ist, einen wirklich weiten Weg darstellt. Dass sie eine, nur eine, komplexe Ausformung dieser ursprünglichen Undifferenziertheit ist. Auch wenn sie dabei gleichsam an eine ursprüngliche Fruchtbarkeit und ihre Erotik zurückfindet.
Weil ich das alles weiß, lasse ich jetzt Bataille auch mit seinem Schwanz in Simone auf der Straße stehen und kehre zu Dir zurück.
Verstehtst Du jetzt, warum sie beiden immer auch grinsen, wenn sie zu ihren kindlichen Gewaltakten ausholen? Weil es Gewalt UND Lust UND so vieles mehr ist, was wir noch gar nicht sehen. Doch vor allem ist es immer auch Lust; lustvolle Wirkkraft. Weshalb sie so schwer zu regulieren ist.
Dass ist es, was ich nach einer Nacht und einem Morgen zu all dem zu sagen habe. Bataille setzt zur Regulation auf das Sakrale, auf die Logik aus Verbot und Überschreitung; das, so sagt er nicht, aber legt es nahe, hat sich über Jahrtausende bewährt. Ich setze auf den heiligen Eros, der einer anderen Dynamik, der aus Erzählen, durchzogen von Sex, folgt. Ich denke, dass er die Menschen besser befriedet - sofern seine Vermittlung gelingt. Und dass wir diese Befriedung unseren Söhnen leichter werden mitgeben können. Als ein Spiel, eine Dialektik, die wir selber nicht spielen.
Ich werde abends in Italien vielleicht über Sex schreiben; ich könnte mir vorstellen, dass das passt - und wir beide das in einem Raum tun.
Ein guter Abschluss eines Nacht-Talks, der schon das anfängt, was ich gerade erst und damit Stunden später vorgeschlagen habe.
Tu', das, Schöne, und dann werden wir die Texturen in das Bett zurückwuchern lassen.
1000Küsse676nach
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Bataille Session, 25. August 2026
23.10/04.20, C. - Breitbeinig sitzt Ezra in der Wanne. Dane hat Tim schon herausgehoben, wodurch er noch mehr Platz hat.
Er ist jetzt schon so ein Hemingway-Mann.
Aber wirklich!
Ez lehnt an der Längsseite, gleich neben den Armaturen, aus denen lauwarmes Wasser fließt. Mit einem Messbecher aus der Küche fängt der das Wasser auf und füllt es in die Reste eines Duschgels in Entenform. Oder in das, was davon über geblieben ist, nachdem er dem Ding den Kopf abgeschraubt hat. Eine Art Krug nämlich, aus dem man genüßlich saufen kann. Und Ezra sauft gerade; eine Füllung nach der anderen schüttet er mit dem Messbecher in die Ente, führt diese zum Mund und stürzt das Wasser hinunter.
So wie er dreinschaut und sich um nichts um ihn herum schert, könnte man meinen. dass er sich grade mit Whiskey betrinkt. Ganz genüßlich und ohne spezifischen Grund.
Er ist auch stemmig wie Hemingway selbst. Er ist tatsächlich so ein Männer-Typ. Das war er schon als Baby.
Ezra interessiert das alles herzlich wenig. Er sitzt nur da und trinkt. So viel, dass man schon seinen Bauch gluckern hört.
Es gibt ein Foto von Hem, sage ich Dir dann, wo dieser ähnlich da sitzt; allerdings mit kurzer Hose und nicht nackt; er sieht auf dem Bild vergleichbar drein. Es ist, wenn ich mich recht erinnere, aus dem Jahr des Dangerous Summer, in dem Heminway Stierkämpfer durch Spanien begleitete. Sehr existenziell war damals alles.
Irgendwie wird es das aktuell auch bei uns.
Du drehst Dich gerade hinüber, als ich jetzt ins Bett komme. Tim schläft heute enger an Dir, weshalb ich leicht nach Dir greifen kann. Ich streiche mit den Fingerspitzen Deinen Rücken entlang und lasse sie dann auf Deinen Oberarm gleiten. Ich folge ihm bis zur Armbeuge; da hebst Du den Arm hoch und führst Deine Hand an mein Gesicht. Du streichst darüber, ich fasse mit meiner Hand nach Deiner und führe sie an meinen Mund. Ich küsse sie; am Handrücken, in der Handinnenfläche, die ich auch kurz mit der Zungenspitze antippe. Das reicht für den Augenblick; als Erzählung des Begehrens zur Mitternacht.
Ich kann Worte für Sex finden; für das Fließen, für den Orgasmus....das werde ich machen.
Der Nacht-Talk ist heute nur kurz; aber Du reagierst auf die Textur vom Morgen auf das
"Wie schade, dass Du die Textur nicht manchmal wirklich übernimmst, kaperst, echte Frauenschrift daraus machst".
Wunderbar, Du wirst also kapern, übernehmen; die Männersprache unterlaufen, und das steht ja immer an. Damit es noch existenzieller, noch erotischer wird. Einen Esprit Narratif et Èrotique schreibt man letztlich nicht allein. Und er soll ja geschrieben sein und wachsen; ich liebe die Lebensform, die damit aufgeht. Sie ist so eine herrliche Alternative zur metaphysischen Kultur, zu der am Ende auch noch immer die wissenschaftliche Tradition gehört, die beide mit Erfolg die Erotik gelöscht haben. Und deren höchster Triumpf es deshalb ist, wenn so etwas wie Geist "RAW" wird und ihn auch Maschinen duplizieren können. Fast ein wenig mitleidig schaue ich deshalb auf die Videos von den Pseudo-Olympischen Spielen für Roboter, die in Peking gerade stattfinden. Wie sie neue Sprint-Wektrekorde aufstellen und sich im Zweikampf oder was auch immer üben. Wie kastriert muss man sich als Mensch, als Menschheit eigentlich haben, um sich in eine solche Welt zu verirren? Sei es als Produzent oder Konsument?
Ich sage es Ihnen immer wieder; der Mensch hat Angst vor dem Sex.
Monsieur Bataille eben.
Der passt nicht zur Organisation der vergesellschafteten Menschen mit ihrer Grund-Logik der Sicherheit und Reproduktion. Und er passt auch nicht zu einer Menschheit, die es noch immer unerträglich findet, das man als Einzelne oder Einzelner nur ein Bindeglied zwischen den Generationen ist; nämlich eines, von dem am Ende nicht mehr als ein verwesender Leichnam bleibt. Wo man den Sex als lebendige Fruchtbarkeitlebt, wird einem das aber immer wieder radikal vor Augen geführt:
Du bist lediglich ein Schatten und Nebelin einem Prozess, der weit über dich hinaus geht.
Deshalb hat der Mensch die Erotik erfunden; die normale, nicht die der Großen Fruchtbarkeit, von der Sie so gerne reden. In der normalen geht es um Verbot und Überschreitung; DASbeschäftigt dann mehr als der Sex als solcher. Der ist dann de facto gebannt, und mit ihm der Todund der ganze Wahnsinn der sexuellen Reproduktion,die es am Ende ja ist, die die Einzelne oder den Einzelnen auch so unsagbar lächerlich und unwichtig macht. So lächerlich und unwichtig, dass es am Ende einfach unerträglich ist.
Immer besser verstehe ich, was Bataille sagen will. Es geht ihm gar nicht darum, alle Dimensionen möglicher Erotik auszuloten; es geht ihm lediglich um die Erotik, die am häufigsten gelebt wird; als gesellschaftliches Phänomen. Und das ist jene, die sich am Tod abarbeitet, ohne das wirklich zu explizieren. Und die insofern noch immer zur metaphysischen Kultur und ihrer Löschung der wuchernden Fruchtbarkeit gehört. Die sichert sie mit ab, weil die Große Fruchtbarkeit mit ihrer ganzen Bedrohung der gesellschftlichen Ordnung damit weggeschoben bleiben kann, aber doch ein Sex möglich wird, der sich weniger mit dem Sex als mit Verboten und Überschreitungen beschäftigt. Was auch die Basis für die ganzen Schlachten der Queer- und Anti-Queer-Bewegung ist. Beide sind zutiefst anti-sexuell im Sinne einer Erotik der Fruchtbarkeit; beide sind nur der neueste Auswuchs der metaphysischen Löschung des Sexuellen als Bewegung und Lebens-Prozess.
Wenn man das erst einmal sehen gelernt hat, beginnt sich diese Kultur und Zivilisation ins Absurde zu kehren.
Mitleidig und amüsiert schaue ich dann auf die hetzenden Roboter in den Pekinger Laufstadien, die dann das nächste Ebenbild ihres Schöpfers sind; kastriert geschlechtslos, in rotierenden Symbol-Verschachtelungen unlebendig und in der narzisstischen Wahnwitzigkeit gefangen, dann wenigstens immer und überall Erster zu sein. Platon und Monotheismus on its next Level.
Entspannt folge ich da lieber Hrn. Bataille zu Edwarda, der ihr, für beide Seiten befriedigend, die purpurbraune Muschi ausschleckt; und entspannt steige ich auch mit dem Mann von Hrn. Schultheiss in das Kran-Wrack-Bilduniversum in irgendwelchen Docks, wo er die Frau doch ficken wird; zumindest in den Arsch; vor Geilheit angeschwollen und fast berstend.
Wie gesund fühlt sich das alles doch im Verhältnis zu dem an, was da sonst in Bild-Form die Welt flutet!
Mit dem Sex in den Zeilen und der Freiheit, die er gibt, komme ich dann gleich am Morgen zu Dir und gebe Dir die Freiheit weiter.
Sag Schatz, wie würdest Du als Frau Schultheiss' Talk Dirty schreiben, wenn Du es neu texten müsstest?
1000Küsse675nach
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Bataille Session, 24. August 2026
22.55/04.20, C. - Ich merke gerade ein weiteres Mal, wie geschunden mein Körper ist. Die offenen Stellen an den Füßen schmerzen. Sie tun das sogar jetzt. Aber diese Schmerzen unterbinden nicht mein Genießen, das noch schweigt.
aaaaah....
Dein ansteigendes, feines Stöhnen funktioniert noch immer wie ein Sirenen-Gesang für mich. Es gibt jetzt nur noch dieses und es ist wunderschön.
aaaaaaaa....
Ich genieße Dein Genießen; die kluge Formel Lacans gilt noch immer.
aaaaaaaaaaa....
Ich will jetzt nur darauf achten, was Du brauchst; anderes ist jetzt nicht mehr. Auch wenn es an meinen Innen-Knöcheln brennt und sticht. Ihr auch gefühltes Brenn-Rot bleibt im Hintergrund.
Stattdessen kommt
aaaaaaaaaaaaaaa....
von Dir, und von mir kommt
mmmhmmmmm
nun dazu. Mein Genießen schweigt nicht länger. Doch auch meines bleibt nur fein; kein Laut-Exzess.
Überhaupt ist heute alles intensiver, lustvoller;
ich mag es, wenn ich mich auch selbst berühre; wenn ich betaste, wie
noch immer alles flutet und strömt. IHN macht es zudem erregt
und zugleich glücklich. Weil er so sehen und nachspüren kann, wie
unser Sex und damit er mich befließt.
(Wie schade, dass Du die Textur nicht manchmal wirklich übernimmst, kaperst, echte Frauenschrift daraus machst).
Es hat sich gelohnt, den Esprit Narratif et Èrotique zu etablieren. Die Lust wuchert in den Texten und von diesen wieder ins Tun zurück. Still und heimlich kommt so ein neues, anderes Leben; eine postmetaphysische, postmaterialistische, post-verdinglichende Lebensform. Religion ohne Religion; nur Esprit Narratif et Èrotique, das reicht.
Ich hatte heute einen merkwürdigen, hässlichen Traum.
Die Jalousien sind noch herunten; Ezra und Tim saugen an den Morgen-Fläschchen, die ich gerade gebracht habe.
Wir waren am Land auf Urlaub, in irgendeinem südöstlichen Zipfel von Österreich. M. und S. waren auch da, Du und die Kinder sowieso. Aber irgendwie nur atmosphärisch. Ich hatte etwas, Beschwerden; Du schicktest mich zum Arzt und der Befund war niederschmetternd. Ein Leberkrebs...
Wir alle hören zu; die Jungs, wohl ohne alle Details zu verstehen.
Präzise wurde mir alles erklärt; dann aber revidiert, weil es doch nur eine Art Infektion der Leber wäre, die mich aber eventuell töten würde. Ich war mitgenommen; "ich habe doch zwei kleine Kinder", sagte ich den Ärzten. Alles war so echt.
Weil es auch echt war; nur eben ein echter Traum, voller Metaphern und Verschlüsselungen.
Willst Du meine Deutung hören?
Ich stehe kurz auf, gehe zum Regal links an der Mauer, drücke die Fernbedienung für die Jalousien und lege mich ins Bett zurück; zu Deinen Füßen.
Sag....
Die Leber entgiftet, sie synthetisiert aber auch Hormone und vieles mehr. Dort werden die lebenswichtigen Substanzen produziert; auch die Basisstoffe für den Sex.
Ich pausiere; ich muss alles langsam zusammenfügen. Tim und Ezra saugen weiterhin herzfach und schauen dabei zu mir.
Das Land ist der Ort der Viehzucht, mithin der Kernlogik unserer Gesellschaft und Kultur. Diese Kernlogik findet in der Metaphysik und Religion ihre Ideologisierung, und alle Philosophie bleibt als Fach und Tradition im Windschatten dieser Ideologie.
Ich streiche über Deinen abgedeckten Bauch bis hinauf zu Deinen Wangen.
Du warst jetzt 10, 12 Jahre lang Philosophin. Das hat Dich noch nicht genug von der Logik des Landes befreit...
...noch immer steckt diese zu sehr in mir.
Du gehst mit und übernimmst selbst die Deutung.
Die Philosophie war wichtig, aber letztlich ist sie Blockade. Spannend, dass das gerade jetzt kommt. Und über welche Bilder.
Nun ja....
Ein wenig haben wir es schon mit dem Esprit Narratif et Èrotique vorgedacht, füge ich nach einer Weile hinzu.
Was Dich irgendwie zum Grüblen bringt.
Ich sage es Ihnen doch schon die ganze Zeit; es geht nicht ohne Verbot und Überschreitung.
Bataille nimmt sich wieder seinen Platz; diesmal am Bettrand. Und diesmal sogar zu recht.
Philosophie ist das Spiel des ständigen Begründens und Erklärens; alles wird auf diese Weise rationalisiert, aber auch buchstäblich wegerklärt. Am Ende lebt man so in einer ständigen Erklärung, in der es für alles ein Argument gibt. Das Taboo und seine Übersteigung verschwinden; eine solche Bewegung ist irrational, sinnlos und hat keinen Platz.
Wir sind aber nicht nur rational, fährt Bataille fort, wir haben auch ein emotionales Erleben. Und das braucht eigenartige Dinge; Verbote eben, die die Maßlogikeit des Sex ertragbar machen, aber auch die Überschreitung; den Exzess. Weil wir das Verbot sonst nicht ernst nehmen; genau deshalb wird nach dem Tod des Herrschers gebrandschatzt, herumgehurt und sogar gemordert; aus Respekt vor dem Gesetz, das er etablierte. Und das sonst nicht mehr als lebendiges Gesetz erlebt würde.
In diesem Sinn tötet die Philosophie, kastriert und bringt die Leber und ihre Hormone zum Verschwinden. Stumpf wird es irgendwie in all dem Begründen; wie bei den Viehzüchtern, wo die Philosophie herkommt und wo Zuchtlogik die Lust und die Erotik der zwanglosen Fruchtbarkeit ersetzt. In diesem Sinne hast Du heute Bataille geträumt.
Aber produziert denn der Esprit Narratif et Èrotique Verbote und Überschreitungen?
Die Frage hast Du mir noch gar nicht gestellt; deshalb lasse ich sie Dich hier einfach stellen.
Er changiert zumindest zwischen Erzählen und Sex hin und her, lautet meine Antwort, und schließt diese zugleich immer wieder für einander aus. Weil man entweder Sex hat oder erzählt. Darin leben Verbot und Überschreitung weiter, und vielleicht macht das die Ästhetik wie Erotik dieses Esprits aus. In jedem Fall bewegt man sich wo ganz anders als die Metaphysik und ihr Erbe das tut.
Unter anderem bewegt man sich zwischen zwei kleinen Jungs.
Plötzlich springt Ezra jetzt auf und steigt lachend aus dem Bett hinunter auf den Boden
Nein Nein Nein, Du rennst jetzt nicht ins Katzenzimmer, dort ist noch gar nichts geputzt!
Natürlich hole ich ihn nicht ein mit meinen Brand-Roten Füßen. Vor dem Katzenzimmer schlägt er aber selber das Sperrgitter vor seiner Nase zu.
Sehen Sie, er weiß, wie man genießt, flüstert mir Bataille daraufhin triumphierend über die Schulter; am schönsten ist oft die Überschreitung, die man selbst wieder an ihr Ende bringt.
1000Küsse674nach
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Bataille Session, 21. August 2026
22.50/04.00, C. - Es fehlen die Schnuller, es fehlen die Schnuller!
Ich plage mich aus dem flachen Kinderbett hoh; hoffentlich inspiriert das Ezra neben mir nicht, das auch zu tun. Er bleibt im beginnenden Einschlafen aber liegen, während ich in Richtung Schlafzimmer-Tür loshumple:
Diese öffnen; schnell wieder zu mit ihr; dann rasch vier Schritte in die Küche machen; das Schälchen mit den Schnullern neben der Spüle fassen; mit ihm möglichst lautlos ins Zimmer zurück.
Ich will Timmi neben Dir im anderen Bett gleich einen geben, aber irgendwie passt etwas nicht. Ich taste wie blind sein Gesicht ab und ertaste schließlich einen Schnuller in seinem Mund.
Er hat einen drinnen, stelle ich fest. Als ob das wichtig wäre.
Dann Ezra. Dann braucht Ezra einen.
Du flüsterst das nur, bist aber energisch dabei. Du weißt , was passiert, wenn einer nicht schnell genug an sein Saug-Ding kommt.
Ezra hat tatsächlich keinen. Dementsprechend schnell nimmt er den Schnuller in den Mund, nachdem ich ihm diesen hinhalte.
Mm MM mm.
Willst Du noch ein Fläschchen.
Mmmm mmm m.
Tim will noch ein Fläschchen, raunst Du von seinem Bett zu mir herüber. Wir Sitz-Liegen im rechten Winkel zu einander.
Ich drücke mich wieder von der Matratze hoh; diesmal schaut mich Ezra neugierig an.
Wieder schnell die Tür öffnen; wieder sie schnell hinter mit schließen. Diesmal acht Schritte in die Küche hinüber zum Heater, der zwei Fläschchen schon vorgewärmt hat. Eines rasch mit Milchpulver befüllen; gut durchmischen; zurück in das Schlafzimmer.
Timmi beginnt rasch zu saugen. Ich gleite wieder zu Ezra nach unten. Erneut decke ich ihn mit seiner Leichtdecke zu, die er schon zur Seite gestrampelt hat.
I ää ä.
Hm??
I ää.
Wahrscheinlich will er jetzt auch eine Flasche, flüsterst Du mehr vor Dich hin als zu mit herüber.
Ä ä ä.
Er will eine Flasche.
Irgendwie wieder auf; die Türe öffnen, die Türe zu; acht Schritte, vielleicht auch zehn in die Küche. Das nächste Fläschen öffnen, wieder Hipp Combiotik 1+ oder 2+ oder was da grade auch immer steht dazu mischen; dann zurück ins Schlafzimmer. Nur ja nicht die Tür auskommen lassen.
Er will keine.
Ä ä ä.
Probiere es noch einmal.
Okay; mache ich.
Er nimmt sie doch.
Was man doch alles tut. Und mit wieviel Sorgfalt und Vehemenz.
Leben und speziell menschliches Leben ist ein Luxus der Natur. Ich wiederhole es Ihnen auch gerne mit anderen Worten: Wir sind pure Verschwendung.
Heute lasse ich Bataille nur Stimme sein. Ich brauche ihn nicht schon wieder neben mir am Beifahrersitz auf der Autobahn durch die Obersteiermark.
Vergessen Sie nie, fährt er fort, letztlich sind wir nur ein Prozess oder Ereignis der Reproduktion, aber eben der sexuellen, und was die für einen Aufwand betreibt! Einen Körper entstehen lassen, ihn über Jahre hinweg geschlechtsreif werden lassen, komplizierste Begehrensspiele, Beziehungsverhandlungen; endlich die Verdopplung mit Hilfe eines zweiten Körpers, dann vielleicht noch eine weitere Verdopplung; den oder die verdoppelten Körper pflegen und versorgen, tausende Handgriffe und Wiederholungen; dabei selber in Würde altern, absterben, verwesen; endlich ganz den Jungen das Feld überlassen... Was für eine unfassbare Vergeudung nur dafür, dass sich ein Prozess des Lebendigen reproduziert!
Vielleicht sind wir aber mehr als nur ein Reproduktions-Geschehnis. Vielleicht ist im Zuge des Reproduzierens etwas ganz Eigenes aufgekommen; eben das Ereignis Mensch, das eine ganz eigene Struktur im Universum bildet.
Und wozu gibt es die? Und macht das Ereignis Mensch, wie sie es nennen, am Ende wirklich etwas anderes als sich zu reproduzieren? Bleibt nicht das primär? Und selbst die, die Kinder-los bleiben: Sind die nicht weiterhin der Dynamik der sexuellen Reproduktion verpflichtet? Indem sie um all die Aspekte von Genießen ringen, die im Feld der sexuellen Reproduktion aufgekommen sind?
Touchè!
Ich habe nicht viel dagegen zu sagen.
Wir alle sind ein derartiger Aufwand und betreiben einen derartigen Aufwand, nur um uns zu verdoppeln und um am Ende zu verwesen und von Würmern zerfressen zu werden; als krönender Abschluss einer sexuellen Reproduktion, die das wahrscheinlich Verrückeste und Teuerste ist, was dieses Universum bisher hervorgebracht hat: An die hundert Jahre im Betrieb, Tonnen von Energie-Aufwand, nur damit am Ende zwei, drei, vier Replikanten da sind.
Das musste jetzt noch unbedingt draufgelegt werden.
Ein interessantes Menschenbild, kommentiere ich schließlich, dem wir allerdings nicht Rechnung tragen. Oder?
Ich schon.
ER ist IHR auf den alten Kran bei den Docks nachgestiegen. Jahrelang hat
in dem Viertel niemand mehr etwas angegriffen; unten an der Leiter
lagen tote Ratten; hier auf den zum Teil abgetretenen Sprossen hat sich
eine Möwe aufgespießt. Ihr Skelett stinkt jetzt noch nach Aas.
Bist Du oft hier?
Zwischen den rostigen Kabeln und Schaltern liegen ein paar Decken, die
frisch aussehen.
Kommt darauf an....
Verstehe....
Sie steht vor ihm. Ihr Kleid ist nicht offen, gibt aber fast die Brüste frei.
Hol' sie raus.
Er zieht das Kleid ein wenig nach unten über die Schulter; bei ihrer
ersten Bewegung fällt es ganz hinab.
Saug an ihnen.
Er beginnt an der linken Brustwarze zu lecken und nimmt die ganze Brust
dann tief in den Mund.
Aaa!!! Jetzt die andere.... Aaaaa!!!! Ja! Aa Aa Aa...
Sie keucht schrill.
Und jetzt brich jede Regel und heilige sie damit. AAAAaaaaaaaaaa!.......
Sein Heilger Eros ist nicht meiner. Wir haben aus der Sexuellen Verfasstheit des Menschen andere Schlüsse gezogen; eine andere - und was sonst ist diesem Menschenbild angemessen? - Erotische Existenz daraus gemacht. Ich bin geduldig und ohne Fordern, und das ganze Ringen mit der Verschwendung und der Kampf mit den Regeln und ihren Überschreitungen interessiert mich nicht. Ich mag das Wuchern des Sexuell-Sensuellen, das aber nur wuchern kann, wenn es in Geschichten steht. Ich will die pure Form; ich will den absoluten Nullpunkt; ich will den größtmöglichen sexuellen Luxus, den es gibt.
Ich vermisse entspannte gemeinsame Zeit mit Dir und freue mich, dass wir bald alle gemeinsam wegfahren.
Deine letzte Nachricht zur Nacht.
Ich freue mich auch.
Ich mag Sonne auf der Haut und das Licht des Südens, weil dann alles zum 80. Stockwerk und zum Haus und zu der Stadt wird, die es nicht gibt.
Im Halbdunkel der Nacht lecke ich Dir dann das Salz herunter und nur Deine Fingerspitzen reichen mir auf meiner Haut.
Was muss ich tun, dass es endlos wird? will ich schließlich wissen; ich meine Dein Pulsieren, das sich schon über den Venushügel spannt. Ein bisschen nach oben gibst Du mir stattdessen als Anweisung und Dein feines Maunen signalisiert, dass es jetzt richtig ist.
Alles ist dann gleich darauf ein einziges großen Kommen.
Verschwenderisch und in überbordender Geilheit pulsiere ich einfach mit Dir mit.
1000Küsse671nach
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Bataille Session, 20. August 2026
23.00/03.40, C. - Ich war immer schon so, schon als kleiner Junge.
So wie L. stelle ich mir Timmi als Jung-Erwachsenen vor. Groß, schlank, fein.
Ich musste immer in den Widerstand gehen. Sagte die Großmutter: Tritt nicht auf die Brösel, das bringt Unglück, trat ich erst recht darauf. Auch heute noch muss ich immer dagegen halten.
So wie L. kann ich mir deshalb auch Ezra vorstellen: Sag mir, dass das nicht geht, und ich werde es dennoch tun.
Warum bin ich so?, will L. wissen, während er vor mir am Tisch sitzt. Eine Zufallsbekanntschaft.
Das ist Biologie, sprudle ich los; überrascht von mir selbst, weil sich die Antwort so zu formulieren beginnt. Sie mögen wahrscheinlich auch die Konkurrenz, die Herausforderung, den Zweikampf, oder? Oder??
Ja, schon. Im Sport schon.
Ich denke, das gehört alles zur Freude am Wettkampf, am Zweikampf, dazu. Mit der Widerständigkeit trainiert man die Provokation; die Herausforderung zum Fight. Und man trainiert Mut, Furchtlosigkeit. Jeder Protest ist immer auch eine Mutprobe.
Ich bin weiterhin überrascht, dass ich das alles grade gesagt, argumentiert habe. Ein guter Gedanke....
L. nickt; er kann damit etwas anfangen. Und für Ezra stimmt das Gesagte sowieso hundertprozentig; ebenso für Tim.
Die zwei sind in ständigen Mutproben; im ständigen Vorbereiten für einen Kampf, für Schlachten der Konkurrenz. Vermutlich, weil sie in dauernder Konkurrenz stehen:
Seit dem ersten Tag rittern sie miteinander um Aufmerksamkeit; wer ist auf Mamas Arm die Nr. 1? Dementsprechend ist der Kampf-Modus ein Stück innerster Kern bei beiden; mit allem was dazu gehört. Eben mit dem Provozieren, mit dem Herausfordern; mit der gelebten Wirkkraft, aus der man dann existiert. Als Mittel gegen den frühkindlichen Schrecken des Abgelegt-Seins und Verhungerns, der einfach nicht aufhört, der einfach nicht vergeht.
Zwillings-Existenz eben.
Sie ist tatsächlich etwas Besonderes.
ER hatte beschlossen, alles zuzulassen. Aber er würde SIE nicht ficken.
Wie sie das als Regel offensichtlich will. Auch wenn es schwer werden
wird, wie er gerade merkt. Weil sie jetzt nicht mehr vor ihm kniet,
sondern wieder auf ihren Beinen ist und sich über ihn stellt. Es zuckt bis
tief zwischen die Schenkel hinein, als er ihre Feuchtigkeit auf seine
Spitze tropfen spürt.
Wehe.....
Ihr Keuchen hat abgenommen.
Ich werde Dich nicht ficken.
Er sagt das fast gelassen ruhig.
Sie schaut provokant und drückt sich kurz gegen seine Eichel. Wieder
zuckt alles bis tief hinunter in die Prostata.
Du hast ein Fickverbot erlassen, ich werde mich daran halten.
Geil.
Sie sagt das mit einem begeisterten Grinsen und drückt sich erneut
gegen seine Spitze.
Mmmmmm....
Wirst Du Dich selber daran halten könnten?
....Aaaahhhh.....
Er greift nach sich und presst IHN gegen seine Schenkel nach unten.
Mir sind Verbote wichtig.
Sie beginnt wieder stärker zu keuchen, als er das sagt
Und Dir offensichtlich auch.
Mich schreckt der Sex nicht. Manchmal stelle ich mich nackt vor den Spiegel und begutachte den kleinen, viel zu dicken Körper. Ich freue mich auf später dann; wenn ich geschlechtsreif bin, wie sie das in der Schule nennen, und erwachsen. Ich weiß ungefähr, wie Sex funktioniert und freue mich darauf. Auch wenn ich erst in die Grundschule gehe. Und ich weiß auch, dass es nicht so wie bei den Hühnern ablaufen wird. Oder wie bei den Katzen. Oder bei den Ziegen. Aber selbst wenn ich deren Sex beobachte, schreckt er mich nicht. Er ist lediglich bemüht-langweilig. So wird er bei mir nicht sein, weil ich mir gut vorstellen kann, was ich mag. Und was eine Frau mag. Es wird deshalb um das Mögen gehen, nicht um ein seltsam Geistloses Bespringen wie bei den Tieren.
Bataille hingegen schreckt der Sex.
Das schließe ich zumindest daraus, dass er behauptet, dass uns alle Sex schreckt. Weshalb wir ihn mit Gesetzen und Verboten belegen würden. Um ihn aushaltbar zu machen.
Und geiler, wie SIE gleich hinzufügt; mittlerweile geradezu ausrinnend und erhitzt, aber gerade nicht keuchend
Tut mir leid, mich haben Verbote nie geil gemacht, erwidere ich nur kurz; ich habe tendenziell schon früh meinen Sex-Drive von der Umklammerung durch Wirkkraft befreit.
"Wirkkraft" find ich gut. Der Begriff passt einfach so. Er trifft was.
Dein Kommentar zum letzten Text im NachtTalk war eindeutig. Ich hole deshalb aus und kommentiere weiter:
Bataille hat recht, wir müssen Unmengen von Schrecken verarbeiten. Was auch Melanie Klein betont. Aber der Schrecken ist lange vor dem Sex. Er kommt aus der Nacktheit und dem Ausgesetztsein und dem stets drohenden Verhungern. Aus dem potenziellen Untergehen gegenüber einem Bruder, vielleicht. Mit fast rauschhaftem Strampeln und Schreien wehren wir uns dagegen; später dann mit einer konkreten Wirkkraft, die aber noch immer irgendwie rauschhaft ist. Mit unseren Mutproben ersetzen wir dann das kindliche Strampeln; mit dieser Wirkkraft, die sich dann im Überflug nimmt, was sie braucht. Ein wenig rauschhaft bleibt sie dann doch auch immer; weil jeder Überflug eine Berauschung ist. Darum kann dann auch Sex in unserem kindlichen Spekulieren und Phantasieren zu einem Ort der Wirkkraft werden; denn so ähnlich wie diese fühlt sich ein berauschender Sex, von dem so viele Erwachsene reden, wohl an. DANN gehört allerdings tatsächlich auch der Schrecken zum Gevögle, und so wird dieses am besten über merkwürdige Regulatorien definiert. Damit der Sex nicht verschlingt, wenn es dann endlich so weit ist.
Es kommt keine Antwort von Dir und es kann keine kommen. Weil Du schon schläfst, als ich das hier schnell und zügig niederschreib'.
Ich will jetzt auch nichts mehr schreiben; Dich spüren wäre stattdessen gut.
Deshalb erzähle und lebe ich eine alte Geschichte weiter, deren Rohversion ich schon mit 7 oder 8 still in mich schrieb:
Leise ziehe ich mich aus. Ich lege die Kleidung zusammen und lege sie neben der Toilette nieder, damit ich sie gleich nach dem Aufstehen wieder griffbereit hab'. So leise ich kann, gehe ich ins Schlafzimmer weiter, und noch leiser steige ich von der Seite ins Bett. Und am leisesten wird es, als ich jetzt über Tim hinweg zu Dir hinüber greife; unhörbar tasten meine Finger über den Oberarm, die Schulter, hinunter zu Deiner Brust.
Ganz fein streife ich über die Brustwarze; ein kurzes Kreisen, nicht mehr.
Dein Arm erhebt sich und greift herüber zu meiner Wange; ich folge ihm und küsse mich hinüber zu Dir.
Die Zungen berühren einander; ein kurzes Schlängeln; drücken, pressen, aufnehmen: die Ankündigung davon drängt; Gott Eros ist da.
Es gibt grade keinen Schrecken.
Nicht den vor dem Verhungern, und schon gar nicht den vor dem Sex.
1000Küsse670nach
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Bataille Session, 19. August 2026
23.00/04.20, C. - Ezra und Tim sind am Wohnzimmer-Tisch und wirbeln die frische Kleidung durcheinander. Socken, Leibchen, Hosen; alles fliegt in weitem Bogen durch die Luft.
Nein, sitzenbleiben Ezra; stehen ist zu gefährlich!!
Ich herrsche ihn an; ich fürchte tatsächlich, dass er in seinem begeisterten Schleudern selber über die Tischkante fällt.
WaaWaaWaaWaaWaa.
Sicher. Wie wäre es, wenn Du einmal etwas sprichst? Glaubst Du wirklich, ich nehme Dir Dein WaaWaa als einziges, was Du kannst, ab?
Ezra beginnt zu lachen; er verzieht den Mund und die beiden Zahnreihen mit den spitzen Zähnchen strahlen mich an.
Wenigstens gibst Du mit diesem Lachen zu, dass ich recht habe und ihr zwei gezielt nicht sprecht. Aber egal, schaut, ich zeige Euch was.
Ich hebe den Einkaufssack auf den Tisch hinauf.
Ich glaube nicht, dass die zwei aggressiv sind. Deshalb schmeissen sie nicht seit über einer halben Stunde mit allem, was sich erwischen lässt
Du bereitest mich am Telefon schon vor, was für ein Getue und Chaos mich zu Hause erwartet.
Selbst die Steine werfen sie von der Terrasse in das Wohnzimmer herein.
Ich liebe sie jetzt schon dafür.
Wahrscheinlich hast Du recht, sage ich dann nach einigem Zuwarten; wahrscheinlich wollen die zwei nur ihre Wirkkraft erproben.
Während ich das spontan sage, finde ich es schon überzeugend. Doch wieseo muss das eigentlich immer mit unseren Sachen passieren?
Das ist gut, ja; Ezra und Tim erproben gerade ihre Wirkkraft.
Aus den Klang Deiner Stimme schließe ich, dass Dich dieser Blickwinkel nicht nur überzeugt, sondern auch erleichtert.
Kommt, rufst Du Ihnen dann gleich zu, Ihr müsst noch eine Runde auf die Terrasse hinaus. Auspowern!
Ich mag meine Wirkkraft. Ich bin auch noch nicht müde. Die Vorlesung in der Stadt über die toskanische Streifeninkrustration in der frühen Neuzeit war wenig fordernd und das Seminar über die Filmtheorie des deutschen Bauhauses ermüdete auch nicht. Noch zwei Stunden mit dem Traktor auf die Felder; einer der Äcker gehört noch mit der flachen Egge abgezogen. Und dann noch ins Atelier. Ich muss noch an der Rom-Serie arbeiten; an ihrer Philosophie. Wie laden die Bilder eines fotografischen Augenblicks einander auf? Wie lässt sich die eigentliche Frage der Serie zeigen, ohne dass sie expliziert wird?
Ich mag die Zeit der Wirkraft.
Ich mag das Leben der Wirkkraft.
Jahrelang fahre ich noch zurück von der Stadt auf das Land; streife über die Felder, gehe durch die Auen; schreibe und wirke aus dem. Auch als ich schon längst nicht mehr hinfahre, tue ich das noch. In meiner inneren Erfahrung; in meinem ständig verzeichnenden Verzeichnis, das auch vorgibt, wie und woran man sich bewegt. Du bist einfach ein Maniker, sagt M. deshalb immer wieder. Ich fürchte, dass die Dinge komplexer sind, als es das reduktionistische Vokabular von Psychologie und Psychiatrie nahelegt.
Du... kannst .....mit mir ....machen......was Du willst.....aaaaa..... Nur ....das
eine ....darfst ....Du ....nicht...aaa......
SIE keucht das heraus, während SEIN Finger immer tiefer in sie gleitet.
Sie steht noch immer nackt vor ihm, er sitzt noch immer mit
überschlagenen Beinen an dem schwarzen Tisch auf dem schwarzen
Stuhl.
Ich will Dich nicht ficken sagt er schließlich und beginnt seinen Finger in
ihr zu drehen.
Ooooooh....
Nur ein Hauchen.
Oooooooh.....Ich ...werde ....dafür ....sorgen.... keucht sie nur.
Mit beiden Händen fasst sie nach seinee Hand und drückt sie zuerst
nach unten
...oooahhhh....
und schließlich mit einem kraftvollen Stoß weg.
Dann ist sie schon auf ihren Knien und drückt seine übereinander
gelegten Beine auseinander. Fast hektisch macht sie ihm die Hose auf.
Alles ist schon kräftig angeschwollen an ihm. Gierig fasst sie mit ihren
Lippen danach.
Madame, Monsieur; gehen Sie bitte in Ihre Texturen zurück.
Batailles Obszönes Werk und Schultheiss' Talk Dirty ergänzen einander perfekt. Und sie ergänzen den Weg über die Felder und durch die Auen bis hinein ins Atelier. Am besten ausziehen, alles in Farbe tauchen und geil über die Leinwand kriechen. Klein, Pollock, Brus; die steckt man damit gleich in einem weg. Und am Ende der Leinwand nimmt man SIE von hinten, während ER sie schon von vorne nimmt.
Grenzenlos ist der Sex aus Wirkkraft.
Und die Erotik der Wirkkraft ist das eigentliche Thema von Hrn. Bataille. Er durchschaut es nur nicht.
Deswegen ist bei ihm der sexuelle Exzess in vollendeter Form eine Ermordung; deshalb schielt er immer wieder zu de Sade und folgt ihm in der Ansicht, dass der Mord die höchste Form von Lust ist.
Kinderkram. Fliegende frische Wäsche, die sich irgendwie in Sex gewandelt und in diesem verloren hat. Genau genommen ein wenig lächerlich..
Auch wenn das Obszöne immer erweckt. Weil es die Erotik der Wirkkraft, aber auch einfach den Sex als Qualiät platzieren kann. Ich schnaube daher ein wenig, als ich die Frau am Ende der Leinwand erreiche. Aber dann stehe ich auf und gehe unter die Dusche.
Die Sinne sind jetzt gespannt und ich mag, wie Du drüben auf unserem Sofa unter dem Fenster zwischen unseren Söhnen sitzt. Beide haben schon die Nachtwindeln an und trinken gerade ein Fläschchen; liebevoll und mit einem verausgabenden Lächeln streichelst Du Ezra und Tim über den Kopf. Die schwarze Hose presst sich gegen Deine Vulva; aus dem weißen Shirt ist seitlich über den Arm ein dünner Träger herausgerutscht.
So viel Leben. So viel Vergeudung.
Das Pressen und Drücken und Nehmen und Aufnehmen ist wieder als Ankündigung und Möglichkeit im Raum. Und als nächste Geschichte, die sich damit schreibt.
Mit jeder von ihnen, die ich dann wiederhole und fortsetze, beginnen die Auen und Felder zu verschwinden; fremd sind sie in den letzten Wochen und Monaten geworden; fern vergangen; und zum ersten Mal bin ich ganz von dort fort. Kein Lebensgefühl mehr, in sich das alles noch immer bis in die Gegenwart hält und sie prägt.
Ich habe die Wirkkraft durch den Heiligen Eros ersetzt, schreibe ich Dir deshalb als Botschaft zum Tag in den Morgen; IN DEM und nicht am Land oder in der Philosophie oder sonst wo bin ich also zuhaus'. Und wie ein griechischer Gott verliere ich mich deshalb glücklich mit Dir im Bett und in unserem fruchtbaren Leben.
1000Küsse669nach
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Bataille Session, 18. August 2026
23.15/04.20, C. - Nochmal nochmal: Wie ist das mit der Gewalt? Was ist da Batailles Gedanke?
Unser geschriebener NachtTalk von einem Raum zum anderen hat wieder begonnen; Wieso ist die Erotik mit der Gewalt verbunden? ist Deine nächste Frage in ihm
Schnelle kurze Nachrichten; gute wichtige Punkte. Noch war ich also nicht klar genug.
Weil wir in einer Ordnung aus Arbeit und Vernunft leben, eröffne ich mein Antworten;
weil der Sex etwas Wildes in den kulturellen Alltag holt. Etwas, das gar nicht zu dieser Ordnung passt. Genau diesen Bruch, die Erfahrung dieser Nicht-Passung, ist das, was wir laut Bataille Erotik nennen.
Die Erotik lebt deshalb vom Offenhalten, von der Inszenierung dieses Bruchs, geht es weiter. Am erotischsten ist deshalb das Moment, wenn der Sex in die Zonen einbricht, in die er nicht darf. Das Moment der Überschreitung zählt mithin; die Gewalt, die dieses Moment immer auch bedeutet. Das will uns zumindest Bataille einreden.
Und was sagst Du?
Die junge Frau steht an dem Tor, das den Garten zur Straße hin öffnet. Auf den ersten Blick bewegt sie mich. So eine Anziehung, so eine Kraft.
Eine Qualität ist da.
Sie verzieht den Mund zu einem sozialen Lächeln, als sie mich sieht:
Da bin ich also.
Ich versuche, die Qualität zu fassen, als ich auf Dich zugehe.
Nehmen, Aufnehmen; ohne Limit bis zur Verausgabung; das kommt von Deiner Seite;
ein Pressen, ein Drücken, auch ohne Grenzen, meldet sich in mir.
Es passt etwas auf einer fundamentalsten Ebene zwischen uns; der Grund-Bezug zur Welt und zu den anderen matcht.
Und weil der sich from the very first beginning im Intimen und damit immer auch schon im beginnenden Sexuellen formiert, gehe ich im Sex auf Dich zu; im ganz Konkreten:
Das Pressen und Drücken und Verausgaben und Nehmen und Aufnehmen und Weiter Verausgaben, wie es zu der bewegenden, gierigen großen Paarung gehört, ist eine ganz reale Möglichkeit zwischen uns. Weil das alles grundsätzlich und damit eben auch in seiner sexuellen Form matcht.
Gut pocht und zieht es deshalb in der Magengrube, als ich Dich am Tor erreiche; mächtig betritt Eros den Raum, als unsere Hände sich zur Begrüßung berühren.
Natürlich ist das etwas Wildes, schreibe ich Dir mithin hier weiter; und natürlich hat dieses Pressen, Drücken, Nehmen, Aufnehmen, Verausgaben etwas Gewaltiges an sich. Aber es ist keine Gewalt. Es ist lediglich die Dynamik des Bezugs und damit auch der sexuellen Paarung; und wo diese als Möglichkeit, als Vorstellung, eigentlich als ein semantischer Gehalt aufkommen kann, ist Erotik das Ereignis, das fortan bestimmt. Sie ist eine mögliche Erzählung, die sich in eine andere Erzählung - Du stehst am Tor; es geht um das Sehen, Zugehen; das ist die Story, mit der alles beginnt - integriert.
Aber das Gewaltige an all dem, füge ich endlich abschließend hinzu, kann zu einem Denken in den Bahnen von Gewalt verführen; bei einem soliden religiösen Hintergrund hat ein solches Denken sogar leichtes Spiel. Weil es so normal ist, dass sich ohnedies alles dauernd um Vernichtung, Leiden und Sterben dreht. Selbst im Begehren muss deshalb vernichtet werden, und so wird man schlampig und vermengt gewaltig Verausgabendes mit gewaltig Gewaltsamen, weil sich das nicht unähnlich anfühlt. Schon wird die GroßePaarung damit als Geschehen verfehlt.
Ich verfehle sie allerdings nicht mehr.
Der silbergraue Kater schreit wieder herum; wie auch gestern schon, als es Morgen wurde. Vermutlich sitzt er wieder irgendwo unter dem Bett; unzufrieden mit seiner Existenz, aber nicht wissend, was es vielleicht besser machen könnte.
Vorsichtig schleiche ich mich nach drüben. Dort ist es noch stockfinster; Jalousien-schwarz.
Ich muss aufs WC.
Du schälst Dich zwischen Ezra und Tim aus der Mitte und steigst an der Breitseite herunten bei mir aus dem Bett.
Eine der drei Grazien von Botticelli oder von einem Fresko in Pompeji gleitet auf das hin an mir vorüber; mit der klassischen Bauchwölbung unter der zarten Brust. Du streifst an mir an und ich greife nach Deinem Rücken; so vertraut ist mittlerweile der Touch Deiner Haut.
Fast vergesse ich, dass es um den Kater geht; zwischen Bett und Fenster auf der anderen Seite finde ich ihn; bereitwillig rennt er nach draußen, als er merkt, dass ich ihn vertreiben will.
Du kommst zurück und nun geht Botticellis Venus in meine Richtung; das Drücken und Pressen meldet sich sofort. Als Ausblick, als Erfahrung; und es formiert sich zuerst an Szenen, die voll mit Deinem feinen Stöhnen sind. Dann an solchen, in denen Du mich mit Deinem Mund umschließt; doch immer bleibst Du die elegante Grazie, die nie vulgär wird, aber verausgabend und in dem obszön liebt und begehrt.
Mehr noch als am ersten Tag zerreißt das mein Zentrum irgendwo unter dem Herzen; in ihm schnaube ich nur noch und ringe zugleich um Luft.
Ich küsse Dich kurz auf die Wange und gehe wieder nach draußen; satt bin ich jetzt schon, wenn ich an das nächste Mal denk'.
Und richtig fett werde ich, wenn Du Dich auch hier auch noch durch die Zeilen wölbst.
1000Küsse668nach
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Bataille Session, 17. August 2026
23.00/04.20, C. - Es ist schwer zu sagen, wer von den beiden wilder rennt. Ezra ist schnell; dafür haut sich Timmi mit den Händen und Fäusten fortlaufend an den Kopf; wie einer von jenen Fußballern, die in der Nachspielzeit eines Endspiels das entscheidende Tor machen und dann emotional völlig eskalieren.
Die beiden sind ja überdrüber.
Oh ja!
Ich stecke mir wieder einen gegrillten Tintenfisch in den Mund; einen der acht, zehn kleinen Calamaren, die auf dem Teller liegen. Dann renne ich schon wieder den Jungs nach. Unser Ecktisch im Parterre des Diesel-Kinos ist so gesehen optimal; es stört niemanden, wenn auch noch zwei kleine sausende Kinder die seltsame Misch-Zone aus Anstell-Bereich für die Kasse und Sitz-Bereich für den Mexikaner (das "Vanilla") bevölkern. Nur zu hoh ist der Tisch; man muss zwei Barhocker oder das Bank-Pendant zu solchen erklimmen, um an ihm zu sein: ein Esstisch, der eigentlich ein Stehtisch ist. Weshalb Ezra wie Tim mehrfach abstürzen, als sie sich zu Dane zu setzen versuchen. Aber keine Beulen am Kopf, keine zerschundenen Knie oder dergleichen.
Wir sind auch überdrüber.
Ganz fest hat sich bei Dir alles schon gespannt und dann wieder entspannt; ich merke die Spannung aber jetzt noch, als Du auf mir bist. Es presst und umfasst so herrlich, und das schlägt sich noch herrlicher mit dem Touch Deiner Fingerspitzen, die mit minimaler Berührung über meine Brust gleiten.
Bitte -- Bitte ---- Auch bei Dir selbst bitte ------ Bitte ----------
Mein Griff ist dafür wühlend und wühlt sich in Deine Hüften; mit dem Blick wühle ich zugleich die Bauchrundung und die Rundung der Brüste entlang. Und dann sehe ich nur noch diese Formen und sie überschwemmen mich bis zum Verlust in ihnen, während sich die Hände und die anderen Glieder in Dir verlieren.
----- JA! ------ Ja ------------- ----------------------- ------
Ich bin schon viel zu lange bei diesen beiden hier.
Ich nicht; ich bin erst seit einigen Tagen da.
Wo kommen Sie her?
Aus dem schwarzen Comic mit der roten Aufschrift, das da auf der
Auflagefläche bei den Buchregalen steht. Talk Dirty.... Wir kennen uns
aber von früher. Und Sie?
Aus den Büchern am Schreibtisch dort beim Fenster; Das obszöne Werk;
Die Erotik; Die Tränen des Eros und anderes.
Aber warum sind Sie zu lange da?
Die Frau mit den langen, brünetten Haaren beginnt sich unvermittelt in
der Raummitte auszuziehen. Er sitzt wie immer seitlich am schwarzen
Tisch; die Beine übereinander geschlagen und den Ellbogen der Linken
auf die Fläche gelegt. Er sieht der Frau zu.
Weil ich etwas nicht verstehe und mich etwas irritiert.
Was?
Das Kleid liegt am Boden, auch der BH. Sie zieht nun gerade den Slip nach
unten.
Vielleicht die fehlende Gewalt.
Sie geht nicht weiter auf darauf ein, bewegt sich aber langsam auf ihn zu.
Sie stellt sich vor ihm hin.
Du kannst alles mit mir machen. Bis auf das eine.
Er mustert sie, bewegt sich aber nicht.
Du willst mich beherrschen, sagt er dann.
Sonst würdest Du es tun.
Warum sollte ich das?
Weil Du offensichtlich glaubst, dass Gewalt dazu gehört. Fass' mich an.
Er zieht seinen Arm vom Tisch und fasst ihr direkt zwischen die Schenkel.
Mmmmh.... Das tut gut. Zieh' Dich auch aus.
Nein.
Dann werde ich es tun.
Nein. Wir bleiben an der Grenze, in der fortlaufenden Überschreitung.
Dabei sucht sein Finger den Weg in sie.
Mmmmmmmh....Ooohhh ja....
Es sind die besten Calamari, die es gibt, weiterhin. Wahnsinn! Das hat sich in den letzten 6 Jahren nicht verändert.
Ich sage das schnell, während ich einen zerschneide und mir schnell die eine Hälfte in den Mund stopfe. Dann bin schon wieder hinter Ezra her, der diesmal im Alleingang nach rechts hinten losläuft. Der kleine Tunnel führt zu einem nächsten Lokal, Franks Bar oder so.
Im Augenwinkel sehe ich, wie Du Tim von Deinen Burritos kosten lässt. Ganz in Deiner genießenden Ruhe, die Du beim Essen immer hast. Vielleicht ist es auch ein ruhiges Genießen. Es ist auf jeden Fall Dein Genießen und als Handlung toucht es mich; als Akt, als Anzeige-Akt, das es immer auch ist.
Und mit ihm streift mich auch all das andere Genießen, das an ihm dranhängt; wie an jeder Anzeige- und Symbolstruktur immer noch ganz viele andere Gehalte dranhängen:
Diffus liegst Du da, im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt; oder in unserem Nachtzug, Ich sehe nur Deine geschlossenen Augen und höre Dein feines Maunen und freue mich.
Auch jetzt, wenn dieser Gehalt mich streift; dann freue ich mich jetzt schon auf Dein Genießen. Und registriere die Kraft, die dazu gehört; das Pressen auf meiner und das An-und-in-mich-Ziehen auf Deiner Seite, und ich ahne, wie man diesen Handlungs-Akt des Pressen-Ziehens, diesen speziellen, wortlosen Speechact, als Gewalt missdeuten kann.
Nämlich indem man übersieht, dass man in solchen Momenten immer auch schon auf der Ebene der Symbole unterwegs ist und sich so alle möglichen Gehalte dazu mischen können; auch ein zu schnelles Identifizieren von Kraft und Gewalt. Und dann lebt die Erotik nicht mehr von den Geschichten, die man teilt, und dem Pressen und Nehmen, Aufnehmen, das durch diese Geschichten hindurch spricht und sich ankündigt, was Erotik ausmacht, sondern von einer Gewalt, einem Taboo-Bruch, der dieser Gang in die Gewalt immer ist. Davon lebt dann die Erotik, in der alles sein darf nur das eine nicht, wie die Frau sagt, damit nur ja nie die Geilheit vergeht oder sich abschwächt.
De facto leben wir in einer Kultur der Erotischen Gewalt; der Aufladung von Kraft mit Gewalt und Aggression, ohne zu begreifen, dass es ein symbolisches Aufladen ist. Und damit die tragische Folge von mindestens 2.000 Jahren Unsex-Kultur. In Wirklichkeit hat sich in 100 Jahren Psychoanalyse und Co. nichts verändert; im Maistream ist immer nur die Pornografie als Guter Sex über geblieben. Und mithin die Erotische Gewalt.
Ezra steht an der Bar, als ich ihn einhole. Er hat sich von Timmi vorhin abgeschaut, dass man den runden Oberteil des Barhockers drehen kann. Was er nun mit Begeisterung tut.
Von hinten schießt Timmi an mir vorüber. Kichernd wirft er sich an den Hocker, über den die beiden schon hinausschauen können. Ezra kichert mit.
Voller Energie und Kraft-voll drehen sie num gemeinsam an dem faszinierenden Ding.
1000Küsse667nach
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Bataille Session, 14. August 2026
23.25/04.40, C. - Endlich am Tisch. So wie vor knapp 21 Stunden. Endlich wieder am Schreiben und zu Hause. Ich kann gar nicht mehr in chronologischer Reihenfolge wiedergeben, was seither alles passiert ist.
Wir haben einen große Pflegeaufwand bei Balthasar. Er dürfte eine schwere Allergie gegen Gräser haben. Er hat bereits ein offenes Abszess; es war viel zu spät, als wir mit der Behandlung begannen. Er muss Body und Trichter tragen. Unser schwarzweißer Kater in der Krise. Das war eher am Nachmittag. Sagt auch das "17.05" am Ende der Message.
Es tat mir so leid, als ich heute von Timmi weg musste. Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass ich Arbeiten gehe. Er ist so ein feiner Junge; so sensibel für Beziehungen und was man aus ihnen bekommt. Ezra hingegen kann sich immer besser aus sich selber heraus halten. Unsere unterschiedlichen eineiigen Zwillinge. Das sagtest Du schon am Morgen, wenn ich mich recht erinnere. Als ich im ersten Schwungholen auf der Oberösterreich-Fahrt war.
Erotik als Diskurs; die Idee der Weltenpaarung. Und alles spielt sich in einem fiktiven Zug ab, in dem wir nackt im Diskurs stehen. Gut. Die Angst vor der Erotik ist damit vielleicht auch die Angst vor dem umfassenden Bezug. Eine wunderbare Verdichtung auf wenige Zeilen. Das hast Du mir erst vorhin geschrieben, als Beginn unserer Nacht-Arbeit.
Ich mag unseren Zug; ich mag, wie wir nackt darin sitzen.
Wobei Du mittlerweile vor mir stehst, nachdem ich nach Dir gefasst habe. Unsere Knie stoßen aneinander, Deine Hände liegen an meiner Schulter nahe am Hals.
Jetzt kletterst Du auf mich.
Die Schenkel gehen auf und drückst Deine Knie neben meinen Beinen in die blaue Bank des Abteils. Unsere Geschlechter und Bäuche kommen in Berührung; Deine ausgestreckten Arme umfassen meinen Hals. Im schummrigen Notlicht erspüre ich das alles mehr, als es zu sehen.
Zug und Sex, das ist als Symbol beliebt, sagst Du dabei.
Ich habe nicht schnell eine Antwort parat. Auch deshalb nicht, weil ich in den Augenwinkel jemanden am Gang draußen vorbeigleiten sehe. Es ist der Mann von vorhin; es ist wieder Bataille.
Diesmal stutzt er; weil er uns offensichtlich sieht. Bei aller Dunkeltheit sind wir von außen wenigsten diffus zu erkennen. Er hält an und schaut durch die Scheibe.
Wie obszön. Treiben es die zwei da drinnen tatsächlich? Sie wirken
seltsam bewegungslos und so lässt es sich nicht sagen; so bleiben sie im
Grenzbereich von Verbot und Überschreitung; es ist noch nicht
entschieden, in welche Richtung es geht. Auch wenn es schon illegitim
genug ist, was passiert: Der aufgeschobene Taboo-Bruch, das Moment vor
der Gewalt.
Jetzt beugt er sich zu ihr und beginnt sie zu küssen!
Mit einem Kuss bricht es sich jetzt doch und es wird brutal, weil es die
Ordnung der Kultur zerstört. Die Öffentlichkeit gehört der Vernunft und der
Arbeit; speziell das Zeugen und Gebären ist aus ihr verbannt. Nicht nur zur
Wahrung der Intimitäten, sondern vor allem zur Wahrung einer Ordnung,
für die alles Leben nach Wildheit und Eigendynamik riecht.
Immer enger drücken sich die beiden jetzt einander; ich weiß nur zu gut,
wie es nun weitergeht....
Bataille hält nicht lange, aber sein Blick toucht mich wie jeder seiner Blick aus seinen Büchern, denn natürlich schaut jedes Buch beim Lesen zurück. Da ist es wieder; dieses Unbändige und Herrliche; es befreit sich und diesmal spüre ich es als ein Wildes, das über mich kommt. Ich beuge mich nach vor und beginne Dich zu küssen; Du beugst den Kopf leicht zur Seite, damit das problemlos gelingt. Auch mit den Brüsten stößt Du jetzt an meinen Körper; irgendwie wird jetzt alles zu Haut.
Zug und Sex gehören zusammen, antworte ich Dir jetzt viel zu spät, während ich meinen Kopf wieder nach hinten ziehe.
Warum?
Du umarmst mich jetzt und legst den Kopf an meine Schulter; als Einheit ruckeln wir jetzt mit der Unwucht der Gleisübergänge mit.
Ich komme nicht zum Antworten, weil der Blick einer langhaarigen Frau mich trifft. Umgehend schaut sie zu Boden, vergisst dabei aber, ruhig weiterzugehen.
Oh mein Gott, ich darf nicht hinsehen, ich darf gar nicht hinsehen! Wie
sehr mich das... Unglaublich damals, wie er das machte. Und wie er roch.
Ein Spiel, ein Spiel ohne Grenzen, aber er hat nie gegen die Regel
verstoßen; nur einmal, und da wollte ich es so. Geh' weiter, geh' einfach
weiter, bevor Du pissen musst... Vielleicht findest du dein eigenes Abteil.
Fast schleichend geht sie schließlich weiter; ein Moment von stiller, aber endloser Gier streift mich dabei. Selbst gierig fasse ich deshalb Deine Hüften und presse Dich an mich und uns beide tief in den Sitz hinein.
Weil Züge intim und unintim zugleich sind, kommt jetzt erneut viel zu spät von mir als Antwort; Du weißt aber dennoch, zu welcher Frage sie gehört.
Erotik eben, ergänzt Du deshalb nur knapp; Dein ganzes Gesicht gräbst Du zugleich in meinen Übergang zwischen Schulter und Hals, was ich mit Küssen an Deinem Hals erwidere. Und genieße, wie die Unwucht der Gleisübergänge uns aneinander reibt.
Wahrscheinlich hast Du recht und die Angst vor der Erotik ist die Angst vor dem allumfassenden Bezug. Oder umgekehrt vor dem Verlust des Fetischismus. Mit dem Fetischismus regulieren wir nämlich unseren Zugang und Umgang mit den Objekten. Der Fetischismus ist der Schlüssel zu fast jeder komplexeren Gesellschaft und Kultur. Keine erschlagende Waren- und Wissens.Produktion ohne Fetischismus; noch immer nicht.
In unserem Nachtzug lege ich den Fetischmus zur Seite. Und nehme ihn auch nicht mehr aus dem Zug mit heraus.
Wie gut ist unser voller Bezug doch, um den wir doch täglich ringen.
Ich spreche es nicht aus, als ich mich ins Bett lege. Ich greife nur vorsichtig über Timmi hinweg nach Deiner Schulter.
Liebevoll greifst Du im Halbschlaf zurück.
1000Küsse664nach
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Bataille Session, 13. August 2026
23.30/3.40, C. - Ich werde munter, weil Du ins Zimmer kommst. Ich kann mich nicht erinnern, beim Niederlegen von Tim eingeschlafen zu haben. Ich saß neben ihm in seinem Flachbett, Du neben Ezra, der im zweiten daneben lag. Aber jetzt bist Du schon ausgezogen, frisch geduscht; folglich muss ich gepennt haben.
Wir schleichen aneinander vorbei. Du bereitest Ezras Platz im großen Bett vor; ich Tims. Dann: vorsichtig nach den Kleinen greifen; sie zur Schulter legen; quer über das Bett beugen. Eine wunderbare Landung für Tim. Mit Ezra warst Du ein paar Sekunden schneller. Eine klare 1-Komma-Null für uns beide.
Wie immer komme ich kurz hinter das Bett, um Dich von dort aus zu küssen. Auf den Mund, auf die Brust. Gute Nacht heißt das nicht, sondern Gleich beginnt unser Schreiben der Nacht.
Draußen am Küchen-Wohnzimmer-Tisch ist es ruhig wie immer. Kühle Luft kommt durch die weit aufgeschobene Glastür; von weit drüben ist ein Nachtzug zu hören: Feines Rauschen, glatt und ohne jeden Widerstand.
Nachtzug nach Lissabon.
Nachtzug zu Dir.
Ich kleide Dich für das Abteil nicht eigens ein. Wir sitzen beide nackt da, es ist auch niemand in ihm außer uns und dem feinen Rauschen. Du hast die Beine übereinander geschlagen und die Hände in den Schoß gelegt.
Der heutige Text ist anders, schreibst Du mir von drüben aus dem Bett, nicht so liebevoll wie der gestrige - es geht ja auch mehr um das Begehren der liebenden Erwachsenen als um das familiäre.
Ich schaue Dich nur an. Weiter rauscht der Zug; ganz monoton und mit entspannender Kontinuierlichkeit. Du hebst Dein rechtes Bein und ziehst es bis zur Brust hoch. Du stellst Dein Kinn auf das Knie und umfasst Deine Unterschenkel mit Deinen Armen.
Mir gefällt der Begriff des familiären Begehrens, sage ich schließlich. Unsere Erotik verdampft immer auch ein Stück weit in die Räume, in denen wir uns befinden. Als kraftvolle, Liebes-volle Atmosphäre umstreift sie dann auch unsere Kinder. Was diese, neben anderem, so entspannt und so glücklich macht.
Du streckst jetzt Dein linkes Bein gemütlich aus und zwischen meinen Füßen hindurch. Fein streift Deine Haut dabei an meiner entlang.
Erotik ist eine innere Erfahrung, antwortest Du dann, aber auch eine Handlung und mithin ein Symbol, ein Symbol-Geschehen. Als solches hat sie auch einen Gehalt, also buchstäblich Bedeutung. Und diese Bedeutung streift, wie jede Bedeutung, umher und toucht auch andere, also nicht nur uns selbst.
Seitlich geht gerade jemand am Abteil vorüber. Ich erkenne ihn im Fast-Dunkel gleich; es ist Bataille. Er sieht uns aber nicht und bleibt deshalb auch nicht stehen.
Ich schiebe meine beiden Beine ganz leicht nach vor, damit Dein Fuß und meine offenen Stellen nicht aneinander kommen. So umfassen jetzt meine Unterschenkel Deine Wade von rechts und von links und alle drei bilden eine Einheit; passend kontinuierlich rauscht dazu der Zug.
Eine wichtige Beobachtung, sage ich in der Folge; am Ende ist eine Erotik, die aus der von Sex durchwuchernden Erzählung kommt, selbstverständlich primär eine Debatte; ein Diskurs.
Rasch beginnt die Haut unserer Beine ein wenig aneinander zu kleben. Ich mag die Enge, die so entsteht. Die leichte Vibration des Wagons wird darin zu einem feinen Zittern, das die Härchen an meinen Schenkeln spitz und empfindsam werden lässt.
Die Erotik ist damit immer auch die Erotik der anderen; es reden immer ganz viele mit, wenn wir einander begehren.
Während Du das sagst, streckst Du Deinen linken Arm aus und legt die Hand auf mein Knie. Mit einem Klick geht die ohnedie schon karge Beleuchtung ganz aus; es bleibt nur mehr das schummrige Notlicht, bei dem man nur noch Konturen sieht.
Sex-Talk ist deshalb immer ein Stück weit Scham-voll; wir verausgaben uns in ihm immer an alle; paaren uns immer mit der ganzen Welt.
Ich bin von Deinem Gedanken begeistert. Tatsächlich trifft das besser als Batailles Betonung der Überschreitung, die zur Erotik gehört und die immer auch eine Angst überschreitet; nämlich die vor dem Tod. Die Angst vor der Erotik ist immer die vor der großen Paarung; vor der grenzenlosen Orgie, die in ihr steckt. AUCH DAS macht sie so herrlich lebendig; nicht nur der in ihr wuchernde sexuelle Drive.
Deshalb, sage ich Dich aufgreifend nach kurzer Pause, wird Erotik erst aushaltbar und lebbar, wo wir zu Göttinnen und Göttern werden. Wo ich Dich als Apoll oder sonst wer besteige und Du als Diana oder Athene nach mir greifst. Als Welten-Zeuger also, als die man immer das Leben als solches gebärt. Dann ist die Überschreitung herrlich und nie kommt man wahrscheinlich mehr in der Welt an als an diesem Punkt.
Ich presse dabei meine Schenkel fest zusammen und damit Deine Wade; es ist gut, wie sich unser Fleisch ineinander drückt. Du sagst nichts dazu und nur das feine Rauschen des Zuges ist zu hören; aber ganz von selbst bekommt Dein Gesicht diese Ruhe und Stärke, die es in letzter Zeit so oft hat. Du hast empfangen, Du hat geboren; die Göttin weiß um sich bescheid. Du hebst deshalb nur Deine Hand von meinem Knie und fährst mir über die Brust und meine Brustwarzen; im schummrigen Notlicht versuche ich im Gegenzug Deine Fuge zu erspähen.
Rasch brechen auf das hin alle möglichen dunklen, schwarzweißen Diagramme aus dem Verzeichnis; wie ER SIE zu sich auf das WC zieht; wie EDWARDA alles zwischen Ihren Beinen verschlingt, was sich ihr nähert; wie im alten Turm SIE alles zulässt außer das ReibenReibenReiben und ER fasst die Besinnung verliert. Nin, Miller, Bataille, Schultheiß; die Erotik der anderen redet jetzt eben lautstark mit. Weshalb ich zum Gott werde, der über Dich und in Dir und mit Dir über die Welt kommen will. Und der jetzt einfach hingreift und nicht mehr spricht.
In dem heutigen Text das Begehren sehr gut lesbar, kommt jetzt von Dir, von drüben aus dem Schlafzimmer. Und Gewissermaßen auch "Jagd" fügst Du dann noch hinzu.
Nicht umsonst gehen die Götter der Antike so gerne jagen, raune ich dem Nachtzug von draußen nach, und verlieren sich dabei in irgendeinem Bett.
1000Küsse663nach
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Bataille Session, 12. August 2026
23.00/04.20, C. - Was für ein gelungener schöner Text. Liebe, touching, Erotik, Freude.
Drei rote Herzen hängst Du auch noch dazu.
Unser Wochenspiel ist eröffnet. Kurze Nachrichten, die auf lange Texturen antworten, die andere kurze Nachrichten als Anregung hatten. So leben wir schon lange. Und erst recht jetzt, wenn die Kleinen krank sind.
Ich komme zu nichts, ich habe keine Luft zum Atmen. Sie hängen nur noch auf mir.
Am Nachmittag bist Du kurz vor dem MeltDown. Die kleinen Bäuche spannen noch, der Schmerz hat Ezra und Tim unleidlich gemacht. Schreien, spucken, werfen; mehr gibt der Alltag nicht her.
Es hilft auch nichts mehr, wenn Du zu Hause bist; das entlastet nicht.
Das tut es dann doch. Ausnahmsweise musst Du nicht singen; stattdessen wird mit mir Kartoffelgulasch gekostet. Und mich zum Duschen zu begleiten ist auch nicht schlecht. Langsam kommen wir so unserem Wochenspiel näher.
...Liebe, touching, Erotik, Freude.
Die Jungens schlafen heute einmal; irgendwie haben sie sich doch von der Grippe erholt. Dennoch bleibt für uns nur das Schreiben. Der Weg zum Sex wird in den nächsten Tagen noch weit. Aber ich kann Dir wenigstens antworten und dabei eine neue Fährte legen:
Vorhin hätte ich gerne hingegriffen, als Du vorbeigestreift bist, um den Schwarzweißen Kater zu suchen. Nur mehr bekleidet mit Deinem Höschen für die Nacht. Frag' mich nicht, was genau ich gerne berührt hätte; ich weiß es nicht. Es lässt sich auch nicht herausfinden, weil Du jetzt kein zweites Mal vorbeistreifen wirst. Du liegst schon zwischen Ezra und Tim drüben im großen Bett.
Ein NEIN zur Erfahrung aus der Unmöglichkeit heraus also.
Was mit einem Verbot vergleichbar ist. Doch Verbote eröffnen immer erst recht das Nachdenken, das Genau-Sein, das Schreiben und das Erzählen. In diesem Fall - das Schreiben, das man Erotik nennt.
Die Erotik eines Höschens; einer kleinen Hose, die Du noch trägst, die aber nicht eng an Dir liegt.
Sie hängt sogar ein wenig auf Deinem Körper; gerade deshalb gibt sie nichts von ihm preis. Keine Form des Hinterns, keine Öffnungen und Spalten, mit denen Unterwäsche sonst spielt. Wenn ich wissen will, was sie alles nicht zeigt, muss in sie greifen; und genau dazu lädt sie ein. Zum Greifen, zum Tasten; zum Formgeben mit Händen, die dann wahrscheinlich die Spannkraft der Backen fassen, zwischen denen feine Feuchtigkeit liegt.
Doch ich kann in Deinem Vorbeistreifen nicht hingreifen; ich kann nur schauen und sehen. Die trainierten Schenkeln; den straffen Rücken; die perfekte Bauchwölbung, die die Rundung der zarten Brüste wiederholt.
Vielleicht wird Dir die Hose nach unten rutschen; doch noch sitzt sie fest und alles bleibt bloß Ahnung. Die zugleich Wissen ist, von dem ich durch ungezähltes Hinlangen und Festhalten weiß.
Mit jeden Schritt in das dunkle Schlafzimmer hinein wird Dein Körper zur schwarzweißen Skizze, die sich frech mit anderen schwarzweißen Skizzen vermischt.
Auf einer liegt eine Frau der Breite nach über ein Sofa; über ihr ein Mann, der gierig mit den Lippen und der Zungespitze den Hintern und dessen Falte sucht. Auf der anderen ist in der Schwärze fast nichts mehr zu sehen; lediglich ein Fuß, den SIE fast krampfhaft und voll mit irgendwas Klitschigen gegen ihre linke Backe presst.
Großartig hat Hr. Schultheiss das alles gezeichnet; ich mag sein Talk Dirty, das sich gerade zu uns herein mischt.
(Ein Räuspern).
Bataille ist wieder da. Er will mich überführen, weil ich gerade ins Pornografische und Obszöne ausgeschert bin. Aber ich grinse ihm nur zu; ich bin mit ihm auf einer Linie; er hat in vielen Punkten recht:
Ja, die Radikalität des Obszönen ist eine eigene Qualität; ich weiß sie zu schätzen.
Erst mit ihr wird der Sex wirklich zu einer Erstheit, in der er ganz für sich steht. In der er ausschließlich das erotische Erzählen und das Erzählen überhaupt als Weg des Wissens über lässt; das Erzählen, das dann die Bewegung der Semiose von der einnehmenden, sich anzeigenden Qualität über das Finden des passenden erstens Zeichens bis hin zur komplexen Symbolität wiederholt. Nur das Obszöne kann das derartig eindeutig erzwingen.
Doch Monsieur, das ist keine Frage des Todes, wie sie immer betonen, sondern eine der Geburt.
Ja, das Erzählen, das voll mit Eros bis hin zum Pornografischen ist, ist der Gestus der unendlichen Semiose und damit der ewigen Geburt.
Genau letztere bringt die Erotik generell auf.
Und genau deshalb wird sie auch immer wieder tabuisiert. Weil sie damit für die Verausgabung des Lebens steht, für das immer wieder beginnen, das sich mit jedem Griff in die weite Hose eröffnet und in der Frucht der Kinder weiterträgt.
Das Taboo der Erotik ist das der ungezügelten Geburt und damit des ungezügelten Lebens, Monsieur, nicht das des verdrängten Tods. Aber vielleicht ist Ihre Arbeit ja auch eine stete Dekonstruktion dieser Verhältnisse und ein Hoffen auf eine neue Religion des Heiligen Eros; auf eine neue Religion der ewigen Geburt.
Die Frau hat ihr Bein längst losgelassen und der Mann hat sich wieder erhoben. Was bleibt ist diese Atmosphäre, die sich nur dann einstellt, wenn Texturen sich auf derartige Weise bewegen.
Ich senke sie über Dich, über uns; als das Echte, Aufbrechende, mit dem die Nacht dann umhüllt.
1000Küsse662nach
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Bataille Session, 11. August 2026
23.00/04.20, C. - Ich erwache. Ein Tritt hat mich in meine linke Seite getroffen. Grade trifft mich ein zweiter.
Er kann nicht schlafen.
Dane flüstert so leise, dass ich sie kaum verstehe. Wie Tim nicht parallel zu mir liegt, sondern im rechten Winkel, tut Dane das auch. Nur noch weiter unten; auf Beckenhöhe. Keine Ahnung, warum die beiden in dieser Position gelandet sind. Ezra liegt drüben in seinem Eck wie immer.
Ein nächster Tritt trifft mich.
Ich habe ihm gerade eine Flasche gebracht gehabt.
Und?
Du hältst mir eine halbvolle entgegen.
Versuchen wir es mit Wasser.
Bevor ich erst aufkommen versuche, bist Du schon am Weg in die Küche. Beide Beine schmerzen; das alte Geschwür links unter dem Innenknöchel und auch das neue am rechten Bein an der fast gleichen Stelle stechen. Das macht beeindruckend langsam und immobil.
Tim streckt sich aus und sucht die Hand seines Bruders. Er ertastet sie mit den Fingerspitzen und Ezra tastet im Tiefschlaf mit den Fingerspitzen zurück.
Zwillinge eben.
Du kommst herein, reichst Tim die Flasche und legst Dich an seine Seite. Er trinkt, strampelt und strampelt immer stärker; das bringt ihn in eine dezente Drehbewegung. Ganz langsam rotiert er so mit dem Kopf in meine Richtung und liegt mit diesem dann an meinem Bauch. Vorsichtig streiche ich ihm über das Haar und über die Wange; dann bewege ich meine Finger in Richtung seiner Brust.
Dort begegnen wir uns.
Ich streife Deine Hand, Du fasst auf das hin ganz leicht nach meiner, ohne sie festzuhalten. Bei meinem nächsten Ausholen, das mich eigentlich zu Tims Bauch führen soll, fahre ich Dir beim Vorbeigleiten kurz ins Haar. Beim nächsten Mal werde ich Dich streicheln.
Ich kreise kurz auf Tims Unterbauch, ziehe den Arm dann aber wieder weg, weil ich auch die Finger seiner Linken liebkosen will, die nach meinem Oberkörper tasten, während er mit der Rechten das Fläschchen hält. Ich erreiche sie, nehme sie einezln zwischen Daumen und Zeigefinger und massiere sie; alles nur vorsichtig und spielerisch. Dann greift meine Hand wieder nach unten und passiert dabei Dein Haar.
Ich fahre in die Locken, spiele mit ihnen wie vorhin mit Tims Finger und streiche Dich dann unter dem Haar und bewege mich dabei zur Stirn hin. Du langst deshalb ebenfalls erneut nach mir und lässt die Finger von meinem Oberarm zum Unterarm gleiten.
Meine Hand zieht wieder weiter, und so intim, wie ich sie grade durch das Haar und zu Deiner Stirn zog, so intim lasse ich sie jetzt erneut auf Tims Unterbauch kreisen. Was ihn sichtlich entspannt. Und als Bewegung, als Handeln, offensichtlich auch Deine Hand toucht, aufruft. Sie kommt dazu, und beide streifen wir so liebevoll aneinander und zugleich an Tim.
Sein Strampeln hat längst aufgehört. Er legt jetzt auch das Fläschchen zur Seite und greift mit der frei gewordenen Hand nach Deiner Schulter. Mit der anderen ist er wieder am Weg zu meinem Oberkörper; während er das noch tut, erreicht ihn meine Hand.
Wieder vorsichtige Fingermassage; zudem Entlangstreifen mit dem Handrücken an seinem Armen, an seinem Gesicht und schließlich mit den Fingern ein weiteres Mal durch sein Haar.
Von diesem springen sie zu Deinem weiter, und diesmal greifst Du gleich direkt zurück. Mit drei Fingern fährst Du mein Gesicht entlang.
Zeitgleich bewegen wir uns dann wieder an Tims Körper; Du hältst an seinem Bauch, ich an seiner Brust. Immer ruhiger wird sein Atem; er findet wieder in seinen Schlaf.
Der Heilige Eros nährt die Menschen.
Ich schreibe Bataille das in ein Tagebuch, das es nicht gibt, während ich mich vorsichtig im Bett wieder in meine Schlafposition bringe. Also leicht angwinkelt liege, fast schon sitze. So lege ich die Beine nicht übereinander und die Geschwüre an den Füßen sind gut vor jeglichem Kontakt mit irgendwas geschützt.
Die Erotik ist eine innere Erfahrung, hält mir Bataille entgegen, und als diese ist sie der Beginn jeder Religion. Allerdings hat das Christentum die Erotik gestrichen, weshalb die christliche Kultur ihren eigenen Ursprung nicht versteht. Und damit eine der unreligiösesten Kulturen überhaupt ist. Was auch für das Christentum selbst gilt: sie ist eine unreligiöse Religion.
Ich presse mich mit dem Kopf in den Polster und verstehe, was er meint. Der Religions-Begriff ist deshalb für mich auch völlig unverwendbar und ich rede lieber vom Erzählen, das fein ist und genau ist und so liebt und Gott Sex als Qualität hereinlässt, bis alles gut und lebendig pulsiert. Informationstheoretisch aufgelöste Religion also; Qualitäten, Erstheiten betonende Semiose statt leerer, formalistischer Frömmigkeit.
Wie sehr ich diesen Unsinn doch verachte; egal, vor welchem kulturellen Hintergrund und auf Basis welcher Heiligen Schrift. Historisch besehen Viehzüchter-Ideologien, die gerade deshalb, weil sie das sind, den Eros streichen müssen; um den Weg freizumachen, für eine Logik der Reproduktion und Zucht.
Ein eigenartiger, lautlos formulierter Gruß zur Nacht.
Der Heilige Eros nährt auch unsere Kinder.
Und gerade macht er sie auch ein Stück weit wieder gesund.
Als ich am Abend hereinkomme, liegst Du mit den beiden auf ihrem flachen Sofa. Du hast den oberen Rücken gegen die Wand gelehnt und die Knie angezogen. Tim drückt sich in Deinen linken Arm, Ezra in Deinen rechten. Wieder einmal musst Du singen und die Jungs hören Dir begeistert zu. Fast schon glückselig kleben Sie an Dir.
Neben dem Lied singst Du auch den Gesang der echten Göttinnen. Die schmalen Träger des weißen, blau gestreiften Kleides sind nach unten gerutscht; mit ihnen auch der Kleidrand, der so die Brüste verschnürt und damit betont. Von den angwinkelten Knien ist das Kleid bis zum Beginn der Oberschenkel herab gesunken; ein befreiender Gestus, der in diesem Fall aber noch gar nichts befreit. Bei all dem ist Dein Blick klar und die Freude an Deinen Söhnen strahlt aus jeder Pore.
Was für eine Schönheit Du bist.
Mehr ist nicht nötig, um das Heil der Welt zu verstreuen.
1000Küsse661nach
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Bataille Session, 10. August 2026
21.50/04.20, C. - Ein Aufwach-Wimmern; schnell und stärker werdend. Damit habe ich nicht gerechnet. Nicht jetzt und nicht von Tim. Ezra hatte einen flauen Magen gehabt und am Morgen erbrochen, Tim war fit gewesen. Bis noch vor 20 Minuten beim Zähneputzen vor den Einschlafen:
Pipula und Papapa; wir sind Pipula und Papapa.
Er hatte so gelacht, als ich ihn mit der Zahnbürste auf den Waschbeckenrand stellte und das sagte. Er hatte gebrüllt vor Lachen.
Pipula und Papapa, Pipula und Papapa....
Aber jetzt kotzt er los. Ein Schwall geht auf das Bett nieder, nachdem er vom Liegen noch rasch in eine Aufstütz-Position hochgekommen ist. Der nächste Schwall trifft meine haltenden Hände, der dritte Danes Oberkörper, die ihn rasch aus dem Bett gehoben hat. Denn Tim braucht Trost. Er hat noch nie so gekotzt. Dementsprechend weint er, schreit er entsetzt.
Doch kein Sonnenstich bei Ezra, sagst Du so nebenher.
Definitiv nicht.
Tim heißt er, nicht wahr?, Tim? Oo, der arme Kleine... Wahrscheinlich eine Magen-Darm-Infektion.
Ich wusste nicht, dass Don Quijote noch lebt. Bis die Tür des Lifts aufgeht.
Tim, ja Tim, oo.
Der alte, großgewachsene Arzt ist wenigstens an die 70 und macht kurze eckige Schritte. Parkinson, vermute ich. Sein Begleiter ist jünger und deutlich kleiner und mit einer Arzttasche bepackt. Irgendwie redet der kleine, etwas kugelige Mann unklar, obwohl er eigentlich den Koordinator sein sollte.
Der Junge, das ist der, der erbricht, oder? Oder? Davor hatte er aber nicht erbrochen, oder? ODER?
Genau.
Ein zeitgenössischer Sancho Panza. Sein Edelmann folgt mir; eckig, leicht schnaufend; So arm, der Kleine, sagt er dabei schon wieder. Und weil er das ernst meint, ist er für mich jetzt schon ein Edelmann.
Unsere Existenz ist eine sehr sexuelle. Oder, um mit Bataille ganz genau zu sein, eine sehr erotische.
Ich gehe da mit, Monsieur, habe ich ihm schon gesagt, vorausgesetzt wir verstehen die Erotik semiotisch. Also als das, was dann aufkommt und ist, wenn wir Erotik als ein Erzählen betrachten, in das ein Symbol gewordenes Stück Sex als Qualität, die vor allem für sich steht, hereinreichen, hereinwuchern darf. Komm', ich bin offen, ganz weit offen; küss' mich, küss' mich. Nie wird unser Erzählen, unsere ganze Symbolbildung kraftvoller, lebendiger, als wenn der Sex mitschreibt. Und nirgendwo werden wir im realen Sex bezogener als dort, wo - erzählte - Erotik die Entladung suchende Gier oder die sexuelle Bedürftigkeit generell ersetzt. So besehen sollten wir vor allem eine erotische Existenz sein. Weil Leben dann lebendiger und liebevoller wird. Was sich wohl immer als positiv erfährt.
Dennoch, Monsieur, könnten wir uns nicht auch für ein Primat des Erkennens und Wissens aussprechen - wie das philosophisch oft genug passiert ist? Macht uns nicht ein solches Primat auch genau und fein und schützend und helfend? Also diese universelle Semiose, die sich aber als Wissenschaft und wissenschaftliche Weltauffassung instanziiert?
Wäre dann Ihr Edelmann noch immer ein Edelmann? Irgendwann gegen 0Uhr30 Samstag in der Nacht?
Don Quijote ist angestrengt, als wir endlich durch die Tür kommen.
Ja was für eine schöne Katze!
Anselm, der Tigerkater, der Leitkater, ist längst munter und überwacht im Türrahmen zwischen Vorzimmer und Wohnzimmer sitzend die Situation.
Was ist das für eine Rasse? So ein edler Gang....
Orientalisch Kurzerhaar.
So edel, so schön, und der Kleine, ja...Tim heißt er, ja, Tim...
Mit seinen eckigen Schritten geht der alte Arzt zielstrebig auf das Kindersofa zu, auf dem Dane mit Timmi und Ezra mittlerweile liegt. Ganz automatisiert und selbstverständlich greift er nach dem Sessel am Schreibtisch neben dem Sofa und dreht ihn um, damit er in Richtung von Euch Dreien sitzt,
Solche Katzen sieht man manchmal in der Türkei oder in Persien. Maaah, der arme Kleine....Tim. Ist der Bauch gespannt oder geschwollen. Maah...
Weder von Tim noch von Ezra ist ein Laut zu hören; nicht einmal ein Klagen von Tim. Beide schauen nur mit einer gewissen Verblüffheit und fast mit ein wenig Amusement zu dem alten Arzt.
Wir haben immer nur Hunde gehabt, aber dieser elegante Gang....Wir werden ihn abhören...
Alle verstehen, was zu tun ist. Sancho öffnet die riesige Tasche und holt ein Stethoskop heraus, Du stehst auf und hebst Timmi in Don Quijotes Richtung und Anselm umschleicht grazil die Situation.
Die Hunde, die Hunde, aber der Gang dieser Katze... Maaa, da gluckert es, ist er blau, nein? Maa, eine Magen-Darm-Infektion, ich schreibe ihm gleich was auf... So ruhig und so sicher sagt er das alles, fast nebenher, und eigentlich ist er mehr in unserer Lebenswelt als bei irgendeiner medizinischen Best Practice oder dergleichen. Wie Don Quijote immer mehr in der Lebenswelt steht und sich gegen die Artifizialisierung und Automatiserung stemmt.
Die sind sicher teuer, solche Katzen....
Währenddessen stellt er ein Rezept aus und ganz von selbst schreibt auch Sancho an etwas herum.
Das ist der letzte Rest einer untergehenden Wissenskultur, in der man noch mit dem eigenen gewonnen Wissen gegen kleine wie große, oft zu große Windmühlen kämpft.
Monsieur Bataille steht neben mir und gemeinsam schauen wir dem Arzt zu, wie er mit fast unleserlichen Kringeln ein Rezept ausstellt. Dane liegt wieder auf dem Sofa und die Jungs haben sich eng an sie gekuschelt.
Zugegeben geht dann der Kampf gegen die großen Mühlen oft verloren, kommentiert Monsieur Bataille weiter, aber das schreckt nicht so, wenn man eine erotische Existenz realisert.
So lange es mich selbst betrifft, hat er recht; aber nicht wenn es um die anderen und die Kinder geht. Dann ist es gut, wenn Menschen ein Primat des Wissens leben. Mit allen Sprach- und Diskursformen, die dazu gehören. Die dann sehr schnell mit einer echten erotisch-sexuellen Existenz unvereinar werden. Und mit deren Leben in der Lebenswelt, das dann immer dazu gehört und priorisiert wird.
Am Ende ist diese Debatte müßig, raune ich Bataille zu; solange es Menschen gibt, wird es immer Don Quijotes geben. Die können etwas, was andere nicht mehr können, und ein Stück Platz wird dafür immer bleiben.
Beim ersten Mal gebe ich Tim die Med zu schnell; er kotzt sie gleich wieder über Dich. Beim zweiten Mal mache ich es schon besser und der Kleine findet seinen Schlaf.
Um 3Uhr18 quält ihn der Durst; er schreit nach Trinken. Tim kann allerdings die Menge Flüssigkeit nicht halten, die ich ihm gebe. Noch einmal ein wenig Med, Du gibst ihm nur keine Schlucke. Diesmal bleibt der Tee unten.
Ich bin bei all dem noch immer nicht müde; unser 80. Stockwert lädt mich auf und macht mich immer kraftvoller. Komm', küss' mich. Ein Stück weit bleibe ich immer in diesem; auch jetzt:
Noch eine Stunde lang massiere ich Tim den Bauch, ganz vorsichtig.
Bis er sich endlich entspannt und der Tiefschlaf kommt.
1000Küsse660nach
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Bataille Session, 7. August 2026
23.00/04.20, C. - Ich lasse mich verwickeln. Wenn Dane, Ezra und Tim schon schlafen, geschieht das leichter.
Schwarz ist die Stadt hinter der Brüstung. Nur ein paar Lichter; Hitze-Flucht in absolute Dunkelheit.
Batailles Gerede von der Kontinuität, um die wir uns in und mit der Erotik sorgen, steckt an. Dabei interessiert mich Kontinuität nicht. Ich muss mich nicht als Lebens-überschreitende Kontinuierlichkeit erfahren, um mit dem Leben zurecht zu kommen. Es reicht mir, etwas zum Fortlauf des Lebens-Prozesses beizutragen. Und das könnte sogar unbewusst oder unbedacht passieren; etwa, indem man aus Sitte Kinder zeugt und groß zieht. Beides wird immer ein Beitrag zu dieser Prozess-Wahrung sein, ohne dass ich je dazu einen Gedanken fassen müsste.
Auch jetzt nicht, in dieser Hitze der Nacht nicht.
Es ist auch etwas anderes, womit Bataille mich fängt. Obwohl ich die Augen kaum noch offen halten kann.
Ich möchte endlich wissen, was die Erotik wirklich tut, wenn man sie schon mit dem Thema der Dauer in Verbindung bringt. Was kann sie in dem Feld der Dauer tatsächlich?
Eine gute neue Atmosphäre liegt in Deinen Texten jetzt.
Unserer übliche Nachtkommunikation: Du zwischen den Jungs im Bett; lesend; ich am Küchentisch, schreibend und lüftend. Zwischen uns - Messenger-Nachrichten.
Am Morgen war ich noch unsicher, aber es beginnt sich eine Stimmung mit den Texturen zu entfalten, in denen der Sex durch die Zeilen hindurch wächst und eine andere mögliche Kultur zu Schwingen bringt. Eine, die intensiv und gierig, gerade aber auch in dieser Intensität so verausgabend und endlich und letztlich beruhigt und bescheiden ist. Weil nichts mehr die Qualität des Sexus, der einfach nur dasteht, übersteigen kann.
Von dem her mag ich es auch, wenn Edwarda vor allen anderen die Schenkel weit öffnet und Bataille zwischen diese ruft, ihn an den herrlich obszönen Körper presst; an diese weiße Grazilität, dessen Schenkeln dann sein Ohr umspielen und er nur noch den Ozean hört, wie am Grund einer Muschel.
Ich verstehe mittlerweile die Bedetung des Obszönen besser, schreibe ich Dir deshalb auch HIER, nicht mehr im Messenger, ergänzend zurück.
Nämlich?
lasse ich Dich umgehend, auch HIER, antworten.
Das Obszöne sichert den Sex in seiner Erstheit, basalen Qualität ab; nur so kann er trotz seines Symbol-Charakters, den er als Text-Stück dann schon hat, dieses Symbolität durchschlagen.
Edwarda ist nackt, immens nackt, und Bataille folgt ihren gleitenden Schritten und ihrem Geruch nach oben, und Nacktheit und Gleiten und Geruch zerfetzen die Welt, die Lebenswelt, wie wir sie kennen.
An dem Punkt kann es leicht psychotisch werden.
Und für einen Augenblick stehen wir in der Folge selbst nackt da, nackt bis auf die Knochen, weshalb sich Sex und Bedrohung, Not, Tod für diesen Augenblick vermengen; und selbst rot leuchtende, klitschig feuchte Spalten und purpur zuckende Schwänze sind dann erhaben und heilige Sakralität betritt den Raum.
Vielleicht habe ich früher einmal nur die Quelle und den Kern des vertrauten, mich sanft umspülenden Psychotischen gesucht und ein Stück weit auch gefunden, fährst Du mir da dazwischen, und ich weiß, dass Du auf der richtigen Fährte bist.
Damit warst Du aber auch am Absoluten Anfang, schreibe ich daher, Dich aufgreifend, weiter; nicht beim Tod, der alles beendet, sondern bei dem, der von Anfang ist weil er droht.
Das Obszöne ist deshalb das Absolute Beginnen; die pure Qualität, das Signal, die Selbst-Anzeigung von Leben und Wie-Psychotischem, bevor es sich ins Gesagte, Geschriebene, Symbolische bricht.
An Edwardas Schenkeln etwa, in der Textur, die das fassen und die zuerst nur von Haut und Ohren, die aufeinander treffen, spricht. Bis dann der Ozean auch im Spiel ist, und mit dem Meeresrauschen am Grund einer Muschel auch das Komplexe und Abstrakte, wie es erst die Poetik mit ihren Schriftungen gibt.
In der Erotik...
eröffnest Du deshalb ein Zusammenfassen, das aber mir obliegt;
.....also im Erzählen, sage ich deshalb übergangslos weiter, in das sich Obszöne und Geile wie ein Phallus oder eine Blicke aufsaugende Vulva wuchtet und sich bis zur Poesie hochschraubt, sorgen wir nicht für das Kontinuierliche, wie Bataille dauernd beschwört....
Sondern?
In ihr wiederholen wir die ewige Semiose; mithin die Bewegung von der Qualität über deren Anzeige bis hin zu ihrer sich vernetzendenDarstellung; in der Erotik machen wir insofern die Semiose, die Zeichen-Bildung, selber nackt.
Und deshalb feiert die Erotik das Innerste des Lebens und des Universums; die uranfängliche Bewegung, die sie auch dann ist; und in dem gibt sie mehr als irgendeiner Dauer; außer der, die ein stetes Wiederauftreten uranfänglicher Bewegung automatisch vergibt.
In der Postmetaphysik gleitet Edwarda deshalb nicht mehr durch Bordelle, sondern geht das 80ste Stockwerk entlang; in dem Haus, das es nicht gibt; in der Stadt, die es nicht gibt. Und statt Bataille folge ich ihr, und Du bist sie, und anders als Edwarda umschreitest Du nicht mehr fassungslos und ratlos eine rätselhafte Überblendung aus Sex und Tod im Changieren zwischen Gier und schleichend Depressivem, sondern hast den Anfang geschaut. Und bist nun immer wieder aufs neue bereit, ihn zu schauen; egal, wieviel Psychose-gleiches in ihm droht. Damit die Semiose nackt ist und sich vergeudend; wie in dem einen oder anderen Gedicht, das Du schreibst. Und erst recht wie in unseren Söhnen, in denen unser poetisches Verschwenden zur Maßlosigkeit wird.
Hell ist die Stadt mittlerweile und von der Hitze bleibt heute morgen nur noch grauer Dunst.
Aber wen stört das schon, wenn Nacktheit, nackte Semiose, die zuerst obszöne, dann erotische, poetische und damit letztlich liebevolle Existenz bestimmt?
1000Küsse657nach
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Bataille Session, 6. August 2026
23.15/03.40, C. - 23 Uhr ist spät.
Es ist jetzt gerade sehr spät.
Aber ich warte noch mit der Freigabe der Bataille Session zum Tag. Weil Dane erst am Lesen ist.
In knapp vier Stunden werde ich schon wieder auf sein. Das erzeugt ein wenig Druck. Letztlich ist der allerdings belanglos: There is nothing outside the text; meine ganz spezifische Auslegung Derridas,
Dann kommt die Nachricht von Dir aus dem Bett. Alles schön; literarisch alles, aber:
Ich verstehe da eine Passage nicht ganz. Also die, in der es um die Zerrissenheit von Wort und Erotik geht. Um das Scheitern der beiden aneinander.
Ich bin überrascht; Die?, tatsächlich? Okay. Ich bin jedoch erklärungsfreudig:
Alles, was ein anderes mechanisch wiederholt, scheitert. Dann wird das Wort zur Pornografie und umgekehrt die erotische Szene zur perversen Inszenierung. Es muss immer unscharf, Verfehlung, als Textur oder Geschehen holpriges Neuland bleiben. Dann wird auch ein Text Erotik sein können. Und in dieser Erotik kommen wir, durch das Verausgaben und Überschreiten, in eine Kontinuität miteinander, die dann die ganze Welt befällt. Eine Art Erotik-Bewuchs aller Phänomene. Doch eben nur um den Preis der Zerrissenheit von Erotik und Sprache: Ausgerechnet die erst ist der Anfang einer Verbundenheit aus Erotik mit der Welt.
Wie leicht das geht.
Alles wird lebendig, wo man gleichsam sich selber schreibt. Wo es um die innerste Verarbeitung von Welt geht, die zu einem gehört und einen ausmacht. Und meine innerste Verarbeitung ist die nackte Qualität; das Blau des Himmels, das als genau dieses Blau erreicht; das Ausgreifen eines Zimmers, das genau als dieses Ausgreifen da ist; die Frau, die mich aus einem spezifischen Sexus toucht. Alles andere kommt später; viel viel später.
Über Blau und Qualia als Zeichen-hafte Erstheiten habe ich genug geschrieben; über den uranfänglichen Sex-Touch nur sehr wenig. Ausgespart, aufgespart bis weit nach hinten; vielleicht nicht hoch genug eingeschätzt, wie ureigenst diese Qualität für mich ist.
Du schickst nur ein rotes Herz zurück auf meine Anmerkung, woraufhin ich alles freigebe und schon mitten in diesen Zeilen hier bin. Am Ende schreibe ich nur für Dich. Eine Bekleidung aus Nacktheit, damit wir einander dort begegnen, wo für mich, aber letztlich wohl auch für Dich, alles beginnt. Für mich
An Deinem Gesicht und an Deinen Brustspitzen, die im Schein des iPhone aus der Schwärze schimmern.
Lustvoll greifen meine Augen nach Dir. Aber 00.15 ist spät, und in knapp drei Stunden werde ich schon wieder auf sein. Wortlos schaltest Du Dein Handy ab und hältst es zu mir herüber; ich greife über Timmi hinweg danach und bringe es in die Küche; seit Wochen nun schon unser letzte Ritual zum Tag.
Zurück im Raum schiebe ich Tim ein wenig mehr in Deine Richtung. Weil ich mehr Platz brauche, damit ich mich hinlegen kann. Ein wenig schimpft der Kleine auf das hin im Tiefschlaf los; dann schnellt er plötzlich auf und kniet an Deiner Seite, um im nächsten Moment rücklings auf Deine Brust zu fallen. Grandiose Showtime, sogar ohne Tag-Bewusstsein.
Wir lachen beide im Dunkeln, während Tim sich genauso ruckartig wieder zwischen uns schnellt.
Halb sitzend lehne ich mich nach hinten an die Pölster; Du greifst von der Seite her zu mir. Ich fasse nach Deiner Hand und lege sie mir auf die Brust. Gerne schöbe ich sie weiter nach unten; aber 00.23 ist spät und in nunmehr nur noch drei Stunden sitze ich schon wieder drüben am Tisch. Stattdessen lasse ich Deine Hand in den Text herein reichen.
Mit dem feinen Druck in mir, den sie bewirkt.
Eine Wärme ist der am Rand meiner Brustwarzen; ein Pulsieren nach unten hin. Ein Strömen erfasst so meine Gliedmaßen und mein linkes Bein wird gleich von einem Zucken erfasst. Bis zum Geschwür unter dem Innenknöchl lass' ich Deine Finger jetzt kriechen, und das ist gut, weil sich dieses auf das hin gleich noch einmal entspannt. Für einen Augenblick fallen damit Krankheit und Sexus tatsächlich zusammen, und zum ersten Mal kann ich nur unterstützen, was Bataille immer wieder betont:
Ja, da ist in der Tat etwas vom gleichen Schlag.
Monsieur reagiert aber nicht auf meine Zustimmung, sondern steigt stattdessen Madam Edwarda nach. Die will es gerade wissen, und setzt sich vor allen anderen mit weit geöffneten Schenkeln hin. Küss mich sagt sie nur zu ihrem jungen Verehrer und Bataille tut, wie man ihm befiehlt.
Noch einmal zuckt da meine lästige Wunde, und genau da fühlt sich das Obszöne fast zärtlich an. Oder nackt und zerbrechlich und darin so friedlich, weil mehr Ausgeliefertheit und Zerstörung einfach nicht sein kann. Weil beides, das Geschwür und die offene Vulva letztlich Wunden sind, an denen das Leben immer zerreisst.
Deine Hand rutscht müde nach unten; schließlich ziehst Du sie weg. Außerdem will Ezra auf der andere Seite auch seine Aufmerksamkeit haben, wie sein kurzes Strampeln wortlos erzählt...
Edwarda, die geile Schwanzreiterin, ist noch immer ein Skandal.
Für mich ist sie gerade nur die ganze Verwundbarkeit des Menschen, die fein für die Verwundbarkeit der anderen macht. So fein, wie das nur passiert, wenn Edwardas Ritt und Sex-Hände sich so blau wie das Blau des Himmels in Texturen schieben.
Langsam fallen mir die Augen zu. Ich bin befriedet. Und ich habe nicht vergessen, welches Datum gerade begonnen hat.
Der wahre Skandal liegt heute 81 Jahre zurück, murmle ich deshalb noch im Einschlafen vor mich hin. Und der noch größere ist, dass dieser jeden Tag mehr in Vergessenheit gerät.
Verwundbar und Wunden müssen wir deshalb wieder werden.
Aus einem Sexus, der absurd in die Zeilen giert.
(Für unsere Söhne, für unsere Kinder.
Für Hiroshima).
1000Küsse656nach
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Bataille Session, 5. August 2026
23.15/04.20, C. - Glühend heiß; GLÜHEND. Auch die Parkanlage hilft nicht; unter den Bäumen wird es nicht frischer. Außerdem werde ich gleich am Tor sein. Parterre und Schleusenbereich trennen nur 300 Meter. Dennoch, ein netter Schloßgarten-Spaziergang zum Dienstag Abend. Ohne Menschen; die sind alle schon längst in ihren Zell-Kammern. Psychiatrische Lebensbedingungen, auch hier.
Ich atme das Grün heute gut. Und auch das Grau des Asphalts. Und die Glut-Hitze sowieso, die sich auf den Rasen neben mir senkt. Oder besser auf das, was von diesem noch über ist.
Draußen hinter dem Tor birstet der silberne DS fast vor Hitze; ich atme auch dieses Bersten ein.
Ich möchte überall in Dir sein.
Ich treibe das Spiel im Vor-Denken weiter; und ich in Dir, presst Du mir darin entgegen. Woraufhin Deine Finger in mich gleiten und wir ineinander stecken; mit feiner Reibung nur an meinem Schaft.
Gleich atme ich das Blau des Himmels intensiver, und auch das Gleiten der Landschaft gehört zu mir. Der Heilige Eros beschläft immer gleich die ganze Welt.
Ich weiß nicht, ob Bataille das je so gesagt hätte; aber es würde passen, Und wenn er es nie gesagt hat, so lasse ich es ihn jetzt sagen. Eben weil es passt; zumindest zu mir.
Weil meine Augen gerade zu meinen nächsten Fingern geworden sind und über Deine Brüste hinweg greifen, während wir mit allem anderen, was dazu taugt und notwendig ist, noch immer ineinander stecken. Und im über die Brüste Hinweggreifen bohren sich diese neuen, nächsten Finger in die Alpenausläufer vor mit, über die ich jetzt noch hinweg muss.
Verbohrt in Dich, verbohrt ineinander, verbohre ich mich in die ganze Welt.
Schade, dass wir Menschen uns darum gebracht haben. Oder immer wieder darum bringen. So nah wird man in radikaler Intimtität der Welt und dem Leben; so wertschätzend freue ich mich dann an ihr (der Welt) und an ihm (dem ganz weltenden Sein).
Aber das gelingt eben nur, wo Wort und Erotik zueinander finden.
Monsieur Bataille lässt nicht locker. Er ist schon wieder am Nebensitz im Auto; wo sonst.
Was die beiden gerade dann tun, wenn sie es nicht tun; wenn Wort und Erotik zerrissen bleiben und an der Zusammenkunft scheitern. Wenn sich beide einander entziehen und damit der wechselseitigen Wiederholung und Wiederholbarkeit. Für O als Sub gibt es keine Sprache; für O als Geschichte keine gelebte Erotik, die sie je ernsthaft erreicht.
Die Geschichte der O. Ja, die gibt es auch, und tatsächlich entkleiden uns solche Texturen, auch als Leser:innen, und in der Nacktheit, die dann bleibt, bleibt oft nur zur Neueinkleidung das Beschlafen der ganzen Welt. Dann sind wir nämlich nicht mehr nackt, denn dann sind wir einfach in der Welt dabei. Wir schützen uns dann mit dem In der Kontinuität der Welt sein; weil es in der keine Nacktheit mehr gibt.
Das wollen Sie mir doch die ganze Zeit sagen, oder? Dass das alles schon existiert, dieses Zu Hause Sein in diesem Leben. Aber nur über den Weg der Erotik, den die Kultur aber lieber streicht, weil man sich vor ihr fürchtet und vor ihrem stets möglichen Entgleiten in stumpfsinningen, leeren, pornografischen Konsum.
Nur das Obszöne ist oft radikal genug, um den Heiligen Eros zu retten. Und die Nacktheit, in die er uns stürzt. Die uns dann wiederum vor uns selbst und unserer absurden Vereinzelung, vor dem Exzess des Narzissmus bewahrt.
Schön gesprochen. Wirklich schön.
Ich möchte überall in Dir sein.
Und ich in Dir.
Im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt, explodieren dann unsere Sinne, und wir sind dann das Stockwerk und wir sind dann das Haus, und das wuchtet sich in uner Hang-Leben, in dem zwei kleine Jungen gerade mächtig stolz sind, dass das Zähneputzen schon fast eigenständig gelingt.
Wer ist heute als erster dran?
Tim stürmt zu mir, nur mehr mit seiner Nachtwindel bekleidet; ich halte ihn wie immer mit der Linken um seinen Bauch gelegt; seine Beine werden auf das Waschbecken gestellt.
Vorne; oben links, oben rechts, sehr gut. Und jetzt unten noch, ja, super; hinten noch; nicht festbeißen! Ja, da hinten auch noch; nicht festbeissen! Ja, genau, super! Bravo!
Großes Strahlen und Zappeln an meinem Bauch.
Unser Zahnputz-König!, rufst Du von der Seite hinzu. Und:
Ezra muss heute auf meinem Arm bleiben.
Du warst den ganzen Tag in der Arbeit, und er hat noch kein 80. Stockwerk, sondern nur seine Eltern und speziell Dich.
Gut können wir ihn dafür aber halten; das Putzen geht deshalb genauso leicht wie bei Tim.
1000Küsse655nach
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Bataille Session, 4. August 2026
23.10/04.20, C. - Ich gehe noch einmal vor die Tür, um das Amazon-Paket zu holen.
Oh, Papa hat eine Überraschung für Euch!
Die Jungs springen von neben Dir am Kindersofa auf und kommen zu mir gerannt
Ich fetze die Schachtel auf; die Kinderstaubsauger, lizenzierte Dyson-Imitate, sind kleiner als erwartet. Das legen auf jeden Fall ihre Einzel-Verpackungen nahe.
Schaut mal.
Ich fetze auch die erste der beiden identischen Verpackungen auf und setze den ersten Staubsauger zusammen.
a a A A AA AAAA AAAA;
Timmi wippt zu seinen Lauten immer intensiver, als er erkennt, dass das Ding eine Miniausgabe unseres alten, kaputten Dyson ist. Und er legt noch einmal an Tempo zu, als er begreift, dass diese Kleinausgabe für ihn ist. Ezra wartet geduldig aber strahlend, bis auch der zweite ausgepackt und zusammengesetzt ist.
Ich habe die passenden Batterien sagst Du und bist schon in eines der Nebenzimmer unterwegs.
Nicht in dem blauen Kleid, mit dem Du so gut Deine Nacktheit betonst.
Ich mag mittlerweile alles. Alle Szenen und Geschehnisse, die unser Leben bietet. Jedes Ereignis ist eine Fortsetzungs-Geschichte von Liebe, aber auch von Schamlosigkeiten, die in ihrem Zusammenspiel und in ihrer Gesamtheit alles intensiv und buchstäblich Bedeutungs-voll machen, wenn sie einander in alle Richtungen durchwachsen.
Es war so ein schöner Tag.
Wir sind noch gar nicht aus dem Gelände des Strassganger Bads draußen. Du hast Dein Blaues Kleid übergestreift; Ezra und Tim sitzen im Kinderwagen. Und tatsächlich sitzen sie, statt wie neuerdings immer im Wagen zu stehen.
Die zwei sind ausgepumpt, nach unzählige Male Das Klettergerüst nach oben rauf und drüben wieder Über die Rutsche nach unten.
Es war so schön, gibst Du nur zur Antwort.
Auf gleicher Höhe gehen wir hinter dem Kinderwagen, den ich schiebe, Es ist grade wie gemeinsam gleiten, und wenn ich leicht gegen den Wagen drücke gleiten wir zu viert, und ganz heiß ist es weiterhin. Sur, Süden; ein Haus am Meer und nur wir vier, das wäre jetzt gut.
Jaaa....
Das Blaue Kleid ist abgestreift, alles ist freigegeben. Ich schmecke Dich und will nur fein sein; mit der Zunge, mit den Lippen. Feuchtgebiete an den Fingern transkripiert es nebenher schnell zwischen all das gierige Genießen.
Jaaa.....
Überall will ich zugleich sein; an allen drei Stellen zugleich hinein. Komm', spiel mit raune ich deshalb wortlos an Deine Schenkel; Jaa... hauchst Du zur Eröffnung graziler Verrenkungen zurück.
Es geht nicht; es ist irgendwie unmöglich.
Ich will in die Dyson-Imitate eben die Batterien einbauen, als Monsieur Bataille mir auf die Schulter klopft.
Hm? Ich drehe mich nicht um.
Es geht nicht, es gibt eigentlich keinen erotischen Text.
Ich schraube ruhig am Batteriedeckel weiter, zeige mich aber interessiert.
Warum nicht?
Weil er immer rasch Wiederholung wird; einer Szene oder eines Motivs; und genau das bekommt der Erotik nicht, weil diese ja nur dann aufkommt, wenn sie nicht wiederholt, sondern die Scham durchbricht und aufkommen lässt, was sonst nicht ist. Es kann damit keinen erotischen Text geben, es sei denn, er wird radikal und wehrt sich gegen jede Wiederholung.
Bataille arbeitet sich an de Sade ab und ich weiß daher, wo wir gerade sind. Weshalb ich auch nichts weiter sage.
Monsieur Bataille hingegen schon:
Erotische Texte sind damit selten, und de Sade ist eine Ausnahme und Pauline Réage mit ihrerGeschichte der Oist es auch. Weil sie sich auf ein Spiel der Unmöglichkeit und Zerrissenheit versteht, das wir aus dem eigenen erotischen Leben kennen und das immer herrilich und grauenvoll zugleich ist.
Gut. Soll so sein.
Ich wiederhole ohnedies nichts, merke ich nach einer kurzen Pause an. Außer ein Stück Wirklichkeit, dessen eigenes Wiederholen aber nicht zur Debatte steht. Außerdem geht es nicht primär um Erotik.
Sondern?
Es geht um die Liebe, einfach um Liebe. Die gleitet zu zweit hinter dem Kinderwagen; und sie gleitet auch und genauso verbunden, wie sie gleitet, weil da zwei einander schamlos an allen möglichen Stellen befüllen und so noch immer ineinander stecken und sich ineinander verausgaben; so maßlos, dass die Lust so groß wird, dass nur noch das Platzen bleibt, und dieses Platzen sind dann die beiden Jungs in dem Wagen, mit denen man in den ewigen Süden will, wo noch mehr Verausgabung ist. Sicher ist das auch Erotik, heiliger Eros, und vielleicht verträgt auch dieser die Wiederholung nicht, aber ich denke, diese ist gar nicht das Thema. Weil es vor allem um das Platzen, das absolute Vergeuden geht.
Ich rede jetzt fast schon wie er; Punkt-los französisch fließen, aber das hilft auch, um Hrn. Bataille mundtot zu machen. Oder um unsere Positionen zu vermengen.
Tim versteht gleich, welchen Knopf er drücken muss, damit der kleine Sauger funktioniert. Ezra drückt zuerst den für das Öffnen des Boden-Deckels, weil dieser offensichtlicher ist; aber selbstverständlich macht das ärgerlich. Doch dann geht das Laufen-Lassen des Motors doch und die beiden Kleinen gehen ihre Arbeit an.
Jetzt erst ist Zeit für einen Kuss.
Unsagbar fein fibriert Deine Klitoris noch immer an meinen Lippen; von vorgestern noch, als das Blaue Kleid abgestreift im Flur lag.
1000Küsse654nach
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Bataille Session, 3. August 2026
22.20/04.20, C. - Ich mag dieses Bild. Unser Tagesausklangs-Bild. Jeden Tag, inklusive Wochenende.
Dane liegt ausgestreckt auf dem flachen Kindersofa; den Rücken zur Hälfte an die Dreiecks-förmige Nacken-Polsterung und an die Wand dahinter gelehnt. Tim drückt sich auf seinen Unterschenkeln sitzend an Deine rechte Seite, Ezra in der gleichen Position an die linke.
Draußen hat es noch immer gute 27 Grad. Herinnen vermutlich auch.
Trotzdem greifen Deine Hände um die beiden kleinen Körper herum und halten ein Buch. Ohne große Anstrengung kann ich das Dampfen Deines Leibes in seinem weiten blauen Kleid erkennen. Feines Schwitzen ist an Deinen Armen, Deinen Beinen und an Deinem Hals.
Trotzdem musst Du singen. Oder zumindest melodisch sprechen.
Der Mond ist rund, der Mond ist rund, er hat zwie Augen, Nas' und Mund.
Einmal, zweimal, dreimal; besonders Ez lässt nicht locker.
Du zeichnest beiden beim Singen mit Deinen Fingern einen Kreis und dann Linien für den Mund, die Nase und die Augen auf die Haut. Timmi nimmt das mehr oder minder zur Kenntnis; es ist das, was eine Mutter tut; was soll man machen? Man lässt sie gewähren. Und hofft, dass es nicht zu sehr kitzelt. Selber (als Timmi) bleibt man fokussiert und konzentriert, Timm. wo siehst Du denn hin? Eindeutig auf die Zeilen des Buches, die er als Quelle des Sprachgesangs versteht; an diesem Konnex ist der Kleine offensichtlich intellektuell äußerst interessiert.
A A A A A A A A
kommt hingegen von Ezra. Dazu tippt er mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf die Handfläche seiner linken. Was Nochmal heißt.
Ez ist euphorisiert wie immer, wenn Dane das mit dem Zeichnen auf ihm macht; er bekommt einfach nicht genug.
Du bist der sinnliche Genießer, sage ich auch heute wieder,
A A A A A A A A,
sagt er und schon fährst Du ihm wieder mit Deinem Finger über Brust und Oberbauch. Unverkennbar würde er sich gerne ausziehen; Ich finde, es ist gut nachvollziehbar, warum man früher oft von der Schamlosigkeit kleiner Kinder berichtete, oder?
Du singst noch immer; allerdings jetzt wieder mit Tim, der Dich ausschließlich singen hören will: Dann, wenn die Fingerzeichen ausbleiben und nur Deine Stimme ist, bekommt er seinen Touch. Vor einigen Tagen schon hast Du mir geschrieben, dass Dir das auffällt, wie mir jetzt gerade einfällt.
Letztes Mal, als ich mich hier mit den Jungs anstellte, hat mich ein Mann angequatscht.
Wir warten gerade in der Schlange zur Kasse des Strassganger Bads. Ich sage nichts, sondern höre nur zu.
Er redete von den Kleinen, wie süß sie wären, aber es ging auch um mich. Es sind immer die Älteren, die mich anquatschen und es irgendwie probieren; so um die 60 wie Du.
Die jüngeren fürchten sich vor Dir, kommentiere ich spontan.
Du lachst und forderst Erklärung, aber so weit kommen wir nicht. Denn gleich sind wir zum Zahlen dran.
Sie fürchten sich ganz genau besehen vor Deiner Schamlosigkeit: also vor etwas , das sich als Phänomen oder Ereignis gestern Abend bei Ezra nur angedeutet hat.
Ich schreibe Dir die genauere Erklärung jetzt einfach her.
Und Du bist eine wunderbar schamlose Frau, wenn Du fast oder ganz nackt unter Deinem blauen Kleid dahin spazierst und man einfach sieht, dass nichts gegen den Stoff drückt als Deine Formen. Aber eigentlich ist das nur ein Verweis oder ein Symptom, denn die echte Schamlosigekt liegt woanders: Du magst die Verausgabung. Im Sex verausgabt man sich an die Welt, und daraus macht man kein Hehl. Er streunt und vergeudet sich als und für Leben, und nur wo das Vergeuden zu zweit gelingt und sich in neues Leben vergeudet, hört er zu streunen auf. Für Bataille wäre das eine Angstlosigkeit vor dem Begehren und Genießen, die zugleich immer auch eine Schamlosigkeit ist. Für ihn lebt Erotik auch von der Scham, die immer wieder zu durchbrechen ist. Insofern, als Du grundsätzlich schamlos aber nicht streunend bist, produzierst Du eine begrenzte Schamlosigkeit, die der Grundstruktur von Erotik entspricht. Diese wird dadurch aber wilder; ja, sie wird sogar als Grundstruktur freigelegt. Das werden ältere Männer nicht nur besser sehen können; es wird sich auch nicht schrecken. Junge Männer hingegen lieben mehr die Bilder und Inszenierungen der Erotik als die Erotik selbst. Solche Bilder bietest Du nicht. Du bietest stattdessen das Ereignis als solches, dessen Dynamik und Grenzen noch dazu DU bestimmst. In dem bist Du genau das, was gängige Männer-Mainstream-Kultur in der Regel NICHT will, denn nichts wird mehr gefürchtet als diese im Eros und Sexus mächtige und zugleich doch autonome Frau.
Manchmal dauert es halbe Ewigkeiten, bis man etwas oder jemanden gut fasst, und grade ist mir das gelungen, wie ich meine. Nach anderthalb Jahrzehnten. Auch dank Hrn. Bataille, der vieles schon gut und richtig macht. Und sich deshalb jetzt ein wenig triumpfierend zu mir setzt. Hierher, an den schwarzen Tisch vor der weit aufgeschobenen Terrassen-Tür, damit noch Kühle herein kann, bevor der nächste Hitzetag beginnt. Er lächelt mit einer gewissen Siegesgewissheit, sagt aber nichts.
Was?
Ich frage nach; mit einer deutlichen Schärfe im Ton.
Sie sind auch ein schamloser Mensch, und das wissen Sie letztlich.
Warum?
Weil es Ihnen auch um die Verausgabung und Vergeudung geht, und weil sie auch nur dort nicht streunen, wo es in dem ein Gegenüber gibt, und Sie letztlich nicht bereit wären, für etwas anderes zu leben und Sie sich dementsprechend nicht wirklich um gesellschaftliche Ideen scheren; weil Leben und Welt ausschließlich aus der begrenzten Schamlosigkeit entstehen und entstehen sollen. Weil für Sie die Welt nur dann gesund ist und all das andere, das Angepasste und Normierte und Zweckmäßige, lediglich zu all den Verrenkungen und Verkrampfungen führt, die einem tagtäglich begegnen und in Selbstinszenierungen und Projektionen kompensiert werden, die die Welt unter einem Müll von konsumatorischen und anderen Konzepten begraben. Ich mag ein Bauer sein, wie Sie gerne sagen, aber Sie sind ein wildes, geiles Vieh, das sich in die Stadt verirrt hat. Denn nur ein solches ist ähnlich vergeudend, geil und schamlos wie Sie.
Im Kinderbecken ist es einfach nicht so interessant wie unter den Duschen gleich rechts davon. Ezra steht schon wieder bei diesen und versucht, sie zum Sprühen zu bringen.
Auf die Zehenspitzen stellen, den Druckknopf erreichen versuchen,
Äääiiii,
aber er ist noch zu klein dafür. Und kann auch noch nicht die richtige Druckkraft entwickeln. Wie auch Tim nicht, der aus dem Becken und aus Mamas Armen neugierig bis begeistert zu uns gelaufen gekommen ist.
Einmal noch, dann hören wir auf.
Ich drücke den Knopf und Ez grinst, als das warme Wasser auf ihn prasselt, aber dann wird es schwächer und er ist folglich erneut auf den Zehenspitzen und am Probieren.
Ääääiiii,
doch es gelingt weiter nicht und es kommt allmählich die Wut.
AAAAAA IIIiiiiii!!!
Einmal noch, Ezra, hör mir gut zu, Eeeinmaal noch,
versuchst auch Du zu beruhigen; mit sanfter aber klarer Stimme. Aber unser wilder Sohn ist nicht mehr zu bremsen, während Tim versteht, dass es nun ein Ende haben soll. Er nimmt Abstand, doch Ezra ist in seinem radikalen Verschwenden, aus dem man ihm buchstäblich nur herausreissen kann. Oder indem man ihn davon überzeugt, dass es nichts mehr zu verausgaben gibt.
Sieh' nur, es geht nichts mehr.
Ich habe plötzlich den Gedanken, bloß ganz leicht am Knopf zu drücken, und so kommen nur ein paar Tropfen von oben aus der Brause.
ÄÄ ÄÄ,
soll heißen: Probiere weiter.
Nach dem siebten oder achten Mal hebt Ezra die Arme und beginnt sie zu drehen, den Kopf dabei schüttelnd.
Leer, genau, bestätige ich. Weshalb wir jetzt gehen können.
Ich bin nicht leer.
Langsam gehen wir nach draußen, ich schiebe den Kinderwagen dabei. Du trägst Dein Blaues Kleid.
Es zeigt schon wieder keinen Abdruck als den Deiner Formen.
Ich bin nicht leer.
Alles schreit nach Verschwendung.
1000Küsse653nach
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Bataille Session, 31. Juli 2026
23.30/04.20, C. - Ich kann nicht sehen, wer das Fläschen braucht. Die Jalousien hinter dem Bett sind noch geschlossen. Hier ist es absolut finster. Für mich zumindest, weil es drüben im Lichtraum schon absolut hell ist. Aufquietschen, herumtreten, daran muss ich mich orientieren.
Es ist Timmi.
Dane raunt das möglichst leise und zeigt mit erhobenem Arm nach unten auf unseren Sohn rechts von ihr.
Ich kann das mittlerweile echt gut: Mit dem Sauger auf der Flasche den Schnuller aus dem Mund heraus schnepfen und zugleich den Sauger in den Mund einführen.
Bloß interessiert das Tim grade überhaupt nicht.
Er quietscht trotzdem weiter. Er fängt jetzt sogar zu schreien an. Und tritt immer heftiger; gegen die Decken, gegen Dane, gegen mich.
Pschschscht!!!! Nicht Ezra aufwecken.
Dem ist das Getue seines Bruders egal. Er liegt auf der anderen Seite von Dir und genießt vor allem Deine Nähe.
Mich wundert dieses Getrete. Mich auch. Normal tut er so etwas nicht. Und er ärgert sich auch wie wahnsinnig, wenn Dane ihn angreift. Dann strampelt er wütend mit dem ganzen Körper und schaut dann gleich, dass er Dich auch noch treten kann.
Er ist wütend auf mich, weil ich gestern den ganzen Nachmittag und Abend nicht da war.
Prompt fange ich im Kopf an, herumzualbern.
Schönen guten Morgen an alle, sage ich mit fast lasziver Stimme in das Micro vor mir, Ich begrüße Sie zum heutigen DAILY TALK. Wie immer mit nur einem Thema: Unsere psychische Fitness.
Mäßiger Applaus aus der Konserve; kein Publikum weit und breit.
Unsere Gäste sind heute Miss Melanie; Kinder-Analytikerin der ersten Stunde....
Wieder mäßiges Geklatsche.
....und Monsieur George; Spezialist für Liebe UND Tod.
Stille.
Melanie, was hat lhrer Ansicht nach der Kleine?
Es ist gut möglich, dass er wütend ist. Really angry.
Sie spricht bedacht und sehr britisch rational.
In seinem Alter ist der Symbiotische Bezug zur Mutter sehr wichtig; nicht wahr? Die Gesten und das ganze Agieren der Mutter als Reaktion auf seines machen die gefühten Spannungen für ihn wenigstens visuell-szenisch greifbar. Er lernt sich so denken; doesn't he? Gleichzeitig denkt aber letztlich noch immer die Mutter für ihn und sorgt noch dazu mit ihrer vollen Brust dafür, dass es ihm gut geht. How paradisiacal, isn't it? Ein Mutterbrust-Universum, das sich zu einem Mutter-Universum ausgebaut hat.
Das ganze klingt jedoch immer auch sehr österreichisch. Die Wiener Wurzeln sind unleugbar.
Da kann man sehr frustriert und wütend werden, wenn Mama dann einmal länger nicht da ist; das meinen Sie, oder?
Ich rede noch immer sanft, lasziv und antihierarchisch wie der junge Andre Heller, der das gerade erstmals on air gehende Ö3 anmoderiert; Österreichs zukünftiges Erfolgs-Radio.
Exactly. Die menschliche Grund-Angst schlägt dann wieder durch. Aber er wird wachsen, vor allem durch die gemeinsame Zeit mit dem Vater. Das Mutter-Universum kann so als weniger attraktiv für das neue, auf Ich-und-Du-Verhältnisse beruhende Vater-Leben aufgegeben werden. Der Mensch wird so zur Symbol-orientierten Existenz. Very grammatical.
Stille im nicht vorhandenen Publikum. Man versteht, aber irgendwie auch nicht. Überhaupt nicht.
Einspruch! EINSPRUCH!
Monsieur George rückt sich zurecht.
Das ist harmloser Psycho-Unsinn! Symbiose, Mutter-Universum; dessen Überwindung mit Hilfe des Vaters, das sind naive Psycho-Sprüche....
"He!" "Puh!" Publikums-Reaktionen; auch aus der Konserve.
Wie ist es dann wirklich, George; wollen Sie uns das vielleicht erklären?
Ich hauche meine Frage nur noch in das Micro. Ich BIN jetzt Andre.
Der Kleine erlebt sich bereits jetzt als diskontiuierlich. Er würde gerne Kontiniuität erleben, kann es aber nicht, weil genau das die Tragödie des Mensch-Seins ist, diese Individualisierung, die die sexuelle Fortpflanzung mit sich bringt, man teilt sich nicht einfach, es gibt einen Bruch zwischen Mutter und Kind, dieses ist etwas anderes als sie, und es ist auch etwas anderes als der Vater.
Französisch geprägte Hochgeschwindigkeits-Sprache, die auf den Punkt vergisst. Am besten nicht einmischen, sondern nur reden lassen.
Nur in der Erotik und Leidenschaft kommt man über diese Trennung hinaus, speziell in der, die ich die Erotik der Herzen nenne, in der die Verschmelzung der Körper in der Sympathie weiterläuft und dabei zu einem Glückseeligkeits-Versprechenwird, dem zugleich unendlich viel Leiden vorläuft, weil dieses Versprechen so groß ist, dass es verwirrt und durcheinander bringt und so leiden lässt. So sehr leiden, dass wir den anderen besitzen müssen und ihn oder uns lieber töten als auf diesen Besitz zu verzichten...
"HEE!" "PUUUHH!" Diesmals wird es richtig laut (freilich aus der Konserve), was Monsieur George aber nicht im Geringsten irritiert.
....denn die sich in Leidenschaft und Besitz ankündigende intime Kontinuität ist zu großartig, als dass wir auf sie verzichten würden, weshalb in Leiden und Tod sich erst die wahre Bedeutung des geliebten Wesens offenbart, also die letztlich doch bestehende Unmöglichkeit der Kontinuität, um die es geht, die stets vor allem Hoffnung bleibt und die jede Trennung auf das entsetztlichste bedroht.
Wieder Stille. Man versteht wahrscheinlich noch weniger als bei Miss Melanie.
Also geht es hier schon, bei dem Kleinen, um ein erstes erotisches Moment, George?
Ich hauche weiter; ver-hauche mich förmlich.
Der Mensch in seiner Getrenntheit hat kein wirklich anderes Thema. Punkt.
Die Hitze beginnt jetzt schon, kurz vor 8.00. Es ist schwer, den Wagen zu kühlen.
Er ist noch immer beleidigt. Ezra hat mich offensichtlich vermisst und will nur liebevoll gehalten werden. Tim hingegen schlägt weiterhin her.
Deine Stimme aus dem Telefon klingt gelassen. Außer Aushalten bleibt wenig zu tun. Aushalten und Vorlesen. Denn Vorlesen hilft auch.
Willst Du dabei sein, wenn ich wieder Benni-Zahnputzbär vorlese? Ich denke, das wird ihn beruhigen.
Konzentrier Dich auf die beiden, telefonieren wird später weiter.
Okay. Kuss.
KussKussKuss.
Die Autobahn ist wie jeden Sommer hier heroben, quer durch die Obersteiermark, kaum zu befahren. Baustellen ohne Ende, Kilometer um Kilometer nur eine Spur.
Ich erinnere mich daran, was ich in den letzten 15 Jahren hier alles gehört habe; Klein, Bion, Peirce, Habermas, Hustvedt, wieder Klein, wieder Bion; jetzt Bataille. Es ist verführerisch, die tiefen Verbundenheits-Wünsche des Menschen nicht als kindliche Übergangsphase abzutun, aus der man sich natürlicherweise zu befreien hat. Vielleicht geht es tatsächlich um mehr als eine Mutter-Kind-Symbiose. Nämlich um ein Begehren, Mit-Mensch zu sein, das sich nur über die Erotik realisieren lässt.
Sie haben sich doch schon für mich entschieden, geben Sie es zu. Für die Lebenswelt aus Eros, die ich betone.
Bataille hockt wieder einmal am Beifahrersitz. Er kennt keine Grenzen.
Nicht ganz. Meine Erotik braucht das Erzählen, das fein verwebt und so liebt; das Erzählen, das im Szenischen Mitspielen mit der Mutter beginnt. Und in das sich dann ihre Leidenschaft hineinstellt, hineinwuchert. Das macht das Erzählen krafvoll und die Leidenschaft fein. Sie ist dann nicht mehr das potenzielle Sauschlachten, das sie bei Ihnen immer ist.
Hr. Bataille verschwindet auf das hin wieder. Wahrscheinlich beleidigt. Ich bin aber zufrieden:
Der sich sprechen könnende Sex macht das Erzählen kraftvoll und das
Erzählen macht den Sex im Gegenzug Sinn-haft fein. Und beides ergibt eine
Lebenswelt des Heiligen Eros, in der man einander nahe, wirklich nahe ist.
Wunderbar, so einfach lässt es sich sagen.
1000Küsse650nach
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Bataille Session, 30. Juli 2026
23.15/03.40, C. - Ich warte nun schon mit einer gewissen Ungeduld. Der Arzttermin kann nicht ewig dauern. Das Handy zeigt aber noch keine neue Nachricht an.
Ich schaue trotzden schon wieder auf den Screen. So nebenher, während ich fahre.
So hat man am Radar früher wahrscheinlich gecheckt, ob die feindlichen Maschinen endlich den Luftraum erreichen. Eine V2, zum Beispiel. Am Weg nach London.
Alles okay bei mir.
Endlich. Der Angriff ist sozusagen abgeblasen.
Ich habe eine Hornhauterosion und muss Antibiotikum schmieren.
So was nennt man also Okay, ich verstehe.
Typische Elternverletzung. Kann immer wieder weh tun, weil die Hornhaut sehr sensibel ist.
Ich weiß nicht, ob das Auge noch immer rot ist. Es ist zu finster im Schlafzimmer, als Du herein kommst. Ich sitze angelehnt an den Seitenschutz im flachen Kinderbett vor unserer riesigen Liegestatt. Ez schläft in meiner Rechten, Timmi hält mir im Tiefschlaf seine Füße auf den Bauch.
Komm, flüsterst Du mir zu, wir müssen die Katze noch versorgen.
Im großen Küchenraum kann ich immer noch nicht sehen, wie Dein Auge jetzt aussieht. Dafür sehe ich die schöne Bauchwölbung, die Ezra und Tim hinterlassen haben. Und die schönen Brüste darüber.
Jetzt, schnell....
Meine Gier reisst Deine mit und Deine meine, und nach dem ersten Kuss, muss es hier sein, im Stehen. Mit der Linken taste ich nach dem Stuhl vor dem Tisch; ich bekomme ihn zu fassen, während Du mich zu verschlingen beginnst.
Was ist konkret anders?, fragst Du erneut. Was macht nun dieser Sex, der als Qualität, als Erstheit stehen bleiben darf?
Endlich habe ich eine Idee, wie ich ganz untheoretisch darauf antworten kann.
Er macht mich zu Michel Piccoli und Dich zu Romy Schneider. Auf jedem Foto von den beiden als Filmpaar sieht man förmlich eine grundsätzliche Lust; man sieht, wie gerne sie miteinander schlafen. Obwohl es auf jedem Foto um etwas ganz anderes geht.
Ein Lebensgefühl wie in einem französischen Film also. Der nicht immer tragisch, aber doch existenziell ist; um einen kraftvollen Sex herum. Ich mag diese Filme aus der vor-economics-liberalen, vor-konsumatorischen Zeit.
Ich muss Dir das unbedingt sagen, Heißgeliebte. Aber Ihr drei schläft drüber noch tief und fest. Also schreibe ich es Dir wenigstens.
Erst jetzt am Morgen wird mir auch bewusst, dass das jetzt wieder eine Geschichte Deines Auges ist. So wie die gestrige auch eine war. Und das ich noch immer an Batailles Geschichte des Auges lese, respektive höre.
Ich verstehe mittlereweile, dass letztere in ihrer Penetranz alles zerfetzen, alles zerreissen will, um Sex, Vernichtung und Tod in ihrer Verwobenheit sichtbar zu machen. Vielleicht waren auch wir gestern Nacht deshalb so herrlich gierig. Nämlich um die Vernichtung, die in der Verausgabung steckt, noch weiter wegzuschieben. Um das Urteil des Arztes zu unterstreichen:
Sie sind von Ihrer Elternschaft gezeichnet, Sie sind am Weg der Vernichtung, aber der Verschleiß ist erst marginal. So sein Statement, zwischen den Zeilen.
Eine gute Gelegenheit, unseren Heiligen Eros ganz zur Geltung und Entfaltung kommen zu lassen;
Ich liebe und genieße Dich über allen Verfall hinweg.
Egal, wie sehr wir verschlissen werden, wie diskontiuierlich wir werden - das wird bleiben; diese Gier im Stehen und wie sie sich in unere Geschichte hineinfräst und die Lust aneinander durch die Zeilen sprechen lässt. Um dann eine Erzählung von etwas ganz anderem, viel komplexeren zu sein. Eine Erzählung von der Geschichte eines Auges eben; also eine schöne Kontinuität in erfahrenem, Lust-aufgeladenem Sinn.
Ganz wie bei Fr. Schneider und Hrn. Piccoli.
Was bei diesen aber fehlt (und erst recht fehlt das bei Monsieur Bataille), ist, dass solche Geschichten auch immer Geschichten mit Kindern sind.
Eine Tochter, ein weiterer Sohn, aus der Gier eines Stehens; aus einem geröteten Auge, aus der Spur der Vernichtung, die Ez und Tim eröffnen und beginnen und immer weiter ziehen: Wäre das nicht erst der echte Höhepunkt des Heiligen Eros, der wir in unserer Zusammenkunft dauernd sind?
Wir spielen Wohnung-Putzen, seit Oma zu Dir ins Lokal aufgebrochen ist. Und Wohnung-Besteigen. Ez schiebt einen der Stühle zur Spüle, Tim bringt seinen vor dem Buchregal in Stellung. Ich will es diesmal anders machen, mit noch mehr Kommunikation und Zeit-Geben, in dem sie selber von ihrem Tun Abstand nehmen. Ich stehe näher bei Tim, weil bei ihm noch mehr Schaden entstehen kann.
Tim, Schatz, Du weißt, dass Du das nicht darfst und sollst, weil es gefährlich ist und Du vielleicht was kaputt machst.
Tim deutet auf die Bücher vor sich und quasselt etwas von Ada a da uii los. Ich nehme ihm Levi-Strauss wieder aus der Hand und schiebe die Marx-Biografie vor ihm weg.
Das geht nicht, lass' das bitte, sonst hebe ich Dich GLEICH herunter.
Ma da Ada nee_eiin.
Bei Salgados Amazonia-Buch ist er so schnell, dass er mich überrascht. Auch wie schnell er nach dem originalen Foto-Einband greift überrascht mich. Und wie schnell er diesen zerfetzt überrascht mich auch.
HEEEE!
Ich bin empört.
ICH BIN EMPÖRT! BIST DU VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN??!
Harsch nehme ich ihn vom Sessel, harsch stelle ich ihn auf dem Boden.
Und Du kommst auch herunter!
Harsch hole ich auch Ezra von seinem Sessel.
NEIN HEIßT NEIN! ICH BIN EMPÖRT!
Tim beginn zu weinen und steckt sich die Finger in den Mund; Ez beobachtet vorsichtig und bedacht die Szene. Keiner von beiden bewegt sich.
Wortlos lege ich das Buch auf den Tisch, hole von der Bibliothek ein Klebeband und flicke den Foto-Einband wieder zusammen. Wortlos stelle ich das Buch dann wieder an seine Stelle und bringe auch das Klebeband zurück. Dann setze ich mich neben Tim.
Komm' her, mein Kleiner.
Ich drücke ihn mit der Rechten an mich. Dabei schaue ich zu Ez und deute ihm mit der Linken, auch herzukommen.
Komm' Du auch her, Ezra.
Er schaut zuerst weiter vorsichtig, dann beginnt er zu lächeln und rennt los. Ich halte und drücke ihn mit der Linken. Beide drücken jetzt zurück und ich küsse beide ab; auch Timmi kann wieder ein wenig lächeln.
Nein heißt Nein, Jungs, flüstere ich Ihnen zu, das müsst Ihr verstehen.
Das harsche Gesetz des Vaters.
Es soll nicht die Verausgabung unterbinden, aber die Vernichtung stoppen. Oder zumindest begrenzen. Insofern gehört auch das Gesetz des Vaters, das die Psychoanalyse so gerne bemüht, zum Heiligen Eros; ich verstehe das gerade erst wirklich. Wobei es erst Gesetz des Vaters sein wird, wenn es einer ganzen Geschichte angehört; etwa der eines Roten Auges.
Jetzt, schnell....
Noch einmal greife ich hin; gierig, im Stehen.
Entspannt haben Ezra und Tim in meinen Armen nach allem eingeschlafen.
Vielleicht witterst Du das Gesetz des Vaters noch an mir.
1000Küsse649nach
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Bataille Session, 29. Juli 2026
23.30/04.20, C. - AUUU!!! AHHHH!!!
Das klingt diesmal nach echtem Schmerz. Das ist mehr als das übliche Auu!, welches Autsch!, pass doch auf! bedeutet. Ich drehe mich nach Dir um.
Dane sitzt drüben auf der Couch unter dem Eckfenster und presst sich die Hand auf ihr rechtes Auge.
AUUU....AAAAAA!!
Was ist passiert?
AAaaa.... Ezra ist auf mich zugerannt. Ich hab' es zu spät gemerkt; ich habe seine Finger ins offene Auge bekommen.
Bist Du verletzt? Sollen wir was tun?
Ezra ist auf Danes Schoß sitzen geblieben und sieht irritiert aber nicht Schuld-bewusst auf das Auge. Tim kommt auch hinzu und schaut seine Mutter fürsorglich an. Die gleiche Sozialkompetenz-Verteilung wie immer.
Nein, ich denke nicht, es geht schon wieder. Aaaa.....
Bist Du Dir sicher? Augen sind heikel.
Nein, ich kann sehen, Es tränt und tut richtig weh. Aber mehr ist nicht.
Hoffentlich hast Du recht. Warten wir ab.
Ich räume an der Küchenanrichte weiter, schiele aber immer wieder nach hinten zu Dane am Sofa. Sie muss noch immer die Hand auf das Auge pressen; sonst wäre es zu schmerzhaft.
Haben Sie nicht gerade vorhin noch groß von der Verausgabung und Vergeudung gesprochen? Als Lebensvollzug? Als Fruchtbarkeit? Als Sex, der das alles zusammenfasst und verdichtet?
Monsieur Bataille.....
Er sitzt zwischen mir und Dane am schwarzen Küchentisch, der zugleich ein eleganter Speisezimmertisch ist; gut gekleidet wie immer. Der Sessel ist ein wenig vom Tisch weggeschoben, sodass Monsieur Bataille die Beine bequem überkreuzen kann. Die Linke liegt leicht angewinkelt auf der schwarzen Fläche, die Rechte hat er in die Hüfte gestützt.
Das haben Sie doch gerade gemacht, oder?
Ja, und?
Verausgabung ist nie freundlich, sie ist immer eine buchstäbliche Vernichtung. Schleichend zwar, aber dennoch. Wer von der Fruchtbarkeit, dem Sex und der Vergeudung spricht, spricht letztlich von der Vernichtung. Und damit auch von Schmerz. Mir fehlt das in dem, wie Sie es beschreiben.
Mich wundert fast ein wenig, wie ruhig die Nacht ist. Auch jetzt noch, am beginnenden Morgen. Ich schreibe am schwarzen Tisch, gleich neben Monsieur Bataille, der offensichtlich entschieden hatte, zu bleiben. Gefragt hatte er nicht, er tat es einfach. Die Linke liegt noch immer am Tisch, in der Rechten hält er nun eine neue Ausgabe seiner Erotik. Du hast auf jeden Fall nichts gebraucht. Und Tim auch nichts. Aber Ezra braucht jetzt etwas.
Ungeduldiges Schreien; die Flasche die ich bringe, hilft nicht.
Schließlich kommst Du mit ihm nach draußen. Nackt, nur mit einer kleinen Hose bekleidet. Ezra kuschelt sich eng an Dich, den Kopf an die Schulter gelegt, mit einem Schnuller im Mund, an dem er heftig saugt.
Mir rinnt das Auge heute so. Und es tut richtig weh. Ich muss ein Schmerzmittel nehmen.
Scheiße. Er hat Dich wirklich verletzt.
Du wirkst überrascht. Ich schaue Dich fragend an.
Stimmt, sagst Du dann, ich habe es vergessen gehabt. ich habe es echt vergessen.
Sehen Sie, das lassen Sie immer aus.
Ich sage das und wende mich Monsieur Bataille seitlich von mir zu, während Du mit Ez am Arm wieder zum dem Platz unter dem Fenster gehst, wo vor nicht einmal zwölf Stunden alles passiert ist.
Sie lassen aus, dass die Vernichtung in Ordnung geht. Weil sie zur Vergeudung gehört. Folglich auch zum Leben. Welches wiederum, wie sie selber sagen, nur intergenerativ eine Kontinuität ergibt. Insofern ist in der Vergeudung immer auch der Tod dabei, dem stimme ich zu. Aber ist es nicht noch viel mehr die Positivität, die aus dem Sexus kommt?
Du sitzt drüben mit Ezra auf dem Sofa, das an dieser Stlle eine Beinablage integriert hat. Lange streckst Du deshalb Dein rechtes weg, während das linke angewinkelt ist und so Ez an Deiner Brust und Schulter einen guten Halt gibt. Dein Kopf ist nach hinten auf die Polsterung gelegt.
Sie haben diesen immer schon umgedeutet, setzt Bataille an; Sie haben aus dem Sexus still und heimlich das gemacht, was ich den Heiligen Eros nenne. Der ist ein Bewahrer der Kontinuität, wenn auch auf eine etwas andere Weise als bei mir. Das gibt ihm erst seine Positivität.
Ich verstehe schnell, was er meint. Ich rede dauernd von einem Sex, der das Erzählen betritt, dort pulsierend stehen bleibt, um schließlich im Text zu Inhalt zu zerfließen, der so ins Pulsieren kommt, lebendig wird. Was auf den echten Sexus und Sex zurückwirkt, der damit eine Fortschrift einer Erzählung und damit auch wieder pulsierender Sinn ist. Bevor er dann wieder zu einer nächsten Erzählung wird. Eine kontinuierliche Bewegung, stimmt.
Nur eine Neuauflage und Re-Interpretation meines Heiligen Eros. Das macht die Spur der Vernichtung erträglich, die Sie gerade sehen.
Dein Kopf liegt auch nach hinten gelagert auf der Polsterung, weil Du Schmerzen hast. Aber es gehören zu dem Bild, das Du gerade produzierst, auch das lange ausgestreckte Bein und das angewinkelte dazu, über dem ein Kind ruht. Das gerade zufällig nach Deiner nackten Brust greift. Alles ist zudem Teil der großen Geschichte, die ich seit Jahren nun erzähle.
Eine Pieta.
Eine Pieta, die nicht verschleiert, worum es geht.
Ich sehe es auf einmal.
Und es geht eben um einen Heiligen Eros, der den Schmerz und die Vernichtung, die in der Vergeudung steckt, überwindet und so die Verausgabung an die Welt und an die nächsten gut, Sinn-haft, ästhetisch macht.
Im Sexus, sogar noch in der Erotik der Körper, verletzen wir einander. Indem wir uns aufspießen oder, aus anderer Perspektive, aufsaugen, einsaugen, verschlingen. Es ist nichts Feines, Feingliedriges, am Sex.
Monsieur Bataille ist in seinem Element. Er redet Klartext, während ich meine Pieta des Heiligen Eros betrachte. Fast gibt in ihr die legere kleine Hose die Vulva frei. Und macht sie so noch heiliger.
Er hat viel mehr vom Tod, weshalb oft die Erektionen versagen und die Feuchtigkeit nach Sekunden verschwindet. Nur die Erotik, di immer auf der Suche nach einer Kontinuitätist, auf welche Weise auch immer, kann mit ihrem Aufbringen eines dauerhaften Fortlaufszumindest als Erlebenden schaurigen Tod überwinden. Und die Verausgabung großartig machen.
Ich mache mir dennoch Sorgen. Und ich mache mir um Dein Auge mehr Sorgen als Du. Meine Meisterin der Verausgabung.
Es wäre ohne Schmerzmittel nicht gegangen. Und als ich lesen versuchte, tränte und schmerzte es und ich musste noch eines nehmen.
Im Hintergrund höre ich die Kinder johlen, auch wenn die Noise-Reduction Deiner Ohrhöhrer großartig wirkt.
Wie sieht es aus?
Es ist mittlweile blutig rot. Ich habe für morgen schon einer Augenarzt-Termin organisiert. Schneller geht es nicht. Und die Klinik hat bei meinem Anruf abgewunken. "Nicht zuständig", war die klare Botschaft.
Nein, Vernichtung ist nicht freundlich. Aber unser Hunger aufeinander und dieser andere Hunger, diese Freude an den Kindern, hilft selbst jetzt.
Tim ist großartig, er hat schon verstanden, dass etwas nicht passt. Er kann so gut seine Anteilnahme zeigen.
Ich blicke zu meinem Nachbarn hinüber. Monsieur Bataille begleitet mich heute auch am Weg in die Schwarzau.
Und wie bringen wir nun das in all dem unter, guter Mann?
1000Küsse648nach
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Bataille Session, 28. Juli 2026
23.00/04.20, C. - Ich bin glücklich.
Ich habe nicht den Eindruck, dass Du es merkst. Durch das Telefon ist bei Dir vor allem Wind zu hören; wo seid Ihr gerade?, frage ich nach. Auf der Terrasse, antwortest Du, damit die Jungs vor dem Abend noch einmal nach draußen kommen. Schreien und Gelächter im Hintergrund.
Leider bin ich jetzt gleich da, also in Lannach.
Ja, der Papa ist gleich da, erklärst Du Ezra oder Tim, von denen ein Ada Ada (Papa, Papa) zu hören ist und von denen zumindest einer Dich bedrängt. Er ist gleich in Lannach.
Telefonieren wir besser, wenn ich zur Ärztin weiterfahre.
Das ist gut, Kuss.
KussKussKuss.
Die Jungs lassen immer weniger Platz für Telefonate. Glücklich bin ich trotzdem.
Ich freue mich für Dich.
Ich fahre von Lankowitz immer über eine kleine Landstraße nach Lannach; über eine, die durch Felder und durch alle möglichen kleinen Ortschaften bringt. Eine Schlängelstraße also, die etwas Fröhlich-Abenteuerliches hat. Grade führt sie links am Wald entlang, aber gleich da vorne wird sie plötzlich nach noch weiter links knicken und großzügig durch großzügige Feldanlagen führen; ich kann es an dieser Stelle schon sehen. Das bringt ein Moment von Weite auf, das ich genieße und das mich dem Straßenverlauf als Akt des Geschehens (mit dem diese Weite korreliert) still Danke sagen lässt. Womit wir aber in semiotischem Touch sind:
Ich streife als Symbol-Struktur, die ich in einem Bezugs-Geschehen (also überall) auch bin, die Straße. Und diese (für die das gleiche gilt) streift als Symbol und folglich mit ihrem Gehalt mich.
Ihr Gehalt (das Schlängeln, die Weite) überlappt sich in der Folge mit meinem Gehalt (dem Glücklich-Sein) und umgekehrt - was man üblicherweise auch Verstehen nennt. Für das es also weniger Bewusstsein als Symbole in Bezug braucht. Weshalb dann auch die Straße mich verstehen und auf mich reagieren kann - und nicht nur ich auf die Bewegung der Straße. Ich freue mich für Dich kann ich deshalb transkripieren als die Straße mich zu verstehen beginnt...
Semiotik radikal gedacht.
Oder einfach: Poesie eines semiotischen Universums.
Willst Du auch wissen, warum ich glücklich bin?
Aus den weiten Feldern werden jetzt Mais-Äcker, die wie Wände links und rechts der Straße laufen. Fettes, sattes grün.
Nur zu, transkripiert es.
Weil ich ein Mensch der Fruchtbarkeit geworden bin. Ich kann sie mit einem Mal so herrlich wahrnehmen, und dann wird Leben so wunderbar einfach. Man entfaltet Fruchtbarkeit, man lebt sie und sie lebt in denen weiter, die so entstanden sind. Und das, dieses sich Nach-vor-Verausgaben, reicht; alles andere - Himmelreiche, Erdenreiche, Techno-Reiche - sind nur ein unnötiger Krampf. Ich bin jetzt Krampf-befreit.
Die grünen Wände enden nicht; lediglich die Straße wird immer kurviger. Nur langsam komme ich durch so viel fettes, nach oben drängendes Leben.
Und was machst Du anders?, transkripiert es weiter.
Ich erzähle Geschichten. Manchmal auch eigenartige, wie diese hier. So wird Leben offen und zugleich fein und verstehend. Wer erzählt ist immer im Sinn und der ist kraftvoller als die größte Gier, die größte Wut oder die größte Angst. Bei mir zumindest.
Ein Radfahrer bremst mich nun gänzlich herunter. Der Mais verstellt jede Sicht; ich kann nicht überholen. Ich rolle jetzt bloß noch durch das Grüne Dicht. Dessen feuchtes Dampfen kommt dabei bis ins Auto.
Und weiter?
Ich kann erzählen, wie Dane vor mir liegt und wie sich Ezra und Tim auf sie werfen. Ich kann von den Blauen Flecken erzählen, die sie davon hat; von der Verausgabung von Leben, die sich da zeigt; vom verausgabenden Fleisch, das damit aufkommt. Und ich kann damit einen verausgabenden, fleischlichen Sex die Bühne betreten lassen. Oder auch damit, dass Dane vor mir liegt und ihre Schenkel auseinander klappen, immer weiter aufgehen und in mir ein Pulsieren einsetzt. Der Sex steht dann in der Textur und steht nur für sich, ohne gleich Motor für ein folgendes Bezugs-Geschehen, ein Miteinander oder für Geschichten dieses Miteinanders zu sein. Zu denen er früher oder später aber doch wird. Doch vorerst steht er einfach für sich und ES pulsiert und der ganze Text beginnt mit ihm zu pulsieren. Genauso steht er dann aber auch im Leben, auf das die Textur zurückwirkt. Als große Verausgabung gesellt er sich zwischen die Schenkel; als große Fruchtbarkeit, die aber auch von all den Geschichten lebt, die dann erst kommen. Und so pulsiert ES auch da und ist zugleich voller Sinn.
Mais riecht immer ein wenig nach Samen, wenn man mitten im Feld steht. Wenn man sich durch ihm einen Weg bahnt wie ein Schwimmer, der vorsichtig die Reihen zur Seite drückt. Hier ist der Geruch nicht ganz so stark, aber er ist doch da. Nach der nächsten Kurve komme ich endlich an dem Radfahrer vorüber.
Wieso hast Du alles vergessen gehabt? Wieso ist Dir dieses pulsierende und zugleich vor Sinn strotzende Leben entfallen? Und wieso auch ein Schreiben, das so lustvoll und gierig ist? Eine nächste Transkription.
Das vestehe ich jetzt nicht....
Du bist doch zwischen Maisfeldern aufgewachsen. Wieso hast Du auf den Dampf, auf die einnehmenden Gerüche, auf die große Fruchtbarkeit vergessen; auf die Lust Deiner Jugend, die auch mit den Feldern zusammenhing und in die Texte wucherte und von diesen wieder in das Leben retour?
Wahrscheinlich, weil ich sie nie verstanden habe. Wahrscheinlich, weil man dazu zuerst das Erzählen leben und sich auf die Kunst verstehen muss, zwar alles zu symbolisieren, aber Symbole manchmal in ihrer Erstheit, in ihrer Qualität stehen zu lassen. Eine Kunst, auf die sich im Übrigen Bataille nicht verstand. Genau das fehlt ihm immer wieder. Aber das interessiert Dich nun wahrscheinlich endlich nicht.
In Lannach ist dann alles betriebsam. Ein Kreisverkehr folgt auf den nächsten; technische Welten organisieren sich selbst. Ihr seid wahrscheinlich noch auf der Terrasse. Dort ist zwar kein Mais, aber wenigstens Wind.
In dem werde ich Euch das alles einmal erzählen, Jungs.
1000Küsse647nach
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Bataille Session, 27. Juli 2026
23.30/04.20, C. - Dane liegt auf dem Boden, ich liege auch auf dem Boden, alle vier liegen wir auf dem Boden. Ziemlich genau in der Mitte des großen Raumes mit dem vielen Glas und dem vielen Licht. Irgendwie sind wir hier gelandet, nachdem wir vom Spielplatz zurück gekommen sind. Also gerade eben erst; vor vielleicht 10 Minuten.
AUU!
Vor allem liegen wir beide; Ezra und Tim tun das nicht: Rennen, Bücher holen; Benni, der Zahnputzbär, er steht seit Tagen hoch im Kurs; sich mit dem Buch auf Dich drauffallen lassen.
AUUUU! Wieso müsst Ihr mir immer weh tun?!!
Ez hat sich grade auf Dich draufgeschmissen. Er lacht begeistert.
Kein Wunder, dass ich so viele blaue Flecken habe.
Du hast tatsächlich viele blaue Flecken. Ich kann sie gerade deutlich sehen und begutachten. Weil Du in einer kurzen Hose und einem noch kürzeren Top vor mir liegst. Mit Beinen, an denen die Füße aneinander stoßen, die aber sonst aufgeklappt zur Seite fallen. Und mit einem Oberkörper, der mitsamt dem Kopf leicht nach links gedreht ist. So, als ob Du schlafen wolltest. Wahrscheinlich würdest Du auch einschlafen, wenn nicht Ezra nun auf Dir gelandet wäre, mit irgendeinem Buch in der Hand. Und jetzt Deine Aktivität fordern würde. Denn Du wirkst erschöpft. Du bist es auch.
Ich bleibe mit meiner Aufmerksamkeit dennoch bei Deinen blauen Flecken. An einem Oberschenkel leuchtet einer fast schon schwarz; im sichtbaren Hüft-Bereich ein weiterer auch; und die Unterschenkel sind getupft mit irgendwelchen Spuren von Sprüngen, Remplern und mehr.
Du bist gezeichnet.
Bis hinunter zu den Fersen, deren Haut verhärtet und eingerissen ist. Zwei Jungs produzieren Gewicht; schon seit der Schwangerschaft zermahlen sie Dir die Füße zusammen mit deren Haut.
Was Dir aber nichts von Deiner Attraktivität nimmt, im Gegenteil.
Natürlich sage ich das nicht laut; es würde in dem Gejohle untergehen, das jetzt läuft. Nachdem sich Tim auch noch auf Dich draufgeworfen hat. Und ebenfalls begeistert lacht. Tatsächlich bewegen mich Deine blauen Flecken und Deine geschundenen Füße nicht weniger als Dein Gleiten durch das 80. Stockwerk, von dem in den letzten Tagen so viel dir Rede war.
DAS HIER ist auch Verausgabung; Verausgabung des Leibes, Verausgabung des Sexus; und diese Verausgabung ist nicht nur Möglichkeit, Ankündigung, Spiel, sondern eine ganz reale. Jeder blaue Fleck, jeder Riss in der Ferse erzählt noch einmal die Geschichte eines mächtigen Bauches, einer Niederkunft und eines kraftvollen Heranwachsens zweier kleiner Männer; jedes Moment von Erschöpfung hat so auch etwas zutiefst Sexuelles. Nicht im Sinne einer Sexualität, die ihre Lust am Verbot, im Sensation-Seeking oder in der Rettung vor der Bedürftigkeit und dem mäßig verstandenen Trieb-Druck findet, sondern entsprechend einer, die begriffen hat, dass Sexualität etwas mit Verausgabung zu tun hat. Weil es letztlich immer um Fruchtbarkeit geht und Fruchtbarkeit Verausgabung ist. Für den Mann gleich unübersehbar, weil er sein Sperma verausgabt und auch verausgaben will; für die Frau ein wenig verdeckter, weil ihre Verausgabung erst greifbar wird, wenn sie sich zumindest verdoppelt und sich so gleichsam selber ein Stück weit aufgibt. Was ihre Verausgabung umso radikaler macht.
Was genau hat sich an meinem Körper verändert?
Die Kinder schlafen mittlerweile und wir liegen schon wieder am Boden; nur diesmal nackt und alleine.
Ich muss herum überlegen, um so schnell die richtigen Worte zu finden, und ich finde sie dennoch nicht.
Dein Bauch ist jetzt als Bauch präsent, sage ich schließlich.
Dein Bauch und Dein ganzer Leib überhaupt sind jetzt Verausgabung hätte ich besser sagen müssen, und damit dauerhaft sexuell. Sexuell eben im Sinne der herrlichen Verschwendung, die Leben ausmacht.
Noch dazu hat dieses Sexuelle nun einen Eigenwert, der ruhig eine Präsenz haben darf. Der sich, wie er hier das gerade tut, hereinmischen soll in die Geschichten, die wir erzählen und die wir am Ende sind. Statt dem Gespräch als eigentlichem Bezugs-Ereignis die Bühne zu überlassen; als dem Austragungsort eines nur anfänglich Sexuellen, das sich dann aber - unter Aufbringung einer intimen Körperlichkeit, die jedoch nur Supplement zum Gespräch ist - eigentlich in dieses Gespräch transformiert. Und so den Sex letzlich als Sex aufgibt und löscht.
Das ist jetzt auch vorbei und anders, hätte ich auch sagen müssen, aber schon längst ist es dafür nicht mehr der richtige Zeitpunkt. Und ich hoffe zudem, dass Du es ohnedies weißt, weil das so viel Platz in unseren Debatten neuerdings hat; der Sex, der als für sich stehende Qualität in das Erzählen kommt und ihm eine neue Lebendigkeit gibt, es auflädt und sich dabei selber wieder verändert; erst in dieser Bewegung dann wirklich als Verausgabung fassbar wird.
Damit ist der ganze Lebensvollzug schon ein Sexuelles, hast Du mir vor ein paar Tagen in diesem Zusammenhang einmal geschrieben, weil er damit zutiefst lebendig wird.
Unserer auf jeden Fall, aber wahrscheinlich gilt das für jeden gelingenden Lebensvollzug überhaupt, der sich nicht in kompensatorische Hysterien und Narzissmen flüchten muss. Was immer auch passiert, wenn es ein Abgeschnitten-Sein von der Fruchtbarkeit und ihrer begeisternden Verausgabung gibt. Weil stattdessen Angst regiert oder was auch immer, weil die Kraft und Schönheit der Verausgabung nicht mehr wahrgenommen und schon gar nicht gelebt wird.
Du gehst schlafen und gemeinsam heben wir Ezra und Tim von ihren Kinderbetten ins Elternbett. Ich gehe jetzt noch einmal an den Tisch zurück und muss noch einmal zu Bataille greifen. Gerade wird im Obszönen Werk ein Priester buchstäblich sexuell getötet, im und mit dem Orgasmus hingerichtet, und immer wilder vermischen sich auf jeder Seite Sex und Tod.
Wie, Monsieur, kann sich Ihnen die Erotik der Fruchtbarkeit so entziehen? Dass Sie diese absurde Sex-Tod-Erotik bemühen müssen?
Wahrscheinlich ist das der eigentliche Triumpf der Religionen; dass sie zur Ausübung ihrer metaphysischen Macht den Menschen um sein Ureigenstes bringen.
Auch Sie, Monsieur.
1000Küsse646nach
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Bataille Session, 24. Juli 2026
23.15/04.20, C. - Tickets only steht groß und deutlich über der Spur. Ich bin an der Mautstelle Bosrucktunnel.
Der RangeRover mit holländischem Kennzeichen schneidet seitlich von rechts herein. Ich muss scharf herunterbremsen. Sein Kennzeichen erscheint links auf der Anzeige-Tafel. Es leuchtet rot. Was heißt, dass er kein Ticket für diese Spur hat.
Worauf er aber offensichtlich scheißt.
Der Move beschwingt ihn nämlich. Er drängelt noch mehr; zieht rasch von rechts nach links und wieder zurück; wie ein Renn-Rookie bei seinem erst 5. Start.
Auf einer ausländischen Autobahn ist man eben immer Gott.
Wie ein Henker beschleunigt er dann weg, sobald die letzten Mauthäuschen und Schikanen passiert sind. Das Wegrasen toucht mich; als Handlungs-Akt, als Bedeutungs-Akt, der wie jede andere Symbol-Struktur Gehalt produziert. Ich liebe es, transkripiert mein ständig verzeichnendes Verzeichnen; es ist einfach geil.
Du bist grade mit Ezra und Tim beschäftigt und heute mögen die beiden es nicht, wenn wir telefonieren. Dabei wäre grade viel zu besprechen. Und Bataille will ich nicht schon wieder bei mir haben. Also bleibt nur Dein Alter Ego, Charlize Haber. Sie kommt auch schnell, als ich an sie denke. Sie trägt das schwarze Kleid, das Du unlängst im 80. Stockwerk abgestreifst hast: Kurz, viel Haut; nur zwei dünne Träger halten es auf den Schultern. Wobei der eine Träger ohnedies fortlaufend nach unten rutscht. Weshalb Charlize fast fortlaufend an ihm zieht
War das grade Aggression oder Lust?
Lust. Eine Lust, die aus der Überschreitung kommt.
Charlize ist gleich schnell wie Du. Natürlich; mittlerweile bist es ja auch Du.
Nicht mein Ding. Ich habe das nie ganz kapiert.
Was?
Warum Lust manchmal ein Taboo braucht, das sie überschreiten muss, um sein zu können.
Du bist auch kein Hysteriker.
Soll heißen?
Es ist eine hysterische Bewegung, ein Verbot zu benötigen, um an die Lust zu kommen.
Was wohl nicht falsch ist. Ich greife Dich immer gerne an, ganz ohne Taboo, und würdest Du jetzt tatsächlich neben mir sitzen, hätte ich schon lange hingegriffen. Weil ich Dich wahrnehme und Du mich in und mit einer ersten Qualiät erreichst, die seit Ezra und Tim etwas von einer Verausgabung des Leibes an das Leben, an ein Nächstes hat. An ein Sexuelles, aus dem dieses Nächste kommt.
Hysteriker:innen nehmen aber bekanntlich nicht wahr.
Es ist praktisch; ich muss nicht laut denken, damit Charlize mich hört. Ich brauche bloß zu denken. Und auf den Verkehr zu achten. Der läuft unterhalb von Liezen rund, Auch wenn noch unzählige andere holländische und deutsche Wägen nach Süden drängen.
Hysteriker:innen denken primär und ringen mit im Denken angesiedelten Verboten. Weshalb es so richtig lustvoll erst wird, wenn ein Verbot und eine Überschreitung dieses Verbots im Spiel sind.
Ich kann das nur glauben; erlebt habe ich das tatsächlich mein ganzes Leben noch nicht. Aber schon oft gehört, dass es so ist. Dass es sich beim richtig Geilen um den Bruch des Taboos handelt. Was jedoch verständlich wird, wenn man bedenkt, dass das autoritäre Wort dominiert und man erst einmal an diesem vorbei muss, damit sich die Lust oder sonst etwas Gespürtes einstellt.
Sind Sie nicht einfach ein Hysteriker, Monsieurt Bataille?
Jetzt muss ich ihn doch erst wieder herholen.
Gerade hatte ich ihn ja auch noch gehört gehabt; vor dem Tunnel. Der Heilige Eros. Gleich zu Beginn wird in diesem zentralen Werk weit ausgeholt und die Erotik mit dem Tod und dem Taboo gekoppelt. Sex ist nicht einfach entspannte, schöne Fortpflanzung. Und zwar deshalb nicht, weil uns in diesem das Sterben bewusst wird; die Diskontinuität des Einzelwesens. Am Sex sehen wir auch, dass der Preis der Kontinuität des menschlich Lebendigen eben genau diese Diskontinuität der Einzelnen ist. Weil die bestehen muss, damit es die genetisch effiziente sexuelle Fortpflanzung geben kann. Deshalb wird der Sex auch tabuisiert, weil er den Tod so präsent macht. Und deshalb kommt die Erotik hinzu; als das, was das Taboo bricht und auch brechen kann. Und so den Tod aushaltbar macht, überlagert. Weshalb jedoch Erotik und Taboo-Buch generell zusammen gehören; Erotik und Lust erst überhaupt aufkommen, wo ein Taboo gebrochen wird.
Eine schöne metaphysische Erklärung für etwas, wo es in Wirklichkeit nur um Hysterie geht, findest Du nicht?
Ich sage das zu Bataille, aber ich sage es in erster Linie zu Charlize und damit zu Dir; und ich kann nichts anderes, als das zu sagen. Weil ich gerade auch durch den Sex, der sich in das Schreiben einer Geschichte von Miteinander und Bezug eingeflochten hat, immer mehr in die Verausgabung komme; in die Verschwendung an die nächste Generation. Und die ist gut und der Tod ist belanglos und das Letzte, was diese Verausgabung und dieser ganze Gestus braucht, ist ein Taboo.
Ich gehe da mit, sagt Charlize, sagst Du, der die Träger des schwarzen Kleides durch die feine Vibration des Wagens nun auf beiden Seiten nach unten gerutscht sind.
Ezra und Tim produzieren aber auch fortlaufend Überschreitungen. Denk', wie oft sie trotz Verbots die Sesseln und die Bank zur Küchenzeile oder zum großen Buchregal schieben.
Die Träger rutschen noch weiter nach unten, während Du das sagst. Nur die Brüste halten das Kleid noch am Oberkörper. Schon wieder: herrliche Verausgabung.
Gut, dass Du das sagst. Denn daran kann man sehen, worum es bei solchen Überschreitungen auch gehen kann.
Tatsächlich ist Ezra in der Regel hartnäckiger als Tim. Wenn man den Kleineren lange genug ermahnt und eine gewisse Schärfe in die Stimme legt, hört er mit dem Verschieben des Mobiliars auf. Unlängst hat Timmi sogar selbständig die schon angeschobene Bank wieder in ihre Ursprungsposition gebracht. Ezra hingegen hört nicht auf; er grinst stattdessen seltsam ungläubig und zugleich herausfordernd selbstsicher und streift mich so mit einem Acting, das sich in mir als ein Wieso denn nicht? Ich tue doch nur transkripiert.
Und zwar? Worum geht es "auch"?
Um das Offenhalten der Verausgabung. Dafür ist die Überschreitung da. Ja, eigentlich NUR dafür.
Ich lasse Charlize und Bataille und die ganze Autobahn mit ihren holländischen und deutschen Fahrzeugen hinter mir, lasse Dein Kleid ganz nach unten rutschen und gehe mit Dir wieder in das 80. Stockwert; in dem Haus, das es nicht gibt; in der Stadt, die es nicht gibt.
Wieder ist da gleißende Sonne; wieder eine Nacktheit, die in dieser Sonne unsichtbar und zugleich überdeutlich wird. Du gehst einfach, ich mag das Anonyme, das Gleiten zwischen den Stockwerken, wie Du schon anmerktest, und ich folge Deinem nackten Schritt. Der ist fest und streunend, und das reicht, damit feine Erregung sich breit macht.
Mit dem Bild des 80. Stockwerks wird es noch pornografischer, hast Du letzte Woche gesagt.
Mit Deinem Bewegen passiert das. Weil es mit seiner Nacktheit und Festigkeit und in seinem Streunen etwas Überschreitendes hat; die Illegitimität des Stockwerk-Wechsels aufbringt, aber so auch die Verausgabung offenhält. Als unendliches Fließen nach vor, nach links, nach rechts, nach allen Seiten. Ein exzessiver, pornografischer Rest, der herausfordernd selbstsicher ein stilles Ich tue nur spricht. Und allein damit schon erregt.
Vermutlich ist das, dieses subtile Offenhalten der - sexuellen - Verausgabung, die erste Qualiät, mit der wir uns immer schon erreichen, schreibe ich Dir zu Mittag schnell in den Messenger hinein. Eine Vergeudung, die sich dann mächtig in eine Liebe aus Erzählen einfügen kann. Bis dann alles nur noch Verschwendung ist. OHNE offengehaltene Verausgabung, ohne deren generelles Offenhalten, das so wunderbar über den Sex geschieht, wird das aber nicht.
Ezra und Tim sind natürliche Verschwender, kommt mir dann in den Sinn, als ich die Message schon losgeschickt habe; noch nicht des Sexuellen, aber des Lebens und Tuns überhaupt. Ezra noch mehr als sein zwei Minuten jüngerer Bruder.
Weit wird der Weg, Jungs, bis daraus die verschwendende Liebe wird.
1000Küsse643nach
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Bataille Session, 23. Juli 2026
23.10/03.40, C. - So gut....
Du magst, was ich über unseren Sex geschrieben habe. Ich mag es auch. Weil es wir sind und weil es eine andere Lebensform beschreibt. Eine des Erzählens und des dabei Verausgabens, bis alles in Schönheit und Liebe blüht. Und sich im Sex weiterverausgabt. Weil der den Schwung des Erzählens aufgreift und zugleich die eigene Verausgabung mitbringt und sich beides aufaddiert und zu einer schönen, lustvollen, geilen Verausgabung wird, die sich nach vor verschenkt. Als Eröffner der Nächsten, Nachfolgenden, um die es dann immer eigentlich geht.
Ich merke die feine Erregung, die das in Dir produziert. Selbst durch die kleine Nachricht kommt sie hindurch, die mich am Tisch hier von Dir aus dem Bett drüben erreicht.
So gut....
Mich erregt das auch, doch es bleibt gerade nur, sich über diese Erregung zu erfreuen. Ezra und Tim haben sich schon längst an Dich gepresst; ihnen gehören Deine Arme und die Nacht.
Ich versuche erst gar nicht, DAS ALLES dem jungen Mann zu vermitteln. Oder sonst jemandem aus der Gruppe. Aber ich probiere es doch.
Ihr Sensation-Seeking können Sie nur mit einem...sagen wir: echten Interesse übersteigen. Oder mit einer Beziehung, in der es um ..... ja: Liebe geht. Um eine Liebe, die flasht. Und mit ihr der Sex.
Nieee! Gibt es nicht! Spätestens wenn ich mir etwas einwerfe, spinnt sie...
Vielleicht brauchen Sie sich dann nichts mehr einzuwerfen.
So läuft das nicht, das wissen Sie! Es ist einfach zu fade...
Wenn es echt flasht, ist es nicht fade. Das ist der Punkt.
Nieee! Gibt es nicht!
Der Normalzustand der heutigen Welt. Schau ihn Dir an, raune ich Dir deshalb ins semiotische Feld zu, und selbst wenn ich Dich jetzt nicht erreiche, weiß ich, dass Du mich gut verstehst. So lebt das Konsum-Subjekt, lass' ich Dich folglich antworten; es perfektioniert und verabsolutiert, was immer schon im Menschen steckt.
Ich mag noch nicht schlafen und hole deshalb Monsieur Bataille an meine Seite.
Ich gehöre dort nicht dazu, das war schon immer so, sage ich zu ihm. Bei mir gibt es eine eigenartige Schönheit der Geilheit, die idealerweise zu einer Geilheit der Schönheit wird. Was aber nicht immer so sein muss. Auch wenn ich mich in letzter Zeit sehr darum bemühe. Endlich, nach Jahrzehnten des Aufschubs.
Er sagt nichts, zieht aber, trotz seiner Form- und Ortlosigkeit, eine Taschenbuch-Ausgabe des Obszönen Werks aus der Brust-Tasche seines Sakkos.
Anderen mag das Universum anständig erscheinen, hebt er schließlich an; den anständigen Leuten erscheint es anständig, weil sie kastrierte Augen haben. Darum fürchten sie die Obszönität. .... Gemeinhin schätzt man die Fleischeslust unter der Bedingung, dass sie fade sei. .... Ich machte mir nichts aus dem, was man Fleischeslust nennt, weil sie in der Tat fade ist. Ich liebte das, was man für schmutzig hält,
Bataille hält inne und schaut mich an. Ich schaue zurück und sage was; auch, weil ich wohl etwas sagen soll.
Ich verstehe schon; IHRE Verweigerung an diese verzweifelten Menschen, die nicht aus dem Bezug zu anderen bekommen als die Notwendigkeit einer ewigen Steigerung der Dosis, welcher auch immer. Oder der Frequenz des Neuen. Was nur eine andere Art der Dosis-Steigerung ist. Und weiter?
Ohne sonst etwas zu sagen, setzt er wieder an:
Die übliche Ausschweifung hingegen konnte mich nicht befriedigen, beschmutzt sie doch nur die Ausschweifung selbst und lässt auf alle Fälle eine erhabene und untadelig reine Wesenheit unberührt. Die Ausschweifung, die ich kenne, beschmutzt nicht nur meinen Körper und meine Gedanken, sondern alles, was ich mir dabei vorstellen kann, und vor allem das gestirnte Universum- - - -
Ich verstehe noch immer, was er meint. Das Konsum-Subjekt bleibt in seinem Exzess bieder (und unglücklich), egal wieviel Koks im Spiel ist und wieviele Prostituierte es dabei besteigt. Solange es dann wieder, wie sagte der junge Mann heute in der Gruppe?, am Morgen doch brav neben seiner langweiligen Frau munter wird.
Wieso muss es aber deshalb immer schmutzig sein? So brachial dreckig bis in den Ekel hinein?
Kennen Sie einen anderen Weg?, hält mir Monsieur Bataille umgehend entgegen.
Im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es es nicht gibt, schreitet Dane den weißen Boden entlang. Stolz, klar, nicht zu schnell. Heute leuchtet es hier heroben so grell, dass ihre Nacktheit fast verschwindet; dass der Raum fast verschwindet und nur eine Lichtgestalt, ein Schreiten über bleibt. Und das ist auch fest und streunend, und vielleicht bewegt es sich nicht im 80., sondern schon im 81. Stock; im Fremden, im Überraschenden, fast Illegitimen, wo man ihm nur durch das immer grellere, blendende Licht wie einer unscharfen, aber anziehende Fährte folgen kann.
Feine Erregung und Schönheit kommen auf, als ich den Duft dieses Schreitens, dieses Schrittes schließlich einhole.
1000Küsse642nach
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Bataille Session, 22. Juli 2026
23.00/04.20, C. - Schreib' über unseren Sex.
Vorsichtig gleitet Dane von mir herunter. Ich atme noch schwer.
Schreib', wie er sich entwickelt hat.
Du setzt Dich im Schneidersitz neben mich. Ich mag es, wie sich Deine Schenkel dabei übereinander falten und sich kraftvoll spannen. Ich streiche mit meiner Rechten über die feste Haut.
Schreib' wie er war und wie er durch die Kinder geworden ist. --
Im Hotel in Linz liegen wir gleich unter der Nike von Samothrake, die am Dach oben steht. Die junge Nymphe in meinen Armen kann genießen und ich, ein entspannter Marsyas, genieße mit. Es passt etwas fundamental zwischen uns beiden; Sex ist Weiterreden mit anderen Mitteln, sage ich, und Wir sind ein Gespräch fügst Du, Hölderlin zitierend, hinzu. Zeus ist zufrieden; Lustvoller Bezug wie am Olymp; kein maßloser, projizierender Exzess wie in der Menschenwelt.
Wir ziehen nordwärts weiter. Ich habe die Thrombose überlebt; mein sexueller Körper, mein corpus sexualis, fast nicht. Unzählige zerstörte Gefäße; ich vermisse das mächtige Pulsieren und das große Fieber, das darauf folgt. Wir gehen an den portugiesischen Königshof. Dort ist Sex seit einiger Zeit zur Poetik geworden; zum grazilen Spiel der Worte, der Finger, der Leiber. Wir sind ein Gespräch, weiterhin.
Wir müssen nach Westen. Weil nun alles schon voll mit der Poetik der Zeichen ist: Alles beginnt mit Bezug. Und Bezug bedeutet, dass man im Bezogen-Sein und damit im Darstellen ist. American Semiotics; von drüben; von hinter dem dem großen Wasser. Sex wird damit komplex. Du erreichst mich wie am ersten Tag; meine fingertips auf Deiner Haut zeigen diese mich touchende erste Qualität an; und mein Davon-Berichten, von dieser Finger-Kraft, machen daraus erste Geschichten. Und die Geschichten wirken auf die fingertips und die Qualität zurück. Wir sind ein Gespräch; ein zunehmend erotisches. Und dieses Gespräch sind wir vor allem anderen.
Mächtig wächst der Bauch. Vorsichtiges Küssen, vorsichtiges Streichen; nur nichts auslösen; keine Wellen, keine Zuckungen. Viel zu wertvoll ist, was in Dir ruht. Doch die erste Qualität, Dein Mich-Erreichen, beginnt sich zu verändern. Lebenskraft sind der Bauch und die Brüste; überquellende Verausgabung will nun dargestellt sein. Wild springt deshalb der alte Marsyas wieder auf die Bühne; noch immer entspannt und doch zugleich gieriger als je zuvor. Genug Apoll geworden schreibt er nun seine Geilheit als Signatur unter das Wir sind ein Gespräch, also in die Geschichten hinein. Und technisch versiert und Technik nutzend kann er wieder Pulsieren und sich deshalb im körperlichen Echo der Erzähl-Grammatik mit der Göttin bewegen, die die Nymphe und den Königshof längst hinter sich gelassen hat. Heilige Paarung wie am Olymp; im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht, in der Stadt, die es nicht gibt. Wenn Ezra und Tim ihre Ruhe gefunden haben. Und wenn die Göttin streift; frei und wie sie es will. --
Bataille hört nur zu.
Von der Erotik ist es möglich zu sagen, dass sie die Bejahung des Lebens bis in den Tod ist, erklärt er dann.
Noch nie waren wir so viel Leben, noch nie waren wir so befreit wie jetzt; in der Zeit der Verausgabung; in der Zeit der heiligen Paarung.
Es gibt keine andere Rettung der Lebenswelt als diese, oder?
Ich frage das Bataille, weil er sich am radikalsten gegen die Systeme stemmt, von denen Habermas spricht und die die Lebenswelt kolonialisieren, institutionalisieren, regelmentieren. Bis alles in Algorithmen und Formalismen erstickt.
Nein. Es bleibt nur das Obszöne, Erotische, Geile; die Verausgabung, die im Sex so einfach wird. In Ihrem 80. Stockwerk; zumindest dort.
Das 80. Stockwerk verändert mich: und zwar grundlegend. Das heißt, bis in die Grund-Befindungen hinein.
Unser Befindungs-Gefüge ist wie ein Baum,sage ich zu Bataille. Auf einem Stamm wächst ein feines Laub-Dach, doch bis in jedes Blättchen wirkt die Struktur des Stammes nach. In so vielen Fällen ist die Krone nur eine Ausdifferenzierung aus Angst und Wut. Oder aus hungriger Gier, die sich für Lust und Liebe hält.
Und Ihr Stamm?
All das Schlechte, das eine hungrige Kindheit mit sich bringt. Doch wider Erwarten hat er sich doch noch gewandelt. Durch die verausgabende Erzählung. Durch die sich dann der verausgabende Sex zieht.
Von der Erotik ist es möglich zu sagen, dass sie die Bejahung des Lebens bis in den Tod ist, wiederholt Bataille nur.
Schreib' über unseren Sex. Schreib' wie er war und wie er durch die Kinder geworden ist.
Ich schreibe darüber. Und über die Lebenswelt, die wir so retten. Oder auch erst schaffen. Über die andere Lebensform, die wir so eröffnen.
Weil der Stamm dann Liebe ist; mitten im wilden Wald, im Gestrüpp aus Angst und Hass. Das in Systemen und Technologien und Zivilisationen seinen Ausdruck findet. Und dabei, bis zur Vernichtung von allem, die Welt überwuchert.
1000Küsse641nach
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Bataille Session, 21. Juli 2026
22.00/04.30, C. - Du verausgabst Dich schon wieder. Wahrscheinlich verschwendest Du Dich sogar.
Tim schreit wie am Spieß in seinem flachen Kinderbett. Und Ezra schreit in seinem.
Ein zu langer Tag. Und ein viel zu kurzer Mittagsschlaf.
Die beiden Betten stehen im rechten Winkel zu einander vor unserem großen. Jetzt ist gefordert, dass Du Dich zweiteilst. Ez hat sich schon an Deine Linke geklammert, und irgendwie wäre es passend, wenn Timmi Deine Rechte bekommen könnte.
Ich will nicht, dass Tim ohne Hand von mir einschläft.
Ich verstehe es undeutlich unter all dem Geschrei.
Irgendwie kniest Du jetzt in Ezras Bett. Und irgendwie hockst Du zugleich in diesem. Schließlich breitest Du so weit wie möglich die Arme aus. Bis beide Jungs gut nach Dir fassen können.
So sind wohl die Engel in die Welt gekommen.
Oder einfach die Gaben.
Gaben sind immer Verausgabungen, Verschwendungen. Weil Du Dich gerade an unsere Söhne gibst, gibst Du Dich auch an mich. Weshalb ich nach Dir fasse, nachdem ich mich aus Timmis Bett herausgesetzt habe und Du nun vorsichtig von Ezras Matratze kletterst. Ich lange nach Deinen Händen, vielleicht auch Du nach meinen, und dann küssen wir einander schon. Und während Du aufstehst, um nach draußen und zum Duschen zu gehen,
greifen unsere Hände noch einmal nach einander, und eine feine Kühle kommt auf meine Fingerspitzen, als sie Deinen Handrücken berühren. Und ich spüre die Kraft, die aufkommt, wenn wir uns zueinander ziehen und schließlich die Zungen einander berühren. Für einen Moment lang, will ich Deiner Aufsteh-Bewegung mit der Hand folgen und sie im Entlangstreifen zwischen Deinen Schenkeln landen lassen, aber eine solche Lust gehört gerade nicht an diesen Ort. Dennoch,
alles wird im Aufgreifen und Erzählen noch umfassender, üppiger; zu einer absoluten Verschwendung, die die anfängliche Gabe begeistert ergänzt und noch einmal gibt. An Dich, an mich, an uns selber. Als Bewegung der Verausgabung, die vor allem Bewegung ist.
Nur unser Fleisch kann diese noch verschwenderischer machen.
Komm'.
Ich ziehe Dich wieder in das Haus, das es nicht gibt; in der Stadt, die es nicht gibt. Ich ziehe Dich nach oben, bis ins 80. Stockwerk, wo mehr Himmel als Stadt zu sehen ist. Ich ziehe Dir das kurze schwarze Kleid herunter, unter dem Du nichts trägst.
Ich lerne gerade, dass ich eigentlich nicht begehre. Begehren will Befriedigung, Beruhigung. Ich will aber Verausgabung, Verschwendung. Deshalb mischt sich der Sex jetzt noch einmal gewaltig in unser Leben.
Du antwortest nicht. Aber Du entkleidest mich mit zwei Handgriffen und ziehst mich auf den blanken weißen Boden aus Stein hinunter. Wir beginnen uns zu bewegen.
Er ist die lebendigste Verausgabung, die lebendigste Bewegung, flüsterst Du mir noch zu, bevor es unpassend wird. Aber er kann das nur dort sein, wo man ihn das auch sein lässt....
...also in der Liebe, die mit der Erzählung erst sich selber findet, ergänzt mein ständig verzeichnendes Verzeichnen stimmlos hinzu; sogar jetzt. Also mit der Bewegung der absoluten Verschwendung. An die schmiegt sich dann der Sex, und gemeinsam sind sie Verausgabung und Verschwendung pur.
So wie wir jetzt.
Nichts ist mehr außer Glück.
Warum bringt sich der Mensch immer wieder um dieses Glück, Monsieur Bataille?
ER lebt auch hier heroben; im 80. Stockwerk, in dem Haus das es nicht gibt, in der Stadt die es nicht gibt. Er ist überall; im Stein des Bodens; in der Helligkeit des Lichts; in der Atmosphäre, die nach Sex schmeckt.
Weil die Menschen die Verausgabung nicht erkennen und verstehen.
Und was sind die Verausgabung und die Verschwendung?
Das Leben.
Ich weiß, dass er recht hat. Oder dass ich recht habe. Leben ist Verschwenden an eine nächste Generation, und wo man das erst verstanden hat, wird auch der Sex grandios. Er ist dann eine geile Bewegung zwischen den Zeiten; er ist dann das Leben, der das Leben weitergibt. Und jeder Orgasmus ist die Ankündigung des Endes dieser Weitergabe. Das dann eines Tages allerdings nichts mehr macht, wenn Leben bloß Verschwendung an die nächste Generation ist.
Warum bringt sich der Mensch aber um das alles, um so eine Lebensform? Warum bringt er sich um das Verständnis der Verschwendung?
Nicht alle Menschen bringen sich darum, antwortet ER. Oder SEIN 80. Stockwerk, mit diese Atmosphäre, die nach Sex schmeckt. Nach geiler Bewegung zwischen den Zeiten.
Nur der Metaphysische Mensch tut das. Weil man ihm das gestrichen hat. Damit er vergesellschaftet funktioniert. Sex als Leben, Sex als Zeit, Zeit als Sex braucht keine Gesellschaft; es braucht dann nur die Generationen und die Verschwendung an sie. Damit lässt sich aber kein Staat machen; keine Herde organisieren; keine Politik der Macht betreiben. Was aber alles besonders jene benötigen, denen sich Leben als Verausgabung entzieht.
Du drehst Dich von mir herunter.
Wie gut Du in dieses 80. Stockwerk passt.
Einige Monate nach unserem Kennenlernen träumte ich uns hier. In dieser Atmosphäre. In dieser verschwenderischen, geilen Bewegung zwischen den Generationen. Die ich erst allmählich erkenne.
Wir sind angekommen, Heißgeliebte.
1000Küsse640nach
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Bataille Session, 20. Juli 2026
22.45/04.20, C. - Ezra klappt den Sitz im neuen Bollerwagen nach oben. Ich schiebe die beiden grade durch die Allee. Ich weiß nicht, wie er auf die Idee kommt, dass das geht. Es geht auf jedem Fall. Und er kann sich damit hinstellen und wie in einem Bus an der Wand lehnen. Nur dass die Scheibe fehlt.
Wie kommst Du nur immer auf all das?
Tim muss das natürlich auch machen, und schon stehen die beiden einander in dem länglichen Gefährt gegenüber. Jeder unter seinem Sonnendach, jeder mit dem reissfesten Oxford-Netzgewebe (Unbedingt und nur das!, wie das Amazon-Bewertungssystem weiß) im Rücken, durch das man auch nach draußen sehen könnte. Nimm unbedingt so einen mit eigenen Dächern, hattest Du gesagt gehabt; Klar, gerne, verstehe ich, hatte ich geantwortet.
Am Ende der Allee ist Hinten-Anlehnen und nur Einander-Ansehen langweilig. Tim hat als erster die Idee, sich an die lange Seitenwand des Bollerwages zu stellen und sich hinauszulehnen. So wie Zugreisende das früher an den Zugfenstern taten; früher, als Zugfenster noch zu öffnen waren. Ezra stellt sich aber gleich dazu, und weil das wirklich lustig aussieht und die beiden Jungs auch noch zu winken beginnen, gehört ihnen bald die ganze Straße.
Ihr seid solche Clowns, Jungs...
Indem ich das nicht mit einer ärgerlichen Schärfe sage, sondern dabei lache, tangiert es die beiden nicht. Sie winken begeistert weiter. Deshalb:
Tuscheln der Sitzenden beim ersten Cafe, das wir passieren;
amüsiertes Lachen an der Straßenbahnhaltestelle.
Sind diiee süß sagt eine Frau Ende 30 zu ihrem Partner und dem Rest der Familie, die im Vorgarten der Bäckerei sitzen. Ich tue so, als ob ich es nicht hören würde, grinse aber doch.
Sie sind ja auch supersüß, die beiden. Und sie wissen, ihre Performance noch zu steigern:
Vor vollem Publikum lässt Ez sich schließlich auf den Boden des Wagens fallen. Tim fällt kreischend über ihn. Und er fällt immer wieder, nachdem Ezra jedes Auf-ihn-Fallen seines Bruders mit brüllenden Gelächter quittiert.
Jungs, bitte...
Auch die Leute vor der nächsten Location lassen sich anstecken und lachen mit, als sie das Gewusle im Wagen sehen:
IIIIiiiiiii; Tim plumpst nach vorne.
Haahhaah quietscht Ezra, als sein Zwillingsbruder auf ihn fällt.
Ihr verausgabt Euch, Jungs.
Was auch hungrig macht, weshalb ich ihnen ein nächstes Stück von dem frisch gekauften Brot gebe.
Ihr seid Meister der Verausgabung. Nicht der Verschwendung, sondern der Verausgabung. Ihr verausgabt Euch mit und an den anderen.
Was ich gut kenne.
Wir sind erst ein paar Wochen zusammen. Aus nicht ganz verständlichen Gründen wächst eine Vier-Etagen-Thrombose in mir; ein paar Stunden vor dem drohenden Tod erkennt man erst, wie ernst es ist. Über eine Woche lang darf ich mich in der Klinik nicht bewegen; ich überlebe, und Du bist bei mir. Täglich. Täglich für mindestens sechs Stunden. Bei täglich wenigstens zwei Stunden Fahrt. Doch Du kommst und bringst: Nähe, Zärtlichkeit, Durchhalten. Verausgabung ohne Ende.
Und ich lasse mich mitreissen; gebe zurück, was ich kann. Liebes-Briefe. Sex-Briefe. SMS-Sex-Talk die halbe Nacht, nachdem Du wieder gefahren bist. Die Verausgabung, unserer Verausgabung, rettet mich.
Weit über ein Jahrzehnt später verausgabst Du Dich noch immer. Als ich mit den Jungs im Bollerwagen zurückkomme und die Tür aufsperre, hast Du den Sport schon hinter Dir. Gerade beugst Du Dich über den Geschirrspüler und gibst etwas hinein. Ja hallo! sagst Du begeistert, als Du uns merkst, und alles ist voll mit Kraft und Bezug, und mich trifft dann auch gleich noch Dein Sexus; so wie immer; so wie immer seit dem ersten Tag. Wo so viel Verausgabung ist, wird sie auch bei den Kindern sein.
Wissen Sie was, Monsieur Bataille?
Ich reibe mich gerade an ihm im Semiotischen Feld; auch täglich.
Ihre Ökonomie der Verausgabungist mir wahscheinlich wichtiger als all die Tränen des Eros, um die es Ihnen meist geht. Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass mit dieser Ökonomie alles anfängt.
Er bleibt heute gesichts- und formlos, bringt aber seine von mir geborgte Stimme ein.
Keine rhethorischen Bewegungen bitte; sagen Sie gleich, was Sie denken.
Bataille eben.
Am Anfang einer gelingenden Beziehung oder Begegnung steht ein diffuses Angesprochen-Seindurch eine diffuse Qualität. Irgendwie ist diese sexuell und geht dem Sexuellendoch auch vor. Ich meine, mittlerweile verstanden zu haben, dass diese Qualität eine Ankündigung der Verausgabung ist.
Ich halte kurz inne.
Auch keine rhethorischen Pausen bitte....
Gut. Zwischen einem Mann und einer Frau - ich spreche als Heterosexueller - kann es passen, weil sie einander in der Verausgabung begegnen. Weil sie einander sehen und sofort bereit sind, sich aneinander zu verausgaben. Sex ist auch Verausgabung, deshalb verfließt das ineinander, aber es geht eigentlich um die Verausgabung. In der passt man eben zueinander; sie hat die gleiche Qualität, und die kann man wahrnehmen, und so weiß man, dass es auf das verausgabende Lachen und Greifen und Reden die gleich verausgabenden Antworten geben wird. So lässt man sich aufeinander ein.
Schön. Aber sagt meine Ökonomie der Verausgabung etwas anderes?
Ich gehe auf Dich zu. Ezra und Tim haben sich schon aus dem Bollerwagen herausgearbeitet und umkreisen Dich.
Liebe ist ganz einfach, wenn sie mit der Verausgabung beginnt. Und sich dann weiter verausgabt. In der Reibung, die jeder Bezug erzeugt, und schließlich, in der Erzählung, die jede Beziehung etabliert. Besonders diese wird dann wichtig, weil in der Erzählung alles feiner und genauer wird; sich verästelt und ausbreitet und man einander eben erst und vor allem versteht. Womit eine Verausgabung in und aus Sinn hinzukommt.
Täglich verausgaben wir uns deshalb mit Zeilen und Schriften aneinander. Weil dann erst die Verausgabende Liebe zur Einnehmenden und Bestimmenden Liebe wird.
Ich kann mir das alles nur denken, während ich Dich irgendwie zwischen Ez und Timmi zu fassen versuche. Für einen Kuss, für eine Hand auf den Rücken; für Dein Greifen nach meinem Arm. Aber ich werde es Dir später erzählen, Dir es in der Nacht schreiben. Ich werde uns erzählen.
So, wie wir das immer tun.
1000Küsse639nach
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Bataille Session, 17. Juli 2026
23.15/04.30, C. - Gleich wird es eng.
Weil Ebelsberg einfach eng ist. Ein Straßendorf, das in die Stadt eingwachsen ist. Hübsche alte Bürgerhäuser auf beiden Seiten der Durchzugsstrecke; links am Hügelrest der Rest des Schlosses, das Napoleon zusammen mit dem Hügel schleifen ließ. Behauptete zumindest S., mit dem ich mich vor bald einem Jahrzehnt hier herumtrieb; in der Dorf-Enge, die speziell die Straßenbahn aufbringt. Weil sie rechts noch zwischen Straße und Häuser hineingezwängt wurde. Rasch ein Stückchen Urbanität aufs Land. Wozu auch immer.
Ich bin jetzt auf der Brücke Jetzt wird es eng.
Kein Sex-Ort für Dich.
Ich mag das städtische namenlose Bewegen, hast Du mir am Vormitag geschrieben, um die Bataille Session des Tages inhaltlich zu bestätigen. Die reine Bewegung. Ich mag das Spiel der Stockwerke, des Versteckens. Des Gleitens.
Making love not by choice but by chance heißt DAS im Letzten Tango in Paris einfach.
Ich kann mir ein solches Chancen-Spiel nur erschreiben. Wenn der Drive sich einstellt, wenn die aufflackernden fleischlichen Bilder oder Diagramme ihm eine erste Form geben, daraus ein Duuu... folgen lassen; wenn man noch einmal den Tag erzählt und zu viert mit den Jungs am Arm durch die Stadt läuft und Danes Bewegungen das Duuu.... aufsaugen; dann, dann erst, flirrt alles mit dem Drive und den Bildern und was von ihnen geblieben ist: ein atmosphärischer Gehalt, ein Beat, der da ist, wenn man dann endlich hingreift. Dann ist auch bei mir not by choice but by chance, und auch andere wittern, lesen das. Und jeder nächste Griff, jeder Touch, jedes Komm auf mich.... ist dann dieser Beat, der Rhythmus, die Bewegung.
Ich bin jetzt eingepfercht zwischen anderen Autos, einem urbanistischen Dorfleben und einer Straßenbahn, die rechts von mir dauernd aus dem Hintergrund auftauchen kann. Und das auch immer wieder tut. Überraschend und unerwartet wie es ein Viehtrieb in einer Big City Innenstadt wäre.
Mir ist der Ort egal; ich könnte mich auch hier bewegen. Alles liegt am Zusammenspiel von Drive, Bild, Erzählung, Sprache. Insofern weiß ich nicht, ob wir vom gleichen Bewegen reden.
Und ich kann Dich das auch nicht fragen, als Du jetzt anrufst.
Es geht gut mit M.; grade waren wir am Spielplatz; Ezra und Tim hatten so eine Freude mit ihr.
Ein erstes Wiedersehen nach vielen Wochen. Mit G. ist M. auf einer Art Welt-Hochzeitsreise; aufgeteilt auf Etappen und Monate und einem nach Hause kommen dazwischen.
Weißt Du, was neu ist? Dass Ezra und Timmi jetzt ohne Unterbrechung erzählen. Sie haben M. alles mögliche gezeigt und dabei auch vieles vorgezeigt; etwa, wo neuerdings die Bücher hinzustellen sind. Und alles war fortlaufend begleitet von einer Erzählung. Nur vom Klang her; es fehlen die Worte, die Vokabeln; sicher. Und auch der Sprachfluß ist wohl nur eine klangliche Simulation von grammatikalischer Bewegung. ... Aber telefonieren wir später, es geht grade nicht wirklich. Ich küsse Dich!
Ich Dich auch.
Dabei wäre telefonieren grade gut gegangen. Weil in Ebelsberg nie etwas weitergeht. Weil dauernd irgendwer die Straßenbahn kreuzen möchte und sorgfältig checkt, ob sie gerade wieder unerwartet und schnell im Dorf auftaucht.
Alles fängt mit Pornografie an, raune ich da plötzlich vor mich hin. Denn dieses nackte, Laut-förmige Nachmalen der Erzähl-Welt ist auch wieder der pornografische Gestus.
Rede keinen Blödsinn.
Charlize Haber; schon wieder. Sie hat neben mir Platz genommen. Sie denkt wir Peirce, auch wie Habermas, sieht aber mit jedem Auftreten mehr wie Du aus. Durch das weit ausgeschnittene weiße Top sehe ich Deine zarten Brüste schimmern.
Es ist umgekehrt. Pornografie wiederholt diesen anfänglichen Akt jeder Zeichen-Bildung.
Ich bin heute mehr Zuhörer und sage und kommentiere auch jetzt wieder nichts. Aber sie hat natürlich recht.
Gerade vorhin, bis zur Brücke von Ebelsberg, hatte sich Bataille wieder ausgetobt gehabt. Großartig vorgelesen ging es um Simone, die nach ihrem Fahrrad-Sturz vom jungen Bataille oder wem auch immer gepflegt wird. Zufällig landen erste Eierschalen im WC, dann ganze Eier, und dann zerrinnen letztere schon in der WC-Schüssel. Es wird auf sie gepisst, und in der Phantasie wird deshalb die vermisste und bei jedem Orgasmus pissende Marcellle auf Eier gebettet. Bis nur noch Masse über ist und alle vor Geilheit pissen und spritzen.
Siehst Du, eine erste Form-Gebung; Bilder, Diagramme für sexuelle Grund-Spannungen.
Charlize kommt jetzt in Fahrt.
Es ist wie Grammatik mit Lauten nachmachen, simulieren. Nur dass statt Lauten hier Diagramme genutzt werden; Piktogramme, die aber nicht viel mehr als Laute sind. Piktogrammische Laute, die irgendwas mit Eiern, mit Fruchtbarkeit und damit mit Sexualität zu tun haben. Wie Laute etwas mit Grammatik zu tun haben.
Ich - heute nur der Zuhörer. Und der, der auf die Bluse schielt. Und auf die Beine, die in einer kurzen Hose stecken. Daneben gibt es auch noch den Verkehr. Gerade hat sich der Abbieger zu dem gefährlichen Manöver entschieden, hinter der Straßenbahn endlich nach rechts abzubiegen.
Aber, vielleicht ist alles noch komplizierter.
Bisher hat Charlize nur nach vor gesehen. Jetzt dreht sie den Kopf zu mir und sieht mich herausfordernd an.
Was, wenn etwa Melanie Klein recht hat? Was, wenn die Entwicklung der Zeichen, der Grammatik und die des Sexuellen zusammenfallen? Wenn es gerade die Spannungen des Drive und die mit ihm verbundenen Ängste sind, an denen sich die Semiose entfaltet? Was also, wenn es im Menschen eine Co-Evolution von Sprache und Sexus gibt?
Dann sind wir ewige Pornografen, die hoffentlich auf den Weg des Erzählen kommen, auf dem dann auch die Erotik lebt.
Jetzt habe ich doch etwas gesagt. Und das muss ich Dir noch weiter sagen, aber Du bist grade mit Ezra, Tim und M. am Weg vom Spielplatz zurück in die Wohnung. Aber später dann. Oder morgen.
Klein hätte vermutlich gesagt, dass Ez und Timmi deshalb noch immer nicht reden, weil die Verarbeitung der Trieb-Angst ausbleibt. Zu der immer auch die Verlust-Angst gehört.
Vielleicht sollte ich mit den Jungs über ihre Trennungs-Ängste reden, rufe ich Charlize nach; zwecks Sprache lernen. Sie hängen nur noch auf Dane.
Not by choice but by chance höre ich Charlize antworten, während ein feines Tappen ihren Gang in ein nächstes Stockwerk verrät.
1000Küsse636nach
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Bataille Sesson, 16. Juli 2026
03.40, C. - Der Text....
Du bist unsicher. Fast verlegen. Wir liegen auf dem Kindersofa, das aus zwei Matratzen-artigen Teilen besteht. Auf jedem befindet sich eine Dreiecks-förmige Nackenrolle.
Willst Du ihn so veröffentlichen?
Schon.... Ist er zu intim?
Ich richte mich ein wenig auf und nutze die Nackenrolle als Stütze für den Rücken. Du tust das ohnedies schon die ganze Zeit.
Nicht als Literatur. Doch als Literatur gehört er in einen eigenen literarischen Konext.
Den gibt es nicht.
Dann erfinde ihn.
Ezra kommt mit seinem angefangenen Fläschen angelaufen und wirft sich auf Deine Schoß. Timmi ist dezenter und setzt sich mit seinem ans Ende meiner Füße.
Gut. Ich erfinde die Bataille Sessions.
Hier und jetzt, während wir hier liegen. Natürlich entstehen die ohnedies schon seit anderthalb Monaten, aber jetzt bekommen sie einen eigenen Namen. Und einen eigenen Ort. Ich wollte sowieso die Schauplätze der Schrift lebendiger machen. Mit einer Art Blog darauf; eine gute Gelegenheit, das jetzt zu tun.
Was ich aber nicht sage, weil das alles schneller passiert, als ich es überhaupt formulieren kann. Aber ein Thought without a Thinker hat sich damit bereits breit gemacht. Und ein anderer, konkreterer Gedanke auch:
Vor allem der Ort ist mir zu genau, hast Du gesagt.
Gut.
Im 80. Stockwerk,
In dem Haus, das es nicht gibt,
In der Stadt, die es nicht gibt,
wird ein Mädchen steh'n.
Es wird warten auf den Mann
Es wird fragen wann, endlich wann
Wird er da sein?
Die alte Knef, vor bald 20 Jahren; kurz vor dem Tod. Fast gerappt hat sie diese Zeilen; ich war damals hin und weg. Ich werde ein paar dieser Zeilen borgen und Dich und mich dort intim sein lassen. Im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt. Ein schönes Spiel der Schrift; Symbole, die symbolischen Gehalt akzentuieren. Kein Fleisch, keine Gier. Ich freue mich darauf, den Text zu ergänzen, als ich zuerst Tim und dann Ezra in die Wanne stelle. Das tägliche Ritual jetzt; ein Standing-Wash an der laufenden Amatur. Mit Becher anfüllen und Becher ausleeren. Beide sind konzentriert und tiefenentspannt dabei. Und zeitweise gerate ich wohl in Vergessenheit. Dane auch, nach der Ez ausnahmsweise nicht gleich weinend ruft, wenn sie seine Nähe verlässt.
Jetzt ist es noch pornografischer.
Ich habe Dir die veränderten Passagen geschickt. Im 80. Stockwerk bist Du jetzt nackt und klppst die Beine auseinander.
Ich finde die Passagen schön, schreibst Du mir vom Bett an den Schreib-Tisch, aber auch noch geiler.
Echt?
Die Großstadt...
Du wirst allmählich müde; es ist nicht die Zeit für eine Debatte. Und Monsieur Bataille hat darauf wieder einmal nichts zu sagen.
Sie sind ein Großbauern-Sohn, schreibe ich ihm ins Semiotische Feld; und wenn man ganu hinsieht, bleibt ihr Begehren und Genießen immer sehr ländlich. Ich sehe das gerade richtig klar. Wir sind stets in einem Stall; auch wenn Edwarda halb nackt durch die Stadt irrt und nach Ihnen oder Ihrem Alter Ego langt, während sie sich auf dem Schoß des Taxifahrers befriedigt. Unabhängig davon, dass es Fleisch ist, das auch Fleisch sein soll, Pornografie also - es bleibt ein Stück Stall-Posse.
Draußen fangt es allmählich zu donnern an. Ein Nachtgewitter zieht auf. Aus der Dunkelheit kommt Charlize Haber auf mich zu; sie scheint sich in meinem ständig verzeichnenden Verzeichnis zu etablieren. Wortlos wie eine Figur aus einem Lynch-Film nimmt sie am Schreib-Tisch neben mir Platz.
Ich höre.
Ich hebe den Kopf nicht, als ich das sage, und tippe weiter.
Wie Du richtig festgestellt hast. "Das 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt" - ein schönes Spiel der Schrift. Symbole, die Symbol-Gehalt akzentuieren. Schrift-Bewegung. Wie der Blick auf den Leib, auf das Fleisch, der im Rhythmus der gemeinsamen Bewegung endet.
Schweigen. Kein Wort mehr.
Die Großstadt; das 80. Stockwerk; die Anonymität, die Löschung der Gesichter, die Möglichkeit der reinen Bewegung. Richtig?
Ich schaue dabei nicht auf.
Charlize steht auf und geht in die Dunkelheit zurück. Kurz dreht sie sich um.
As long as we're nameless our bodies are blameless.
Ein schmamloses Flüstern.
Ich kenne es; Der letzte Tango in Paris; vielleicht radikaler als Bataille; in jedem Fall aber urbaner.
Die Spur Deiner Lust trägt mich in die Nacht hinein. In Bions Love, Hate, Knowledge - Spiel gewinnt Love gerade haushoch; wie immer, seit der Sexus wieder in das Erzählen hereinwuchert und 80. Stockwerke aufbringt.
Wir sind einander nah wie nie zuvor.
Die Bataille Session wachsen und ich halte sie in kräftigem, Blut-vollen rot.
Mein Geschenk zur Nacht, meine Heißgeliebte.
1000Küsse635nach
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Bataille Session, 15. Juli 2026
23.20/04.20, C. - Unsere Unterleiber drücken sich gegeneinander. Ich habe dabei Deinen Bauch im Blick. Ezra und Tim haben ihn verändert. Er ist schlank, aber nicht mehr Stahl-gleicher Muskel. Er ist weicher, wohnlicher. Leibes-Form statt Leibes-Form-Negierung.
Du bist so was von Frau....
Du sagst nichts, doch Deine Bewegung wird intensiver.
Erfinden wir uns neu.
Dane musst ihre Beine leicht anwinkeln auf dem Lager im 80. Stockwerk in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt. Und wahrscheinlich nie geben wird. Damit sie nicht über die seidenen, kreisrunden Laken hinausstehen.
Wir haben in der unmöglichen Stadt einen Platz für uns gefunden, gibst Du mir zur Antwort. Du lässt dabei das angewinkelte linke Bein zur Seite kippen. Das unterstreicht Deine Nackheit.
Darauf wollte ich nicht hinaus.
Sondern?
Ich zögere kurz.
Wir haben uns eigentlich schon neu erfunden.
Hm?
Du liegst weiter am Rücken, stützt Dich auf Deine Ellbogen und Unterarme und hebst den Oberkörper leicht an. Damit Du den Kopf weiter zu mir nach links drehen kannst. Ich mustere wieder den Frauen-Bauch.
Es war lange Zeit sehr touchy und entladend zwischen uns. Jetzt ist Transformation. Das Gierige, Fleischige, Nackt-Pornografische, das sich zur Bewegung wandelt. Um dann vor allem Bewegung zu sein. Wie vom Piktogramm zur Schrift. Semiose, auch in der Intimität.
Du drehst den Kopf wieder nach vor, hebst dafür aber Deine linke Hand, Der Ellbogen bleibt Auflage; die Hand dreht sich zu mir und greift nach meiner Hüfte.
Die Heilige Bewegung, füge ich hinzu. Weil es tatsächlich etwas von Schreiben und Schrift und damit von Sinn-Produktion hat.
Du streckst Dich durch.
Die Große Kraft; nach der Lust, sagst Du in Deinem Strecken. Eingebettet mitten in das Erzählen, das wir sind. Das macht neu, ja.
Nur wie ein Hauch liegt Deine Hand auf meiner Haut. Ich hebe meine Rechte und streiche über den begehrenswerten Frauen-Bauch.
Es ist gut, dass Du nicht einfach Kinder zeugen kannst.
Meine Streich-Bewegung stoppt. Ich drehe meinen Kopf so weit, dass ich Dir ins Gesicht schauen kann.
Wie meinst Du?
Wir wären herrlich unvernünftig. Wir hätten viele Kinder. Und Du hättest noch unzählige aus früheren Jahren dazu.
Heiteres Lachen; von Dir, aber auch von mir. So hat man wahrscheinlich in vor-monotheistischen Zeiten gelacht, wenn es um den Sexus und das Leben ging. Vor der Zeit der reglementierenden Viehzucht und ihrem Kosmopolis-Echo der (männlichen) Weltendeuter. Die die Ordnung der Herde dann auf buchstäblich alles übertrugen.
Wieso kommen Sie nie bis zu diesem Punkt, Monsieur? Oder erreichen Sie ihn dann doch irgendwo?
Ich bin versucht, Bataille an den Tisch unter den seltsamen Konleuchter zu setzen, während wir hier fast schon im anderen Eck des Raumes liegen. Aber wer weiß, was er dann für eine Geschichte des Auge aus uns macht. Sicher irgendeine über Danes Arsch, an dem sich sein Blick festfrisst. Und ich reibe dann wahrscheinlich irgendwie an mir herum. Ich rede deshalb bloß ins Semiotische Feld. Und zögere nicht, polemisch zu werden.
Daran scheitert die ganze Moderne, Monsieur. Und die Postmoderne gleich dazu. Sie kommen in ihrer Revolte nur bis zur Pornografie und bis zum Perversen, das zeitweise seine Apotheose erfährt. Aber sie tun sich schwer mit der Bewegung, der Schrift, mit der Echten Paarung, die der wirkliche Aufschrei gegen das metaphysische Erbe ist. Keine Seele, kein ewiges Leben, nur sich verausgaben in der Großen Kraft, die zum Nächsten Leben führt. Die also den Lebensprozess weiterträgt und sich darin genügt.
Die Ökonomie der Verausgabung ist doch genau mein Thema....
Das kommt überraschend und spontan. Monsieur Bataille grinst dazu süffisant und souverän in einem.
Wie soll die aber noch wer verstehen, wenn man nicht mit den Ärschen und ihrem Triefen beginnt? Sie fangen auch mit dem Gierigen an, das sich transformiert, oder?
Wir sind mit dieser Debatte noch lange nicht fertig, ich weiß es schon jetzt. Doch wenn es ein Leben nach dem Elend des konsumatorischen Postmodernismus geben soll, dann muss es sich genau um diese Debatte entfalten. Das weiß ich auch.
Wir gehen nach drüben. Ezra und Tim schlafen noch in ihren Wippen. Du nimmst von Ez die leichte Decke, hebst ihn hoch und trägst ihn vorsichtig in das große Bett. Dann legst Du Dich zu ihm. Ich wiederhole das gleiche mit Tim, der beim Tragen einmal kurz aufquietscht.
Beide stehen jetzt schon beim Duschen selbständig in der Wanne. Sie drehen das Wasser auf und wieder ab und befüllen ihre großen Becher. Jeder leert sich den seinen über die Brust oder über die Füße. Bis zur Schulter heben klappt noch nicht.
Lassen wir sie, bis sie von selber nicht mehr wollen.
Gut, ich bin dabei.
Es wird Zeit, Jungs, sage ich dann doch nach 20 Minuten, als die begeisterte Verausgabung kein Ende findet.
1000Küsse634nach
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