AutoFiktion / AutoFiction (The Bataille Sessions)
Ein Neues Lieben.
Eine Liebe, die aus dem Erzählen wächst.
Und in die dann der Sex einwächst. Als Fleisch, das sich in Bewegung transformiert.
Davon erzählen die Bataille Sessions.
Die Bataille zugleich dekonstruieren. Und zugleich noch einmal eine ganz andere Kultur versuchen.
In Deutsch, Englisch und Französisch.
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A New Kind of Love.
A love that grows out of storytelling.
And into which sex then grows. Like flesh that transforms into movement.
This is what the Bataille Sessions are about.
They deconstruct Bataille. And at the same time, they attempt to create an entirely different culture.
In German, English, and French.
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Un nouvel amour.
Un amour qui naît du récit.
Et dans lequel le sexe vient ensuite s’épanouir. Comme de la chair qui se transforme en mouvement.
C’est ce dont parlent les Bataille Sessions.
Qui déconstruisent en même temps Bataille. Et tentent en même temps de créer une culture tout à fait différente.
En allemand, en anglais et en français.
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Bataille Session, 28. August 2026
23.30/04.20, C. - Er liebt ihn; Tim liebt ihn.
Tim liebt Anselm, Ans, den Tigerkater. Gerade hat er sich nach dem Munterwerden zu ihm geworfen. Von der Bettmitte hinunter zum Bettende. Wo Ans zusammengedreht auf der Katzendecke liegt.
Und Ans liebt Timmi.
Du hast Dich aufgesetzt und lehnst Dich an den Bettrücken; links von Dir liegt Ezra, noch im letzten Morgenschlaf. Du schaust den beiden gerne zu, wenn sie sich aneinander kuscheln. Und ich tue das auch. Weil es ein Schauspiel erster, selbstgewählter Intimität ist.
Tim drückt sich mit der Wange an den Rücken von Anselm, während er mit einer der Hände nach den großen Ohren des Katers greift. Und als Orientalische Kurzhaarkatze hat Ans wirklich große Ohren. An diesen wird dann vorsichtig gezogen und geknetet; so wie Tim auch an seinen eigenen Ohren zieht und dreht, wenn er sich beruhigen oder einschlafen will. Anselm genießt, was der Junge tut. Auch wenn es seltsam anmutet, wie Tim mit den Ohren spielt, ist er offensichtlich immens zart dabei. Weshalb der Kater fortlaufend schnurrt und bei anderer Gelegenheit von sich aus die Nähe des Kindes sucht.
Wie werden wir tun, wenn die Kinder dann auf der Welt sind?
Schon wieder stellst Du mir diese Frage, die auch mich regelmäßig zum
Nachdenken bringt.
Wir können es nur probieren; notfalls müssen wir sie wegsperren; also wenn
sie sich auf die Babies zu legen versuchen.
Keiner der beiden jüngeren Kater geht in die Nähe der Kleinen. Seit sie mit
Dane gemeinsam zu Hause sind, wacht Ans, der Leitkater, mit Argusaugen
über die Babies. Er sitzt in angemessenem Abstand, beobachtet, schnuppert
bei Gelegenheit an den Armen und bleibt dann wieder der Herr, der für die
neuesten und kleinsten Mitglieder seines Rudels das Territorium absichert.
Tim ist der erste, der den Kater aktiv wahrzunehmen beginnt, Nach einigen
Monaten kann er ihn sehen und versucht den Kopf nach ihm zu drehen, wenn
er ihn wahrnimmt. Er lächelt dann auch und versucht neugierig, nach dem
vorbeistreunende Kater zu greifen. Noch immer ist Ans' aktive Präsenz bei
Ezra und Tim ein Zeichen für die beiden anderen Tiere, dass sie Abstand zu
halten haben; die Kinder gehören zu seinem Nah-Raum.
Ich weiß noch, wie Katzen als sehr kleines Kind auf mich wirkten. Sie waren meine kleinen Brüder und Schwester, die mir aber zugleich rasch überlegen waren und mehr konnten und durften als ich. Speziell Katzen taten, was sie wollten, und sehr bald standen sie für eine eigene Freiheit und Natürlichkeit, die ich bewunderte. Vor allem an Ricky und Jaques'i, die die Schwester als ihre Kater betrachtete. Doch die beiden makellos schwarzen Wurfgeschwister gehörten niemanden und streiften bald wie zwei wilde drahtige Panther durch Gärten und Felder. Sie jagten auch gemeinsam, und wenn die Kraft zu groß und übermannend wurde, bestiegen sie einander wechselseitig und der eine saß schweigend da wie eine souveräne Löwin, und der andere darüber hatte den wilden Blick eines Löwen, der bestimmt und voller Willen und Kraft begattet. Tatsächlich habe ich diesen Gestus seither nie mehr in der Form gesehen; Ans dominiert und erniedrigt die beiden anderen zwar immer wieder, indem er sie besteigt; doch das hat nichts von der mächtigen Begattung, die Ricky und Jacques'i zelebrierten.
Zwei Götter-Kater.
Bataille hat Simone wieder irgendwo verloren oder was auch immer mit ihr gemacht. Heute ist er zudem wieder nur körperlose und lautlose Stimme und soll auch nicht mehr sein.
Sogar dazu hat er also etwas zu sagen.
Natürlich, weil genau das der Reiz des Tieres ist. Wie die Götter stehen sie über dem Gesetz; sie durchbrechen die Logik von Verbot und Überschreitung. Lustvoll vögeln gerade zwei wilde, mächtige Kater einander, die sonst wahrscheinlich auch hinter Weibchen her waren, richtig?
Richtig.
Sehen Sie, und genau das macht die beiden Kater noch mächtiger und stärker; so machtvoll und stark, dass Sie diese Szenen noch heute, nach weit über 50 Jahren, noch immer vor Augen haben.
In der Tat sehe ich noch immer das stolze Geschau von Jacques'i, als Ricky ihn auf dem weiten grünen Rasen nimmt und alle anderen Katzen respektvoll auf Abstand bleiben, aber um die beiden herum sitzen.
Sie leben Lust und Gewalt, fährt Bataille fort; so, wie wir Menschen das vielleicht gerne würden, aber nur in der Ausnahme-Situation der ritualisierten Überschreitung dürfen. Weshalb die Tiere für den frühen Menschen Götter waren. Und im alten Ägypten waren Katzen sogar ein besonders hoher Gott.
Er pausiert kurz, macht dann aber gleich weiter:
Und wissen Sie, wie die Tiere zu letztlich so großen Göttern werden konnten? Indem man sie AUCH opferte. Das mag als ein Paradox erscheinen, ist aber keines. Im Opfer findet nämlich die Gewalt und damit die Gesetzes-Ungebundenheit ihren Höhepunkt. Wodurch das einzelne Tier zwar vernichtet wird, aber zugleich seine Apotheose erfährt: Mehr JENSEITS von Gesetz und Überschreitung als im Gewalt-Opfer geht nicht. Das ist Götter-Sache.
Ich reibe mich an Bateille, aber natürlich finde ich ihn großartig. Tatsächlich waren Ricky und Jacques'i wie Götter für mich, und tatsächlich wares sie das, weil sie außerhalb aller Regularien zu stehen schienen.
Wahrscheinlich ist auch zumindest Ans für unsere Jungs so etwas wie ein Gott, schreibe ich Dir deshalb in den Morgen. Denn in seiner Souvereignität hält er sich an so gut wie keine Regeln. Will er auf den Tisch zum Essen, springt er auf diesen. Und will er sich zu mir an Gesicht legen, tut er das einfach. Und versucht es wieder und wieder, wenn ich das gerade nicht möchte und ihn wegschiebe.
Zum ersten Mal beginnt mir zu dämmern, weshalb unsere Kinder so gerne über alle Grenzen gehen. Weil wengistens ein Gott mit uns lebt, der das auch ständig tut und damit vorlebt
Insofern, schreibe ich Dir weiter in den Morgen, ist Tims Ankuscheln an Ans nicht nur seine erste selbstgewählte Intim-Beziehung, sondern auch sein erstes Gebet. Und der Ritus des Gebets ist das vorsichtige Kneten der Ohren des Gottes; das Beste, Zarteste und Beruhigendste, das man also zu geben hat. Und das für Timmi so am Ende vielleicht umgekehrt zu etwas Göttlichem wird.
Noch nie war ich bei Dir der Löwe, der rasch und wild und kurzerhand zufassend die Löwin besteigt.
Unvermutet von hinten, während Du etwa an der Spüle stehst.
Weil das Bataille-Erotik wäre; die Überschreitung, das Spiel mit dem Gott-Sein, in dem es um nichts geht als zu nehmen und zu kommen; das Herrliche Große Abspritz-Gebet also.
Aber ein Rest der Tier-Göttlichkeit ist auch im Esprit Narratif et 'Erotique und seiner Lebensform und Erotik noch über; wenn ich Deine Feuchtigkeit schließlich überall an mir habe und Du auch auf meiner Zunge bist.
In Deinem Ritt werde ich dann zu einem der beiden Panther-gleichen Kater, für die es, anders als die reglementierten Menschen, zwar keinen Gott gibt. Aber es gibt für sie die Lust an der Begattung, mit der man den Strom des Lebendigen am Leben erhält.
Und mit der ich dann auch Dich befalle; geil und von unten, in einem uralten, vorreligiösen Gebet.
1000Küsse678nach
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Bataille Session, 27. August 2026
22.50/03.40, C. - Heute geht alles schnell. Auch Dein Einschlafen.
Ich warte noch auf ein wenig Nacht-Talk, aber dann höre ich schon aus dem Nebenzimmer Dein ruhiges Atmen. Zu müde für alles; zu müde auf jeden Fall für Debatten; für einen Diskurs über den Esprit Narratif et Èrotique.
Aber den kann ich auch mit Bataille führen; der ist ohnedies der eigentliche Adressat.
Deshalb gehe ich mit ihm schon wieder durch Madrid. Mit ihm und Simone. Seid Ihr mit Eurem Spiel der Obszönitäten und Überschreitungen endlich fertig?
Ich frage das, obwohl ich die Antwort schon kenne.
Niemals, antwortet Simone diesmal, wir haben noch nicht einmal begonnen.
5 Stöße diesmal, zischt sie dann heraus, aber nicht von Dir.
Im gleichen Moment löst sie sich vom Arm Batailles, bei dem sie sich schon wieder eingehakt gehabt hatte, und rennt davon. Ihr beim Gesäß mittlerweile nasses Kleid macht nun auch die Formen und die Spalte des Hinterns deutlich sichtbar.
Bataille wirkt nicht überrascht und auch nicht beunruhigt.
Was hat sie vor?, frage ich ihn deshalb entspannt.
Wir werden es sehen.
Simone ist nirgendwo zu erblicken. Ich schaue, ob irgendwo eine weitere Hofeinfahrt oder sonstige Nische die Häuserfronten öffnet. An einigen kommen wir vorüber, aber in keiner befindet sich die junge Frau. Als wir bei der einen Stück weit offenen Tür eines alten Zinshauses vorbei kommen, ist ein rhythmisches Keuchen zu hören. Bataille macht einen Schritt auf die Tür zu und macht sie ganz auf.
Hinten links neben dem Beginn der Treppe drückt ein alter Penner Simone mit dem Rücken gegen die graue, vergammelte Mauer; ihr Kleid ist nach oben geschoben, seine Hose nach unten gefallen und sie umschließt ihn mit ihren Schenkeln auf Beckenhöhe. Bei jedem seiner hektischen Stöße keucht sie und presst sich zugleich mit ihren Armen und Handflächen fest gegen die Mauer.
5 .... hatte ..... ich ...... gesagt ... Du Arschloch .... 5 ......, keucht sie heraus.
Was er aber gar nicht hört, sondern wie besessen weiter macht.
5 .... keucht sie noch einmal, drückt sich dann von der Mauer so fest weg, dass der Alte nach hinten kippt und hart auf dem Rücken aufprallt und gepeinigt aufstöhnt, während sie geschickt auf den Beinen landet. Im Landen noch beginnt sie, auf Bataille zuzugehen.
5 .... habe .... ich ... gesagt ..... keucht sie noch immer, zeige ... ihm .... wieviel 5 ... bedeutet.
Deshalb mag ich Ihren Weg nicht, sage ich, als wir draußen wieder die Straße entlang gehen, der Weg von Gesetz und Überschreitung ist immer auch ein Weg der Grausamkeit.
Natürlich, antwortet Bataille sogleich, Simone nun die Hand über die Schulter legend und sie eng an sich drückend. Aber was wäre der Mensch ohne seine Graumsamkeit? Taboo, Bruch und Grausamkeitgehören zusammen. Das kennzeichnet Mensch-Sein; solange wir so leben, werden wir anderen beim Vögeln fast das Kreuz brechen und Gewalt sakrosankt verbieten, um dann im überschreitenden Krieg die Sau herauszulassen. Vielleicht ist das alles sehr krank, aber kennen Sie wirklich einen anderen Weg?
Ich bin kein sakraler Mensch; zumindest nicht im Sinne von Batailles Konzeption von Sakralität. Das entfaltet sich eben in der Dynamik von Gesetz und Überschreitung und die Grausamkeit spielt darin einen zentralen Part. Weil sich so die Überschreitung am besten und deutlichsten feiert. Und faktisch hat Bataille schon recht: Kein Heiliger Krieg ohne grenzenlose Massaker; kein Heiliger Sex, der nicht zur Orgie und zum übergriffigen Mysterien-Spiel verkommt.
Wobei ich glaube, dass Gesetz und Überschreitung immer schon die Schwundstufe von etwas anderem sind; dass Sakralität also lediglich der traurige Rest von etwas Vorlaufendem ist. Das man den Heiligen oder noch besser: den Ästhetischen Eros nennen könnte.
Und der liegt darin, dass ich gerne davon erzähle, wie wir uns zueinander
legen und ich Deine Armbeuge streichle, bis ein feines Seufzen beginnt.
Aa....guut....
Deine Feuchtigkeit beginne ich dann schon an den Fingern zu spüren; lange
bevor die sich noch in deren Richtung bewegen. Ganz weich ist sie, als ich sie
schließlich erreiche, und noch weicher wird sie, als ich schließlich in ihr bin.
Ein Ozean;
ist das schön....
Und doch ist es dann auch ein gutes, immer schneller werdenes Ficken, und
weil es in dem obszön, so herrlich fleischlich wird, wird der Ozean auch
unendlich tief. Endlos will ich mich in dieser Tiefe entladen,
Küss' mich, eine Flut ist nicht genug.
Das bricht sich dann wieder in ein geiles Lecken und Lutschen, von dem man
dann vielleicht noch weiter erzählt. Doch auch ohne dem ist viel; so viel, dass
ich im Schatten des Ästhetischen, Heiligen Eros zu Dir komme; nur ein Kuss
für Dich an den Hals: für Dich, großartig zwischen unseren Söhnen
eingenickt; mit dem ist dann heute schon alles gesagt und getan.
Gute Nacht, Monsieur Battaile, flüstere ich dann noch still und lege mich nach hinten; vielleicht ist es diese anfänglichen Ästhetik, dieses Brechen, dieses Changieren zwischen Fleisch und Bedeuten, von dem das Sakrale nur mehr ein lächerliches Zeugnis ablegt.
1000Küsse677nach
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Bataille Session, 26. August 2026
23.25/04.20, C. - Schon wieder haben sie Kieselsteine bei der offenen Glasschiebetür hereingeschmissen.
Du erzählst es ohne jede Empörung.
Bei der Wasserleitung der Küchenspüle waren sie auch wieder, heute mit zwei Stühlen.
Ein nüchterner Report; mehr nicht.
Und wenn ich was sage oder schließlich zu brüllen beginne, werfen sie nur noch mehr Steine. Oder drehen das Wasser noch heftiger auf.
Deine Bestandsaufnahme ist abgeschlossen. Und sie wirkt resignativ. Was sie auch ein Stück weit ist: Ezra und Tim werden bald 2 und damit aus Kleinkindern zu Kindern. Was auch bedeutet, dass sie die Gewalt und Gewalttätigkeit entdecken. Junge Männer eben.
Lasst das endlich!!
Ich schreie auch fast, als sie schon wieder die Sitzbank zum Bücherregal schieben; zu zweit ist das kein Auftrag für die beiden. Schon ist Ezra auf der Bank und dann bei den Büchern; Nein!!!, doch während ich ihn weghebe, ist Tim schon an seiner Position.
AUS JETZT!
Nun schreie ich wirklich.
Ich hebe auch Tim herunter; ein wenig fest und unfreundlich. Was ihm aber völlig gleichgültig ist. Er lacht nur und setzt zum nächsten Sturmlauf auf Bank und Bücher an, die Ezra beide schon erneut erobert hat.
HE!
Ich reisse ihn förmlich herunter; provokant grinst er mich dabei an; die ganze Schärfe meiner Stimme beeindruckt ihn nicht ein bisschen. Er will jetzt und er nimmt sich jetzt und niemand wird ihn stoppen. Was auch für Tim gilt.
Das nennt man Übergriff. Oder eben auch Gewalt.
Und natürlich ist es lächerlich und harmlos, was da passiert, aber darum geht es nicht. Sicher könnten die Jungs ruhig Wasser durch den Raum verspritzen oder noch mehr Kiesel in die Wohnung schleudern. Aber gerade mit Gewalt muss man als Mensch und speziell als Mann aktiv umgehen lernen. Ich arbeite vor allem mit Menschen, die das nicht lernten und mit denen niemand dieses Thema abarbeitete, und die Folgen dieser Bequemlichkeit will ich unseren wilden Söhnen ersparen.
Wie sie dabei grinsen.
Das irritiert Dich vielleicht am meisten. Dass man sie stoppt, reglementiert und nur ein amüsiertes Lachen erntet. Bevor die Aktion und der Fight in die nächste Runde gehen.
Ich war so nicht.
Ich auch nicht.
DUUUU!!!
Begeistert reisse ich den kleinen Topf voll mit Wasser an mich; auch wenn es vorhin hieß, dass ich das nicht darf. Ich kann aber und ICH, ICH will das jetzt. Weil es gut tut, danach zu fassen und ihn zu haben; das Können und die Kraft zu besitzen, so etwas zu tun.
DUUUUUUUUUU!!!!!
Die Ohrfeige links kommt hart, die rechts noch härter; aber am meisten schreckt diese unfassbare Wut, die von der Frau, der Mutter kommt. Sie nimmt mir fast den Atem und ich versteinere innerlich. Wieder einmal habe ich nur Angst und ein Reich der Schwärze geht auf. Besser nichts tun, besser nicht leben, alles bleibt am besten in mir.
Noch einmal: Die Menschen halten den Sex nicht aus.
Bataille. Schon wieder. Und immer mit der gleichen Leier.
Was hat das alles mit Sex zu tun?
Diesmal will ich mich wieder ganz auf ihn einlassen. Er soll auch Gestalt bekommen.
Prompt gehen wir durch irgendeine spanische Stadt. Vielleicht durch San Sebastian. Oder vielleicht ist es auch Madrid. Es ist egal. Er hat Simone dabei; sie hat sich eingehakt bei ihm und trägt nur ein dünnes Stoffkleid. Auf den ersten Blick kann ich sehen, dass sie darunter nackt ist. Sogar ihr Schamhaar schimmert durch das Kleid. Weshalb fast jeder der vorbeigehenden Männer sie anstarrt.
Merken Sie, wie Simone sie alle geil macht?
Ich antworte nicht darauf, sondern beobachte nur die junge Frau. Provokant blickt sie immer wieder auf die Passierenden, um dann rasch wieder stolz den Blick nach vor, auf ihre Strecke zu richten. An einer leeren Hofeinfahrt hält sie plötzlich an.
Komm', nur drei Stöße!
In der Hofeinfahrt drückt sie sich mit dem Gesicht, den Brüsten und dem Bauch gegen die Mauer und rekelt Bataille ihren Hintern entgegen. Er zieht das Kleid rasch hoch, öffnet blitzschnell die Hose und ist schon in ihr.
Drei Stöße, nicht mehr.
Wir gehen schon wieder die Straße entlang.
Es geht nicht um Gewalt oder Lust, fängt er plötzlich an. Das ist oft nur schwer zu trennen.
Dabei dreht er sich zu Simone und steckt ihr für einen Augenblick die Zunge tief ins Ohr. Sie grinst nur, hakt sich kurz aus und fasst ihm mit der freigewordenen Hand grob in den Schritt.
Komm', da links drüben; zwei Stöße.
Wichtig ist die Dynamik von Verbot und Überschreitung, fährt er fort, als wir plötzlich nach rechts in eine Querstraße wegbiegen. Damit regeln wir den Sex, aber auch die Gewalt bis hinauf zur Tötung. Und oft ist es nicht so klar, ob wir wirklich eigens die Gewalt regulieren oder nicht sowieso immer bloß den Sex. Denn wieviel Verlangen und Reiz steckt denn nicht auch in dem echten Krieger, der zum finalen Schlag ausholt?
...oder zum finalen Stoß? Komm, hier, jetzt; mitten auf der Kreuzung. Ich beuge mich einfach nach vor...
Wir regulieren den Sex, wir regulieren die Gewalt, wir regulieren über den Horror sogar die Angst. Und ein wenig fühlt sich das alles tatsächlich stets ein wenig gleich an. Weil wir über diese Regulationen mitsamt ihren organisierten Überschreitungen erst diese Ausformungen des Sex' oder der Gewalt produzieren, als die sie dann eben bestehen. Ohne diese Ausformungen bleibt alles meist völlig undifferenziert.
Ich weiß, dass Bataille hier richtig liegt, und ich weiß auch, dass die Erotik, die dann aufkommt, wenn der Sex in das Erzählen hineinwuchern darf, in das Erzählen einer Liebe, die gerade auch durch dieses Erzählen diese Liebe ist, einen wirklich weiten Weg darstellt. Dass sie eine, nur eine, komplexe Ausformung dieser ursprünglichen Undifferenziertheit ist. Auch wenn sie dabei gleichsam an eine ursprüngliche Fruchtbarkeit und ihre Erotik zurückfindet.
Weil ich das alles weiß, lasse ich jetzt Bataille auch mit seinem Schwanz in Simone auf der Straße stehen und kehre zu Dir zurück.
Verstehtst Du jetzt, warum sie beiden immer auch grinsen, wenn sie zu ihren kindlichen Gewaltakten ausholen? Weil es Gewalt UND Lust UND so vieles mehr ist, was wir noch gar nicht sehen. Doch vor allem ist es immer auch Lust; lustvolle Wirkkraft. Weshalb sie so schwer zu regulieren ist.
Dass ist es, was ich nach einer Nacht und einem Morgen zu all dem zu sagen habe. Bataille setzt zur Regulation auf das Sakrale, auf die Logik aus Verbot und Überschreitung; das, so sagt er nicht, aber legt es nahe, hat sich über Jahrtausende bewährt. Ich setze auf den heiligen Eros, der einer anderen Dynamik, der aus Erzählen, durchzogen von Sex, folgt. Ich denke, dass er die Menschen besser befriedet - sofern seine Vermittlung gelingt. Und dass wir diese Befriedung unseren Söhnen leichter werden mitgeben können. Als ein Spiel, eine Dialektik, die wir selber nicht spielen.
Ich werde abends in Italien vielleicht über Sex schreiben; ich könnte mir vorstellen, dass das passt - und wir beide das in einem Raum tun.
Ein guter Abschluss eines Nacht-Talks, der schon das anfängt, was ich gerade erst und damit Stunden später vorgeschlagen habe.
Tu', das, Schöne, und dann werden wir die Texturen in das Bett zurückwuchern lassen.
1000Küsse676nach
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Bataille Session, 25. August 2026
23.10/04.20, C. - Breitbeinig sitzt Ezra in der Wanne. Dane hat Tim schon herausgehoben, wodurch er noch mehr Platz hat.
Er ist jetzt schon so ein Hemingway-Mann.
Aber wirklich!
Ez lehnt an der Längsseite, gleich neben den Armaturen, aus denen lauwarmes Wasser fließt. Mit einem Messbecher aus der Küche fängt der das Wasser auf und füllt es in die Reste eines Duschgels in Entenform. Oder in das, was davon über geblieben ist, nachdem er dem Ding den Kopf abgeschraubt hat. Eine Art Krug nämlich, aus dem man genüßlich saufen kann. Und Ezra sauft gerade; eine Füllung nach der anderen schüttet er mit dem Messbecher in die Ente, führt diese zum Mund und stürzt das Wasser hinunter.
So wie er dreinschaut und sich um nichts um ihn herum schert, könnte man meinen. dass er sich grade mit Whiskey betrinkt. Ganz genüßlich und ohne spezifischen Grund.
Er ist auch stemmig wie Hemingway selbst. Er ist tatsächlich so ein Männer-Typ. Das war er schon als Baby.
Ezra interessiert das alles herzlich wenig. Er sitzt nur da und trinkt. So viel, dass man schon seinen Bauch gluckern hört.
Es gibt ein Foto von Hem, sage ich Dir dann, wo dieser ähnlich da sitzt; allerdings mit kurzer Hose und nicht nackt; er sieht auf dem Bild vergleichbar drein. Es ist, wenn ich mich recht erinnere, aus dem Jahr des Dangerous Summer, in dem Heminway Stierkämpfer durch Spanien begleitete. Sehr existenziell war damals alles.
Irgendwie wird es das aktuell auch bei uns.
Du drehst Dich gerade hinüber, als ich jetzt ins Bett komme. Tim schläft heute enger an Dir, weshalb ich leicht nach Dir greifen kann. Ich streiche mit den Fingerspitzen Deinen Rücken entlang und lasse sie dann auf Deinen Oberarm gleiten. Ich folge ihm bis zur Armbeuge; da hebst Du den Arm hoch und führst Deine Hand an mein Gesicht. Du streichst darüber, ich fasse mit meiner Hand nach Deiner und führe sie an meinen Mund. Ich küsse sie; am Handrücken, in der Handinnenfläche, die ich auch kurz mit der Zungenspitze antippe. Das reicht für den Augenblick; als Erzählung des Begehrens zur Mitternacht.
Ich kann Worte für Sex finden; für das Fließen, für den Orgasmus....das werde ich machen.
Der Nacht-Talk ist heute nur kurz; aber Du reagierst auf die Textur vom Morgen auf das
"Wie schade, dass Du die Textur nicht manchmal wirklich übernimmst, kaperst, echte Frauenschrift daraus machst".
Wunderbar, Du wirst also kapern, übernehmen; die Männersprache unterlaufen, und das steht ja immer an. Damit es noch existenzieller, noch erotischer wird. Einen Esprit Narratif et Èrotique schreibt man letztlich nicht allein. Und er soll ja geschrieben sein und wachsen; ich liebe die Lebensform, die damit aufgeht. Sie ist so eine herrliche Alternative zur metaphysischen Kultur, zu der am Ende auch noch immer die wissenschaftliche Tradition gehört, die beide mit Erfolg die Erotik gelöscht haben. Und deren höchster Triumpf es deshalb ist, wenn so etwas wie Geist "RAW" wird und ihn auch Maschinen duplizieren können. Fast ein wenig mitleidig schaue ich deshalb auf die Videos von den Pseudo-Olympischen Spielen für Roboter, die in Peking gerade stattfinden. Wie sie neue Sprint-Wektrekorde aufstellen und sich im Zweikampf oder was auch immer üben. Wie kastriert muss man sich als Mensch, als Menschheit eigentlich haben, um sich in eine solche Welt zu verirren? Sei es als Produzent oder Konsument?
Ich sage es Ihnen immer wieder; der Mensch hat Angst vor dem Sex.
Monsieur Bataille eben.
Der passt nicht zur Organisation der vergesellschafteten Menschen mit ihrer Grund-Logik der Sicherheit und Reproduktion. Und er passt auch nicht zu einer Menschheit, die es noch immer unerträglich findet, das man als Einzelne oder Einzelner nur ein Bindeglied zwischen den Generationen ist; nämlich eines, von dem am Ende nicht mehr als ein verwesender Leichnam bleibt. Wo man den Sex als lebendige Fruchtbarkeitlebt, wird einem das aber immer wieder radikal vor Augen geführt:
Du bist lediglich ein Schatten und Nebelin einem Prozess, der weit über dich hinaus geht.
Deshalb hat der Mensch die Erotik erfunden; die normale, nicht die der Großen Fruchtbarkeit, von der Sie so gerne reden. In der normalen geht es um Verbot und Überschreitung; DASbeschäftigt dann mehr als der Sex als solcher. Der ist dann de facto gebannt, und mit ihm der Todund der ganze Wahnsinn der sexuellen Reproduktion,die es am Ende ja ist, die die Einzelne oder den Einzelnen auch so unsagbar lächerlich und unwichtig macht. So lächerlich und unwichtig, dass es am Ende einfach unerträglich ist.
Immer besser verstehe ich, was Bataille sagen will. Es geht ihm gar nicht darum, alle Dimensionen möglicher Erotik auszuloten; es geht ihm lediglich um die Erotik, die am häufigsten gelebt wird; als gesellschaftliches Phänomen. Und das ist jene, die sich am Tod abarbeitet, ohne das wirklich zu explizieren. Und die insofern noch immer zur metaphysischen Kultur und ihrer Löschung der wuchernden Fruchtbarkeit gehört. Die sichert sie mit ab, weil die Große Fruchtbarkeit mit ihrer ganzen Bedrohung der gesellschftlichen Ordnung damit weggeschoben bleiben kann, aber doch ein Sex möglich wird, der sich weniger mit dem Sex als mit Verboten und Überschreitungen beschäftigt. Was auch die Basis für die ganzen Schlachten der Queer- und Anti-Queer-Bewegung ist. Beide sind zutiefst anti-sexuell im Sinne einer Erotik der Fruchtbarkeit; beide sind nur der neueste Auswuchs der metaphysischen Löschung des Sexuellen als Bewegung und Lebens-Prozess.
Wenn man das erst einmal sehen gelernt hat, beginnt sich diese Kultur und Zivilisation ins Absurde zu kehren.
Mitleidig und amüsiert schaue ich dann auf die hetzenden Roboter in den Pekinger Laufstadien, die dann das nächste Ebenbild ihres Schöpfers sind; kastriert geschlechtslos, in rotierenden Symbol-Verschachtelungen unlebendig und in der narzisstischen Wahnwitzigkeit gefangen, dann wenigstens immer und überall Erster zu sein. Platon und Monotheismus on its next Level.
Entspannt folge ich da lieber Hrn. Bataille zu Edwarda, der ihr, für beide Seiten befriedigend, die purpurbraune Muschi ausschleckt; und entspannt steige ich auch mit dem Mann von Hrn. Schultheiss in das Kran-Wrack-Bilduniversum in irgendwelchen Docks, wo er die Frau doch ficken wird; zumindest in den Arsch; vor Geilheit angeschwollen und fast berstend.
Wie gesund fühlt sich das alles doch im Verhältnis zu dem an, was da sonst in Bild-Form die Welt flutet!
Mit dem Sex in den Zeilen und der Freiheit, die er gibt, komme ich dann gleich am Morgen zu Dir und gebe Dir die Freiheit weiter.
Sag Schatz, wie würdest Du als Frau Schultheiss' Talk Dirty schreiben, wenn Du es neu texten müsstest?
1000Küsse675nach
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Bataille Session, 24. August 2026
22.55/04.20, C. - Ich merke gerade ein weiteres Mal, wie geschunden mein Körper ist. Die offenen Stellen an den Füßen schmerzen. Sie tun das sogar jetzt. Aber diese Schmerzen unterbinden nicht mein Genießen, das noch schweigt.
aaaaah....
Dein ansteigendes, feines Stöhnen funktioniert noch immer wie ein Sirenen-Gesang für mich. Es gibt jetzt nur noch dieses und es ist wunderschön.
aaaaaaaa....
Ich genieße Dein Genießen; die kluge Formel Lacans gilt noch immer.
aaaaaaaaaaa....
Ich will jetzt nur darauf achten, was Du brauchst; anderes ist jetzt nicht mehr. Auch wenn es an meinen Innen-Knöcheln brennt und sticht. Ihr auch gefühltes Brenn-Rot bleibt im Hintergrund.
Stattdessen kommt
aaaaaaaaaaaaaaa....
von Dir, und von mir kommt
mmmhmmmmm
nun dazu. Mein Genießen schweigt nicht länger. Doch auch meines bleibt nur fein; kein Laut-Exzess.
Überhaupt ist heute alles intensiver, lustvoller;
ich mag es, wenn ich mich auch selbst berühre; wenn ich betaste, wie
noch immer alles flutet und strömt. IHN macht es zudem erregt
und zugleich glücklich. Weil er so sehen und nachspüren kann, wie
unser Sex und damit er mich befließt.
(Wie schade, dass Du die Textur nicht manchmal wirklich übernimmst, kaperst, echte Frauenschrift daraus machst).
Es hat sich gelohnt, den Esprit Narratif et Èrotique zu etablieren. Die Lust wuchert in den Texten und von diesen wieder ins Tun zurück. Still und heimlich kommt so ein neues, anderes Leben; eine postmetaphysische, postmaterialistische, post-verdinglichende Lebensform. Religion ohne Religion; nur Esprit Narratif et Èrotique, das reicht.
Ich hatte heute einen merkwürdigen, hässlichen Traum.
Die Jalousien sind noch herunten; Ezra und Tim saugen an den Morgen-Fläschchen, die ich gerade gebracht habe.
Wir waren am Land auf Urlaub, in irgendeinem südöstlichen Zipfel von Österreich. M. und S. waren auch da, Du und die Kinder sowieso. Aber irgendwie nur atmosphärisch. Ich hatte etwas, Beschwerden; Du schicktest mich zum Arzt und der Befund war niederschmetternd. Ein Leberkrebs...
Wir alle hören zu; die Jungs, wohl ohne alle Details zu verstehen.
Präzise wurde mir alles erklärt; dann aber revidiert, weil es doch nur eine Art Infektion der Leber wäre, die mich aber eventuell töten würde. Ich war mitgenommen; "ich habe doch zwei kleine Kinder", sagte ich den Ärzten. Alles war so echt.
Weil es auch echt war; nur eben ein echter Traum, voller Metaphern und Verschlüsselungen.
Willst Du meine Deutung hören?
Ich stehe kurz auf, gehe zum Regal links an der Mauer, drücke die Fernbedienung für die Jalousien und lege mich ins Bett zurück; zu Deinen Füßen.
Sag....
Die Leber entgiftet, sie synthetisiert aber auch Hormone und vieles mehr. Dort werden die lebenswichtigen Substanzen produziert; auch die Basisstoffe für den Sex.
Ich pausiere; ich muss alles langsam zusammenfügen. Tim und Ezra saugen weiterhin herzfach und schauen dabei zu mir.
Das Land ist der Ort der Viehzucht, mithin der Kernlogik unserer Gesellschaft und Kultur. Diese Kernlogik findet in der Metaphysik und Religion ihre Ideologisierung, und alle Philosophie bleibt als Fach und Tradition im Windschatten dieser Ideologie.
Ich streiche über Deinen abgedeckten Bauch bis hinauf zu Deinen Wangen.
Du warst jetzt 10, 12 Jahre lang Philosophin. Das hat Dich noch nicht genug von der Logik des Landes befreit...
...noch immer steckt diese zu sehr in mir.
Du gehst mit und übernimmst selbst die Deutung.
Die Philosophie war wichtig, aber letztlich ist sie Blockade. Spannend, dass das gerade jetzt kommt. Und über welche Bilder.
Nun ja....
Ein wenig haben wir es schon mit dem Esprit Narratif et Èrotique vorgedacht, füge ich nach einer Weile hinzu.
Was Dich irgendwie zum Grüblen bringt.
Ich sage es Ihnen doch schon die ganze Zeit; es geht nicht ohne Verbot und Überschreitung.
Bataille nimmt sich wieder seinen Platz; diesmal am Bettrand. Und diesmal sogar zu recht.
Philosophie ist das Spiel des ständigen Begründens und Erklärens; alles wird auf diese Weise rationalisiert, aber auch buchstäblich wegerklärt. Am Ende lebt man so in einer ständigen Erklärung, in der es für alles ein Argument gibt. Das Taboo und seine Übersteigung verschwinden; eine solche Bewegung ist irrational, sinnlos und hat keinen Platz.
Wir sind aber nicht nur rational, fährt Bataille fort, wir haben auch ein emotionales Erleben. Und das braucht eigenartige Dinge; Verbote eben, die die Maßlogikeit des Sex ertragbar machen, aber auch die Überschreitung; den Exzess. Weil wir das Verbot sonst nicht ernst nehmen; genau deshalb wird nach dem Tod des Herrschers gebrandschatzt, herumgehurt und sogar gemordert; aus Respekt vor dem Gesetz, das er etablierte. Und das sonst nicht mehr als lebendiges Gesetz erlebt würde.
In diesem Sinn tötet die Philosophie, kastriert und bringt die Leber und ihre Hormone zum Verschwinden. Stumpf wird es irgendwie in all dem Begründen; wie bei den Viehzüchtern, wo die Philosophie herkommt und wo Zuchtlogik die Lust und die Erotik der zwanglosen Fruchtbarkeit ersetzt. In diesem Sinne hast Du heute Bataille geträumt.
Aber produziert denn der Esprit Narratif et Èrotique Verbote und Überschreitungen?
Die Frage hast Du mir noch gar nicht gestellt; deshalb lasse ich sie Dich hier einfach stellen.
Er changiert zumindest zwischen Erzählen und Sex hin und her, lautet meine Antwort, und schließt diese zugleich immer wieder für einander aus. Weil man entweder Sex hat oder erzählt. Darin leben Verbot und Überschreitung weiter, und vielleicht macht das die Ästhetik wie Erotik dieses Esprits aus. In jedem Fall bewegt man sich wo ganz anders als die Metaphysik und ihr Erbe das tut.
Unter anderem bewegt man sich zwischen zwei kleinen Jungs.
Plötzlich springt Ezra jetzt auf und steigt lachend aus dem Bett hinunter auf den Boden
Nein Nein Nein, Du rennst jetzt nicht ins Katzenzimmer, dort ist noch gar nichts geputzt!
Natürlich hole ich ihn nicht ein mit meinen Brand-Roten Füßen. Vor dem Katzenzimmer schlägt er aber selber das Sperrgitter vor seiner Nase zu.
Sehen Sie, er weiß, wie man genießt, flüstert mir Bataille daraufhin triumphierend über die Schulter; am schönsten ist oft die Überschreitung, die man selbst wieder an ihr Ende bringt.
1000Küsse674nach
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Bataille Session, 21. August 2026
22.50/04.00, C. - Es fehlen die Schnuller, es fehlen die Schnuller!
Ich plage mich aus dem flachen Kinderbett hoh; hoffentlich inspiriert das Ezra neben mir nicht, das auch zu tun. Er bleibt im beginnenden Einschlafen aber liegen, während ich in Richtung Schlafzimmer-Tür loshumple:
Diese öffnen; schnell wieder zu mit ihr; dann rasch vier Schritte in die Küche machen; das Schälchen mit den Schnullern neben der Spüle fassen; mit ihm möglichst lautlos ins Zimmer zurück.
Ich will Timmi neben Dir im anderen Bett gleich einen geben, aber irgendwie passt etwas nicht. Ich taste wie blind sein Gesicht ab und ertaste schließlich einen Schnuller in seinem Mund.
Er hat einen drinnen, stelle ich fest. Als ob das wichtig wäre.
Dann Ezra. Dann braucht Ezra einen.
Du flüsterst das nur, bist aber energisch dabei. Du weißt , was passiert, wenn einer nicht schnell genug an sein Saug-Ding kommt.
Ezra hat tatsächlich keinen. Dementsprechend schnell nimmt er den Schnuller in den Mund, nachdem ich ihm diesen hinhalte.
Mm MM mm.
Willst Du noch ein Fläschchen.
Mmmm mmm m.
Tim will noch ein Fläschchen, raunst Du von seinem Bett zu mir herüber. Wir Sitz-Liegen im rechten Winkel zu einander.
Ich drücke mich wieder von der Matratze hoh; diesmal schaut mich Ezra neugierig an.
Wieder schnell die Tür öffnen; wieder sie schnell hinter mit schließen. Diesmal acht Schritte in die Küche hinüber zum Heater, der zwei Fläschchen schon vorgewärmt hat. Eines rasch mit Milchpulver befüllen; gut durchmischen; zurück in das Schlafzimmer.
Timmi beginnt rasch zu saugen. Ich gleite wieder zu Ezra nach unten. Erneut decke ich ihn mit seiner Leichtdecke zu, die er schon zur Seite gestrampelt hat.
I ää ä.
Hm??
I ää.
Wahrscheinlich will er jetzt auch eine Flasche, flüsterst Du mehr vor Dich hin als zu mit herüber.
Ä ä ä.
Er will eine Flasche.
Irgendwie wieder auf; die Türe öffnen, die Türe zu; acht Schritte, vielleicht auch zehn in die Küche. Das nächste Fläschen öffnen, wieder Hipp Combiotik 1+ oder 2+ oder was da grade auch immer steht dazu mischen; dann zurück ins Schlafzimmer. Nur ja nicht die Tür auskommen lassen.
Er will keine.
Ä ä ä.
Probiere es noch einmal.
Okay; mache ich.
Er nimmt sie doch.
Was man doch alles tut. Und mit wieviel Sorgfalt und Vehemenz.
Leben und speziell menschliches Leben ist ein Luxus der Natur. Ich wiederhole es Ihnen auch gerne mit anderen Worten: Wir sind pure Verschwendung.
Heute lasse ich Bataille nur Stimme sein. Ich brauche ihn nicht schon wieder neben mir am Beifahrersitz auf der Autobahn durch die Obersteiermark.
Vergessen Sie nie, fährt er fort, letztlich sind wir nur ein Prozess oder Ereignis der Reproduktion, aber eben der sexuellen, und was die für einen Aufwand betreibt! Einen Körper entstehen lassen, ihn über Jahre hinweg geschlechtsreif werden lassen, komplizierste Begehrensspiele, Beziehungsverhandlungen; endlich die Verdopplung mit Hilfe eines zweiten Körpers, dann vielleicht noch eine weitere Verdopplung; den oder die verdoppelten Körper pflegen und versorgen, tausende Handgriffe und Wiederholungen; dabei selber in Würde altern, absterben, verwesen; endlich ganz den Jungen das Feld überlassen... Was für eine unfassbare Vergeudung nur dafür, dass sich ein Prozess des Lebendigen reproduziert!
Vielleicht sind wir aber mehr als nur ein Reproduktions-Geschehnis. Vielleicht ist im Zuge des Reproduzierens etwas ganz Eigenes aufgekommen; eben das Ereignis Mensch, das eine ganz eigene Struktur im Universum bildet.
Und wozu gibt es die? Und macht das Ereignis Mensch, wie sie es nennen, am Ende wirklich etwas anderes als sich zu reproduzieren? Bleibt nicht das primär? Und selbst die, die Kinder-los bleiben: Sind die nicht weiterhin der Dynamik der sexuellen Reproduktion verpflichtet? Indem sie um all die Aspekte von Genießen ringen, die im Feld der sexuellen Reproduktion aufgekommen sind?
Touchè!
Ich habe nicht viel dagegen zu sagen.
Wir alle sind ein derartiger Aufwand und betreiben einen derartigen Aufwand, nur um uns zu verdoppeln und um am Ende zu verwesen und von Würmern zerfressen zu werden; als krönender Abschluss einer sexuellen Reproduktion, die das wahrscheinlich Verrückeste und Teuerste ist, was dieses Universum bisher hervorgebracht hat: An die hundert Jahre im Betrieb, Tonnen von Energie-Aufwand, nur damit am Ende zwei, drei, vier Replikanten da sind.
Das musste jetzt noch unbedingt draufgelegt werden.
Ein interessantes Menschenbild, kommentiere ich schließlich, dem wir allerdings nicht Rechnung tragen. Oder?
Ich schon.
ER ist IHR auf den alten Kran bei den Docks nachgestiegen. Jahrelang hat
in dem Viertel niemand mehr etwas angegriffen; unten an der Leiter
lagen tote Ratten; hier auf den zum Teil abgetretenen Sprossen hat sich
eine Möwe aufgespießt. Ihr Skelett stinkt jetzt noch nach Aas.
Bist Du oft hier?
Zwischen den rostigen Kabeln und Schaltern liegen ein paar Decken, die
frisch aussehen.
Kommt darauf an....
Verstehe....
Sie steht vor ihm. Ihr Kleid ist nicht offen, gibt aber fast die Brüste frei.
Hol' sie raus.
Er zieht das Kleid ein wenig nach unten über die Schulter; bei ihrer
ersten Bewegung fällt es ganz hinab.
Saug an ihnen.
Er beginnt an der linken Brustwarze zu lecken und nimmt die ganze Brust
dann tief in den Mund.
Aaa!!! Jetzt die andere.... Aaaaa!!!! Ja! Aa Aa Aa...
Sie keucht schrill.
Und jetzt brich jede Regel und heilige sie damit. AAAAaaaaaaaaaa!.......
Sein Heilger Eros ist nicht meiner. Wir haben aus der Sexuellen Verfasstheit des Menschen andere Schlüsse gezogen; eine andere - und was sonst ist diesem Menschenbild angemessen? - Erotische Existenz daraus gemacht. Ich bin geduldig und ohne Fordern, und das ganze Ringen mit der Verschwendung und der Kampf mit den Regeln und ihren Überschreitungen interessiert mich nicht. Ich mag das Wuchern des Sexuell-Sensuellen, das aber nur wuchern kann, wenn es in Geschichten steht. Ich will die pure Form; ich will den absoluten Nullpunkt; ich will den größtmöglichen sexuellen Luxus, den es gibt.
Ich vermisse entspannte gemeinsame Zeit mit Dir und freue mich, dass wir bald alle gemeinsam wegfahren.
Deine letzte Nachricht zur Nacht.
Ich freue mich auch.
Ich mag Sonne auf der Haut und das Licht des Südens, weil dann alles zum 80. Stockwerk und zum Haus und zu der Stadt wird, die es nicht gibt.
Im Halbdunkel der Nacht lecke ich Dir dann das Salz herunter und nur Deine Fingerspitzen reichen mir auf meiner Haut.
Was muss ich tun, dass es endlos wird? will ich schließlich wissen; ich meine Dein Pulsieren, das sich schon über den Venushügel spannt. Ein bisschen nach oben gibst Du mir stattdessen als Anweisung und Dein feines Maunen signalisiert, dass es jetzt richtig ist.
Alles ist dann gleich darauf ein einziges großen Kommen.
Verschwenderisch und in überbordender Geilheit pulsiere ich einfach mit Dir mit.
1000Küsse671nach
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Bataille Session, 20. August 2026
23.00/03.40, C. - Ich war immer schon so, schon als kleiner Junge.
So wie L. stelle ich mir Timmi als Jung-Erwachsenen vor. Groß, schlank, fein.
Ich musste immer in den Widerstand gehen. Sagte die Großmutter: Tritt nicht auf die Brösel, das bringt Unglück, trat ich erst recht darauf. Auch heute noch muss ich immer dagegen halten.
So wie L. kann ich mir deshalb auch Ezra vorstellen: Sag mir, dass das nicht geht, und ich werde es dennoch tun.
Warum bin ich so?, will L. wissen, während er vor mir am Tisch sitzt. Eine Zufallsbekanntschaft.
Das ist Biologie, sprudle ich los; überrascht von mir selbst, weil sich die Antwort so zu formulieren beginnt. Sie mögen wahrscheinlich auch die Konkurrenz, die Herausforderung, den Zweikampf, oder? Oder??
Ja, schon. Im Sport schon.
Ich denke, das gehört alles zur Freude am Wettkampf, am Zweikampf, dazu. Mit der Widerständigkeit trainiert man die Provokation; die Herausforderung zum Fight. Und man trainiert Mut, Furchtlosigkeit. Jeder Protest ist immer auch eine Mutprobe.
Ich bin weiterhin überrascht, dass ich das alles grade gesagt, argumentiert habe. Ein guter Gedanke....
L. nickt; er kann damit etwas anfangen. Und für Ezra stimmt das Gesagte sowieso hundertprozentig; ebenso für Tim.
Die zwei sind in ständigen Mutproben; im ständigen Vorbereiten für einen Kampf, für Schlachten der Konkurrenz. Vermutlich, weil sie in dauernder Konkurrenz stehen:
Seit dem ersten Tag rittern sie miteinander um Aufmerksamkeit; wer ist auf Mamas Arm die Nr. 1? Dementsprechend ist der Kampf-Modus ein Stück innerster Kern bei beiden; mit allem was dazu gehört. Eben mit dem Provozieren, mit dem Herausfordern; mit der gelebten Wirkkraft, aus der man dann existiert. Als Mittel gegen den frühkindlichen Schrecken des Abgelegt-Seins und Verhungerns, der einfach nicht aufhört, der einfach nicht vergeht.
Zwillings-Existenz eben.
Sie ist tatsächlich etwas Besonderes.
ER hatte beschlossen, alles zuzulassen. Aber er würde SIE nicht ficken.
Wie sie das als Regel offensichtlich will. Auch wenn es schwer werden
wird, wie er gerade merkt. Weil sie jetzt nicht mehr vor ihm kniet,
sondern wieder auf ihren Beinen ist und sich über ihn stellt. Es zuckt bis
tief zwischen die Schenkel hinein, als er ihre Feuchtigkeit auf seine
Spitze tropfen spürt.
Wehe.....
Ihr Keuchen hat abgenommen.
Ich werde Dich nicht ficken.
Er sagt das fast gelassen ruhig.
Sie schaut provokant und drückt sich kurz gegen seine Eichel. Wieder
zuckt alles bis tief hinunter in die Prostata.
Du hast ein Fickverbot erlassen, ich werde mich daran halten.
Geil.
Sie sagt das mit einem begeisterten Grinsen und drückt sich erneut
gegen seine Spitze.
Mmmmmm....
Wirst Du Dich selber daran halten könnten?
....Aaaahhhh.....
Er greift nach sich und presst IHN gegen seine Schenkel nach unten.
Mir sind Verbote wichtig.
Sie beginnt wieder stärker zu keuchen, als er das sagt
Und Dir offensichtlich auch.
Mich schreckt der Sex nicht. Manchmal stelle ich mich nackt vor den Spiegel und begutachte den kleinen, viel zu dicken Körper. Ich freue mich auf später dann; wenn ich geschlechtsreif bin, wie sie das in der Schule nennen, und erwachsen. Ich weiß ungefähr, wie Sex funktioniert und freue mich darauf. Auch wenn ich erst in die Grundschule gehe. Und ich weiß auch, dass es nicht so wie bei den Hühnern ablaufen wird. Oder wie bei den Katzen. Oder bei den Ziegen. Aber selbst wenn ich deren Sex beobachte, schreckt er mich nicht. Er ist lediglich bemüht-langweilig. So wird er bei mir nicht sein, weil ich mir gut vorstellen kann, was ich mag. Und was eine Frau mag. Es wird deshalb um das Mögen gehen, nicht um ein seltsam Geistloses Bespringen wie bei den Tieren.
Bataille hingegen schreckt der Sex.
Das schließe ich zumindest daraus, dass er behauptet, dass uns alle Sex schreckt. Weshalb wir ihn mit Gesetzen und Verboten belegen würden. Um ihn aushaltbar zu machen.
Und geiler, wie SIE gleich hinzufügt; mittlerweile geradezu ausrinnend und erhitzt, aber gerade nicht keuchend
Tut mir leid, mich haben Verbote nie geil gemacht, erwidere ich nur kurz; ich habe tendenziell schon früh meinen Sex-Drive von der Umklammerung durch Wirkkraft befreit.
"Wirkkraft" find ich gut. Der Begriff passt einfach so. Er trifft was.
Dein Kommentar zum letzten Text im NachtTalk war eindeutig. Ich hole deshalb aus und kommentiere weiter:
Bataille hat recht, wir müssen Unmengen von Schrecken verarbeiten. Was auch Melanie Klein betont. Aber der Schrecken ist lange vor dem Sex. Er kommt aus der Nacktheit und dem Ausgesetztsein und dem stets drohenden Verhungern. Aus dem potenziellen Untergehen gegenüber einem Bruder, vielleicht. Mit fast rauschhaftem Strampeln und Schreien wehren wir uns dagegen; später dann mit einer konkreten Wirkkraft, die aber noch immer irgendwie rauschhaft ist. Mit unseren Mutproben ersetzen wir dann das kindliche Strampeln; mit dieser Wirkkraft, die sich dann im Überflug nimmt, was sie braucht. Ein wenig rauschhaft bleibt sie dann doch auch immer; weil jeder Überflug eine Berauschung ist. Darum kann dann auch Sex in unserem kindlichen Spekulieren und Phantasieren zu einem Ort der Wirkkraft werden; denn so ähnlich wie diese fühlt sich ein berauschender Sex, von dem so viele Erwachsene reden, wohl an. DANN gehört allerdings tatsächlich auch der Schrecken zum Gevögle, und so wird dieses am besten über merkwürdige Regulatorien definiert. Damit der Sex nicht verschlingt, wenn es dann endlich so weit ist.
Es kommt keine Antwort von Dir und es kann keine kommen. Weil Du schon schläfst, als ich das hier schnell und zügig niederschreib'.
Ich will jetzt auch nichts mehr schreiben; Dich spüren wäre stattdessen gut.
Deshalb erzähle und lebe ich eine alte Geschichte weiter, deren Rohversion ich schon mit 7 oder 8 still in mich schrieb:
Leise ziehe ich mich aus. Ich lege die Kleidung zusammen und lege sie neben der Toilette nieder, damit ich sie gleich nach dem Aufstehen wieder griffbereit hab'. So leise ich kann, gehe ich ins Schlafzimmer weiter, und noch leiser steige ich von der Seite ins Bett. Und am leisesten wird es, als ich jetzt über Tim hinweg zu Dir hinüber greife; unhörbar tasten meine Finger über den Oberarm, die Schulter, hinunter zu Deiner Brust.
Ganz fein streife ich über die Brustwarze; ein kurzes Kreisen, nicht mehr.
Dein Arm erhebt sich und greift herüber zu meiner Wange; ich folge ihm und küsse mich hinüber zu Dir.
Die Zungen berühren einander; ein kurzes Schlängeln; drücken, pressen, aufnehmen: die Ankündigung davon drängt; Gott Eros ist da.
Es gibt grade keinen Schrecken.
Nicht den vor dem Verhungern, und schon gar nicht den vor dem Sex.
1000Küsse670nach
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Bataille Session, 19. August 2026
23.00/04.20, C. - Ezra und Tim sind am Wohnzimmer-Tisch und wirbeln die frische Kleidung durcheinander. Socken, Leibchen, Hosen; alles fliegt in weitem Bogen durch die Luft.
Nein, sitzenbleiben Ezra; stehen ist zu gefährlich!!
Ich herrsche ihn an; ich fürchte tatsächlich, dass er in seinem begeisterten Schleudern selber über die Tischkante fällt.
WaaWaaWaaWaaWaa.
Sicher. Wie wäre es, wenn Du einmal etwas sprichst? Glaubst Du wirklich, ich nehme Dir Dein WaaWaa als einziges, was Du kannst, ab?
Ezra beginnt zu lachen; er verzieht den Mund und die beiden Zahnreihen mit den spitzen Zähnchen strahlen mich an.
Wenigstens gibst Du mit diesem Lachen zu, dass ich recht habe und ihr zwei gezielt nicht sprecht. Aber egal, schaut, ich zeige Euch was.
Ich hebe den Einkaufssack auf den Tisch hinauf.
Ich glaube nicht, dass die zwei aggressiv sind. Deshalb schmeissen sie nicht seit über einer halben Stunde mit allem, was sich erwischen lässt
Du bereitest mich am Telefon schon vor, was für ein Getue und Chaos mich zu Hause erwartet.
Selbst die Steine werfen sie von der Terrasse in das Wohnzimmer herein.
Ich liebe sie jetzt schon dafür.
Wahrscheinlich hast Du recht, sage ich dann nach einigem Zuwarten; wahrscheinlich wollen die zwei nur ihre Wirkkraft erproben.
Während ich das spontan sage, finde ich es schon überzeugend. Doch wieseo muss das eigentlich immer mit unseren Sachen passieren?
Das ist gut, ja; Ezra und Tim erproben gerade ihre Wirkkraft.
Aus den Klang Deiner Stimme schließe ich, dass Dich dieser Blickwinkel nicht nur überzeugt, sondern auch erleichtert.
Kommt, rufst Du Ihnen dann gleich zu, Ihr müsst noch eine Runde auf die Terrasse hinaus. Auspowern!
Ich mag meine Wirkkraft. Ich bin auch noch nicht müde. Die Vorlesung in der Stadt über die toskanische Streifeninkrustration in der frühen Neuzeit war wenig fordernd und das Seminar über die Filmtheorie des deutschen Bauhauses ermüdete auch nicht. Noch zwei Stunden mit dem Traktor auf die Felder; einer der Äcker gehört noch mit der flachen Egge abgezogen. Und dann noch ins Atelier. Ich muss noch an der Rom-Serie arbeiten; an ihrer Philosophie. Wie laden die Bilder eines fotografischen Augenblicks einander auf? Wie lässt sich die eigentliche Frage der Serie zeigen, ohne dass sie expliziert wird?
Ich mag die Zeit der Wirkraft.
Ich mag das Leben der Wirkkraft.
Jahrelang fahre ich noch zurück von der Stadt auf das Land; streife über die Felder, gehe durch die Auen; schreibe und wirke aus dem. Auch als ich schon längst nicht mehr hinfahre, tue ich das noch. In meiner inneren Erfahrung; in meinem ständig verzeichnenden Verzeichnis, das auch vorgibt, wie und woran man sich bewegt. Du bist einfach ein Maniker, sagt M. deshalb immer wieder. Ich fürchte, dass die Dinge komplexer sind, als es das reduktionistische Vokabular von Psychologie und Psychiatrie nahelegt.
Du... kannst .....mit mir ....machen......was Du willst.....aaaaa..... Nur ....das
eine ....darfst ....Du ....nicht...aaa......
SIE keucht das heraus, während SEIN Finger immer tiefer in sie gleitet.
Sie steht noch immer nackt vor ihm, er sitzt noch immer mit
überschlagenen Beinen an dem schwarzen Tisch auf dem schwarzen
Stuhl.
Ich will Dich nicht ficken sagt er schließlich und beginnt seinen Finger in
ihr zu drehen.
Ooooooh....
Nur ein Hauchen.
Oooooooh.....Ich ...werde ....dafür ....sorgen.... keucht sie nur.
Mit beiden Händen fasst sie nach seinee Hand und drückt sie zuerst
nach unten
...oooahhhh....
und schließlich mit einem kraftvollen Stoß weg.
Dann ist sie schon auf ihren Knien und drückt seine übereinander
gelegten Beine auseinander. Fast hektisch macht sie ihm die Hose auf.
Alles ist schon kräftig angeschwollen an ihm. Gierig fasst sie mit ihren
Lippen danach.
Madame, Monsieur; gehen Sie bitte in Ihre Texturen zurück.
Batailles Obszönes Werk und Schultheiss' Talk Dirty ergänzen einander perfekt. Und sie ergänzen den Weg über die Felder und durch die Auen bis hinein ins Atelier. Am besten ausziehen, alles in Farbe tauchen und geil über die Leinwand kriechen. Klein, Pollock, Brus; die steckt man damit gleich in einem weg. Und am Ende der Leinwand nimmt man SIE von hinten, während ER sie schon von vorne nimmt.
Grenzenlos ist der Sex aus Wirkkraft.
Und die Erotik der Wirkkraft ist das eigentliche Thema von Hrn. Bataille. Er durchschaut es nur nicht.
Deswegen ist bei ihm der sexuelle Exzess in vollendeter Form eine Ermordung; deshalb schielt er immer wieder zu de Sade und folgt ihm in der Ansicht, dass der Mord die höchste Form von Lust ist.
Kinderkram. Fliegende frische Wäsche, die sich irgendwie in Sex gewandelt und in diesem verloren hat. Genau genommen ein wenig lächerlich..
Auch wenn das Obszöne immer erweckt. Weil es die Erotik der Wirkkraft, aber auch einfach den Sex als Qualiät platzieren kann. Ich schnaube daher ein wenig, als ich die Frau am Ende der Leinwand erreiche. Aber dann stehe ich auf und gehe unter die Dusche.
Die Sinne sind jetzt gespannt und ich mag, wie Du drüben auf unserem Sofa unter dem Fenster zwischen unseren Söhnen sitzt. Beide haben schon die Nachtwindeln an und trinken gerade ein Fläschchen; liebevoll und mit einem verausgabenden Lächeln streichelst Du Ezra und Tim über den Kopf. Die schwarze Hose presst sich gegen Deine Vulva; aus dem weißen Shirt ist seitlich über den Arm ein dünner Träger herausgerutscht.
So viel Leben. So viel Vergeudung.
Das Pressen und Drücken und Nehmen und Aufnehmen ist wieder als Ankündigung und Möglichkeit im Raum. Und als nächste Geschichte, die sich damit schreibt.
Mit jeder von ihnen, die ich dann wiederhole und fortsetze, beginnen die Auen und Felder zu verschwinden; fremd sind sie in den letzten Wochen und Monaten geworden; fern vergangen; und zum ersten Mal bin ich ganz von dort fort. Kein Lebensgefühl mehr, in sich das alles noch immer bis in die Gegenwart hält und sie prägt.
Ich habe die Wirkkraft durch den Heiligen Eros ersetzt, schreibe ich Dir deshalb als Botschaft zum Tag in den Morgen; IN DEM und nicht am Land oder in der Philosophie oder sonst wo bin ich also zuhaus'. Und wie ein griechischer Gott verliere ich mich deshalb glücklich mit Dir im Bett und in unserem fruchtbaren Leben.
1000Küsse669nach
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Bataille Session, 18. August 2026
23.15/04.20, C. - Nochmal nochmal: Wie ist das mit der Gewalt? Was ist da Batailles Gedanke?
Unser geschriebener NachtTalk von einem Raum zum anderen hat wieder begonnen; Wieso ist die Erotik mit der Gewalt verbunden? ist Deine nächste Frage in ihm
Schnelle kurze Nachrichten; gute wichtige Punkte. Noch war ich also nicht klar genug.
Weil wir in einer Ordnung aus Arbeit und Vernunft leben, eröffne ich mein Antworten;
weil der Sex etwas Wildes in den kulturellen Alltag holt. Etwas, das gar nicht zu dieser Ordnung passt. Genau diesen Bruch, die Erfahrung dieser Nicht-Passung, ist das, was wir laut Bataille Erotik nennen.
Die Erotik lebt deshalb vom Offenhalten, von der Inszenierung dieses Bruchs, geht es weiter. Am erotischsten ist deshalb das Moment, wenn der Sex in die Zonen einbricht, in die er nicht darf. Das Moment der Überschreitung zählt mithin; die Gewalt, die dieses Moment immer auch bedeutet. Das will uns zumindest Bataille einreden.
Und was sagst Du?
Die junge Frau steht an dem Tor, das den Garten zur Straße hin öffnet. Auf den ersten Blick bewegt sie mich. So eine Anziehung, so eine Kraft.
Eine Qualität ist da.
Sie verzieht den Mund zu einem sozialen Lächeln, als sie mich sieht:
Da bin ich also.
Ich versuche, die Qualität zu fassen, als ich auf Dich zugehe.
Nehmen, Aufnehmen; ohne Limit bis zur Verausgabung; das kommt von Deiner Seite;
ein Pressen, ein Drücken, auch ohne Grenzen, meldet sich in mir.
Es passt etwas auf einer fundamentalsten Ebene zwischen uns; der Grund-Bezug zur Welt und zu den anderen matcht.
Und weil der sich from the very first beginning im Intimen und damit immer auch schon im beginnenden Sexuellen formiert, gehe ich im Sex auf Dich zu; im ganz Konkreten:
Das Pressen und Drücken und Verausgaben und Nehmen und Aufnehmen und Weiter Verausgaben, wie es zu der bewegenden, gierigen großen Paarung gehört, ist eine ganz reale Möglichkeit zwischen uns. Weil das alles grundsätzlich und damit eben auch in seiner sexuellen Form matcht.
Gut pocht und zieht es deshalb in der Magengrube, als ich Dich am Tor erreiche; mächtig betritt Eros den Raum, als unsere Hände sich zur Begrüßung berühren.
Natürlich ist das etwas Wildes, schreibe ich Dir mithin hier weiter; und natürlich hat dieses Pressen, Drücken, Nehmen, Aufnehmen, Verausgaben etwas Gewaltiges an sich. Aber es ist keine Gewalt. Es ist lediglich die Dynamik des Bezugs und damit auch der sexuellen Paarung; und wo diese als Möglichkeit, als Vorstellung, eigentlich als ein semantischer Gehalt aufkommen kann, ist Erotik das Ereignis, das fortan bestimmt. Sie ist eine mögliche Erzählung, die sich in eine andere Erzählung - Du stehst am Tor; es geht um das Sehen, Zugehen; das ist die Story, mit der alles beginnt - integriert.
Aber das Gewaltige an all dem, füge ich endlich abschließend hinzu, kann zu einem Denken in den Bahnen von Gewalt verführen; bei einem soliden religiösen Hintergrund hat ein solches Denken sogar leichtes Spiel. Weil es so normal ist, dass sich ohnedies alles dauernd um Vernichtung, Leiden und Sterben dreht. Selbst im Begehren muss deshalb vernichtet werden, und so wird man schlampig und vermengt gewaltig Verausgabendes mit gewaltig Gewaltsamen, weil sich das nicht unähnlich anfühlt. Schon wird die GroßePaarung damit als Geschehen verfehlt.
Ich verfehle sie allerdings nicht mehr.
Der silbergraue Kater schreit wieder herum; wie auch gestern schon, als es Morgen wurde. Vermutlich sitzt er wieder irgendwo unter dem Bett; unzufrieden mit seiner Existenz, aber nicht wissend, was es vielleicht besser machen könnte.
Vorsichtig schleiche ich mich nach drüben. Dort ist es noch stockfinster; Jalousien-schwarz.
Ich muss aufs WC.
Du schälst Dich zwischen Ezra und Tim aus der Mitte und steigst an der Breitseite herunten bei mir aus dem Bett.
Eine der drei Grazien von Botticelli oder von einem Fresko in Pompeji gleitet auf das hin an mir vorüber; mit der klassischen Bauchwölbung unter der zarten Brust. Du streifst an mir an und ich greife nach Deinem Rücken; so vertraut ist mittlerweile der Touch Deiner Haut.
Fast vergesse ich, dass es um den Kater geht; zwischen Bett und Fenster auf der anderen Seite finde ich ihn; bereitwillig rennt er nach draußen, als er merkt, dass ich ihn vertreiben will.
Du kommst zurück und nun geht Botticellis Venus in meine Richtung; das Drücken und Pressen meldet sich sofort. Als Ausblick, als Erfahrung; und es formiert sich zuerst an Szenen, die voll mit Deinem feinen Stöhnen sind. Dann an solchen, in denen Du mich mit Deinem Mund umschließt; doch immer bleibst Du die elegante Grazie, die nie vulgär wird, aber verausgabend und in dem obszön liebt und begehrt.
Mehr noch als am ersten Tag zerreißt das mein Zentrum irgendwo unter dem Herzen; in ihm schnaube ich nur noch und ringe zugleich um Luft.
Ich küsse Dich kurz auf die Wange und gehe wieder nach draußen; satt bin ich jetzt schon, wenn ich an das nächste Mal denk'.
Und richtig fett werde ich, wenn Du Dich auch hier auch noch durch die Zeilen wölbst.
1000Küsse668nach
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Bataille Session, 17. August 2026
23.00/04.20, C. - Es ist schwer zu sagen, wer von den beiden wilder rennt. Ezra ist schnell; dafür haut sich Timmi mit den Händen und Fäusten fortlaufend an den Kopf; wie einer von jenen Fußballern, die in der Nachspielzeit eines Endspiels das entscheidende Tor machen und dann emotional völlig eskalieren.
Die beiden sind ja überdrüber.
Oh ja!
Ich stecke mir wieder einen gegrillten Tintenfisch in den Mund; einen der acht, zehn kleinen Calamaren, die auf dem Teller liegen. Dann renne ich schon wieder den Jungs nach. Unser Ecktisch im Parterre des Diesel-Kinos ist so gesehen optimal; es stört niemanden, wenn auch noch zwei kleine sausende Kinder die seltsame Misch-Zone aus Anstell-Bereich für die Kasse und Sitz-Bereich für den Mexikaner (das "Vanilla") bevölkern. Nur zu hoh ist der Tisch; man muss zwei Barhocker oder das Bank-Pendant zu solchen erklimmen, um an ihm zu sein: ein Esstisch, der eigentlich ein Stehtisch ist. Weshalb Ezra wie Tim mehrfach abstürzen, als sie sich zu Dane zu setzen versuchen. Aber keine Beulen am Kopf, keine zerschundenen Knie oder dergleichen.
Wir sind auch überdrüber.
Ganz fest hat sich bei Dir alles schon gespannt und dann wieder entspannt; ich merke die Spannung aber jetzt noch, als Du auf mir bist. Es presst und umfasst so herrlich, und das schlägt sich noch herrlicher mit dem Touch Deiner Fingerspitzen, die mit minimaler Berührung über meine Brust gleiten.
Bitte -- Bitte ---- Auch bei Dir selbst bitte ------ Bitte ----------
Mein Griff ist dafür wühlend und wühlt sich in Deine Hüften; mit dem Blick wühle ich zugleich die Bauchrundung und die Rundung der Brüste entlang. Und dann sehe ich nur noch diese Formen und sie überschwemmen mich bis zum Verlust in ihnen, während sich die Hände und die anderen Glieder in Dir verlieren.
----- JA! ------ Ja ------------- ----------------------- ------
Ich bin schon viel zu lange bei diesen beiden hier.
Ich nicht; ich bin erst seit einigen Tagen da.
Wo kommen Sie her?
Aus dem schwarzen Comic mit der roten Aufschrift, das da auf der
Auflagefläche bei den Buchregalen steht. Talk Dirty.... Wir kennen uns
aber von früher. Und Sie?
Aus den Büchern am Schreibtisch dort beim Fenster; Das obszöne Werk;
Die Erotik; Die Tränen des Eros und anderes.
Aber warum sind Sie zu lange da?
Die Frau mit den langen, brünetten Haaren beginnt sich unvermittelt in
der Raummitte auszuziehen. Er sitzt wie immer seitlich am schwarzen
Tisch; die Beine übereinander geschlagen und den Ellbogen der Linken
auf die Fläche gelegt. Er sieht der Frau zu.
Weil ich etwas nicht verstehe und mich etwas irritiert.
Was?
Das Kleid liegt am Boden, auch der BH. Sie zieht nun gerade den Slip nach
unten.
Vielleicht die fehlende Gewalt.
Sie geht nicht weiter auf darauf ein, bewegt sich aber langsam auf ihn zu.
Sie stellt sich vor ihm hin.
Du kannst alles mit mir machen. Bis auf das eine.
Er mustert sie, bewegt sich aber nicht.
Du willst mich beherrschen, sagt er dann.
Sonst würdest Du es tun.
Warum sollte ich das?
Weil Du offensichtlich glaubst, dass Gewalt dazu gehört. Fass' mich an.
Er zieht seinen Arm vom Tisch und fasst ihr direkt zwischen die Schenkel.
Mmmmh.... Das tut gut. Zieh' Dich auch aus.
Nein.
Dann werde ich es tun.
Nein. Wir bleiben an der Grenze, in der fortlaufenden Überschreitung.
Dabei sucht sein Finger den Weg in sie.
Mmmmmmmh....Ooohhh ja....
Es sind die besten Calamari, die es gibt, weiterhin. Wahnsinn! Das hat sich in den letzten 6 Jahren nicht verändert.
Ich sage das schnell, während ich einen zerschneide und mir schnell die eine Hälfte in den Mund stopfe. Dann bin schon wieder hinter Ezra her, der diesmal im Alleingang nach rechts hinten losläuft. Der kleine Tunnel führt zu einem nächsten Lokal, Franks Bar oder so.
Im Augenwinkel sehe ich, wie Du Tim von Deinen Burritos kosten lässt. Ganz in Deiner genießenden Ruhe, die Du beim Essen immer hast. Vielleicht ist es auch ein ruhiges Genießen. Es ist auf jeden Fall Dein Genießen und als Handlung toucht es mich; als Akt, als Anzeige-Akt, das es immer auch ist.
Und mit ihm streift mich auch all das andere Genießen, das an ihm dranhängt; wie an jeder Anzeige- und Symbolstruktur immer noch ganz viele andere Gehalte dranhängen:
Diffus liegst Du da, im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt; oder in unserem Nachtzug, Ich sehe nur Deine geschlossenen Augen und höre Dein feines Maunen und freue mich.
Auch jetzt, wenn dieser Gehalt mich streift; dann freue ich mich jetzt schon auf Dein Genießen. Und registriere die Kraft, die dazu gehört; das Pressen auf meiner und das An-und-in-mich-Ziehen auf Deiner Seite, und ich ahne, wie man diesen Handlungs-Akt des Pressen-Ziehens, diesen speziellen, wortlosen Speechact, als Gewalt missdeuten kann.
Nämlich indem man übersieht, dass man in solchen Momenten immer auch schon auf der Ebene der Symbole unterwegs ist und sich so alle möglichen Gehalte dazu mischen können; auch ein zu schnelles Identifizieren von Kraft und Gewalt. Und dann lebt die Erotik nicht mehr von den Geschichten, die man teilt, und dem Pressen und Nehmen, Aufnehmen, das durch diese Geschichten hindurch spricht und sich ankündigt, was Erotik ausmacht, sondern von einer Gewalt, einem Taboo-Bruch, der dieser Gang in die Gewalt immer ist. Davon lebt dann die Erotik, in der alles sein darf nur das eine nicht, wie die Frau sagt, damit nur ja nie die Geilheit vergeht oder sich abschwächt.
De facto leben wir in einer Kultur der Erotischen Gewalt; der Aufladung von Kraft mit Gewalt und Aggression, ohne zu begreifen, dass es ein symbolisches Aufladen ist. Und damit die tragische Folge von mindestens 2.000 Jahren Unsex-Kultur. In Wirklichkeit hat sich in 100 Jahren Psychoanalyse und Co. nichts verändert; im Maistream ist immer nur die Pornografie als Guter Sex über geblieben. Und mithin die Erotische Gewalt.
Ezra steht an der Bar, als ich ihn einhole. Er hat sich von Timmi vorhin abgeschaut, dass man den runden Oberteil des Barhockers drehen kann. Was er nun mit Begeisterung tut.
Von hinten schießt Timmi an mir vorüber. Kichernd wirft er sich an den Hocker, über den die beiden schon hinausschauen können. Ezra kichert mit.
Voller Energie und Kraft-voll drehen sie num gemeinsam an dem faszinierenden Ding.
1000Küsse667nach
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Bataille Session, 14. August 2026
23.25/04.40, C. - Endlich am Tisch. So wie vor knapp 21 Stunden. Endlich wieder am Schreiben und zu Hause. Ich kann gar nicht mehr in chronologischer Reihenfolge wiedergeben, was seither alles passiert ist.
Wir haben einen große Pflegeaufwand bei Balthasar. Er dürfte eine schwere Allergie gegen Gräser haben. Er hat bereits ein offenes Abszess; es war viel zu spät, als wir mit der Behandlung begannen. Er muss Body und Trichter tragen. Unser schwarzweißer Kater in der Krise. Das war eher am Nachmittag. Sagt auch das "17.05" am Ende der Message.
Es tat mir so leid, als ich heute von Timmi weg musste. Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass ich Arbeiten gehe. Er ist so ein feiner Junge; so sensibel für Beziehungen und was man aus ihnen bekommt. Ezra hingegen kann sich immer besser aus sich selber heraus halten. Unsere unterschiedlichen eineiigen Zwillinge. Das sagtest Du schon am Morgen, wenn ich mich recht erinnere. Als ich im ersten Schwungholen auf der Oberösterreich-Fahrt war.
Erotik als Diskurs; die Idee der Weltenpaarung. Und alles spielt sich in einem fiktiven Zug ab, in dem wir nackt im Diskurs stehen. Gut. Die Angst vor der Erotik ist damit vielleicht auch die Angst vor dem umfassenden Bezug. Eine wunderbare Verdichtung auf wenige Zeilen. Das hast Du mir erst vorhin geschrieben, als Beginn unserer Nacht-Arbeit.
Ich mag unseren Zug; ich mag, wie wir nackt darin sitzen.
Wobei Du mittlerweile vor mir stehst, nachdem ich nach Dir gefasst habe. Unsere Knie stoßen aneinander, Deine Hände liegen an meiner Schulter nahe am Hals.
Jetzt kletterst Du auf mich.
Die Schenkel gehen auf und drückst Deine Knie neben meinen Beinen in die blaue Bank des Abteils. Unsere Geschlechter und Bäuche kommen in Berührung; Deine ausgestreckten Arme umfassen meinen Hals. Im schummrigen Notlicht erspüre ich das alles mehr, als es zu sehen.
Zug und Sex, das ist als Symbol beliebt, sagst Du dabei.
Ich habe nicht schnell eine Antwort parat. Auch deshalb nicht, weil ich in den Augenwinkel jemanden am Gang draußen vorbeigleiten sehe. Es ist der Mann von vorhin; es ist wieder Bataille.
Diesmal stutzt er; weil er uns offensichtlich sieht. Bei aller Dunkeltheit sind wir von außen wenigsten diffus zu erkennen. Er hält an und schaut durch die Scheibe.
Wie obszön. Treiben es die zwei da drinnen tatsächlich? Sie wirken
seltsam bewegungslos und so lässt es sich nicht sagen; so bleiben sie im
Grenzbereich von Verbot und Überschreitung; es ist noch nicht
entschieden, in welche Richtung es geht. Auch wenn es schon illegitim
genug ist, was passiert: Der aufgeschobene Taboo-Bruch, das Moment vor
der Gewalt.
Jetzt beugt er sich zu ihr und beginnt sie zu küssen!
Mit einem Kuss bricht es sich jetzt doch und es wird brutal, weil es die
Ordnung der Kultur zerstört. Die Öffentlichkeit gehört der Vernunft und der
Arbeit; speziell das Zeugen und Gebären ist aus ihr verbannt. Nicht nur zur
Wahrung der Intimitäten, sondern vor allem zur Wahrung einer Ordnung,
für die alles Leben nach Wildheit und Eigendynamik riecht.
Immer enger drücken sich die beiden jetzt einander; ich weiß nur zu gut,
wie es nun weitergeht....
Bataille hält nicht lange, aber sein Blick toucht mich wie jeder seiner Blick aus seinen Büchern, denn natürlich schaut jedes Buch beim Lesen zurück. Da ist es wieder; dieses Unbändige und Herrliche; es befreit sich und diesmal spüre ich es als ein Wildes, das über mich kommt. Ich beuge mich nach vor und beginne Dich zu küssen; Du beugst den Kopf leicht zur Seite, damit das problemlos gelingt. Auch mit den Brüsten stößt Du jetzt an meinen Körper; irgendwie wird jetzt alles zu Haut.
Zug und Sex gehören zusammen, antworte ich Dir jetzt viel zu spät, während ich meinen Kopf wieder nach hinten ziehe.
Warum?
Du umarmst mich jetzt und legst den Kopf an meine Schulter; als Einheit ruckeln wir jetzt mit der Unwucht der Gleisübergänge mit.
Ich komme nicht zum Antworten, weil der Blick einer langhaarigen Frau mich trifft. Umgehend schaut sie zu Boden, vergisst dabei aber, ruhig weiterzugehen.
Oh mein Gott, ich darf nicht hinsehen, ich darf gar nicht hinsehen! Wie
sehr mich das... Unglaublich damals, wie er das machte. Und wie er roch.
Ein Spiel, ein Spiel ohne Grenzen, aber er hat nie gegen die Regel
verstoßen; nur einmal, und da wollte ich es so. Geh' weiter, geh' einfach
weiter, bevor Du pissen musst... Vielleicht findest du dein eigenes Abteil.
Fast schleichend geht sie schließlich weiter; ein Moment von stiller, aber endloser Gier streift mich dabei. Selbst gierig fasse ich deshalb Deine Hüften und presse Dich an mich und uns beide tief in den Sitz hinein.
Weil Züge intim und unintim zugleich sind, kommt jetzt erneut viel zu spät von mir als Antwort; Du weißt aber dennoch, zu welcher Frage sie gehört.
Erotik eben, ergänzt Du deshalb nur knapp; Dein ganzes Gesicht gräbst Du zugleich in meinen Übergang zwischen Schulter und Hals, was ich mit Küssen an Deinem Hals erwidere. Und genieße, wie die Unwucht der Gleisübergänge uns aneinander reibt.
Wahrscheinlich hast Du recht und die Angst vor der Erotik ist die Angst vor dem allumfassenden Bezug. Oder umgekehrt vor dem Verlust des Fetischismus. Mit dem Fetischismus regulieren wir nämlich unseren Zugang und Umgang mit den Objekten. Der Fetischismus ist der Schlüssel zu fast jeder komplexeren Gesellschaft und Kultur. Keine erschlagende Waren- und Wissens.Produktion ohne Fetischismus; noch immer nicht.
In unserem Nachtzug lege ich den Fetischmus zur Seite. Und nehme ihn auch nicht mehr aus dem Zug mit heraus.
Wie gut ist unser voller Bezug doch, um den wir doch täglich ringen.
Ich spreche es nicht aus, als ich mich ins Bett lege. Ich greife nur vorsichtig über Timmi hinweg nach Deiner Schulter.
Liebevoll greifst Du im Halbschlaf zurück.
1000Küsse664nach
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Bataille Session, 13. August 2026
23.30/3.40, C. - Ich werde munter, weil Du ins Zimmer kommst. Ich kann mich nicht erinnern, beim Niederlegen von Tim eingeschlafen zu haben. Ich saß neben ihm in seinem Flachbett, Du neben Ezra, der im zweiten daneben lag. Aber jetzt bist Du schon ausgezogen, frisch geduscht; folglich muss ich gepennt haben.
Wir schleichen aneinander vorbei. Du bereitest Ezras Platz im großen Bett vor; ich Tims. Dann: vorsichtig nach den Kleinen greifen; sie zur Schulter legen; quer über das Bett beugen. Eine wunderbare Landung für Tim. Mit Ezra warst Du ein paar Sekunden schneller. Eine klare 1-Komma-Null für uns beide.
Wie immer komme ich kurz hinter das Bett, um Dich von dort aus zu küssen. Auf den Mund, auf die Brust. Gute Nacht heißt das nicht, sondern Gleich beginnt unser Schreiben der Nacht.
Draußen am Küchen-Wohnzimmer-Tisch ist es ruhig wie immer. Kühle Luft kommt durch die weit aufgeschobene Glastür; von weit drüben ist ein Nachtzug zu hören: Feines Rauschen, glatt und ohne jeden Widerstand.
Nachtzug nach Lissabon.
Nachtzug zu Dir.
Ich kleide Dich für das Abteil nicht eigens ein. Wir sitzen beide nackt da, es ist auch niemand in ihm außer uns und dem feinen Rauschen. Du hast die Beine übereinander geschlagen und die Hände in den Schoß gelegt.
Der heutige Text ist anders, schreibst Du mir von drüben aus dem Bett, nicht so liebevoll wie der gestrige - es geht ja auch mehr um das Begehren der liebenden Erwachsenen als um das familiäre.
Ich schaue Dich nur an. Weiter rauscht der Zug; ganz monoton und mit entspannender Kontinuierlichkeit. Du hebst Dein rechtes Bein und ziehst es bis zur Brust hoch. Du stellst Dein Kinn auf das Knie und umfasst Deine Unterschenkel mit Deinen Armen.
Mir gefällt der Begriff des familiären Begehrens, sage ich schließlich. Unsere Erotik verdampft immer auch ein Stück weit in die Räume, in denen wir uns befinden. Als kraftvolle, Liebes-volle Atmosphäre umstreift sie dann auch unsere Kinder. Was diese, neben anderem, so entspannt und so glücklich macht.
Du streckst jetzt Dein linkes Bein gemütlich aus und zwischen meinen Füßen hindurch. Fein streift Deine Haut dabei an meiner entlang.
Erotik ist eine innere Erfahrung, antwortest Du dann, aber auch eine Handlung und mithin ein Symbol, ein Symbol-Geschehen. Als solches hat sie auch einen Gehalt, also buchstäblich Bedeutung. Und diese Bedeutung streift, wie jede Bedeutung, umher und toucht auch andere, also nicht nur uns selbst.
Seitlich geht gerade jemand am Abteil vorüber. Ich erkenne ihn im Fast-Dunkel gleich; es ist Bataille. Er sieht uns aber nicht und bleibt deshalb auch nicht stehen.
Ich schiebe meine beiden Beine ganz leicht nach vor, damit Dein Fuß und meine offenen Stellen nicht aneinander kommen. So umfassen jetzt meine Unterschenkel Deine Wade von rechts und von links und alle drei bilden eine Einheit; passend kontinuierlich rauscht dazu der Zug.
Eine wichtige Beobachtung, sage ich in der Folge; am Ende ist eine Erotik, die aus der von Sex durchwuchernden Erzählung kommt, selbstverständlich primär eine Debatte; ein Diskurs.
Rasch beginnt die Haut unserer Beine ein wenig aneinander zu kleben. Ich mag die Enge, die so entsteht. Die leichte Vibration des Wagons wird darin zu einem feinen Zittern, das die Härchen an meinen Schenkeln spitz und empfindsam werden lässt.
Die Erotik ist damit immer auch die Erotik der anderen; es reden immer ganz viele mit, wenn wir einander begehren.
Während Du das sagst, streckst Du Deinen linken Arm aus und legt die Hand auf mein Knie. Mit einem Klick geht die ohnedie schon karge Beleuchtung ganz aus; es bleibt nur mehr das schummrige Notlicht, bei dem man nur noch Konturen sieht.
Sex-Talk ist deshalb immer ein Stück weit Scham-voll; wir verausgaben uns in ihm immer an alle; paaren uns immer mit der ganzen Welt.
Ich bin von Deinem Gedanken begeistert. Tatsächlich trifft das besser als Batailles Betonung der Überschreitung, die zur Erotik gehört und die immer auch eine Angst überschreitet; nämlich die vor dem Tod. Die Angst vor der Erotik ist immer die vor der großen Paarung; vor der grenzenlosen Orgie, die in ihr steckt. AUCH DAS macht sie so herrlich lebendig; nicht nur der in ihr wuchernde sexuelle Drive.
Deshalb, sage ich Dich aufgreifend nach kurzer Pause, wird Erotik erst aushaltbar und lebbar, wo wir zu Göttinnen und Göttern werden. Wo ich Dich als Apoll oder sonst wer besteige und Du als Diana oder Athene nach mir greifst. Als Welten-Zeuger also, als die man immer das Leben als solches gebärt. Dann ist die Überschreitung herrlich und nie kommt man wahrscheinlich mehr in der Welt an als an diesem Punkt.
Ich presse dabei meine Schenkel fest zusammen und damit Deine Wade; es ist gut, wie sich unser Fleisch ineinander drückt. Du sagst nichts dazu und nur das feine Rauschen des Zuges ist zu hören; aber ganz von selbst bekommt Dein Gesicht diese Ruhe und Stärke, die es in letzter Zeit so oft hat. Du hast empfangen, Du hat geboren; die Göttin weiß um sich bescheid. Du hebst deshalb nur Deine Hand von meinem Knie und fährst mir über die Brust und meine Brustwarzen; im schummrigen Notlicht versuche ich im Gegenzug Deine Fuge zu erspähen.
Rasch brechen auf das hin alle möglichen dunklen, schwarzweißen Diagramme aus dem Verzeichnis; wie ER SIE zu sich auf das WC zieht; wie EDWARDA alles zwischen Ihren Beinen verschlingt, was sich ihr nähert; wie im alten Turm SIE alles zulässt außer das ReibenReibenReiben und ER fasst die Besinnung verliert. Nin, Miller, Bataille, Schultheiß; die Erotik der anderen redet jetzt eben lautstark mit. Weshalb ich zum Gott werde, der über Dich und in Dir und mit Dir über die Welt kommen will. Und der jetzt einfach hingreift und nicht mehr spricht.
In dem heutigen Text das Begehren sehr gut lesbar, kommt jetzt von Dir, von drüben aus dem Schlafzimmer. Und Gewissermaßen auch "Jagd" fügst Du dann noch hinzu.
Nicht umsonst gehen die Götter der Antike so gerne jagen, raune ich dem Nachtzug von draußen nach, und verlieren sich dabei in irgendeinem Bett.
1000Küsse663nach
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Bataille Session, 12. August 2026
23.00/04.20, C. - Was für ein gelungener schöner Text. Liebe, touching, Erotik, Freude.
Drei rote Herzen hängst Du auch noch dazu.
Unser Wochenspiel ist eröffnet. Kurze Nachrichten, die auf lange Texturen antworten, die andere kurze Nachrichten als Anregung hatten. So leben wir schon lange. Und erst recht jetzt, wenn die Kleinen krank sind.
Ich komme zu nichts, ich habe keine Luft zum Atmen. Sie hängen nur noch auf mir.
Am Nachmittag bist Du kurz vor dem MeltDown. Die kleinen Bäuche spannen noch, der Schmerz hat Ezra und Tim unleidlich gemacht. Schreien, spucken, werfen; mehr gibt der Alltag nicht her.
Es hilft auch nichts mehr, wenn Du zu Hause bist; das entlastet nicht.
Das tut es dann doch. Ausnahmsweise musst Du nicht singen; stattdessen wird mit mir Kartoffelgulasch gekostet. Und mich zum Duschen zu begleiten ist auch nicht schlecht. Langsam kommen wir so unserem Wochenspiel näher.
...Liebe, touching, Erotik, Freude.
Die Jungens schlafen heute einmal; irgendwie haben sie sich doch von der Grippe erholt. Dennoch bleibt für uns nur das Schreiben. Der Weg zum Sex wird in den nächsten Tagen noch weit. Aber ich kann Dir wenigstens antworten und dabei eine neue Fährte legen:
Vorhin hätte ich gerne hingegriffen, als Du vorbeigestreift bist, um den Schwarzweißen Kater zu suchen. Nur mehr bekleidet mit Deinem Höschen für die Nacht. Frag' mich nicht, was genau ich gerne berührt hätte; ich weiß es nicht. Es lässt sich auch nicht herausfinden, weil Du jetzt kein zweites Mal vorbeistreifen wirst. Du liegst schon zwischen Ezra und Tim drüben im großen Bett.
Ein NEIN zur Erfahrung aus der Unmöglichkeit heraus also.
Was mit einem Verbot vergleichbar ist. Doch Verbote eröffnen immer erst recht das Nachdenken, das Genau-Sein, das Schreiben und das Erzählen. In diesem Fall - das Schreiben, das man Erotik nennt.
Die Erotik eines Höschens; einer kleinen Hose, die Du noch trägst, die aber nicht eng an Dir liegt.
Sie hängt sogar ein wenig auf Deinem Körper; gerade deshalb gibt sie nichts von ihm preis. Keine Form des Hinterns, keine Öffnungen und Spalten, mit denen Unterwäsche sonst spielt. Wenn ich wissen will, was sie alles nicht zeigt, muss in sie greifen; und genau dazu lädt sie ein. Zum Greifen, zum Tasten; zum Formgeben mit Händen, die dann wahrscheinlich die Spannkraft der Backen fassen, zwischen denen feine Feuchtigkeit liegt.
Doch ich kann in Deinem Vorbeistreifen nicht hingreifen; ich kann nur schauen und sehen. Die trainierten Schenkeln; den straffen Rücken; die perfekte Bauchwölbung, die die Rundung der zarten Brüste wiederholt.
Vielleicht wird Dir die Hose nach unten rutschen; doch noch sitzt sie fest und alles bleibt bloß Ahnung. Die zugleich Wissen ist, von dem ich durch ungezähltes Hinlangen und Festhalten weiß.
Mit jeden Schritt in das dunkle Schlafzimmer hinein wird Dein Körper zur schwarzweißen Skizze, die sich frech mit anderen schwarzweißen Skizzen vermischt.
Auf einer liegt eine Frau der Breite nach über ein Sofa; über ihr ein Mann, der gierig mit den Lippen und der Zungespitze den Hintern und dessen Falte sucht. Auf der anderen ist in der Schwärze fast nichts mehr zu sehen; lediglich ein Fuß, den SIE fast krampfhaft und voll mit irgendwas Klitschigen gegen ihre linke Backe presst.
Großartig hat Hr. Schultheiss das alles gezeichnet; ich mag sein Talk Dirty, das sich gerade zu uns herein mischt.
(Ein Räuspern).
Bataille ist wieder da. Er will mich überführen, weil ich gerade ins Pornografische und Obszöne ausgeschert bin. Aber ich grinse ihm nur zu; ich bin mit ihm auf einer Linie; er hat in vielen Punkten recht:
Ja, die Radikalität des Obszönen ist eine eigene Qualität; ich weiß sie zu schätzen.
Erst mit ihr wird der Sex wirklich zu einer Erstheit, in der er ganz für sich steht. In der er ausschließlich das erotische Erzählen und das Erzählen überhaupt als Weg des Wissens über lässt; das Erzählen, das dann die Bewegung der Semiose von der einnehmenden, sich anzeigenden Qualität über das Finden des passenden erstens Zeichens bis hin zur komplexen Symbolität wiederholt. Nur das Obszöne kann das derartig eindeutig erzwingen.
Doch Monsieur, das ist keine Frage des Todes, wie sie immer betonen, sondern eine der Geburt.
Ja, das Erzählen, das voll mit Eros bis hin zum Pornografischen ist, ist der Gestus der unendlichen Semiose und damit der ewigen Geburt.
Genau letztere bringt die Erotik generell auf.
Und genau deshalb wird sie auch immer wieder tabuisiert. Weil sie damit für die Verausgabung des Lebens steht, für das immer wieder beginnen, das sich mit jedem Griff in die weite Hose eröffnet und in der Frucht der Kinder weiterträgt.
Das Taboo der Erotik ist das der ungezügelten Geburt und damit des ungezügelten Lebens, Monsieur, nicht das des verdrängten Tods. Aber vielleicht ist Ihre Arbeit ja auch eine stete Dekonstruktion dieser Verhältnisse und ein Hoffen auf eine neue Religion des Heiligen Eros; auf eine neue Religion der ewigen Geburt.
Die Frau hat ihr Bein längst losgelassen und der Mann hat sich wieder erhoben. Was bleibt ist diese Atmosphäre, die sich nur dann einstellt, wenn Texturen sich auf derartige Weise bewegen.
Ich senke sie über Dich, über uns; als das Echte, Aufbrechende, mit dem die Nacht dann umhüllt.
1000Küsse662nach
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Bataille Session, 11. August 2026
23.00/04.20, C. - Ich erwache. Ein Tritt hat mich in meine linke Seite getroffen. Grade trifft mich ein zweiter.
Er kann nicht schlafen.
Dane flüstert so leise, dass ich sie kaum verstehe. Wie Tim nicht parallel zu mir liegt, sondern im rechten Winkel, tut Dane das auch. Nur noch weiter unten; auf Beckenhöhe. Keine Ahnung, warum die beiden in dieser Position gelandet sind. Ezra liegt drüben in seinem Eck wie immer.
Ein nächster Tritt trifft mich.
Ich habe ihm gerade eine Flasche gebracht gehabt.
Und?
Du hältst mir eine halbvolle entgegen.
Versuchen wir es mit Wasser.
Bevor ich erst aufkommen versuche, bist Du schon am Weg in die Küche. Beide Beine schmerzen; das alte Geschwür links unter dem Innenknöchel und auch das neue am rechten Bein an der fast gleichen Stelle stechen. Das macht beeindruckend langsam und immobil.
Tim streckt sich aus und sucht die Hand seines Bruders. Er ertastet sie mit den Fingerspitzen und Ezra tastet im Tiefschlaf mit den Fingerspitzen zurück.
Zwillinge eben.
Du kommst herein, reichst Tim die Flasche und legst Dich an seine Seite. Er trinkt, strampelt und strampelt immer stärker; das bringt ihn in eine dezente Drehbewegung. Ganz langsam rotiert er so mit dem Kopf in meine Richtung und liegt mit diesem dann an meinem Bauch. Vorsichtig streiche ich ihm über das Haar und über die Wange; dann bewege ich meine Finger in Richtung seiner Brust.
Dort begegnen wir uns.
Ich streife Deine Hand, Du fasst auf das hin ganz leicht nach meiner, ohne sie festzuhalten. Bei meinem nächsten Ausholen, das mich eigentlich zu Tims Bauch führen soll, fahre ich Dir beim Vorbeigleiten kurz ins Haar. Beim nächsten Mal werde ich Dich streicheln.
Ich kreise kurz auf Tims Unterbauch, ziehe den Arm dann aber wieder weg, weil ich auch die Finger seiner Linken liebkosen will, die nach meinem Oberkörper tasten, während er mit der Rechten das Fläschchen hält. Ich erreiche sie, nehme sie einezln zwischen Daumen und Zeigefinger und massiere sie; alles nur vorsichtig und spielerisch. Dann greift meine Hand wieder nach unten und passiert dabei Dein Haar.
Ich fahre in die Locken, spiele mit ihnen wie vorhin mit Tims Finger und streiche Dich dann unter dem Haar und bewege mich dabei zur Stirn hin. Du langst deshalb ebenfalls erneut nach mir und lässt die Finger von meinem Oberarm zum Unterarm gleiten.
Meine Hand zieht wieder weiter, und so intim, wie ich sie grade durch das Haar und zu Deiner Stirn zog, so intim lasse ich sie jetzt erneut auf Tims Unterbauch kreisen. Was ihn sichtlich entspannt. Und als Bewegung, als Handeln, offensichtlich auch Deine Hand toucht, aufruft. Sie kommt dazu, und beide streifen wir so liebevoll aneinander und zugleich an Tim.
Sein Strampeln hat längst aufgehört. Er legt jetzt auch das Fläschchen zur Seite und greift mit der frei gewordenen Hand nach Deiner Schulter. Mit der anderen ist er wieder am Weg zu meinem Oberkörper; während er das noch tut, erreicht ihn meine Hand.
Wieder vorsichtige Fingermassage; zudem Entlangstreifen mit dem Handrücken an seinem Armen, an seinem Gesicht und schließlich mit den Fingern ein weiteres Mal durch sein Haar.
Von diesem springen sie zu Deinem weiter, und diesmal greifst Du gleich direkt zurück. Mit drei Fingern fährst Du mein Gesicht entlang.
Zeitgleich bewegen wir uns dann wieder an Tims Körper; Du hältst an seinem Bauch, ich an seiner Brust. Immer ruhiger wird sein Atem; er findet wieder in seinen Schlaf.
Der Heilige Eros nährt die Menschen.
Ich schreibe Bataille das in ein Tagebuch, das es nicht gibt, während ich mich vorsichtig im Bett wieder in meine Schlafposition bringe. Also leicht angwinkelt liege, fast schon sitze. So lege ich die Beine nicht übereinander und die Geschwüre an den Füßen sind gut vor jeglichem Kontakt mit irgendwas geschützt.
Die Erotik ist eine innere Erfahrung, hält mir Bataille entgegen, und als diese ist sie der Beginn jeder Religion. Allerdings hat das Christentum die Erotik gestrichen, weshalb die christliche Kultur ihren eigenen Ursprung nicht versteht. Und damit eine der unreligiösesten Kulturen überhaupt ist. Was auch für das Christentum selbst gilt: sie ist eine unreligiöse Religion.
Ich presse mich mit dem Kopf in den Polster und verstehe, was er meint. Der Religions-Begriff ist deshalb für mich auch völlig unverwendbar und ich rede lieber vom Erzählen, das fein ist und genau ist und so liebt und Gott Sex als Qualität hereinlässt, bis alles gut und lebendig pulsiert. Informationstheoretisch aufgelöste Religion also; Qualitäten, Erstheiten betonende Semiose statt leerer, formalistischer Frömmigkeit.
Wie sehr ich diesen Unsinn doch verachte; egal, vor welchem kulturellen Hintergrund und auf Basis welcher Heiligen Schrift. Historisch besehen Viehzüchter-Ideologien, die gerade deshalb, weil sie das sind, den Eros streichen müssen; um den Weg freizumachen, für eine Logik der Reproduktion und Zucht.
Ein eigenartiger, lautlos formulierter Gruß zur Nacht.
Der Heilige Eros nährt auch unsere Kinder.
Und gerade macht er sie auch ein Stück weit wieder gesund.
Als ich am Abend hereinkomme, liegst Du mit den beiden auf ihrem flachen Sofa. Du hast den oberen Rücken gegen die Wand gelehnt und die Knie angezogen. Tim drückt sich in Deinen linken Arm, Ezra in Deinen rechten. Wieder einmal musst Du singen und die Jungs hören Dir begeistert zu. Fast schon glückselig kleben Sie an Dir.
Neben dem Lied singst Du auch den Gesang der echten Göttinnen. Die schmalen Träger des weißen, blau gestreiften Kleides sind nach unten gerutscht; mit ihnen auch der Kleidrand, der so die Brüste verschnürt und damit betont. Von den angwinkelten Knien ist das Kleid bis zum Beginn der Oberschenkel herab gesunken; ein befreiender Gestus, der in diesem Fall aber noch gar nichts befreit. Bei all dem ist Dein Blick klar und die Freude an Deinen Söhnen strahlt aus jeder Pore.
Was für eine Schönheit Du bist.
Mehr ist nicht nötig, um das Heil der Welt zu verstreuen.
1000Küsse661nach
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Bataille Session, 10. August 2026
21.50/04.20, C. - Ein Aufwach-Wimmern; schnell und stärker werdend. Damit habe ich nicht gerechnet. Nicht jetzt und nicht von Tim. Ezra hatte einen flauen Magen gehabt und am Morgen erbrochen, Tim war fit gewesen. Bis noch vor 20 Minuten beim Zähneputzen vor den Einschlafen:
Pipula und Papapa; wir sind Pipula und Papapa.
Er hatte so gelacht, als ich ihn mit der Zahnbürste auf den Waschbeckenrand stellte und das sagte. Er hatte gebrüllt vor Lachen.
Pipula und Papapa, Pipula und Papapa....
Aber jetzt kotzt er los. Ein Schwall geht auf das Bett nieder, nachdem er vom Liegen noch rasch in eine Aufstütz-Position hochgekommen ist. Der nächste Schwall trifft meine haltenden Hände, der dritte Danes Oberkörper, die ihn rasch aus dem Bett gehoben hat. Denn Tim braucht Trost. Er hat noch nie so gekotzt. Dementsprechend weint er, schreit er entsetzt.
Doch kein Sonnenstich bei Ezra, sagst Du so nebenher.
Definitiv nicht.
Tim heißt er, nicht wahr?, Tim? Oo, der arme Kleine... Wahrscheinlich eine Magen-Darm-Infektion.
Ich wusste nicht, dass Don Quijote noch lebt. Bis die Tür des Lifts aufgeht.
Tim, ja Tim, oo.
Der alte, großgewachsene Arzt ist wenigstens an die 70 und macht kurze eckige Schritte. Parkinson, vermute ich. Sein Begleiter ist jünger und deutlich kleiner und mit einer Arzttasche bepackt. Irgendwie redet der kleine, etwas kugelige Mann unklar, obwohl er eigentlich den Koordinator sein sollte.
Der Junge, das ist der, der erbricht, oder? Oder? Davor hatte er aber nicht erbrochen, oder? ODER?
Genau.
Ein zeitgenössischer Sancho Panza. Sein Edelmann folgt mir; eckig, leicht schnaufend; So arm, der Kleine, sagt er dabei schon wieder. Und weil er das ernst meint, ist er für mich jetzt schon ein Edelmann.
Unsere Existenz ist eine sehr sexuelle. Oder, um mit Bataille ganz genau zu sein, eine sehr erotische.
Ich gehe da mit, Monsieur, habe ich ihm schon gesagt, vorausgesetzt wir verstehen die Erotik semiotisch. Also als das, was dann aufkommt und ist, wenn wir Erotik als ein Erzählen betrachten, in das ein Symbol gewordenes Stück Sex als Qualität, die vor allem für sich steht, hereinreichen, hereinwuchern darf. Komm', ich bin offen, ganz weit offen; küss' mich, küss' mich. Nie wird unser Erzählen, unsere ganze Symbolbildung kraftvoller, lebendiger, als wenn der Sex mitschreibt. Und nirgendwo werden wir im realen Sex bezogener als dort, wo - erzählte - Erotik die Entladung suchende Gier oder die sexuelle Bedürftigkeit generell ersetzt. So besehen sollten wir vor allem eine erotische Existenz sein. Weil Leben dann lebendiger und liebevoller wird. Was sich wohl immer als positiv erfährt.
Dennoch, Monsieur, könnten wir uns nicht auch für ein Primat des Erkennens und Wissens aussprechen - wie das philosophisch oft genug passiert ist? Macht uns nicht ein solches Primat auch genau und fein und schützend und helfend? Also diese universelle Semiose, die sich aber als Wissenschaft und wissenschaftliche Weltauffassung instanziiert?
Wäre dann Ihr Edelmann noch immer ein Edelmann? Irgendwann gegen 0Uhr30 Samstag in der Nacht?
Don Quijote ist angestrengt, als wir endlich durch die Tür kommen.
Ja was für eine schöne Katze!
Anselm, der Tigerkater, der Leitkater, ist längst munter und überwacht im Türrahmen zwischen Vorzimmer und Wohnzimmer sitzend die Situation.
Was ist das für eine Rasse? So ein edler Gang....
Orientalisch Kurzerhaar.
So edel, so schön, und der Kleine, ja...Tim heißt er, ja, Tim...
Mit seinen eckigen Schritten geht der alte Arzt zielstrebig auf das Kindersofa zu, auf dem Dane mit Timmi und Ezra mittlerweile liegt. Ganz automatisiert und selbstverständlich greift er nach dem Sessel am Schreibtisch neben dem Sofa und dreht ihn um, damit er in Richtung von Euch Dreien sitzt,
Solche Katzen sieht man manchmal in der Türkei oder in Persien. Maaah, der arme Kleine....Tim. Ist der Bauch gespannt oder geschwollen. Maah...
Weder von Tim noch von Ezra ist ein Laut zu hören; nicht einmal ein Klagen von Tim. Beide schauen nur mit einer gewissen Verblüffheit und fast mit ein wenig Amusement zu dem alten Arzt.
Wir haben immer nur Hunde gehabt, aber dieser elegante Gang....Wir werden ihn abhören...
Alle verstehen, was zu tun ist. Sancho öffnet die riesige Tasche und holt ein Stethoskop heraus, Du stehst auf und hebst Timmi in Don Quijotes Richtung und Anselm umschleicht grazil die Situation.
Die Hunde, die Hunde, aber der Gang dieser Katze... Maaa, da gluckert es, ist er blau, nein? Maa, eine Magen-Darm-Infektion, ich schreibe ihm gleich was auf... So ruhig und so sicher sagt er das alles, fast nebenher, und eigentlich ist er mehr in unserer Lebenswelt als bei irgendeiner medizinischen Best Practice oder dergleichen. Wie Don Quijote immer mehr in der Lebenswelt steht und sich gegen die Artifizialisierung und Automatiserung stemmt.
Die sind sicher teuer, solche Katzen....
Währenddessen stellt er ein Rezept aus und ganz von selbst schreibt auch Sancho an etwas herum.
Das ist der letzte Rest einer untergehenden Wissenskultur, in der man noch mit dem eigenen gewonnen Wissen gegen kleine wie große, oft zu große Windmühlen kämpft.
Monsieur Bataille steht neben mir und gemeinsam schauen wir dem Arzt zu, wie er mit fast unleserlichen Kringeln ein Rezept ausstellt. Dane liegt wieder auf dem Sofa und die Jungs haben sich eng an sie gekuschelt.
Zugegeben geht dann der Kampf gegen die großen Mühlen oft verloren, kommentiert Monsieur Bataille weiter, aber das schreckt nicht so, wenn man eine erotische Existenz realisert.
So lange es mich selbst betrifft, hat er recht; aber nicht wenn es um die anderen und die Kinder geht. Dann ist es gut, wenn Menschen ein Primat des Wissens leben. Mit allen Sprach- und Diskursformen, die dazu gehören. Die dann sehr schnell mit einer echten erotisch-sexuellen Existenz unvereinar werden. Und mit deren Leben in der Lebenswelt, das dann immer dazu gehört und priorisiert wird.
Am Ende ist diese Debatte müßig, raune ich Bataille zu; solange es Menschen gibt, wird es immer Don Quijotes geben. Die können etwas, was andere nicht mehr können, und ein Stück Platz wird dafür immer bleiben.
Beim ersten Mal gebe ich Tim die Med zu schnell; er kotzt sie gleich wieder über Dich. Beim zweiten Mal mache ich es schon besser und der Kleine findet seinen Schlaf.
Um 3Uhr18 quält ihn der Durst; er schreit nach Trinken. Tim kann allerdings die Menge Flüssigkeit nicht halten, die ich ihm gebe. Noch einmal ein wenig Med, Du gibst ihm nur keine Schlucke. Diesmal bleibt der Tee unten.
Ich bin bei all dem noch immer nicht müde; unser 80. Stockwert lädt mich auf und macht mich immer kraftvoller. Komm', küss' mich. Ein Stück weit bleibe ich immer in diesem; auch jetzt:
Noch eine Stunde lang massiere ich Tim den Bauch, ganz vorsichtig.
Bis er sich endlich entspannt und der Tiefschlaf kommt.
1000Küsse660nach
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Bataille Session, 7. August 2026
23.00/04.20, C. - Ich lasse mich verwickeln. Wenn Dane, Ezra und Tim schon schlafen, geschieht das leichter.
Schwarz ist die Stadt hinter der Brüstung. Nur ein paar Lichter; Hitze-Flucht in absolute Dunkelheit.
Batailles Gerede von der Kontinuität, um die wir uns in und mit der Erotik sorgen, steckt an. Dabei interessiert mich Kontinuität nicht. Ich muss mich nicht als Lebens-überschreitende Kontinuierlichkeit erfahren, um mit dem Leben zurecht zu kommen. Es reicht mir, etwas zum Fortlauf des Lebens-Prozesses beizutragen. Und das könnte sogar unbewusst oder unbedacht passieren; etwa, indem man aus Sitte Kinder zeugt und groß zieht. Beides wird immer ein Beitrag zu dieser Prozess-Wahrung sein, ohne dass ich je dazu einen Gedanken fassen müsste.
Auch jetzt nicht, in dieser Hitze der Nacht nicht.
Es ist auch etwas anderes, womit Bataille mich fängt. Obwohl ich die Augen kaum noch offen halten kann.
Ich möchte endlich wissen, was die Erotik wirklich tut, wenn man sie schon mit dem Thema der Dauer in Verbindung bringt. Was kann sie in dem Feld der Dauer tatsächlich?
Eine gute neue Atmosphäre liegt in Deinen Texten jetzt.
Unserer übliche Nachtkommunikation: Du zwischen den Jungs im Bett; lesend; ich am Küchentisch, schreibend und lüftend. Zwischen uns - Messenger-Nachrichten.
Am Morgen war ich noch unsicher, aber es beginnt sich eine Stimmung mit den Texturen zu entfalten, in denen der Sex durch die Zeilen hindurch wächst und eine andere mögliche Kultur zu Schwingen bringt. Eine, die intensiv und gierig, gerade aber auch in dieser Intensität so verausgabend und endlich und letztlich beruhigt und bescheiden ist. Weil nichts mehr die Qualität des Sexus, der einfach nur dasteht, übersteigen kann.
Von dem her mag ich es auch, wenn Edwarda vor allen anderen die Schenkel weit öffnet und Bataille zwischen diese ruft, ihn an den herrlich obszönen Körper presst; an diese weiße Grazilität, dessen Schenkeln dann sein Ohr umspielen und er nur noch den Ozean hört, wie am Grund einer Muschel.
Ich verstehe mittlerweile die Bedetung des Obszönen besser, schreibe ich Dir deshalb auch HIER, nicht mehr im Messenger, ergänzend zurück.
Nämlich?
lasse ich Dich umgehend, auch HIER, antworten.
Das Obszöne sichert den Sex in seiner Erstheit, basalen Qualität ab; nur so kann er trotz seines Symbol-Charakters, den er als Text-Stück dann schon hat, dieses Symbolität durchschlagen.
Edwarda ist nackt, immens nackt, und Bataille folgt ihren gleitenden Schritten und ihrem Geruch nach oben, und Nacktheit und Gleiten und Geruch zerfetzen die Welt, die Lebenswelt, wie wir sie kennen.
An dem Punkt kann es leicht psychotisch werden.
Und für einen Augenblick stehen wir in der Folge selbst nackt da, nackt bis auf die Knochen, weshalb sich Sex und Bedrohung, Not, Tod für diesen Augenblick vermengen; und selbst rot leuchtende, klitschig feuchte Spalten und purpur zuckende Schwänze sind dann erhaben und heilige Sakralität betritt den Raum.
Vielleicht habe ich früher einmal nur die Quelle und den Kern des vertrauten, mich sanft umspülenden Psychotischen gesucht und ein Stück weit auch gefunden, fährst Du mir da dazwischen, und ich weiß, dass Du auf der richtigen Fährte bist.
Damit warst Du aber auch am Absoluten Anfang, schreibe ich daher, Dich aufgreifend, weiter; nicht beim Tod, der alles beendet, sondern bei dem, der von Anfang ist weil er droht.
Das Obszöne ist deshalb das Absolute Beginnen; die pure Qualität, das Signal, die Selbst-Anzeigung von Leben und Wie-Psychotischem, bevor es sich ins Gesagte, Geschriebene, Symbolische bricht.
An Edwardas Schenkeln etwa, in der Textur, die das fassen und die zuerst nur von Haut und Ohren, die aufeinander treffen, spricht. Bis dann der Ozean auch im Spiel ist, und mit dem Meeresrauschen am Grund einer Muschel auch das Komplexe und Abstrakte, wie es erst die Poetik mit ihren Schriftungen gibt.
In der Erotik...
eröffnest Du deshalb ein Zusammenfassen, das aber mir obliegt;
.....also im Erzählen, sage ich deshalb übergangslos weiter, in das sich Obszöne und Geile wie ein Phallus oder eine Blicke aufsaugende Vulva wuchtet und sich bis zur Poesie hochschraubt, sorgen wir nicht für das Kontinuierliche, wie Bataille dauernd beschwört....
Sondern?
In ihr wiederholen wir die ewige Semiose; mithin die Bewegung von der Qualität über deren Anzeige bis hin zu ihrer sich vernetzendenDarstellung; in der Erotik machen wir insofern die Semiose, die Zeichen-Bildung, selber nackt.
Und deshalb feiert die Erotik das Innerste des Lebens und des Universums; die uranfängliche Bewegung, die sie auch dann ist; und in dem gibt sie mehr als irgendeiner Dauer; außer der, die ein stetes Wiederauftreten uranfänglicher Bewegung automatisch vergibt.
In der Postmetaphysik gleitet Edwarda deshalb nicht mehr durch Bordelle, sondern geht das 80ste Stockwerk entlang; in dem Haus, das es nicht gibt; in der Stadt, die es nicht gibt. Und statt Bataille folge ich ihr, und Du bist sie, und anders als Edwarda umschreitest Du nicht mehr fassungslos und ratlos eine rätselhafte Überblendung aus Sex und Tod im Changieren zwischen Gier und schleichend Depressivem, sondern hast den Anfang geschaut. Und bist nun immer wieder aufs neue bereit, ihn zu schauen; egal, wieviel Psychose-gleiches in ihm droht. Damit die Semiose nackt ist und sich vergeudend; wie in dem einen oder anderen Gedicht, das Du schreibst. Und erst recht wie in unseren Söhnen, in denen unser poetisches Verschwenden zur Maßlosigkeit wird.
Hell ist die Stadt mittlerweile und von der Hitze bleibt heute morgen nur noch grauer Dunst.
Aber wen stört das schon, wenn Nacktheit, nackte Semiose, die zuerst obszöne, dann erotische, poetische und damit letztlich liebevolle Existenz bestimmt?
1000Küsse657nach
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Bataille Session, 6. August 2026
23.15/03.40, C. - 23 Uhr ist spät.
Es ist jetzt gerade sehr spät.
Aber ich warte noch mit der Freigabe der Bataille Session zum Tag. Weil Dane erst am Lesen ist.
In knapp vier Stunden werde ich schon wieder auf sein. Das erzeugt ein wenig Druck. Letztlich ist der allerdings belanglos: There is nothing outside the text; meine ganz spezifische Auslegung Derridas,
Dann kommt die Nachricht von Dir aus dem Bett. Alles schön; literarisch alles, aber:
Ich verstehe da eine Passage nicht ganz. Also die, in der es um die Zerrissenheit von Wort und Erotik geht. Um das Scheitern der beiden aneinander.
Ich bin überrascht; Die?, tatsächlich? Okay. Ich bin jedoch erklärungsfreudig:
Alles, was ein anderes mechanisch wiederholt, scheitert. Dann wird das Wort zur Pornografie und umgekehrt die erotische Szene zur perversen Inszenierung. Es muss immer unscharf, Verfehlung, als Textur oder Geschehen holpriges Neuland bleiben. Dann wird auch ein Text Erotik sein können. Und in dieser Erotik kommen wir, durch das Verausgaben und Überschreiten, in eine Kontinuität miteinander, die dann die ganze Welt befällt. Eine Art Erotik-Bewuchs aller Phänomene. Doch eben nur um den Preis der Zerrissenheit von Erotik und Sprache: Ausgerechnet die erst ist der Anfang einer Verbundenheit aus Erotik mit der Welt.
Wie leicht das geht.
Alles wird lebendig, wo man gleichsam sich selber schreibt. Wo es um die innerste Verarbeitung von Welt geht, die zu einem gehört und einen ausmacht. Und meine innerste Verarbeitung ist die nackte Qualität; das Blau des Himmels, das als genau dieses Blau erreicht; das Ausgreifen eines Zimmers, das genau als dieses Ausgreifen da ist; die Frau, die mich aus einem spezifischen Sexus toucht. Alles andere kommt später; viel viel später.
Über Blau und Qualia als Zeichen-hafte Erstheiten habe ich genug geschrieben; über den uranfänglichen Sex-Touch nur sehr wenig. Ausgespart, aufgespart bis weit nach hinten; vielleicht nicht hoch genug eingeschätzt, wie ureigenst diese Qualität für mich ist.
Du schickst nur ein rotes Herz zurück auf meine Anmerkung, woraufhin ich alles freigebe und schon mitten in diesen Zeilen hier bin. Am Ende schreibe ich nur für Dich. Eine Bekleidung aus Nacktheit, damit wir einander dort begegnen, wo für mich, aber letztlich wohl auch für Dich, alles beginnt. Für mich
An Deinem Gesicht und an Deinen Brustspitzen, die im Schein des iPhone aus der Schwärze schimmern.
Lustvoll greifen meine Augen nach Dir. Aber 00.15 ist spät, und in knapp drei Stunden werde ich schon wieder auf sein. Wortlos schaltest Du Dein Handy ab und hältst es zu mir herüber; ich greife über Timmi hinweg danach und bringe es in die Küche; seit Wochen nun schon unser letzte Ritual zum Tag.
Zurück im Raum schiebe ich Tim ein wenig mehr in Deine Richtung. Weil ich mehr Platz brauche, damit ich mich hinlegen kann. Ein wenig schimpft der Kleine auf das hin im Tiefschlaf los; dann schnellt er plötzlich auf und kniet an Deiner Seite, um im nächsten Moment rücklings auf Deine Brust zu fallen. Grandiose Showtime, sogar ohne Tag-Bewusstsein.
Wir lachen beide im Dunkeln, während Tim sich genauso ruckartig wieder zwischen uns schnellt.
Halb sitzend lehne ich mich nach hinten an die Pölster; Du greifst von der Seite her zu mir. Ich fasse nach Deiner Hand und lege sie mir auf die Brust. Gerne schöbe ich sie weiter nach unten; aber 00.23 ist spät und in nunmehr nur noch drei Stunden sitze ich schon wieder drüben am Tisch. Stattdessen lasse ich Deine Hand in den Text herein reichen.
Mit dem feinen Druck in mir, den sie bewirkt.
Eine Wärme ist der am Rand meiner Brustwarzen; ein Pulsieren nach unten hin. Ein Strömen erfasst so meine Gliedmaßen und mein linkes Bein wird gleich von einem Zucken erfasst. Bis zum Geschwür unter dem Innenknöchl lass' ich Deine Finger jetzt kriechen, und das ist gut, weil sich dieses auf das hin gleich noch einmal entspannt. Für einen Augenblick fallen damit Krankheit und Sexus tatsächlich zusammen, und zum ersten Mal kann ich nur unterstützen, was Bataille immer wieder betont:
Ja, da ist in der Tat etwas vom gleichen Schlag.
Monsieur reagiert aber nicht auf meine Zustimmung, sondern steigt stattdessen Madam Edwarda nach. Die will es gerade wissen, und setzt sich vor allen anderen mit weit geöffneten Schenkeln hin. Küss mich sagt sie nur zu ihrem jungen Verehrer und Bataille tut, wie man ihm befiehlt.
Noch einmal zuckt da meine lästige Wunde, und genau da fühlt sich das Obszöne fast zärtlich an. Oder nackt und zerbrechlich und darin so friedlich, weil mehr Ausgeliefertheit und Zerstörung einfach nicht sein kann. Weil beides, das Geschwür und die offene Vulva letztlich Wunden sind, an denen das Leben immer zerreisst.
Deine Hand rutscht müde nach unten; schließlich ziehst Du sie weg. Außerdem will Ezra auf der andere Seite auch seine Aufmerksamkeit haben, wie sein kurzes Strampeln wortlos erzählt...
Edwarda, die geile Schwanzreiterin, ist noch immer ein Skandal.
Für mich ist sie gerade nur die ganze Verwundbarkeit des Menschen, die fein für die Verwundbarkeit der anderen macht. So fein, wie das nur passiert, wenn Edwardas Ritt und Sex-Hände sich so blau wie das Blau des Himmels in Texturen schieben.
Langsam fallen mir die Augen zu. Ich bin befriedet. Und ich habe nicht vergessen, welches Datum gerade begonnen hat.
Der wahre Skandal liegt heute 81 Jahre zurück, murmle ich deshalb noch im Einschlafen vor mich hin. Und der noch größere ist, dass dieser jeden Tag mehr in Vergessenheit gerät.
Verwundbar und Wunden müssen wir deshalb wieder werden.
Aus einem Sexus, der absurd in die Zeilen giert.
(Für unsere Söhne, für unsere Kinder.
Für Hiroshima).
1000Küsse656nach
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Bataille Session, 5. August 2026
23.15/04.20, C. - Glühend heiß; GLÜHEND. Auch die Parkanlage hilft nicht; unter den Bäumen wird es nicht frischer. Außerdem werde ich gleich am Tor sein. Parterre und Schleusenbereich trennen nur 300 Meter. Dennoch, ein netter Schloßgarten-Spaziergang zum Dienstag Abend. Ohne Menschen; die sind alle schon längst in ihren Zell-Kammern. Psychiatrische Lebensbedingungen, auch hier.
Ich atme das Grün heute gut. Und auch das Grau des Asphalts. Und die Glut-Hitze sowieso, die sich auf den Rasen neben mir senkt. Oder besser auf das, was von diesem noch über ist.
Draußen hinter dem Tor birstet der silberne DS fast vor Hitze; ich atme auch dieses Bersten ein.
Ich möchte überall in Dir sein.
Ich treibe das Spiel im Vor-Denken weiter; und ich in Dir, presst Du mir darin entgegen. Woraufhin Deine Finger in mich gleiten und wir ineinander stecken; mit feiner Reibung nur an meinem Schaft.
Gleich atme ich das Blau des Himmels intensiver, und auch das Gleiten der Landschaft gehört zu mir. Der Heilige Eros beschläft immer gleich die ganze Welt.
Ich weiß nicht, ob Bataille das je so gesagt hätte; aber es würde passen, Und wenn er es nie gesagt hat, so lasse ich es ihn jetzt sagen. Eben weil es passt; zumindest zu mir.
Weil meine Augen gerade zu meinen nächsten Fingern geworden sind und über Deine Brüste hinweg greifen, während wir mit allem anderen, was dazu taugt und notwendig ist, noch immer ineinander stecken. Und im über die Brüste Hinweggreifen bohren sich diese neuen, nächsten Finger in die Alpenausläufer vor mit, über die ich jetzt noch hinweg muss.
Verbohrt in Dich, verbohrt ineinander, verbohre ich mich in die ganze Welt.
Schade, dass wir Menschen uns darum gebracht haben. Oder immer wieder darum bringen. So nah wird man in radikaler Intimtität der Welt und dem Leben; so wertschätzend freue ich mich dann an ihr (der Welt) und an ihm (dem ganz weltenden Sein).
Aber das gelingt eben nur, wo Wort und Erotik zueinander finden.
Monsieur Bataille lässt nicht locker. Er ist schon wieder am Nebensitz im Auto; wo sonst.
Was die beiden gerade dann tun, wenn sie es nicht tun; wenn Wort und Erotik zerrissen bleiben und an der Zusammenkunft scheitern. Wenn sich beide einander entziehen und damit der wechselseitigen Wiederholung und Wiederholbarkeit. Für O als Sub gibt es keine Sprache; für O als Geschichte keine gelebte Erotik, die sie je ernsthaft erreicht.
Die Geschichte der O. Ja, die gibt es auch, und tatsächlich entkleiden uns solche Texturen, auch als Leser:innen, und in der Nacktheit, die dann bleibt, bleibt oft nur zur Neueinkleidung das Beschlafen der ganzen Welt. Dann sind wir nämlich nicht mehr nackt, denn dann sind wir einfach in der Welt dabei. Wir schützen uns dann mit dem In der Kontinuität der Welt sein; weil es in der keine Nacktheit mehr gibt.
Das wollen Sie mir doch die ganze Zeit sagen, oder? Dass das alles schon existiert, dieses Zu Hause Sein in diesem Leben. Aber nur über den Weg der Erotik, den die Kultur aber lieber streicht, weil man sich vor ihr fürchtet und vor ihrem stets möglichen Entgleiten in stumpfsinningen, leeren, pornografischen Konsum.
Nur das Obszöne ist oft radikal genug, um den Heiligen Eros zu retten. Und die Nacktheit, in die er uns stürzt. Die uns dann wiederum vor uns selbst und unserer absurden Vereinzelung, vor dem Exzess des Narzissmus bewahrt.
Schön gesprochen. Wirklich schön.
Ich möchte überall in Dir sein.
Und ich in Dir.
Im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt, explodieren dann unsere Sinne, und wir sind dann das Stockwerk und wir sind dann das Haus, und das wuchtet sich in uner Hang-Leben, in dem zwei kleine Jungen gerade mächtig stolz sind, dass das Zähneputzen schon fast eigenständig gelingt.
Wer ist heute als erster dran?
Tim stürmt zu mir, nur mehr mit seiner Nachtwindel bekleidet; ich halte ihn wie immer mit der Linken um seinen Bauch gelegt; seine Beine werden auf das Waschbecken gestellt.
Vorne; oben links, oben rechts, sehr gut. Und jetzt unten noch, ja, super; hinten noch; nicht festbeißen! Ja, da hinten auch noch; nicht festbeissen! Ja, genau, super! Bravo!
Großes Strahlen und Zappeln an meinem Bauch.
Unser Zahnputz-König!, rufst Du von der Seite hinzu. Und:
Ezra muss heute auf meinem Arm bleiben.
Du warst den ganzen Tag in der Arbeit, und er hat noch kein 80. Stockwerk, sondern nur seine Eltern und speziell Dich.
Gut können wir ihn dafür aber halten; das Putzen geht deshalb genauso leicht wie bei Tim.
1000Küsse655nach
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Bataille Session, 4. August 2026
23.10/04.20, C. - Ich gehe noch einmal vor die Tür, um das Amazon-Paket zu holen.
Oh, Papa hat eine Überraschung für Euch!
Die Jungs springen von neben Dir am Kindersofa auf und kommen zu mir gerannt
Ich fetze die Schachtel auf; die Kinderstaubsauger, lizenzierte Dyson-Imitate, sind kleiner als erwartet. Das legen auf jeden Fall ihre Einzel-Verpackungen nahe.
Schaut mal.
Ich fetze auch die erste der beiden identischen Verpackungen auf und setze den ersten Staubsauger zusammen.
a a A A AA AAAA AAAA;
Timmi wippt zu seinen Lauten immer intensiver, als er erkennt, dass das Ding eine Miniausgabe unseres alten, kaputten Dyson ist. Und er legt noch einmal an Tempo zu, als er begreift, dass diese Kleinausgabe für ihn ist. Ezra wartet geduldig aber strahlend, bis auch der zweite ausgepackt und zusammengesetzt ist.
Ich habe die passenden Batterien sagst Du und bist schon in eines der Nebenzimmer unterwegs.
Nicht in dem blauen Kleid, mit dem Du so gut Deine Nacktheit betonst.
Ich mag mittlerweile alles. Alle Szenen und Geschehnisse, die unser Leben bietet. Jedes Ereignis ist eine Fortsetzungs-Geschichte von Liebe, aber auch von Schamlosigkeiten, die in ihrem Zusammenspiel und in ihrer Gesamtheit alles intensiv und buchstäblich Bedeutungs-voll machen, wenn sie einander in alle Richtungen durchwachsen.
Es war so ein schöner Tag.
Wir sind noch gar nicht aus dem Gelände des Strassganger Bads draußen. Du hast Dein Blaues Kleid übergestreift; Ezra und Tim sitzen im Kinderwagen. Und tatsächlich sitzen sie, statt wie neuerdings immer im Wagen zu stehen.
Die zwei sind ausgepumpt, nach unzählige Male Das Klettergerüst nach oben rauf und drüben wieder Über die Rutsche nach unten.
Es war so schön, gibst Du nur zur Antwort.
Auf gleicher Höhe gehen wir hinter dem Kinderwagen, den ich schiebe, Es ist grade wie gemeinsam gleiten, und wenn ich leicht gegen den Wagen drücke gleiten wir zu viert, und ganz heiß ist es weiterhin. Sur, Süden; ein Haus am Meer und nur wir vier, das wäre jetzt gut.
Jaaa....
Das Blaue Kleid ist abgestreift, alles ist freigegeben. Ich schmecke Dich und will nur fein sein; mit der Zunge, mit den Lippen. Feuchtgebiete an den Fingern transkripiert es nebenher schnell zwischen all das gierige Genießen.
Jaaa.....
Überall will ich zugleich sein; an allen drei Stellen zugleich hinein. Komm', spiel mit raune ich deshalb wortlos an Deine Schenkel; Jaa... hauchst Du zur Eröffnung graziler Verrenkungen zurück.
Es geht nicht; es ist irgendwie unmöglich.
Ich will in die Dyson-Imitate eben die Batterien einbauen, als Monsieur Bataille mir auf die Schulter klopft.
Hm? Ich drehe mich nicht um.
Es geht nicht, es gibt eigentlich keinen erotischen Text.
Ich schraube ruhig am Batteriedeckel weiter, zeige mich aber interessiert.
Warum nicht?
Weil er immer rasch Wiederholung wird; einer Szene oder eines Motivs; und genau das bekommt der Erotik nicht, weil diese ja nur dann aufkommt, wenn sie nicht wiederholt, sondern die Scham durchbricht und aufkommen lässt, was sonst nicht ist. Es kann damit keinen erotischen Text geben, es sei denn, er wird radikal und wehrt sich gegen jede Wiederholung.
Bataille arbeitet sich an de Sade ab und ich weiß daher, wo wir gerade sind. Weshalb ich auch nichts weiter sage.
Monsieur Bataille hingegen schon:
Erotische Texte sind damit selten, und de Sade ist eine Ausnahme und Pauline Réage mit ihrerGeschichte der Oist es auch. Weil sie sich auf ein Spiel der Unmöglichkeit und Zerrissenheit versteht, das wir aus dem eigenen erotischen Leben kennen und das immer herrilich und grauenvoll zugleich ist.
Gut. Soll so sein.
Ich wiederhole ohnedies nichts, merke ich nach einer kurzen Pause an. Außer ein Stück Wirklichkeit, dessen eigenes Wiederholen aber nicht zur Debatte steht. Außerdem geht es nicht primär um Erotik.
Sondern?
Es geht um die Liebe, einfach um Liebe. Die gleitet zu zweit hinter dem Kinderwagen; und sie gleitet auch und genauso verbunden, wie sie gleitet, weil da zwei einander schamlos an allen möglichen Stellen befüllen und so noch immer ineinander stecken und sich ineinander verausgaben; so maßlos, dass die Lust so groß wird, dass nur noch das Platzen bleibt, und dieses Platzen sind dann die beiden Jungs in dem Wagen, mit denen man in den ewigen Süden will, wo noch mehr Verausgabung ist. Sicher ist das auch Erotik, heiliger Eros, und vielleicht verträgt auch dieser die Wiederholung nicht, aber ich denke, diese ist gar nicht das Thema. Weil es vor allem um das Platzen, das absolute Vergeuden geht.
Ich rede jetzt fast schon wie er; Punkt-los französisch fließen, aber das hilft auch, um Hrn. Bataille mundtot zu machen. Oder um unsere Positionen zu vermengen.
Tim versteht gleich, welchen Knopf er drücken muss, damit der kleine Sauger funktioniert. Ezra drückt zuerst den für das Öffnen des Boden-Deckels, weil dieser offensichtlicher ist; aber selbstverständlich macht das ärgerlich. Doch dann geht das Laufen-Lassen des Motors doch und die beiden Kleinen gehen ihre Arbeit an.
Jetzt erst ist Zeit für einen Kuss.
Unsagbar fein fibriert Deine Klitoris noch immer an meinen Lippen; von vorgestern noch, als das Blaue Kleid abgestreift im Flur lag.
1000Küsse654nach
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Bataille Session, 3. August 2026
22.20/04.20, C. - Ich mag dieses Bild. Unser Tagesausklangs-Bild. Jeden Tag, inklusive Wochenende.
Dane liegt ausgestreckt auf dem flachen Kindersofa; den Rücken zur Hälfte an die Dreiecks-förmige Nacken-Polsterung und an die Wand dahinter gelehnt. Tim drückt sich auf seinen Unterschenkeln sitzend an Deine rechte Seite, Ezra in der gleichen Position an die linke.
Draußen hat es noch immer gute 27 Grad. Herinnen vermutlich auch.
Trotzdem greifen Deine Hände um die beiden kleinen Körper herum und halten ein Buch. Ohne große Anstrengung kann ich das Dampfen Deines Leibes in seinem weiten blauen Kleid erkennen. Feines Schwitzen ist an Deinen Armen, Deinen Beinen und an Deinem Hals.
Trotzdem musst Du singen. Oder zumindest melodisch sprechen.
Der Mond ist rund, der Mond ist rund, er hat zwie Augen, Nas' und Mund.
Einmal, zweimal, dreimal; besonders Ez lässt nicht locker.
Du zeichnest beiden beim Singen mit Deinen Fingern einen Kreis und dann Linien für den Mund, die Nase und die Augen auf die Haut. Timmi nimmt das mehr oder minder zur Kenntnis; es ist das, was eine Mutter tut; was soll man machen? Man lässt sie gewähren. Und hofft, dass es nicht zu sehr kitzelt. Selber (als Timmi) bleibt man fokussiert und konzentriert, Timm. wo siehst Du denn hin? Eindeutig auf die Zeilen des Buches, die er als Quelle des Sprachgesangs versteht; an diesem Konnex ist der Kleine offensichtlich intellektuell äußerst interessiert.
A A A A A A A A
kommt hingegen von Ezra. Dazu tippt er mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf die Handfläche seiner linken. Was Nochmal heißt.
Ez ist euphorisiert wie immer, wenn Dane das mit dem Zeichnen auf ihm macht; er bekommt einfach nicht genug.
Du bist der sinnliche Genießer, sage ich auch heute wieder,
A A A A A A A A,
sagt er und schon fährst Du ihm wieder mit Deinem Finger über Brust und Oberbauch. Unverkennbar würde er sich gerne ausziehen; Ich finde, es ist gut nachvollziehbar, warum man früher oft von der Schamlosigkeit kleiner Kinder berichtete, oder?
Du singst noch immer; allerdings jetzt wieder mit Tim, der Dich ausschließlich singen hören will: Dann, wenn die Fingerzeichen ausbleiben und nur Deine Stimme ist, bekommt er seinen Touch. Vor einigen Tagen schon hast Du mir geschrieben, dass Dir das auffällt, wie mir jetzt gerade einfällt.
Letztes Mal, als ich mich hier mit den Jungs anstellte, hat mich ein Mann angequatscht.
Wir warten gerade in der Schlange zur Kasse des Strassganger Bads. Ich sage nichts, sondern höre nur zu.
Er redete von den Kleinen, wie süß sie wären, aber es ging auch um mich. Es sind immer die Älteren, die mich anquatschen und es irgendwie probieren; so um die 60 wie Du.
Die jüngeren fürchten sich vor Dir, kommentiere ich spontan.
Du lachst und forderst Erklärung, aber so weit kommen wir nicht. Denn gleich sind wir zum Zahlen dran.
Sie fürchten sich ganz genau besehen vor Deiner Schamlosigkeit: also vor etwas , das sich als Phänomen oder Ereignis gestern Abend bei Ezra nur angedeutet hat.
Ich schreibe Dir die genauere Erklärung jetzt einfach her.
Und Du bist eine wunderbar schamlose Frau, wenn Du fast oder ganz nackt unter Deinem blauen Kleid dahin spazierst und man einfach sieht, dass nichts gegen den Stoff drückt als Deine Formen. Aber eigentlich ist das nur ein Verweis oder ein Symptom, denn die echte Schamlosigekt liegt woanders: Du magst die Verausgabung. Im Sex verausgabt man sich an die Welt, und daraus macht man kein Hehl. Er streunt und vergeudet sich als und für Leben, und nur wo das Vergeuden zu zweit gelingt und sich in neues Leben vergeudet, hört er zu streunen auf. Für Bataille wäre das eine Angstlosigkeit vor dem Begehren und Genießen, die zugleich immer auch eine Schamlosigkeit ist. Für ihn lebt Erotik auch von der Scham, die immer wieder zu durchbrechen ist. Insofern, als Du grundsätzlich schamlos aber nicht streunend bist, produzierst Du eine begrenzte Schamlosigkeit, die der Grundstruktur von Erotik entspricht. Diese wird dadurch aber wilder; ja, sie wird sogar als Grundstruktur freigelegt. Das werden ältere Männer nicht nur besser sehen können; es wird sich auch nicht schrecken. Junge Männer hingegen lieben mehr die Bilder und Inszenierungen der Erotik als die Erotik selbst. Solche Bilder bietest Du nicht. Du bietest stattdessen das Ereignis als solches, dessen Dynamik und Grenzen noch dazu DU bestimmst. In dem bist Du genau das, was gängige Männer-Mainstream-Kultur in der Regel NICHT will, denn nichts wird mehr gefürchtet als diese im Eros und Sexus mächtige und zugleich doch autonome Frau.
Manchmal dauert es halbe Ewigkeiten, bis man etwas oder jemanden gut fasst, und grade ist mir das gelungen, wie ich meine. Nach anderthalb Jahrzehnten. Auch dank Hrn. Bataille, der vieles schon gut und richtig macht. Und sich deshalb jetzt ein wenig triumpfierend zu mir setzt. Hierher, an den schwarzen Tisch vor der weit aufgeschobenen Terrassen-Tür, damit noch Kühle herein kann, bevor der nächste Hitzetag beginnt. Er lächelt mit einer gewissen Siegesgewissheit, sagt aber nichts.
Was?
Ich frage nach; mit einer deutlichen Schärfe im Ton.
Sie sind auch ein schamloser Mensch, und das wissen Sie letztlich.
Warum?
Weil es Ihnen auch um die Verausgabung und Vergeudung geht, und weil sie auch nur dort nicht streunen, wo es in dem ein Gegenüber gibt, und Sie letztlich nicht bereit wären, für etwas anderes zu leben und Sie sich dementsprechend nicht wirklich um gesellschaftliche Ideen scheren; weil Leben und Welt ausschließlich aus der begrenzten Schamlosigkeit entstehen und entstehen sollen. Weil für Sie die Welt nur dann gesund ist und all das andere, das Angepasste und Normierte und Zweckmäßige, lediglich zu all den Verrenkungen und Verkrampfungen führt, die einem tagtäglich begegnen und in Selbstinszenierungen und Projektionen kompensiert werden, die die Welt unter einem Müll von konsumatorischen und anderen Konzepten begraben. Ich mag ein Bauer sein, wie Sie gerne sagen, aber Sie sind ein wildes, geiles Vieh, das sich in die Stadt verirrt hat. Denn nur ein solches ist ähnlich vergeudend, geil und schamlos wie Sie.
Im Kinderbecken ist es einfach nicht so interessant wie unter den Duschen gleich rechts davon. Ezra steht schon wieder bei diesen und versucht, sie zum Sprühen zu bringen.
Auf die Zehenspitzen stellen, den Druckknopf erreichen versuchen,
Äääiiii,
aber er ist noch zu klein dafür. Und kann auch noch nicht die richtige Druckkraft entwickeln. Wie auch Tim nicht, der aus dem Becken und aus Mamas Armen neugierig bis begeistert zu uns gelaufen gekommen ist.
Einmal noch, dann hören wir auf.
Ich drücke den Knopf und Ez grinst, als das warme Wasser auf ihn prasselt, aber dann wird es schwächer und er ist folglich erneut auf den Zehenspitzen und am Probieren.
Ääääiiii,
doch es gelingt weiter nicht und es kommt allmählich die Wut.
AAAAAA IIIiiiiii!!!
Einmal noch, Ezra, hör mir gut zu, Eeeinmaal noch,
versuchst auch Du zu beruhigen; mit sanfter aber klarer Stimme. Aber unser wilder Sohn ist nicht mehr zu bremsen, während Tim versteht, dass es nun ein Ende haben soll. Er nimmt Abstand, doch Ezra ist in seinem radikalen Verschwenden, aus dem man ihm buchstäblich nur herausreissen kann. Oder indem man ihn davon überzeugt, dass es nichts mehr zu verausgaben gibt.
Sieh' nur, es geht nichts mehr.
Ich habe plötzlich den Gedanken, bloß ganz leicht am Knopf zu drücken, und so kommen nur ein paar Tropfen von oben aus der Brause.
ÄÄ ÄÄ,
soll heißen: Probiere weiter.
Nach dem siebten oder achten Mal hebt Ezra die Arme und beginnt sie zu drehen, den Kopf dabei schüttelnd.
Leer, genau, bestätige ich. Weshalb wir jetzt gehen können.
Ich bin nicht leer.
Langsam gehen wir nach draußen, ich schiebe den Kinderwagen dabei. Du trägst Dein Blaues Kleid.
Es zeigt schon wieder keinen Abdruck als den Deiner Formen.
Ich bin nicht leer.
Alles schreit nach Verschwendung.
1000Küsse653nach
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Bataille Session, 31. Juli 2026
23.30/04.20, C. - Ich kann nicht sehen, wer das Fläschen braucht. Die Jalousien hinter dem Bett sind noch geschlossen. Hier ist es absolut finster. Für mich zumindest, weil es drüben im Lichtraum schon absolut hell ist. Aufquietschen, herumtreten, daran muss ich mich orientieren.
Es ist Timmi.
Dane raunt das möglichst leise und zeigt mit erhobenem Arm nach unten auf unseren Sohn rechts von ihr.
Ich kann das mittlerweile echt gut: Mit dem Sauger auf der Flasche den Schnuller aus dem Mund heraus schnepfen und zugleich den Sauger in den Mund einführen.
Bloß interessiert das Tim grade überhaupt nicht.
Er quietscht trotzdem weiter. Er fängt jetzt sogar zu schreien an. Und tritt immer heftiger; gegen die Decken, gegen Dane, gegen mich.
Pschschscht!!!! Nicht Ezra aufwecken.
Dem ist das Getue seines Bruders egal. Er liegt auf der anderen Seite von Dir und genießt vor allem Deine Nähe.
Mich wundert dieses Getrete. Mich auch. Normal tut er so etwas nicht. Und er ärgert sich auch wie wahnsinnig, wenn Dane ihn angreift. Dann strampelt er wütend mit dem ganzen Körper und schaut dann gleich, dass er Dich auch noch treten kann.
Er ist wütend auf mich, weil ich gestern den ganzen Nachmittag und Abend nicht da war.
Prompt fange ich im Kopf an, herumzualbern.
Schönen guten Morgen an alle, sage ich mit fast lasziver Stimme in das Micro vor mir, Ich begrüße Sie zum heutigen DAILY TALK. Wie immer mit nur einem Thema: Unsere psychische Fitness.
Mäßiger Applaus aus der Konserve; kein Publikum weit und breit.
Unsere Gäste sind heute Miss Melanie; Kinder-Analytikerin der ersten Stunde....
Wieder mäßiges Geklatsche.
....und Monsieur George; Spezialist für Liebe UND Tod.
Stille.
Melanie, was hat lhrer Ansicht nach der Kleine?
Es ist gut möglich, dass er wütend ist. Really angry.
Sie spricht bedacht und sehr britisch rational.
In seinem Alter ist der Symbiotische Bezug zur Mutter sehr wichtig; nicht wahr? Die Gesten und das ganze Agieren der Mutter als Reaktion auf seines machen die gefühten Spannungen für ihn wenigstens visuell-szenisch greifbar. Er lernt sich so denken; doesn't he? Gleichzeitig denkt aber letztlich noch immer die Mutter für ihn und sorgt noch dazu mit ihrer vollen Brust dafür, dass es ihm gut geht. How paradisiacal, isn't it? Ein Mutterbrust-Universum, das sich zu einem Mutter-Universum ausgebaut hat.
Das ganze klingt jedoch immer auch sehr österreichisch. Die Wiener Wurzeln sind unleugbar.
Da kann man sehr frustriert und wütend werden, wenn Mama dann einmal länger nicht da ist; das meinen Sie, oder?
Ich rede noch immer sanft, lasziv und antihierarchisch wie der junge Andre Heller, der das gerade erstmals on air gehende Ö3 anmoderiert; Österreichs zukünftiges Erfolgs-Radio.
Exactly. Die menschliche Grund-Angst schlägt dann wieder durch. Aber er wird wachsen, vor allem durch die gemeinsame Zeit mit dem Vater. Das Mutter-Universum kann so als weniger attraktiv für das neue, auf Ich-und-Du-Verhältnisse beruhende Vater-Leben aufgegeben werden. Der Mensch wird so zur Symbol-orientierten Existenz. Very grammatical.
Stille im nicht vorhandenen Publikum. Man versteht, aber irgendwie auch nicht. Überhaupt nicht.
Einspruch! EINSPRUCH!
Monsieur George rückt sich zurecht.
Das ist harmloser Psycho-Unsinn! Symbiose, Mutter-Universum; dessen Überwindung mit Hilfe des Vaters, das sind naive Psycho-Sprüche....
"He!" "Puh!" Publikums-Reaktionen; auch aus der Konserve.
Wie ist es dann wirklich, George; wollen Sie uns das vielleicht erklären?
Ich hauche meine Frage nur noch in das Micro. Ich BIN jetzt Andre.
Der Kleine erlebt sich bereits jetzt als diskontiuierlich. Er würde gerne Kontiniuität erleben, kann es aber nicht, weil genau das die Tragödie des Mensch-Seins ist, diese Individualisierung, die die sexuelle Fortpflanzung mit sich bringt, man teilt sich nicht einfach, es gibt einen Bruch zwischen Mutter und Kind, dieses ist etwas anderes als sie, und es ist auch etwas anderes als der Vater.
Französisch geprägte Hochgeschwindigkeits-Sprache, die auf den Punkt vergisst. Am besten nicht einmischen, sondern nur reden lassen.
Nur in der Erotik und Leidenschaft kommt man über diese Trennung hinaus, speziell in der, die ich die Erotik der Herzen nenne, in der die Verschmelzung der Körper in der Sympathie weiterläuft und dabei zu einem Glückseeligkeits-Versprechenwird, dem zugleich unendlich viel Leiden vorläuft, weil dieses Versprechen so groß ist, dass es verwirrt und durcheinander bringt und so leiden lässt. So sehr leiden, dass wir den anderen besitzen müssen und ihn oder uns lieber töten als auf diesen Besitz zu verzichten...
"HEE!" "PUUUHH!" Diesmals wird es richtig laut (freilich aus der Konserve), was Monsieur George aber nicht im Geringsten irritiert.
....denn die sich in Leidenschaft und Besitz ankündigende intime Kontinuität ist zu großartig, als dass wir auf sie verzichten würden, weshalb in Leiden und Tod sich erst die wahre Bedeutung des geliebten Wesens offenbart, also die letztlich doch bestehende Unmöglichkeit der Kontinuität, um die es geht, die stets vor allem Hoffnung bleibt und die jede Trennung auf das entsetztlichste bedroht.
Wieder Stille. Man versteht wahrscheinlich noch weniger als bei Miss Melanie.
Also geht es hier schon, bei dem Kleinen, um ein erstes erotisches Moment, George?
Ich hauche weiter; ver-hauche mich förmlich.
Der Mensch in seiner Getrenntheit hat kein wirklich anderes Thema. Punkt.
Die Hitze beginnt jetzt schon, kurz vor 8.00. Es ist schwer, den Wagen zu kühlen.
Er ist noch immer beleidigt. Ezra hat mich offensichtlich vermisst und will nur liebevoll gehalten werden. Tim hingegen schlägt weiterhin her.
Deine Stimme aus dem Telefon klingt gelassen. Außer Aushalten bleibt wenig zu tun. Aushalten und Vorlesen. Denn Vorlesen hilft auch.
Willst Du dabei sein, wenn ich wieder Benni-Zahnputzbär vorlese? Ich denke, das wird ihn beruhigen.
Konzentrier Dich auf die beiden, telefonieren wird später weiter.
Okay. Kuss.
KussKussKuss.
Die Autobahn ist wie jeden Sommer hier heroben, quer durch die Obersteiermark, kaum zu befahren. Baustellen ohne Ende, Kilometer um Kilometer nur eine Spur.
Ich erinnere mich daran, was ich in den letzten 15 Jahren hier alles gehört habe; Klein, Bion, Peirce, Habermas, Hustvedt, wieder Klein, wieder Bion; jetzt Bataille. Es ist verführerisch, die tiefen Verbundenheits-Wünsche des Menschen nicht als kindliche Übergangsphase abzutun, aus der man sich natürlicherweise zu befreien hat. Vielleicht geht es tatsächlich um mehr als eine Mutter-Kind-Symbiose. Nämlich um ein Begehren, Mit-Mensch zu sein, das sich nur über die Erotik realisieren lässt.
Sie haben sich doch schon für mich entschieden, geben Sie es zu. Für die Lebenswelt aus Eros, die ich betone.
Bataille hockt wieder einmal am Beifahrersitz. Er kennt keine Grenzen.
Nicht ganz. Meine Erotik braucht das Erzählen, das fein verwebt und so liebt; das Erzählen, das im Szenischen Mitspielen mit der Mutter beginnt. Und in das sich dann ihre Leidenschaft hineinstellt, hineinwuchert. Das macht das Erzählen krafvoll und die Leidenschaft fein. Sie ist dann nicht mehr das potenzielle Sauschlachten, das sie bei Ihnen immer ist.
Hr. Bataille verschwindet auf das hin wieder. Wahrscheinlich beleidigt. Ich bin aber zufrieden:
Der sich sprechen könnende Sex macht das Erzählen kraftvoll und das
Erzählen macht den Sex im Gegenzug Sinn-haft fein. Und beides ergibt eine
Lebenswelt des Heiligen Eros, in der man einander nahe, wirklich nahe ist.
Wunderbar, so einfach lässt es sich sagen.
1000Küsse650nach
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Bataille Session, 30. Juli 2026
23.15/03.40, C. - Ich warte nun schon mit einer gewissen Ungeduld. Der Arzttermin kann nicht ewig dauern. Das Handy zeigt aber noch keine neue Nachricht an.
Ich schaue trotzden schon wieder auf den Screen. So nebenher, während ich fahre.
So hat man am Radar früher wahrscheinlich gecheckt, ob die feindlichen Maschinen endlich den Luftraum erreichen. Eine V2, zum Beispiel. Am Weg nach London.
Alles okay bei mir.
Endlich. Der Angriff ist sozusagen abgeblasen.
Ich habe eine Hornhauterosion und muss Antibiotikum schmieren.
So was nennt man also Okay, ich verstehe.
Typische Elternverletzung. Kann immer wieder weh tun, weil die Hornhaut sehr sensibel ist.
Ich weiß nicht, ob das Auge noch immer rot ist. Es ist zu finster im Schlafzimmer, als Du herein kommst. Ich sitze angelehnt an den Seitenschutz im flachen Kinderbett vor unserer riesigen Liegestatt. Ez schläft in meiner Rechten, Timmi hält mir im Tiefschlaf seine Füße auf den Bauch.
Komm, flüsterst Du mir zu, wir müssen die Katze noch versorgen.
Im großen Küchenraum kann ich immer noch nicht sehen, wie Dein Auge jetzt aussieht. Dafür sehe ich die schöne Bauchwölbung, die Ezra und Tim hinterlassen haben. Und die schönen Brüste darüber.
Jetzt, schnell....
Meine Gier reisst Deine mit und Deine meine, und nach dem ersten Kuss, muss es hier sein, im Stehen. Mit der Linken taste ich nach dem Stuhl vor dem Tisch; ich bekomme ihn zu fassen, während Du mich zu verschlingen beginnst.
Was ist konkret anders?, fragst Du erneut. Was macht nun dieser Sex, der als Qualität, als Erstheit stehen bleiben darf?
Endlich habe ich eine Idee, wie ich ganz untheoretisch darauf antworten kann.
Er macht mich zu Michel Piccoli und Dich zu Romy Schneider. Auf jedem Foto von den beiden als Filmpaar sieht man förmlich eine grundsätzliche Lust; man sieht, wie gerne sie miteinander schlafen. Obwohl es auf jedem Foto um etwas ganz anderes geht.
Ein Lebensgefühl wie in einem französischen Film also. Der nicht immer tragisch, aber doch existenziell ist; um einen kraftvollen Sex herum. Ich mag diese Filme aus der vor-economics-liberalen, vor-konsumatorischen Zeit.
Ich muss Dir das unbedingt sagen, Heißgeliebte. Aber Ihr drei schläft drüber noch tief und fest. Also schreibe ich es Dir wenigstens.
Erst jetzt am Morgen wird mir auch bewusst, dass das jetzt wieder eine Geschichte Deines Auges ist. So wie die gestrige auch eine war. Und das ich noch immer an Batailles Geschichte des Auges lese, respektive höre.
Ich verstehe mittlereweile, dass letztere in ihrer Penetranz alles zerfetzen, alles zerreissen will, um Sex, Vernichtung und Tod in ihrer Verwobenheit sichtbar zu machen. Vielleicht waren auch wir gestern Nacht deshalb so herrlich gierig. Nämlich um die Vernichtung, die in der Verausgabung steckt, noch weiter wegzuschieben. Um das Urteil des Arztes zu unterstreichen:
Sie sind von Ihrer Elternschaft gezeichnet, Sie sind am Weg der Vernichtung, aber der Verschleiß ist erst marginal. So sein Statement, zwischen den Zeilen.
Eine gute Gelegenheit, unseren Heiligen Eros ganz zur Geltung und Entfaltung kommen zu lassen;
Ich liebe und genieße Dich über allen Verfall hinweg.
Egal, wie sehr wir verschlissen werden, wie diskontiuierlich wir werden - das wird bleiben; diese Gier im Stehen und wie sie sich in unere Geschichte hineinfräst und die Lust aneinander durch die Zeilen sprechen lässt. Um dann eine Erzählung von etwas ganz anderem, viel komplexeren zu sein. Eine Erzählung von der Geschichte eines Auges eben; also eine schöne Kontinuität in erfahrenem, Lust-aufgeladenem Sinn.
Ganz wie bei Fr. Schneider und Hrn. Piccoli.
Was bei diesen aber fehlt (und erst recht fehlt das bei Monsieur Bataille), ist, dass solche Geschichten auch immer Geschichten mit Kindern sind.
Eine Tochter, ein weiterer Sohn, aus der Gier eines Stehens; aus einem geröteten Auge, aus der Spur der Vernichtung, die Ez und Tim eröffnen und beginnen und immer weiter ziehen: Wäre das nicht erst der echte Höhepunkt des Heiligen Eros, der wir in unserer Zusammenkunft dauernd sind?
Wir spielen Wohnung-Putzen, seit Oma zu Dir ins Lokal aufgebrochen ist. Und Wohnung-Besteigen. Ez schiebt einen der Stühle zur Spüle, Tim bringt seinen vor dem Buchregal in Stellung. Ich will es diesmal anders machen, mit noch mehr Kommunikation und Zeit-Geben, in dem sie selber von ihrem Tun Abstand nehmen. Ich stehe näher bei Tim, weil bei ihm noch mehr Schaden entstehen kann.
Tim, Schatz, Du weißt, dass Du das nicht darfst und sollst, weil es gefährlich ist und Du vielleicht was kaputt machst.
Tim deutet auf die Bücher vor sich und quasselt etwas von Ada a da uii los. Ich nehme ihm Levi-Strauss wieder aus der Hand und schiebe die Marx-Biografie vor ihm weg.
Das geht nicht, lass' das bitte, sonst hebe ich Dich GLEICH herunter.
Ma da Ada nee_eiin.
Bei Salgados Amazonia-Buch ist er so schnell, dass er mich überrascht. Auch wie schnell er nach dem originalen Foto-Einband greift überrascht mich. Und wie schnell er diesen zerfetzt überrascht mich auch.
HEEEE!
Ich bin empört.
ICH BIN EMPÖRT! BIST DU VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN??!
Harsch nehme ich ihn vom Sessel, harsch stelle ich ihn auf dem Boden.
Und Du kommst auch herunter!
Harsch hole ich auch Ezra von seinem Sessel.
NEIN HEIßT NEIN! ICH BIN EMPÖRT!
Tim beginn zu weinen und steckt sich die Finger in den Mund; Ez beobachtet vorsichtig und bedacht die Szene. Keiner von beiden bewegt sich.
Wortlos lege ich das Buch auf den Tisch, hole von der Bibliothek ein Klebeband und flicke den Foto-Einband wieder zusammen. Wortlos stelle ich das Buch dann wieder an seine Stelle und bringe auch das Klebeband zurück. Dann setze ich mich neben Tim.
Komm' her, mein Kleiner.
Ich drücke ihn mit der Rechten an mich. Dabei schaue ich zu Ez und deute ihm mit der Linken, auch herzukommen.
Komm' Du auch her, Ezra.
Er schaut zuerst weiter vorsichtig, dann beginnt er zu lächeln und rennt los. Ich halte und drücke ihn mit der Linken. Beide drücken jetzt zurück und ich küsse beide ab; auch Timmi kann wieder ein wenig lächeln.
Nein heißt Nein, Jungs, flüstere ich Ihnen zu, das müsst Ihr verstehen.
Das harsche Gesetz des Vaters.
Es soll nicht die Verausgabung unterbinden, aber die Vernichtung stoppen. Oder zumindest begrenzen. Insofern gehört auch das Gesetz des Vaters, das die Psychoanalyse so gerne bemüht, zum Heiligen Eros; ich verstehe das gerade erst wirklich. Wobei es erst Gesetz des Vaters sein wird, wenn es einer ganzen Geschichte angehört; etwa der eines Roten Auges.
Jetzt, schnell....
Noch einmal greife ich hin; gierig, im Stehen.
Entspannt haben Ezra und Tim in meinen Armen nach allem eingeschlafen.
Vielleicht witterst Du das Gesetz des Vaters noch an mir.
1000Küsse649nach
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Bataille Session, 29. Juli 2026
23.30/04.20, C. - AUUU!!! AHHHH!!!
Das klingt diesmal nach echtem Schmerz. Das ist mehr als das übliche Auu!, welches Autsch!, pass doch auf! bedeutet. Ich drehe mich nach Dir um.
Dane sitzt drüben auf der Couch unter dem Eckfenster und presst sich die Hand auf ihr rechtes Auge.
AUUU....AAAAAA!!
Was ist passiert?
AAaaa.... Ezra ist auf mich zugerannt. Ich hab' es zu spät gemerkt; ich habe seine Finger ins offene Auge bekommen.
Bist Du verletzt? Sollen wir was tun?
Ezra ist auf Danes Schoß sitzen geblieben und sieht irritiert aber nicht Schuld-bewusst auf das Auge. Tim kommt auch hinzu und schaut seine Mutter fürsorglich an. Die gleiche Sozialkompetenz-Verteilung wie immer.
Nein, ich denke nicht, es geht schon wieder. Aaaa.....
Bist Du Dir sicher? Augen sind heikel.
Nein, ich kann sehen, Es tränt und tut richtig weh. Aber mehr ist nicht.
Hoffentlich hast Du recht. Warten wir ab.
Ich räume an der Küchenanrichte weiter, schiele aber immer wieder nach hinten zu Dane am Sofa. Sie muss noch immer die Hand auf das Auge pressen; sonst wäre es zu schmerzhaft.
Haben Sie nicht gerade vorhin noch groß von der Verausgabung und Vergeudung gesprochen? Als Lebensvollzug? Als Fruchtbarkeit? Als Sex, der das alles zusammenfasst und verdichtet?
Monsieur Bataille.....
Er sitzt zwischen mir und Dane am schwarzen Küchentisch, der zugleich ein eleganter Speisezimmertisch ist; gut gekleidet wie immer. Der Sessel ist ein wenig vom Tisch weggeschoben, sodass Monsieur Bataille die Beine bequem überkreuzen kann. Die Linke liegt leicht angewinkelt auf der schwarzen Fläche, die Rechte hat er in die Hüfte gestützt.
Das haben Sie doch gerade gemacht, oder?
Ja, und?
Verausgabung ist nie freundlich, sie ist immer eine buchstäbliche Vernichtung. Schleichend zwar, aber dennoch. Wer von der Fruchtbarkeit, dem Sex und der Vergeudung spricht, spricht letztlich von der Vernichtung. Und damit auch von Schmerz. Mir fehlt das in dem, wie Sie es beschreiben.
Mich wundert fast ein wenig, wie ruhig die Nacht ist. Auch jetzt noch, am beginnenden Morgen. Ich schreibe am schwarzen Tisch, gleich neben Monsieur Bataille, der offensichtlich entschieden hatte, zu bleiben. Gefragt hatte er nicht, er tat es einfach. Die Linke liegt noch immer am Tisch, in der Rechten hält er nun eine neue Ausgabe seiner Erotik. Du hast auf jeden Fall nichts gebraucht. Und Tim auch nichts. Aber Ezra braucht jetzt etwas.
Ungeduldiges Schreien; die Flasche die ich bringe, hilft nicht.
Schließlich kommst Du mit ihm nach draußen. Nackt, nur mit einer kleinen Hose bekleidet. Ezra kuschelt sich eng an Dich, den Kopf an die Schulter gelegt, mit einem Schnuller im Mund, an dem er heftig saugt.
Mir rinnt das Auge heute so. Und es tut richtig weh. Ich muss ein Schmerzmittel nehmen.
Scheiße. Er hat Dich wirklich verletzt.
Du wirkst überrascht. Ich schaue Dich fragend an.
Stimmt, sagst Du dann, ich habe es vergessen gehabt. ich habe es echt vergessen.
Sehen Sie, das lassen Sie immer aus.
Ich sage das und wende mich Monsieur Bataille seitlich von mir zu, während Du mit Ez am Arm wieder zum dem Platz unter dem Fenster gehst, wo vor nicht einmal zwölf Stunden alles passiert ist.
Sie lassen aus, dass die Vernichtung in Ordnung geht. Weil sie zur Vergeudung gehört. Folglich auch zum Leben. Welches wiederum, wie sie selber sagen, nur intergenerativ eine Kontinuität ergibt. Insofern ist in der Vergeudung immer auch der Tod dabei, dem stimme ich zu. Aber ist es nicht noch viel mehr die Positivität, die aus dem Sexus kommt?
Du sitzt drüben mit Ezra auf dem Sofa, das an dieser Stlle eine Beinablage integriert hat. Lange streckst Du deshalb Dein rechtes weg, während das linke angewinkelt ist und so Ez an Deiner Brust und Schulter einen guten Halt gibt. Dein Kopf ist nach hinten auf die Polsterung gelegt.
Sie haben diesen immer schon umgedeutet, setzt Bataille an; Sie haben aus dem Sexus still und heimlich das gemacht, was ich den Heiligen Eros nenne. Der ist ein Bewahrer der Kontinuität, wenn auch auf eine etwas andere Weise als bei mir. Das gibt ihm erst seine Positivität.
Ich verstehe schnell, was er meint. Ich rede dauernd von einem Sex, der das Erzählen betritt, dort pulsierend stehen bleibt, um schließlich im Text zu Inhalt zu zerfließen, der so ins Pulsieren kommt, lebendig wird. Was auf den echten Sexus und Sex zurückwirkt, der damit eine Fortschrift einer Erzählung und damit auch wieder pulsierender Sinn ist. Bevor er dann wieder zu einer nächsten Erzählung wird. Eine kontinuierliche Bewegung, stimmt.
Nur eine Neuauflage und Re-Interpretation meines Heiligen Eros. Das macht die Spur der Vernichtung erträglich, die Sie gerade sehen.
Dein Kopf liegt auch nach hinten gelagert auf der Polsterung, weil Du Schmerzen hast. Aber es gehören zu dem Bild, das Du gerade produzierst, auch das lange ausgestreckte Bein und das angewinkelte dazu, über dem ein Kind ruht. Das gerade zufällig nach Deiner nackten Brust greift. Alles ist zudem Teil der großen Geschichte, die ich seit Jahren nun erzähle.
Eine Pieta.
Eine Pieta, die nicht verschleiert, worum es geht.
Ich sehe es auf einmal.
Und es geht eben um einen Heiligen Eros, der den Schmerz und die Vernichtung, die in der Vergeudung steckt, überwindet und so die Verausgabung an die Welt und an die nächsten gut, Sinn-haft, ästhetisch macht.
Im Sexus, sogar noch in der Erotik der Körper, verletzen wir einander. Indem wir uns aufspießen oder, aus anderer Perspektive, aufsaugen, einsaugen, verschlingen. Es ist nichts Feines, Feingliedriges, am Sex.
Monsieur Bataille ist in seinem Element. Er redet Klartext, während ich meine Pieta des Heiligen Eros betrachte. Fast gibt in ihr die legere kleine Hose die Vulva frei. Und macht sie so noch heiliger.
Er hat viel mehr vom Tod, weshalb oft die Erektionen versagen und die Feuchtigkeit nach Sekunden verschwindet. Nur die Erotik, di immer auf der Suche nach einer Kontinuitätist, auf welche Weise auch immer, kann mit ihrem Aufbringen eines dauerhaften Fortlaufszumindest als Erlebenden schaurigen Tod überwinden. Und die Verausgabung großartig machen.
Ich mache mir dennoch Sorgen. Und ich mache mir um Dein Auge mehr Sorgen als Du. Meine Meisterin der Verausgabung.
Es wäre ohne Schmerzmittel nicht gegangen. Und als ich lesen versuchte, tränte und schmerzte es und ich musste noch eines nehmen.
Im Hintergrund höre ich die Kinder johlen, auch wenn die Noise-Reduction Deiner Ohrhöhrer großartig wirkt.
Wie sieht es aus?
Es ist mittlweile blutig rot. Ich habe für morgen schon einer Augenarzt-Termin organisiert. Schneller geht es nicht. Und die Klinik hat bei meinem Anruf abgewunken. "Nicht zuständig", war die klare Botschaft.
Nein, Vernichtung ist nicht freundlich. Aber unser Hunger aufeinander und dieser andere Hunger, diese Freude an den Kindern, hilft selbst jetzt.
Tim ist großartig, er hat schon verstanden, dass etwas nicht passt. Er kann so gut seine Anteilnahme zeigen.
Ich blicke zu meinem Nachbarn hinüber. Monsieur Bataille begleitet mich heute auch am Weg in die Schwarzau.
Und wie bringen wir nun das in all dem unter, guter Mann?
1000Küsse648nach
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Bataille Session, 28. Juli 2026
23.00/04.20, C. - Ich bin glücklich.
Ich habe nicht den Eindruck, dass Du es merkst. Durch das Telefon ist bei Dir vor allem Wind zu hören; wo seid Ihr gerade?, frage ich nach. Auf der Terrasse, antwortest Du, damit die Jungs vor dem Abend noch einmal nach draußen kommen. Schreien und Gelächter im Hintergrund.
Leider bin ich jetzt gleich da, also in Lannach.
Ja, der Papa ist gleich da, erklärst Du Ezra oder Tim, von denen ein Ada Ada (Papa, Papa) zu hören ist und von denen zumindest einer Dich bedrängt. Er ist gleich in Lannach.
Telefonieren wir besser, wenn ich zur Ärztin weiterfahre.
Das ist gut, Kuss.
KussKussKuss.
Die Jungs lassen immer weniger Platz für Telefonate. Glücklich bin ich trotzdem.
Ich freue mich für Dich.
Ich fahre von Lankowitz immer über eine kleine Landstraße nach Lannach; über eine, die durch Felder und durch alle möglichen kleinen Ortschaften bringt. Eine Schlängelstraße also, die etwas Fröhlich-Abenteuerliches hat. Grade führt sie links am Wald entlang, aber gleich da vorne wird sie plötzlich nach noch weiter links knicken und großzügig durch großzügige Feldanlagen führen; ich kann es an dieser Stelle schon sehen. Das bringt ein Moment von Weite auf, das ich genieße und das mich dem Straßenverlauf als Akt des Geschehens (mit dem diese Weite korreliert) still Danke sagen lässt. Womit wir aber in semiotischem Touch sind:
Ich streife als Symbol-Struktur, die ich in einem Bezugs-Geschehen (also überall) auch bin, die Straße. Und diese (für die das gleiche gilt) streift als Symbol und folglich mit ihrem Gehalt mich.
Ihr Gehalt (das Schlängeln, die Weite) überlappt sich in der Folge mit meinem Gehalt (dem Glücklich-Sein) und umgekehrt - was man üblicherweise auch Verstehen nennt. Für das es also weniger Bewusstsein als Symbole in Bezug braucht. Weshalb dann auch die Straße mich verstehen und auf mich reagieren kann - und nicht nur ich auf die Bewegung der Straße. Ich freue mich für Dich kann ich deshalb transkripieren als die Straße mich zu verstehen beginnt...
Semiotik radikal gedacht.
Oder einfach: Poesie eines semiotischen Universums.
Willst Du auch wissen, warum ich glücklich bin?
Aus den weiten Feldern werden jetzt Mais-Äcker, die wie Wände links und rechts der Straße laufen. Fettes, sattes grün.
Nur zu, transkripiert es.
Weil ich ein Mensch der Fruchtbarkeit geworden bin. Ich kann sie mit einem Mal so herrlich wahrnehmen, und dann wird Leben so wunderbar einfach. Man entfaltet Fruchtbarkeit, man lebt sie und sie lebt in denen weiter, die so entstanden sind. Und das, dieses sich Nach-vor-Verausgaben, reicht; alles andere - Himmelreiche, Erdenreiche, Techno-Reiche - sind nur ein unnötiger Krampf. Ich bin jetzt Krampf-befreit.
Die grünen Wände enden nicht; lediglich die Straße wird immer kurviger. Nur langsam komme ich durch so viel fettes, nach oben drängendes Leben.
Und was machst Du anders?, transkripiert es weiter.
Ich erzähle Geschichten. Manchmal auch eigenartige, wie diese hier. So wird Leben offen und zugleich fein und verstehend. Wer erzählt ist immer im Sinn und der ist kraftvoller als die größte Gier, die größte Wut oder die größte Angst. Bei mir zumindest.
Ein Radfahrer bremst mich nun gänzlich herunter. Der Mais verstellt jede Sicht; ich kann nicht überholen. Ich rolle jetzt bloß noch durch das Grüne Dicht. Dessen feuchtes Dampfen kommt dabei bis ins Auto.
Und weiter?
Ich kann erzählen, wie Dane vor mir liegt und wie sich Ezra und Tim auf sie werfen. Ich kann von den Blauen Flecken erzählen, die sie davon hat; von der Verausgabung von Leben, die sich da zeigt; vom verausgabenden Fleisch, das damit aufkommt. Und ich kann damit einen verausgabenden, fleischlichen Sex die Bühne betreten lassen. Oder auch damit, dass Dane vor mir liegt und ihre Schenkel auseinander klappen, immer weiter aufgehen und in mir ein Pulsieren einsetzt. Der Sex steht dann in der Textur und steht nur für sich, ohne gleich Motor für ein folgendes Bezugs-Geschehen, ein Miteinander oder für Geschichten dieses Miteinanders zu sein. Zu denen er früher oder später aber doch wird. Doch vorerst steht er einfach für sich und ES pulsiert und der ganze Text beginnt mit ihm zu pulsieren. Genauso steht er dann aber auch im Leben, auf das die Textur zurückwirkt. Als große Verausgabung gesellt er sich zwischen die Schenkel; als große Fruchtbarkeit, die aber auch von all den Geschichten lebt, die dann erst kommen. Und so pulsiert ES auch da und ist zugleich voller Sinn.
Mais riecht immer ein wenig nach Samen, wenn man mitten im Feld steht. Wenn man sich durch ihm einen Weg bahnt wie ein Schwimmer, der vorsichtig die Reihen zur Seite drückt. Hier ist der Geruch nicht ganz so stark, aber er ist doch da. Nach der nächsten Kurve komme ich endlich an dem Radfahrer vorüber.
Wieso hast Du alles vergessen gehabt? Wieso ist Dir dieses pulsierende und zugleich vor Sinn strotzende Leben entfallen? Und wieso auch ein Schreiben, das so lustvoll und gierig ist? Eine nächste Transkription.
Das vestehe ich jetzt nicht....
Du bist doch zwischen Maisfeldern aufgewachsen. Wieso hast Du auf den Dampf, auf die einnehmenden Gerüche, auf die große Fruchtbarkeit vergessen; auf die Lust Deiner Jugend, die auch mit den Feldern zusammenhing und in die Texte wucherte und von diesen wieder in das Leben retour?
Wahrscheinlich, weil ich sie nie verstanden habe. Wahrscheinlich, weil man dazu zuerst das Erzählen leben und sich auf die Kunst verstehen muss, zwar alles zu symbolisieren, aber Symbole manchmal in ihrer Erstheit, in ihrer Qualität stehen zu lassen. Eine Kunst, auf die sich im Übrigen Bataille nicht verstand. Genau das fehlt ihm immer wieder. Aber das interessiert Dich nun wahrscheinlich endlich nicht.
In Lannach ist dann alles betriebsam. Ein Kreisverkehr folgt auf den nächsten; technische Welten organisieren sich selbst. Ihr seid wahrscheinlich noch auf der Terrasse. Dort ist zwar kein Mais, aber wenigstens Wind.
In dem werde ich Euch das alles einmal erzählen, Jungs.
1000Küsse647nach
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Bataille Session, 27. Juli 2026
23.30/04.20, C. - Dane liegt auf dem Boden, ich liege auch auf dem Boden, alle vier liegen wir auf dem Boden. Ziemlich genau in der Mitte des großen Raumes mit dem vielen Glas und dem vielen Licht. Irgendwie sind wir hier gelandet, nachdem wir vom Spielplatz zurück gekommen sind. Also gerade eben erst; vor vielleicht 10 Minuten.
AUU!
Vor allem liegen wir beide; Ezra und Tim tun das nicht: Rennen, Bücher holen; Benni, der Zahnputzbär, er steht seit Tagen hoch im Kurs; sich mit dem Buch auf Dich drauffallen lassen.
AUUUU! Wieso müsst Ihr mir immer weh tun?!!
Ez hat sich grade auf Dich draufgeschmissen. Er lacht begeistert.
Kein Wunder, dass ich so viele blaue Flecken habe.
Du hast tatsächlich viele blaue Flecken. Ich kann sie gerade deutlich sehen und begutachten. Weil Du in einer kurzen Hose und einem noch kürzeren Top vor mir liegst. Mit Beinen, an denen die Füße aneinander stoßen, die aber sonst aufgeklappt zur Seite fallen. Und mit einem Oberkörper, der mitsamt dem Kopf leicht nach links gedreht ist. So, als ob Du schlafen wolltest. Wahrscheinlich würdest Du auch einschlafen, wenn nicht Ezra nun auf Dir gelandet wäre, mit irgendeinem Buch in der Hand. Und jetzt Deine Aktivität fordern würde. Denn Du wirkst erschöpft. Du bist es auch.
Ich bleibe mit meiner Aufmerksamkeit dennoch bei Deinen blauen Flecken. An einem Oberschenkel leuchtet einer fast schon schwarz; im sichtbaren Hüft-Bereich ein weiterer auch; und die Unterschenkel sind getupft mit irgendwelchen Spuren von Sprüngen, Remplern und mehr.
Du bist gezeichnet.
Bis hinunter zu den Fersen, deren Haut verhärtet und eingerissen ist. Zwei Jungs produzieren Gewicht; schon seit der Schwangerschaft zermahlen sie Dir die Füße zusammen mit deren Haut.
Was Dir aber nichts von Deiner Attraktivität nimmt, im Gegenteil.
Natürlich sage ich das nicht laut; es würde in dem Gejohle untergehen, das jetzt läuft. Nachdem sich Tim auch noch auf Dich draufgeworfen hat. Und ebenfalls begeistert lacht. Tatsächlich bewegen mich Deine blauen Flecken und Deine geschundenen Füße nicht weniger als Dein Gleiten durch das 80. Stockwerk, von dem in den letzten Tagen so viel dir Rede war.
DAS HIER ist auch Verausgabung; Verausgabung des Leibes, Verausgabung des Sexus; und diese Verausgabung ist nicht nur Möglichkeit, Ankündigung, Spiel, sondern eine ganz reale. Jeder blaue Fleck, jeder Riss in der Ferse erzählt noch einmal die Geschichte eines mächtigen Bauches, einer Niederkunft und eines kraftvollen Heranwachsens zweier kleiner Männer; jedes Moment von Erschöpfung hat so auch etwas zutiefst Sexuelles. Nicht im Sinne einer Sexualität, die ihre Lust am Verbot, im Sensation-Seeking oder in der Rettung vor der Bedürftigkeit und dem mäßig verstandenen Trieb-Druck findet, sondern entsprechend einer, die begriffen hat, dass Sexualität etwas mit Verausgabung zu tun hat. Weil es letztlich immer um Fruchtbarkeit geht und Fruchtbarkeit Verausgabung ist. Für den Mann gleich unübersehbar, weil er sein Sperma verausgabt und auch verausgaben will; für die Frau ein wenig verdeckter, weil ihre Verausgabung erst greifbar wird, wenn sie sich zumindest verdoppelt und sich so gleichsam selber ein Stück weit aufgibt. Was ihre Verausgabung umso radikaler macht.
Was genau hat sich an meinem Körper verändert?
Die Kinder schlafen mittlerweile und wir liegen schon wieder am Boden; nur diesmal nackt und alleine.
Ich muss herum überlegen, um so schnell die richtigen Worte zu finden, und ich finde sie dennoch nicht.
Dein Bauch ist jetzt als Bauch präsent, sage ich schließlich.
Dein Bauch und Dein ganzer Leib überhaupt sind jetzt Verausgabung hätte ich besser sagen müssen, und damit dauerhaft sexuell. Sexuell eben im Sinne der herrlichen Verschwendung, die Leben ausmacht.
Noch dazu hat dieses Sexuelle nun einen Eigenwert, der ruhig eine Präsenz haben darf. Der sich, wie er hier das gerade tut, hereinmischen soll in die Geschichten, die wir erzählen und die wir am Ende sind. Statt dem Gespräch als eigentlichem Bezugs-Ereignis die Bühne zu überlassen; als dem Austragungsort eines nur anfänglich Sexuellen, das sich dann aber - unter Aufbringung einer intimen Körperlichkeit, die jedoch nur Supplement zum Gespräch ist - eigentlich in dieses Gespräch transformiert. Und so den Sex letzlich als Sex aufgibt und löscht.
Das ist jetzt auch vorbei und anders, hätte ich auch sagen müssen, aber schon längst ist es dafür nicht mehr der richtige Zeitpunkt. Und ich hoffe zudem, dass Du es ohnedies weißt, weil das so viel Platz in unseren Debatten neuerdings hat; der Sex, der als für sich stehende Qualität in das Erzählen kommt und ihm eine neue Lebendigkeit gibt, es auflädt und sich dabei selber wieder verändert; erst in dieser Bewegung dann wirklich als Verausgabung fassbar wird.
Damit ist der ganze Lebensvollzug schon ein Sexuelles, hast Du mir vor ein paar Tagen in diesem Zusammenhang einmal geschrieben, weil er damit zutiefst lebendig wird.
Unserer auf jeden Fall, aber wahrscheinlich gilt das für jeden gelingenden Lebensvollzug überhaupt, der sich nicht in kompensatorische Hysterien und Narzissmen flüchten muss. Was immer auch passiert, wenn es ein Abgeschnitten-Sein von der Fruchtbarkeit und ihrer begeisternden Verausgabung gibt. Weil stattdessen Angst regiert oder was auch immer, weil die Kraft und Schönheit der Verausgabung nicht mehr wahrgenommen und schon gar nicht gelebt wird.
Du gehst schlafen und gemeinsam heben wir Ezra und Tim von ihren Kinderbetten ins Elternbett. Ich gehe jetzt noch einmal an den Tisch zurück und muss noch einmal zu Bataille greifen. Gerade wird im Obszönen Werk ein Priester buchstäblich sexuell getötet, im und mit dem Orgasmus hingerichtet, und immer wilder vermischen sich auf jeder Seite Sex und Tod.
Wie, Monsieur, kann sich Ihnen die Erotik der Fruchtbarkeit so entziehen? Dass Sie diese absurde Sex-Tod-Erotik bemühen müssen?
Wahrscheinlich ist das der eigentliche Triumpf der Religionen; dass sie zur Ausübung ihrer metaphysischen Macht den Menschen um sein Ureigenstes bringen.
Auch Sie, Monsieur.
1000Küsse646nach
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Bataille Session, 24. Juli 2026
23.15/04.20, C. - Tickets only steht groß und deutlich über der Spur. Ich bin an der Mautstelle Bosrucktunnel.
Der RangeRover mit holländischem Kennzeichen schneidet seitlich von rechts herein. Ich muss scharf herunterbremsen. Sein Kennzeichen erscheint links auf der Anzeige-Tafel. Es leuchtet rot. Was heißt, dass er kein Ticket für diese Spur hat.
Worauf er aber offensichtlich scheißt.
Der Move beschwingt ihn nämlich. Er drängelt noch mehr; zieht rasch von rechts nach links und wieder zurück; wie ein Renn-Rookie bei seinem erst 5. Start.
Auf einer ausländischen Autobahn ist man eben immer Gott.
Wie ein Henker beschleunigt er dann weg, sobald die letzten Mauthäuschen und Schikanen passiert sind. Das Wegrasen toucht mich; als Handlungs-Akt, als Bedeutungs-Akt, der wie jede andere Symbol-Struktur Gehalt produziert. Ich liebe es, transkripiert mein ständig verzeichnendes Verzeichnen; es ist einfach geil.
Du bist grade mit Ezra und Tim beschäftigt und heute mögen die beiden es nicht, wenn wir telefonieren. Dabei wäre grade viel zu besprechen. Und Bataille will ich nicht schon wieder bei mir haben. Also bleibt nur Dein Alter Ego, Charlize Haber. Sie kommt auch schnell, als ich an sie denke. Sie trägt das schwarze Kleid, das Du unlängst im 80. Stockwerk abgestreifst hast: Kurz, viel Haut; nur zwei dünne Träger halten es auf den Schultern. Wobei der eine Träger ohnedies fortlaufend nach unten rutscht. Weshalb Charlize fast fortlaufend an ihm zieht
War das grade Aggression oder Lust?
Lust. Eine Lust, die aus der Überschreitung kommt.
Charlize ist gleich schnell wie Du. Natürlich; mittlerweile bist es ja auch Du.
Nicht mein Ding. Ich habe das nie ganz kapiert.
Was?
Warum Lust manchmal ein Taboo braucht, das sie überschreiten muss, um sein zu können.
Du bist auch kein Hysteriker.
Soll heißen?
Es ist eine hysterische Bewegung, ein Verbot zu benötigen, um an die Lust zu kommen.
Was wohl nicht falsch ist. Ich greife Dich immer gerne an, ganz ohne Taboo, und würdest Du jetzt tatsächlich neben mir sitzen, hätte ich schon lange hingegriffen. Weil ich Dich wahrnehme und Du mich in und mit einer ersten Qualiät erreichst, die seit Ezra und Tim etwas von einer Verausgabung des Leibes an das Leben, an ein Nächstes hat. An ein Sexuelles, aus dem dieses Nächste kommt.
Hysteriker:innen nehmen aber bekanntlich nicht wahr.
Es ist praktisch; ich muss nicht laut denken, damit Charlize mich hört. Ich brauche bloß zu denken. Und auf den Verkehr zu achten. Der läuft unterhalb von Liezen rund, Auch wenn noch unzählige andere holländische und deutsche Wägen nach Süden drängen.
Hysteriker:innen denken primär und ringen mit im Denken angesiedelten Verboten. Weshalb es so richtig lustvoll erst wird, wenn ein Verbot und eine Überschreitung dieses Verbots im Spiel sind.
Ich kann das nur glauben; erlebt habe ich das tatsächlich mein ganzes Leben noch nicht. Aber schon oft gehört, dass es so ist. Dass es sich beim richtig Geilen um den Bruch des Taboos handelt. Was jedoch verständlich wird, wenn man bedenkt, dass das autoritäre Wort dominiert und man erst einmal an diesem vorbei muss, damit sich die Lust oder sonst etwas Gespürtes einstellt.
Sind Sie nicht einfach ein Hysteriker, Monsieurt Bataille?
Jetzt muss ich ihn doch erst wieder herholen.
Gerade hatte ich ihn ja auch noch gehört gehabt; vor dem Tunnel. Der Heilige Eros. Gleich zu Beginn wird in diesem zentralen Werk weit ausgeholt und die Erotik mit dem Tod und dem Taboo gekoppelt. Sex ist nicht einfach entspannte, schöne Fortpflanzung. Und zwar deshalb nicht, weil uns in diesem das Sterben bewusst wird; die Diskontinuität des Einzelwesens. Am Sex sehen wir auch, dass der Preis der Kontinuität des menschlich Lebendigen eben genau diese Diskontinuität der Einzelnen ist. Weil die bestehen muss, damit es die genetisch effiziente sexuelle Fortpflanzung geben kann. Deshalb wird der Sex auch tabuisiert, weil er den Tod so präsent macht. Und deshalb kommt die Erotik hinzu; als das, was das Taboo bricht und auch brechen kann. Und so den Tod aushaltbar macht, überlagert. Weshalb jedoch Erotik und Taboo-Buch generell zusammen gehören; Erotik und Lust erst überhaupt aufkommen, wo ein Taboo gebrochen wird.
Eine schöne metaphysische Erklärung für etwas, wo es in Wirklichkeit nur um Hysterie geht, findest Du nicht?
Ich sage das zu Bataille, aber ich sage es in erster Linie zu Charlize und damit zu Dir; und ich kann nichts anderes, als das zu sagen. Weil ich gerade auch durch den Sex, der sich in das Schreiben einer Geschichte von Miteinander und Bezug eingeflochten hat, immer mehr in die Verausgabung komme; in die Verschwendung an die nächste Generation. Und die ist gut und der Tod ist belanglos und das Letzte, was diese Verausgabung und dieser ganze Gestus braucht, ist ein Taboo.
Ich gehe da mit, sagt Charlize, sagst Du, der die Träger des schwarzen Kleides durch die feine Vibration des Wagens nun auf beiden Seiten nach unten gerutscht sind.
Ezra und Tim produzieren aber auch fortlaufend Überschreitungen. Denk', wie oft sie trotz Verbots die Sesseln und die Bank zur Küchenzeile oder zum großen Buchregal schieben.
Die Träger rutschen noch weiter nach unten, während Du das sagst. Nur die Brüste halten das Kleid noch am Oberkörper. Schon wieder: herrliche Verausgabung.
Gut, dass Du das sagst. Denn daran kann man sehen, worum es bei solchen Überschreitungen auch gehen kann.
Tatsächlich ist Ezra in der Regel hartnäckiger als Tim. Wenn man den Kleineren lange genug ermahnt und eine gewisse Schärfe in die Stimme legt, hört er mit dem Verschieben des Mobiliars auf. Unlängst hat Timmi sogar selbständig die schon angeschobene Bank wieder in ihre Ursprungsposition gebracht. Ezra hingegen hört nicht auf; er grinst stattdessen seltsam ungläubig und zugleich herausfordernd selbstsicher und streift mich so mit einem Acting, das sich in mir als ein Wieso denn nicht? Ich tue doch nur transkripiert.
Und zwar? Worum geht es "auch"?
Um das Offenhalten der Verausgabung. Dafür ist die Überschreitung da. Ja, eigentlich NUR dafür.
Ich lasse Charlize und Bataille und die ganze Autobahn mit ihren holländischen und deutschen Fahrzeugen hinter mir, lasse Dein Kleid ganz nach unten rutschen und gehe mit Dir wieder in das 80. Stockwert; in dem Haus, das es nicht gibt; in der Stadt, die es nicht gibt.
Wieder ist da gleißende Sonne; wieder eine Nacktheit, die in dieser Sonne unsichtbar und zugleich überdeutlich wird. Du gehst einfach, ich mag das Anonyme, das Gleiten zwischen den Stockwerken, wie Du schon anmerktest, und ich folge Deinem nackten Schritt. Der ist fest und streunend, und das reicht, damit feine Erregung sich breit macht.
Mit dem Bild des 80. Stockwerks wird es noch pornografischer, hast Du letzte Woche gesagt.
Mit Deinem Bewegen passiert das. Weil es mit seiner Nacktheit und Festigkeit und in seinem Streunen etwas Überschreitendes hat; die Illegitimität des Stockwerk-Wechsels aufbringt, aber so auch die Verausgabung offenhält. Als unendliches Fließen nach vor, nach links, nach rechts, nach allen Seiten. Ein exzessiver, pornografischer Rest, der herausfordernd selbstsicher ein stilles Ich tue nur spricht. Und allein damit schon erregt.
Vermutlich ist das, dieses subtile Offenhalten der - sexuellen - Verausgabung, die erste Qualiät, mit der wir uns immer schon erreichen, schreibe ich Dir zu Mittag schnell in den Messenger hinein. Eine Vergeudung, die sich dann mächtig in eine Liebe aus Erzählen einfügen kann. Bis dann alles nur noch Verschwendung ist. OHNE offengehaltene Verausgabung, ohne deren generelles Offenhalten, das so wunderbar über den Sex geschieht, wird das aber nicht.
Ezra und Tim sind natürliche Verschwender, kommt mir dann in den Sinn, als ich die Message schon losgeschickt habe; noch nicht des Sexuellen, aber des Lebens und Tuns überhaupt. Ezra noch mehr als sein zwei Minuten jüngerer Bruder.
Weit wird der Weg, Jungs, bis daraus die verschwendende Liebe wird.
1000Küsse643nach
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Bataille Session, 23. Juli 2026
23.10/03.40, C. - So gut....
Du magst, was ich über unseren Sex geschrieben habe. Ich mag es auch. Weil es wir sind und weil es eine andere Lebensform beschreibt. Eine des Erzählens und des dabei Verausgabens, bis alles in Schönheit und Liebe blüht. Und sich im Sex weiterverausgabt. Weil der den Schwung des Erzählens aufgreift und zugleich die eigene Verausgabung mitbringt und sich beides aufaddiert und zu einer schönen, lustvollen, geilen Verausgabung wird, die sich nach vor verschenkt. Als Eröffner der Nächsten, Nachfolgenden, um die es dann immer eigentlich geht.
Ich merke die feine Erregung, die das in Dir produziert. Selbst durch die kleine Nachricht kommt sie hindurch, die mich am Tisch hier von Dir aus dem Bett drüben erreicht.
So gut....
Mich erregt das auch, doch es bleibt gerade nur, sich über diese Erregung zu erfreuen. Ezra und Tim haben sich schon längst an Dich gepresst; ihnen gehören Deine Arme und die Nacht.
Ich versuche erst gar nicht, DAS ALLES dem jungen Mann zu vermitteln. Oder sonst jemandem aus der Gruppe. Aber ich probiere es doch.
Ihr Sensation-Seeking können Sie nur mit einem...sagen wir: echten Interesse übersteigen. Oder mit einer Beziehung, in der es um ..... ja: Liebe geht. Um eine Liebe, die flasht. Und mit ihr der Sex.
Nieee! Gibt es nicht! Spätestens wenn ich mir etwas einwerfe, spinnt sie...
Vielleicht brauchen Sie sich dann nichts mehr einzuwerfen.
So läuft das nicht, das wissen Sie! Es ist einfach zu fade...
Wenn es echt flasht, ist es nicht fade. Das ist der Punkt.
Nieee! Gibt es nicht!
Der Normalzustand der heutigen Welt. Schau ihn Dir an, raune ich Dir deshalb ins semiotische Feld zu, und selbst wenn ich Dich jetzt nicht erreiche, weiß ich, dass Du mich gut verstehst. So lebt das Konsum-Subjekt, lass' ich Dich folglich antworten; es perfektioniert und verabsolutiert, was immer schon im Menschen steckt.
Ich mag noch nicht schlafen und hole deshalb Monsieur Bataille an meine Seite.
Ich gehöre dort nicht dazu, das war schon immer so, sage ich zu ihm. Bei mir gibt es eine eigenartige Schönheit der Geilheit, die idealerweise zu einer Geilheit der Schönheit wird. Was aber nicht immer so sein muss. Auch wenn ich mich in letzter Zeit sehr darum bemühe. Endlich, nach Jahrzehnten des Aufschubs.
Er sagt nichts, zieht aber, trotz seiner Form- und Ortlosigkeit, eine Taschenbuch-Ausgabe des Obszönen Werks aus der Brust-Tasche seines Sakkos.
Anderen mag das Universum anständig erscheinen, hebt er schließlich an; den anständigen Leuten erscheint es anständig, weil sie kastrierte Augen haben. Darum fürchten sie die Obszönität. .... Gemeinhin schätzt man die Fleischeslust unter der Bedingung, dass sie fade sei. .... Ich machte mir nichts aus dem, was man Fleischeslust nennt, weil sie in der Tat fade ist. Ich liebte das, was man für schmutzig hält,
Bataille hält inne und schaut mich an. Ich schaue zurück und sage was; auch, weil ich wohl etwas sagen soll.
Ich verstehe schon; IHRE Verweigerung an diese verzweifelten Menschen, die nicht aus dem Bezug zu anderen bekommen als die Notwendigkeit einer ewigen Steigerung der Dosis, welcher auch immer. Oder der Frequenz des Neuen. Was nur eine andere Art der Dosis-Steigerung ist. Und weiter?
Ohne sonst etwas zu sagen, setzt er wieder an:
Die übliche Ausschweifung hingegen konnte mich nicht befriedigen, beschmutzt sie doch nur die Ausschweifung selbst und lässt auf alle Fälle eine erhabene und untadelig reine Wesenheit unberührt. Die Ausschweifung, die ich kenne, beschmutzt nicht nur meinen Körper und meine Gedanken, sondern alles, was ich mir dabei vorstellen kann, und vor allem das gestirnte Universum- - - -
Ich verstehe noch immer, was er meint. Das Konsum-Subjekt bleibt in seinem Exzess bieder (und unglücklich), egal wieviel Koks im Spiel ist und wieviele Prostituierte es dabei besteigt. Solange es dann wieder, wie sagte der junge Mann heute in der Gruppe?, am Morgen doch brav neben seiner langweiligen Frau munter wird.
Wieso muss es aber deshalb immer schmutzig sein? So brachial dreckig bis in den Ekel hinein?
Kennen Sie einen anderen Weg?, hält mir Monsieur Bataille umgehend entgegen.
Im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es es nicht gibt, schreitet Dane den weißen Boden entlang. Stolz, klar, nicht zu schnell. Heute leuchtet es hier heroben so grell, dass ihre Nacktheit fast verschwindet; dass der Raum fast verschwindet und nur eine Lichtgestalt, ein Schreiten über bleibt. Und das ist auch fest und streunend, und vielleicht bewegt es sich nicht im 80., sondern schon im 81. Stock; im Fremden, im Überraschenden, fast Illegitimen, wo man ihm nur durch das immer grellere, blendende Licht wie einer unscharfen, aber anziehende Fährte folgen kann.
Feine Erregung und Schönheit kommen auf, als ich den Duft dieses Schreitens, dieses Schrittes schließlich einhole.
1000Küsse642nach
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Bataille Session, 22. Juli 2026
23.00/04.20, C. - Schreib' über unseren Sex.
Vorsichtig gleitet Dane von mir herunter. Ich atme noch schwer.
Schreib', wie er sich entwickelt hat.
Du setzt Dich im Schneidersitz neben mich. Ich mag es, wie sich Deine Schenkel dabei übereinander falten und sich kraftvoll spannen. Ich streiche mit meiner Rechten über die feste Haut.
Schreib' wie er war und wie er durch die Kinder geworden ist. --
Im Hotel in Linz liegen wir gleich unter der Nike von Samothrake, die am Dach oben steht. Die junge Nymphe in meinen Armen kann genießen und ich, ein entspannter Marsyas, genieße mit. Es passt etwas fundamental zwischen uns beiden; Sex ist Weiterreden mit anderen Mitteln, sage ich, und Wir sind ein Gespräch fügst Du, Hölderlin zitierend, hinzu. Zeus ist zufrieden; Lustvoller Bezug wie am Olymp; kein maßloser, projizierender Exzess wie in der Menschenwelt.
Wir ziehen nordwärts weiter. Ich habe die Thrombose überlebt; mein sexueller Körper, mein corpus sexualis, fast nicht. Unzählige zerstörte Gefäße; ich vermisse das mächtige Pulsieren und das große Fieber, das darauf folgt. Wir gehen an den portugiesischen Königshof. Dort ist Sex seit einiger Zeit zur Poetik geworden; zum grazilen Spiel der Worte, der Finger, der Leiber. Wir sind ein Gespräch, weiterhin.
Wir müssen nach Westen. Weil nun alles schon voll mit der Poetik der Zeichen ist: Alles beginnt mit Bezug. Und Bezug bedeutet, dass man im Bezogen-Sein und damit im Darstellen ist. American Semiotics; von drüben; von hinter dem dem großen Wasser. Sex wird damit komplex. Du erreichst mich wie am ersten Tag; meine fingertips auf Deiner Haut zeigen diese mich touchende erste Qualität an; und mein Davon-Berichten, von dieser Finger-Kraft, machen daraus erste Geschichten. Und die Geschichten wirken auf die fingertips und die Qualität zurück. Wir sind ein Gespräch; ein zunehmend erotisches. Und dieses Gespräch sind wir vor allem anderen.
Mächtig wächst der Bauch. Vorsichtiges Küssen, vorsichtiges Streichen; nur nichts auslösen; keine Wellen, keine Zuckungen. Viel zu wertvoll ist, was in Dir ruht. Doch die erste Qualität, Dein Mich-Erreichen, beginnt sich zu verändern. Lebenskraft sind der Bauch und die Brüste; überquellende Verausgabung will nun dargestellt sein. Wild springt deshalb der alte Marsyas wieder auf die Bühne; noch immer entspannt und doch zugleich gieriger als je zuvor. Genug Apoll geworden schreibt er nun seine Geilheit als Signatur unter das Wir sind ein Gespräch, also in die Geschichten hinein. Und technisch versiert und Technik nutzend kann er wieder Pulsieren und sich deshalb im körperlichen Echo der Erzähl-Grammatik mit der Göttin bewegen, die die Nymphe und den Königshof längst hinter sich gelassen hat. Heilige Paarung wie am Olymp; im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht, in der Stadt, die es nicht gibt. Wenn Ezra und Tim ihre Ruhe gefunden haben. Und wenn die Göttin streift; frei und wie sie es will. --
Bataille hört nur zu.
Von der Erotik ist es möglich zu sagen, dass sie die Bejahung des Lebens bis in den Tod ist, erklärt er dann.
Noch nie waren wir so viel Leben, noch nie waren wir so befreit wie jetzt; in der Zeit der Verausgabung; in der Zeit der heiligen Paarung.
Es gibt keine andere Rettung der Lebenswelt als diese, oder?
Ich frage das Bataille, weil er sich am radikalsten gegen die Systeme stemmt, von denen Habermas spricht und die die Lebenswelt kolonialisieren, institutionalisieren, regelmentieren. Bis alles in Algorithmen und Formalismen erstickt.
Nein. Es bleibt nur das Obszöne, Erotische, Geile; die Verausgabung, die im Sex so einfach wird. In Ihrem 80. Stockwerk; zumindest dort.
Das 80. Stockwerk verändert mich: und zwar grundlegend. Das heißt, bis in die Grund-Befindungen hinein.
Unser Befindungs-Gefüge ist wie ein Baum,sage ich zu Bataille. Auf einem Stamm wächst ein feines Laub-Dach, doch bis in jedes Blättchen wirkt die Struktur des Stammes nach. In so vielen Fällen ist die Krone nur eine Ausdifferenzierung aus Angst und Wut. Oder aus hungriger Gier, die sich für Lust und Liebe hält.
Und Ihr Stamm?
All das Schlechte, das eine hungrige Kindheit mit sich bringt. Doch wider Erwarten hat er sich doch noch gewandelt. Durch die verausgabende Erzählung. Durch die sich dann der verausgabende Sex zieht.
Von der Erotik ist es möglich zu sagen, dass sie die Bejahung des Lebens bis in den Tod ist, wiederholt Bataille nur.
Schreib' über unseren Sex. Schreib' wie er war und wie er durch die Kinder geworden ist.
Ich schreibe darüber. Und über die Lebenswelt, die wir so retten. Oder auch erst schaffen. Über die andere Lebensform, die wir so eröffnen.
Weil der Stamm dann Liebe ist; mitten im wilden Wald, im Gestrüpp aus Angst und Hass. Das in Systemen und Technologien und Zivilisationen seinen Ausdruck findet. Und dabei, bis zur Vernichtung von allem, die Welt überwuchert.
1000Küsse641nach
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Bataille Session, 21. Juli 2026
22.00/04.30, C. - Du verausgabst Dich schon wieder. Wahrscheinlich verschwendest Du Dich sogar.
Tim schreit wie am Spieß in seinem flachen Kinderbett. Und Ezra schreit in seinem.
Ein zu langer Tag. Und ein viel zu kurzer Mittagsschlaf.
Die beiden Betten stehen im rechten Winkel zu einander vor unserem großen. Jetzt ist gefordert, dass Du Dich zweiteilst. Ez hat sich schon an Deine Linke geklammert, und irgendwie wäre es passend, wenn Timmi Deine Rechte bekommen könnte.
Ich will nicht, dass Tim ohne Hand von mir einschläft.
Ich verstehe es undeutlich unter all dem Geschrei.
Irgendwie kniest Du jetzt in Ezras Bett. Und irgendwie hockst Du zugleich in diesem. Schließlich breitest Du so weit wie möglich die Arme aus. Bis beide Jungs gut nach Dir fassen können.
So sind wohl die Engel in die Welt gekommen.
Oder einfach die Gaben.
Gaben sind immer Verausgabungen, Verschwendungen. Weil Du Dich gerade an unsere Söhne gibst, gibst Du Dich auch an mich. Weshalb ich nach Dir fasse, nachdem ich mich aus Timmis Bett herausgesetzt habe und Du nun vorsichtig von Ezras Matratze kletterst. Ich lange nach Deinen Händen, vielleicht auch Du nach meinen, und dann küssen wir einander schon. Und während Du aufstehst, um nach draußen und zum Duschen zu gehen,
greifen unsere Hände noch einmal nach einander, und eine feine Kühle kommt auf meine Fingerspitzen, als sie Deinen Handrücken berühren. Und ich spüre die Kraft, die aufkommt, wenn wir uns zueinander ziehen und schließlich die Zungen einander berühren. Für einen Moment lang, will ich Deiner Aufsteh-Bewegung mit der Hand folgen und sie im Entlangstreifen zwischen Deinen Schenkeln landen lassen, aber eine solche Lust gehört gerade nicht an diesen Ort. Dennoch,
alles wird im Aufgreifen und Erzählen noch umfassender, üppiger; zu einer absoluten Verschwendung, die die anfängliche Gabe begeistert ergänzt und noch einmal gibt. An Dich, an mich, an uns selber. Als Bewegung der Verausgabung, die vor allem Bewegung ist.
Nur unser Fleisch kann diese noch verschwenderischer machen.
Komm'.
Ich ziehe Dich wieder in das Haus, das es nicht gibt; in der Stadt, die es nicht gibt. Ich ziehe Dich nach oben, bis ins 80. Stockwerk, wo mehr Himmel als Stadt zu sehen ist. Ich ziehe Dir das kurze schwarze Kleid herunter, unter dem Du nichts trägst.
Ich lerne gerade, dass ich eigentlich nicht begehre. Begehren will Befriedigung, Beruhigung. Ich will aber Verausgabung, Verschwendung. Deshalb mischt sich der Sex jetzt noch einmal gewaltig in unser Leben.
Du antwortest nicht. Aber Du entkleidest mich mit zwei Handgriffen und ziehst mich auf den blanken weißen Boden aus Stein hinunter. Wir beginnen uns zu bewegen.
Er ist die lebendigste Verausgabung, die lebendigste Bewegung, flüsterst Du mir noch zu, bevor es unpassend wird. Aber er kann das nur dort sein, wo man ihn das auch sein lässt....
...also in der Liebe, die mit der Erzählung erst sich selber findet, ergänzt mein ständig verzeichnendes Verzeichnen stimmlos hinzu; sogar jetzt. Also mit der Bewegung der absoluten Verschwendung. An die schmiegt sich dann der Sex, und gemeinsam sind sie Verausgabung und Verschwendung pur.
So wie wir jetzt.
Nichts ist mehr außer Glück.
Warum bringt sich der Mensch immer wieder um dieses Glück, Monsieur Bataille?
ER lebt auch hier heroben; im 80. Stockwerk, in dem Haus das es nicht gibt, in der Stadt die es nicht gibt. Er ist überall; im Stein des Bodens; in der Helligkeit des Lichts; in der Atmosphäre, die nach Sex schmeckt.
Weil die Menschen die Verausgabung nicht erkennen und verstehen.
Und was sind die Verausgabung und die Verschwendung?
Das Leben.
Ich weiß, dass er recht hat. Oder dass ich recht habe. Leben ist Verschwenden an eine nächste Generation, und wo man das erst verstanden hat, wird auch der Sex grandios. Er ist dann eine geile Bewegung zwischen den Zeiten; er ist dann das Leben, der das Leben weitergibt. Und jeder Orgasmus ist die Ankündigung des Endes dieser Weitergabe. Das dann eines Tages allerdings nichts mehr macht, wenn Leben bloß Verschwendung an die nächste Generation ist.
Warum bringt sich der Mensch aber um das alles, um so eine Lebensform? Warum bringt er sich um das Verständnis der Verschwendung?
Nicht alle Menschen bringen sich darum, antwortet ER. Oder SEIN 80. Stockwerk, mit diese Atmosphäre, die nach Sex schmeckt. Nach geiler Bewegung zwischen den Zeiten.
Nur der Metaphysische Mensch tut das. Weil man ihm das gestrichen hat. Damit er vergesellschaftet funktioniert. Sex als Leben, Sex als Zeit, Zeit als Sex braucht keine Gesellschaft; es braucht dann nur die Generationen und die Verschwendung an sie. Damit lässt sich aber kein Staat machen; keine Herde organisieren; keine Politik der Macht betreiben. Was aber alles besonders jene benötigen, denen sich Leben als Verausgabung entzieht.
Du drehst Dich von mir herunter.
Wie gut Du in dieses 80. Stockwerk passt.
Einige Monate nach unserem Kennenlernen träumte ich uns hier. In dieser Atmosphäre. In dieser verschwenderischen, geilen Bewegung zwischen den Generationen. Die ich erst allmählich erkenne.
Wir sind angekommen, Heißgeliebte.
1000Küsse640nach
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Bataille Session, 20. Juli 2026
22.45/04.20, C. - Ezra klappt den Sitz im neuen Bollerwagen nach oben. Ich schiebe die beiden grade durch die Allee. Ich weiß nicht, wie er auf die Idee kommt, dass das geht. Es geht auf jedem Fall. Und er kann sich damit hinstellen und wie in einem Bus an der Wand lehnen. Nur dass die Scheibe fehlt.
Wie kommst Du nur immer auf all das?
Tim muss das natürlich auch machen, und schon stehen die beiden einander in dem länglichen Gefährt gegenüber. Jeder unter seinem Sonnendach, jeder mit dem reissfesten Oxford-Netzgewebe (Unbedingt und nur das!, wie das Amazon-Bewertungssystem weiß) im Rücken, durch das man auch nach draußen sehen könnte. Nimm unbedingt so einen mit eigenen Dächern, hattest Du gesagt gehabt; Klar, gerne, verstehe ich, hatte ich geantwortet.
Am Ende der Allee ist Hinten-Anlehnen und nur Einander-Ansehen langweilig. Tim hat als erster die Idee, sich an die lange Seitenwand des Bollerwages zu stellen und sich hinauszulehnen. So wie Zugreisende das früher an den Zugfenstern taten; früher, als Zugfenster noch zu öffnen waren. Ezra stellt sich aber gleich dazu, und weil das wirklich lustig aussieht und die beiden Jungs auch noch zu winken beginnen, gehört ihnen bald die ganze Straße.
Ihr seid solche Clowns, Jungs...
Indem ich das nicht mit einer ärgerlichen Schärfe sage, sondern dabei lache, tangiert es die beiden nicht. Sie winken begeistert weiter. Deshalb:
Tuscheln der Sitzenden beim ersten Cafe, das wir passieren;
amüsiertes Lachen an der Straßenbahnhaltestelle.
Sind diiee süß sagt eine Frau Ende 30 zu ihrem Partner und dem Rest der Familie, die im Vorgarten der Bäckerei sitzen. Ich tue so, als ob ich es nicht hören würde, grinse aber doch.
Sie sind ja auch supersüß, die beiden. Und sie wissen, ihre Performance noch zu steigern:
Vor vollem Publikum lässt Ez sich schließlich auf den Boden des Wagens fallen. Tim fällt kreischend über ihn. Und er fällt immer wieder, nachdem Ezra jedes Auf-ihn-Fallen seines Bruders mit brüllenden Gelächter quittiert.
Jungs, bitte...
Auch die Leute vor der nächsten Location lassen sich anstecken und lachen mit, als sie das Gewusle im Wagen sehen:
IIIIiiiiiii; Tim plumpst nach vorne.
Haahhaah quietscht Ezra, als sein Zwillingsbruder auf ihn fällt.
Ihr verausgabt Euch, Jungs.
Was auch hungrig macht, weshalb ich ihnen ein nächstes Stück von dem frisch gekauften Brot gebe.
Ihr seid Meister der Verausgabung. Nicht der Verschwendung, sondern der Verausgabung. Ihr verausgabt Euch mit und an den anderen.
Was ich gut kenne.
Wir sind erst ein paar Wochen zusammen. Aus nicht ganz verständlichen Gründen wächst eine Vier-Etagen-Thrombose in mir; ein paar Stunden vor dem drohenden Tod erkennt man erst, wie ernst es ist. Über eine Woche lang darf ich mich in der Klinik nicht bewegen; ich überlebe, und Du bist bei mir. Täglich. Täglich für mindestens sechs Stunden. Bei täglich wenigstens zwei Stunden Fahrt. Doch Du kommst und bringst: Nähe, Zärtlichkeit, Durchhalten. Verausgabung ohne Ende.
Und ich lasse mich mitreissen; gebe zurück, was ich kann. Liebes-Briefe. Sex-Briefe. SMS-Sex-Talk die halbe Nacht, nachdem Du wieder gefahren bist. Die Verausgabung, unserer Verausgabung, rettet mich.
Weit über ein Jahrzehnt später verausgabst Du Dich noch immer. Als ich mit den Jungs im Bollerwagen zurückkomme und die Tür aufsperre, hast Du den Sport schon hinter Dir. Gerade beugst Du Dich über den Geschirrspüler und gibst etwas hinein. Ja hallo! sagst Du begeistert, als Du uns merkst, und alles ist voll mit Kraft und Bezug, und mich trifft dann auch gleich noch Dein Sexus; so wie immer; so wie immer seit dem ersten Tag. Wo so viel Verausgabung ist, wird sie auch bei den Kindern sein.
Wissen Sie was, Monsieur Bataille?
Ich reibe mich gerade an ihm im Semiotischen Feld; auch täglich.
Ihre Ökonomie der Verausgabungist mir wahscheinlich wichtiger als all die Tränen des Eros, um die es Ihnen meist geht. Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass mit dieser Ökonomie alles anfängt.
Er bleibt heute gesichts- und formlos, bringt aber seine von mir geborgte Stimme ein.
Keine rhethorischen Bewegungen bitte; sagen Sie gleich, was Sie denken.
Bataille eben.
Am Anfang einer gelingenden Beziehung oder Begegnung steht ein diffuses Angesprochen-Seindurch eine diffuse Qualität. Irgendwie ist diese sexuell und geht dem Sexuellendoch auch vor. Ich meine, mittlerweile verstanden zu haben, dass diese Qualität eine Ankündigung der Verausgabung ist.
Ich halte kurz inne.
Auch keine rhethorischen Pausen bitte....
Gut. Zwischen einem Mann und einer Frau - ich spreche als Heterosexueller - kann es passen, weil sie einander in der Verausgabung begegnen. Weil sie einander sehen und sofort bereit sind, sich aneinander zu verausgaben. Sex ist auch Verausgabung, deshalb verfließt das ineinander, aber es geht eigentlich um die Verausgabung. In der passt man eben zueinander; sie hat die gleiche Qualität, und die kann man wahrnehmen, und so weiß man, dass es auf das verausgabende Lachen und Greifen und Reden die gleich verausgabenden Antworten geben wird. So lässt man sich aufeinander ein.
Schön. Aber sagt meine Ökonomie der Verausgabung etwas anderes?
Ich gehe auf Dich zu. Ezra und Tim haben sich schon aus dem Bollerwagen herausgearbeitet und umkreisen Dich.
Liebe ist ganz einfach, wenn sie mit der Verausgabung beginnt. Und sich dann weiter verausgabt. In der Reibung, die jeder Bezug erzeugt, und schließlich, in der Erzählung, die jede Beziehung etabliert. Besonders diese wird dann wichtig, weil in der Erzählung alles feiner und genauer wird; sich verästelt und ausbreitet und man einander eben erst und vor allem versteht. Womit eine Verausgabung in und aus Sinn hinzukommt.
Täglich verausgaben wir uns deshalb mit Zeilen und Schriften aneinander. Weil dann erst die Verausgabende Liebe zur Einnehmenden und Bestimmenden Liebe wird.
Ich kann mir das alles nur denken, während ich Dich irgendwie zwischen Ez und Timmi zu fassen versuche. Für einen Kuss, für eine Hand auf den Rücken; für Dein Greifen nach meinem Arm. Aber ich werde es Dir später erzählen, Dir es in der Nacht schreiben. Ich werde uns erzählen.
So, wie wir das immer tun.
1000Küsse639nach
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Bataille Session, 17. Juli 2026
23.15/04.30, C. - Gleich wird es eng.
Weil Ebelsberg einfach eng ist. Ein Straßendorf, das in die Stadt eingwachsen ist. Hübsche alte Bürgerhäuser auf beiden Seiten der Durchzugsstrecke; links am Hügelrest der Rest des Schlosses, das Napoleon zusammen mit dem Hügel schleifen ließ. Behauptete zumindest S., mit dem ich mich vor bald einem Jahrzehnt hier herumtrieb; in der Dorf-Enge, die speziell die Straßenbahn aufbringt. Weil sie rechts noch zwischen Straße und Häuser hineingezwängt wurde. Rasch ein Stückchen Urbanität aufs Land. Wozu auch immer.
Ich bin jetzt auf der Brücke Jetzt wird es eng.
Kein Sex-Ort für Dich.
Ich mag das städtische namenlose Bewegen, hast Du mir am Vormitag geschrieben, um die Bataille Session des Tages inhaltlich zu bestätigen. Die reine Bewegung. Ich mag das Spiel der Stockwerke, des Versteckens. Des Gleitens.
Making love not by choice but by chance heißt DAS im Letzten Tango in Paris einfach.
Ich kann mir ein solches Chancen-Spiel nur erschreiben. Wenn der Drive sich einstellt, wenn die aufflackernden fleischlichen Bilder oder Diagramme ihm eine erste Form geben, daraus ein Duuu... folgen lassen; wenn man noch einmal den Tag erzählt und zu viert mit den Jungs am Arm durch die Stadt läuft und Danes Bewegungen das Duuu.... aufsaugen; dann, dann erst, flirrt alles mit dem Drive und den Bildern und was von ihnen geblieben ist: ein atmosphärischer Gehalt, ein Beat, der da ist, wenn man dann endlich hingreift. Dann ist auch bei mir not by choice but by chance, und auch andere wittern, lesen das. Und jeder nächste Griff, jeder Touch, jedes Komm auf mich.... ist dann dieser Beat, der Rhythmus, die Bewegung.
Ich bin jetzt eingepfercht zwischen anderen Autos, einem urbanistischen Dorfleben und einer Straßenbahn, die rechts von mir dauernd aus dem Hintergrund auftauchen kann. Und das auch immer wieder tut. Überraschend und unerwartet wie es ein Viehtrieb in einer Big City Innenstadt wäre.
Mir ist der Ort egal; ich könnte mich auch hier bewegen. Alles liegt am Zusammenspiel von Drive, Bild, Erzählung, Sprache. Insofern weiß ich nicht, ob wir vom gleichen Bewegen reden.
Und ich kann Dich das auch nicht fragen, als Du jetzt anrufst.
Es geht gut mit M.; grade waren wir am Spielplatz; Ezra und Tim hatten so eine Freude mit ihr.
Ein erstes Wiedersehen nach vielen Wochen. Mit G. ist M. auf einer Art Welt-Hochzeitsreise; aufgeteilt auf Etappen und Monate und einem nach Hause kommen dazwischen.
Weißt Du, was neu ist? Dass Ezra und Timmi jetzt ohne Unterbrechung erzählen. Sie haben M. alles mögliche gezeigt und dabei auch vieles vorgezeigt; etwa, wo neuerdings die Bücher hinzustellen sind. Und alles war fortlaufend begleitet von einer Erzählung. Nur vom Klang her; es fehlen die Worte, die Vokabeln; sicher. Und auch der Sprachfluß ist wohl nur eine klangliche Simulation von grammatikalischer Bewegung. ... Aber telefonieren wir später, es geht grade nicht wirklich. Ich küsse Dich!
Ich Dich auch.
Dabei wäre telefonieren grade gut gegangen. Weil in Ebelsberg nie etwas weitergeht. Weil dauernd irgendwer die Straßenbahn kreuzen möchte und sorgfältig checkt, ob sie gerade wieder unerwartet und schnell im Dorf auftaucht.
Alles fängt mit Pornografie an, raune ich da plötzlich vor mich hin. Denn dieses nackte, Laut-förmige Nachmalen der Erzähl-Welt ist auch wieder der pornografische Gestus.
Rede keinen Blödsinn.
Charlize Haber; schon wieder. Sie hat neben mir Platz genommen. Sie denkt wir Peirce, auch wie Habermas, sieht aber mit jedem Auftreten mehr wie Du aus. Durch das weit ausgeschnittene weiße Top sehe ich Deine zarten Brüste schimmern.
Es ist umgekehrt. Pornografie wiederholt diesen anfänglichen Akt jeder Zeichen-Bildung.
Ich bin heute mehr Zuhörer und sage und kommentiere auch jetzt wieder nichts. Aber sie hat natürlich recht.
Gerade vorhin, bis zur Brücke von Ebelsberg, hatte sich Bataille wieder ausgetobt gehabt. Großartig vorgelesen ging es um Simone, die nach ihrem Fahrrad-Sturz vom jungen Bataille oder wem auch immer gepflegt wird. Zufällig landen erste Eierschalen im WC, dann ganze Eier, und dann zerrinnen letztere schon in der WC-Schüssel. Es wird auf sie gepisst, und in der Phantasie wird deshalb die vermisste und bei jedem Orgasmus pissende Marcellle auf Eier gebettet. Bis nur noch Masse über ist und alle vor Geilheit pissen und spritzen.
Siehst Du, eine erste Form-Gebung; Bilder, Diagramme für sexuelle Grund-Spannungen.
Charlize kommt jetzt in Fahrt.
Es ist wie Grammatik mit Lauten nachmachen, simulieren. Nur dass statt Lauten hier Diagramme genutzt werden; Piktogramme, die aber nicht viel mehr als Laute sind. Piktogrammische Laute, die irgendwas mit Eiern, mit Fruchtbarkeit und damit mit Sexualität zu tun haben. Wie Laute etwas mit Grammatik zu tun haben.
Ich - heute nur der Zuhörer. Und der, der auf die Bluse schielt. Und auf die Beine, die in einer kurzen Hose stecken. Daneben gibt es auch noch den Verkehr. Gerade hat sich der Abbieger zu dem gefährlichen Manöver entschieden, hinter der Straßenbahn endlich nach rechts abzubiegen.
Aber, vielleicht ist alles noch komplizierter.
Bisher hat Charlize nur nach vor gesehen. Jetzt dreht sie den Kopf zu mir und sieht mich herausfordernd an.
Was, wenn etwa Melanie Klein recht hat? Was, wenn die Entwicklung der Zeichen, der Grammatik und die des Sexuellen zusammenfallen? Wenn es gerade die Spannungen des Drive und die mit ihm verbundenen Ängste sind, an denen sich die Semiose entfaltet? Was also, wenn es im Menschen eine Co-Evolution von Sprache und Sexus gibt?
Dann sind wir ewige Pornografen, die hoffentlich auf den Weg des Erzählen kommen, auf dem dann auch die Erotik lebt.
Jetzt habe ich doch etwas gesagt. Und das muss ich Dir noch weiter sagen, aber Du bist grade mit Ezra, Tim und M. am Weg vom Spielplatz zurück in die Wohnung. Aber später dann. Oder morgen.
Klein hätte vermutlich gesagt, dass Ez und Timmi deshalb noch immer nicht reden, weil die Verarbeitung der Trieb-Angst ausbleibt. Zu der immer auch die Verlust-Angst gehört.
Vielleicht sollte ich mit den Jungs über ihre Trennungs-Ängste reden, rufe ich Charlize nach; zwecks Sprache lernen. Sie hängen nur noch auf Dane.
Not by choice but by chance höre ich Charlize antworten, während ein feines Tappen ihren Gang in ein nächstes Stockwerk verrät.
1000Küsse636nach
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Bataille Sesson, 16. Juli 2026
03.40, C. - Der Text....
Du bist unsicher. Fast verlegen. Wir liegen auf dem Kindersofa, das aus zwei Matratzen-artigen Teilen besteht. Auf jedem befindet sich eine Dreiecks-förmige Nackenrolle.
Willst Du ihn so veröffentlichen?
Schon.... Ist er zu intim?
Ich richte mich ein wenig auf und nutze die Nackenrolle als Stütze für den Rücken. Du tust das ohnedies schon die ganze Zeit.
Nicht als Literatur. Doch als Literatur gehört er in einen eigenen literarischen Konext.
Den gibt es nicht.
Dann erfinde ihn.
Ezra kommt mit seinem angefangenen Fläschen angelaufen und wirft sich auf Deine Schoß. Timmi ist dezenter und setzt sich mit seinem ans Ende meiner Füße.
Gut. Ich erfinde die Bataille Sessions.
Hier und jetzt, während wir hier liegen. Natürlich entstehen die ohnedies schon seit anderthalb Monaten, aber jetzt bekommen sie einen eigenen Namen. Und einen eigenen Ort. Ich wollte sowieso die Schauplätze der Schrift lebendiger machen. Mit einer Art Blog darauf; eine gute Gelegenheit, das jetzt zu tun.
Was ich aber nicht sage, weil das alles schneller passiert, als ich es überhaupt formulieren kann. Aber ein Thought without a Thinker hat sich damit bereits breit gemacht. Und ein anderer, konkreterer Gedanke auch:
Vor allem der Ort ist mir zu genau, hast Du gesagt.
Gut.
Im 80. Stockwerk,
In dem Haus, das es nicht gibt,
In der Stadt, die es nicht gibt,
wird ein Mädchen steh'n.
Es wird warten auf den Mann
Es wird fragen wann, endlich wann
Wird er da sein?
Die alte Knef, vor bald 20 Jahren; kurz vor dem Tod. Fast gerappt hat sie diese Zeilen; ich war damals hin und weg. Ich werde ein paar dieser Zeilen borgen und Dich und mich dort intim sein lassen. Im 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt. Ein schönes Spiel der Schrift; Symbole, die symbolischen Gehalt akzentuieren. Kein Fleisch, keine Gier. Ich freue mich darauf, den Text zu ergänzen, als ich zuerst Tim und dann Ezra in die Wanne stelle. Das tägliche Ritual jetzt; ein Standing-Wash an der laufenden Amatur. Mit Becher anfüllen und Becher ausleeren. Beide sind konzentriert und tiefenentspannt dabei. Und zeitweise gerate ich wohl in Vergessenheit. Dane auch, nach der Ez ausnahmsweise nicht gleich weinend ruft, wenn sie seine Nähe verlässt.
Jetzt ist es noch pornografischer.
Ich habe Dir die veränderten Passagen geschickt. Im 80. Stockwerk bist Du jetzt nackt und klppst die Beine auseinander.
Ich finde die Passagen schön, schreibst Du mir vom Bett an den Schreib-Tisch, aber auch noch geiler.
Echt?
Die Großstadt...
Du wirst allmählich müde; es ist nicht die Zeit für eine Debatte. Und Monsieur Bataille hat darauf wieder einmal nichts zu sagen.
Sie sind ein Großbauern-Sohn, schreibe ich ihm ins Semiotische Feld; und wenn man ganu hinsieht, bleibt ihr Begehren und Genießen immer sehr ländlich. Ich sehe das gerade richtig klar. Wir sind stets in einem Stall; auch wenn Edwarda halb nackt durch die Stadt irrt und nach Ihnen oder Ihrem Alter Ego langt, während sie sich auf dem Schoß des Taxifahrers befriedigt. Unabhängig davon, dass es Fleisch ist, das auch Fleisch sein soll, Pornografie also - es bleibt ein Stück Stall-Posse.
Draußen fangt es allmählich zu donnern an. Ein Nachtgewitter zieht auf. Aus der Dunkelheit kommt Charlize Haber auf mich zu; sie scheint sich in meinem ständig verzeichnenden Verzeichnis zu etablieren. Wortlos wie eine Figur aus einem Lynch-Film nimmt sie am Schreib-Tisch neben mir Platz.
Ich höre.
Ich hebe den Kopf nicht, als ich das sage, und tippe weiter.
Wie Du richtig festgestellt hast. "Das 80. Stockwerk, in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt" - ein schönes Spiel der Schrift. Symbole, die Symbol-Gehalt akzentuieren. Schrift-Bewegung. Wie der Blick auf den Leib, auf das Fleisch, der im Rhythmus der gemeinsamen Bewegung endet.
Schweigen. Kein Wort mehr.
Die Großstadt; das 80. Stockwerk; die Anonymität, die Löschung der Gesichter, die Möglichkeit der reinen Bewegung. Richtig?
Ich schaue dabei nicht auf.
Charlize steht auf und geht in die Dunkelheit zurück. Kurz dreht sie sich um.
As long as we're nameless our bodies are blameless.
Ein schmamloses Flüstern.
Ich kenne es; Der letzte Tango in Paris; vielleicht radikaler als Bataille; in jedem Fall aber urbaner.
Die Spur Deiner Lust trägt mich in die Nacht hinein. In Bions Love, Hate, Knowledge - Spiel gewinnt Love gerade haushoch; wie immer, seit der Sexus wieder in das Erzählen hereinwuchert und 80. Stockwerke aufbringt.
Wir sind einander nah wie nie zuvor.
Die Bataille Session wachsen und ich halte sie in kräftigem, Blut-vollen rot.
Mein Geschenk zur Nacht, meine Heißgeliebte.
1000Küsse635nach
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Bataille Session, 15. Juli 2026
23.20/04.20, C. - Unsere Unterleiber drücken sich gegeneinander. Ich habe dabei Deinen Bauch im Blick. Ezra und Tim haben ihn verändert. Er ist schlank, aber nicht mehr Stahl-gleicher Muskel. Er ist weicher, wohnlicher. Leibes-Form statt Leibes-Form-Negierung.
Du bist so was von Frau....
Du sagst nichts, doch Deine Bewegung wird intensiver.
Erfinden wir uns neu.
Dane musst ihre Beine leicht anwinkeln auf dem Lager im 80. Stockwerk in dem Haus, das es nicht gibt, in der Stadt, die es nicht gibt. Und wahrscheinlich nie geben wird. Damit sie nicht über die seidenen, kreisrunden Laken hinausstehen.
Wir haben in der unmöglichen Stadt einen Platz für uns gefunden, gibst Du mir zur Antwort. Du lässt dabei das angewinkelte linke Bein zur Seite kippen. Das unterstreicht Deine Nackheit.
Darauf wollte ich nicht hinaus.
Sondern?
Ich zögere kurz.
Wir haben uns eigentlich schon neu erfunden.
Hm?
Du liegst weiter am Rücken, stützt Dich auf Deine Ellbogen und Unterarme und hebst den Oberkörper leicht an. Damit Du den Kopf weiter zu mir nach links drehen kannst. Ich mustere wieder den Frauen-Bauch.
Es war lange Zeit sehr touchy und entladend zwischen uns. Jetzt ist Transformation. Das Gierige, Fleischige, Nackt-Pornografische, das sich zur Bewegung wandelt. Um dann vor allem Bewegung zu sein. Wie vom Piktogramm zur Schrift. Semiose, auch in der Intimität.
Du drehst den Kopf wieder nach vor, hebst dafür aber Deine linke Hand, Der Ellbogen bleibt Auflage; die Hand dreht sich zu mir und greift nach meiner Hüfte.
Die Heilige Bewegung, füge ich hinzu. Weil es tatsächlich etwas von Schreiben und Schrift und damit von Sinn-Produktion hat.
Du streckst Dich durch.
Die Große Kraft; nach der Lust, sagst Du in Deinem Strecken. Eingebettet mitten in das Erzählen, das wir sind. Das macht neu, ja.
Nur wie ein Hauch liegt Deine Hand auf meiner Haut. Ich hebe meine Rechte und streiche über den begehrenswerten Frauen-Bauch.
Es ist gut, dass Du nicht einfach Kinder zeugen kannst.
Meine Streich-Bewegung stoppt. Ich drehe meinen Kopf so weit, dass ich Dir ins Gesicht schauen kann.
Wie meinst Du?
Wir wären herrlich unvernünftig. Wir hätten viele Kinder. Und Du hättest noch unzählige aus früheren Jahren dazu.
Heiteres Lachen; von Dir, aber auch von mir. So hat man wahrscheinlich in vor-monotheistischen Zeiten gelacht, wenn es um den Sexus und das Leben ging. Vor der Zeit der reglementierenden Viehzucht und ihrem Kosmopolis-Echo der (männlichen) Weltendeuter. Die die Ordnung der Herde dann auf buchstäblich alles übertrugen.
Wieso kommen Sie nie bis zu diesem Punkt, Monsieur? Oder erreichen Sie ihn dann doch irgendwo?
Ich bin versucht, Bataille an den Tisch unter den seltsamen Konleuchter zu setzen, während wir hier fast schon im anderen Eck des Raumes liegen. Aber wer weiß, was er dann für eine Geschichte des Auge aus uns macht. Sicher irgendeine über Danes Arsch, an dem sich sein Blick festfrisst. Und ich reibe dann wahrscheinlich irgendwie an mir herum. Ich rede deshalb bloß ins Semiotische Feld. Und zögere nicht, polemisch zu werden.
Daran scheitert die ganze Moderne, Monsieur. Und die Postmoderne gleich dazu. Sie kommen in ihrer Revolte nur bis zur Pornografie und bis zum Perversen, das zeitweise seine Apotheose erfährt. Aber sie tun sich schwer mit der Bewegung, der Schrift, mit der Echten Paarung, die der wirkliche Aufschrei gegen das metaphysische Erbe ist. Keine Seele, kein ewiges Leben, nur sich verausgaben in der Großen Kraft, die zum Nächsten Leben führt. Die also den Lebensprozess weiterträgt und sich darin genügt.
Die Ökonomie der Verausgabung ist doch genau mein Thema....
Das kommt überraschend und spontan. Monsieur Bataille grinst dazu süffisant und souverän in einem.
Wie soll die aber noch wer verstehen, wenn man nicht mit den Ärschen und ihrem Triefen beginnt? Sie fangen auch mit dem Gierigen an, das sich transformiert, oder?
Wir sind mit dieser Debatte noch lange nicht fertig, ich weiß es schon jetzt. Doch wenn es ein Leben nach dem Elend des konsumatorischen Postmodernismus geben soll, dann muss es sich genau um diese Debatte entfalten. Das weiß ich auch.
Wir gehen nach drüben. Ezra und Tim schlafen noch in ihren Wippen. Du nimmst von Ez die leichte Decke, hebst ihn hoch und trägst ihn vorsichtig in das große Bett. Dann legst Du Dich zu ihm. Ich wiederhole das gleiche mit Tim, der beim Tragen einmal kurz aufquietscht.
Beide stehen jetzt schon beim Duschen selbständig in der Wanne. Sie drehen das Wasser auf und wieder ab und befüllen ihre großen Becher. Jeder leert sich den seinen über die Brust oder über die Füße. Bis zur Schulter heben klappt noch nicht.
Lassen wir sie, bis sie von selber nicht mehr wollen.
Gut, ich bin dabei.
Es wird Zeit, Jungs, sage ich dann doch nach 20 Minuten, als die begeisterte Verausgabung kein Ende findet.
1000Küsse634nach
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